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Der Untergang der Azteken

Autor:  | August 2008 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Gesehen

Tag X: Untergang der Azteken“ erzählt die Geschichte des Kampfes der spanischen Eroberer unter Hernán Cortés gegen die Mexica (Azteken) am 30. Juni 1520. Genau genommen ist der Streifen eine Bebilderung des Buches „Historia verdadera de la conquista de la Nueva España“ von Bernal Díaz del Castillo, der als Soldat zu Cortés’ Truppe gehört hatte. Diese Aufzeichnungen, so die Filmemacher, gelten als die genauesten von der Eroberung Mexikos. Aber, das soll hier angemerkt sein, sie sind die Erinnerungen eines Eroberers. Als wirklich genau kann man sie zweifelsohne nicht bezeichnen. Die Geschichte hat gezeigt, dass in späteren Jahrhunderten die westliche Brille Forscher sogar daran hinderte, Maya-Stelen auch nur annähernd wirklichkeitsgetreu abzuzeichnen. Allerdings hält sich der Film mit dergleichen Relativierungen nicht auf, er nimmt die Aufzeichnungen des Konquistadoren quasi für bare Münze und ist bemüht, sie mit Laienspiel anschaulich zu machen.

Die Darstellung beginnt mit Cortés’ Landung in Mexiko im Jahre 1519 und vollzieht skizzenhaft den Weg der Konquistadoren bis Tenochtitlán nach. Der Einzug in die Aztekenhauptstadt wird ebenso beschrieben wie das Toxcatl-Massaker, bei welchem die als Gäste in der Stadt weilenden Spanier ein Blutbad unter aztekischen Adligen anrichteten. Zu diesem Zeitpunkt war der Aztekenherrscher Motecuhzoma II. bereits eine Geisel der Spanier. Die Azteken zogen schließlich einen Belagerungsring um den Palast, in dem die Spanier untergebracht waren, und schnitten diese so von jeder Versorgung ab. Der Ausbruchsversuch der Konquistadoren in der Nacht des 30. Juni 1520 endete in einem Fiasko und ging als „Noche triste“ in die spanische Geschichte ein.

So weit die Chronologie, die weitgehend belegt ist, im Film jedoch sehr sprunghaft erzählt wird und somit nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Aber darum geht es den Filmemachern vermutlich auch nicht, hier sollen Abenteuer vermittelt werden. Spielszenen (natürlich!), ständiger Bezug auf die Aufzeichnungen von Bernal Díaz, ja selbst die genaue Uhrzeit der Ereignisse (der arme Chronist hatte sicher eine der seinerzeit sündhaft teuren Taschenuhren dabei) sollen Authentizität vermitteln. Der Darsteller des Aztekenherrschers trägt sogar ein Bärtchen, ganz so, wie Motecuhzoma in den Chroniken beschrieben wird. Man kann fast sagen, dass der Film weitgehend die Darstellungen der Konquistadoren und ihrer Chronisten wiedergibt. Relativierungen, Differenzierungen gibt es kaum; genaugenommen nur hinsichtlich der spanischen Einschätzung von Mothecuzoma.

Kein Wort darüber, dass die Todesumstände von Motecuhzoma II. bis heute ungeklärt sind. Auch nicht darüber, dass die Prophezeiungen, die – wie berichtet wird – seinen Untergang vorhersagten und ihm deshalb Angst machten, womöglich eine Erfindung der spanischen Chronisten sein könnten, denn in den mexikanischen „Anales de Tlatelolco“ aus dem Jahre 1528 findet sich kein Hinweis darauf. Zudem wärmt der Film die alte Mär von der unbeschreiblichen Grausamkeit der Azteken, von ihren massenhaften Menschenopfern auf. Da schwelgen die Filmemacher mit ihren Experten geradezu in Horrorgeschichten. Die Tempel waren Schlachthäuser, die Wände troffen vor Blut! Ja, die Azteken haben ihre Opfer nach den Gemetzeln sogar verspeist, ihre Haut als Mäntel getragen! Nun ist die seriöse Forschung schon längst auf dem Standpunkt, dass die enormen Opferzahlen, von denen die spanischen Chroniken berichten, schlicht übertrieben sind. Und man weiß auch schon seit längerem, dass die Blutopfer der Azteken (wie auch der Maya) zu einem nicht geringen Teil Selbstopfer der Priester und Adligen waren. Und das sogenannte Herzopfer war das Hauptopfer bei großen Zeremonien zur Beschwörung der Götter und eher keine tägliche Routine.

Wieso in diesem Film über die Ereignisse um den 30. Juni 1520 die Zeremonien, in denen Menschen geopfert wurden, einen so breiten Raum einnehmen, bleibt das Geheimnis der Filmemacher. Die alten Mexikaner waren, so heißt es, „hoch entwickelt und barbarisch zugleich“, und Mexiko beginne erst, seine dunkle Vergangenheit zu entdecken. Die hohe Entwicklung der aztekischen Zivilisation wird allerdings nicht dargestellt. Die geniale, höchst effektive Landwirtschaft in der Lagunenstadt oder auch der offensichtlich doch relativ hohe Lebensstandard auch unter den einfachen Schichten des riesigen Reiches ist keine Erwähnung wert.

Es ist seltsam, aber es fällt im Laufe des Films zunehmend schwerer, die reichlich aufgebotenen Experten (laut Angaben Anthroplogen und Archäologen) wirklich ernst zu nehmen. Da wird ein Archäologe vorgestellt, der sich dann als Astronom entpuppt und der berichtet, dass sich im Inneren des Tempels von Teotihuacán (welcher ist gemeint?) eine Höhle, ein heiliger Ort befinde. Die Struktur dieser Höhle habe den Bau des riesigen Tempels bestimmt. Der Aztekenherrscher sei in dieser Höhle heiligen Handlungen nachgegangen, man könne dort die Angst regelrecht riechen, meint der Archäologe/ Astronom. Die Filmemacher vergessen natürlich zu erwähnen, dass die Azteken diesen heiligen Ort mitnichten erbaut hatten – sie wussten nicht einmal, wer die Bauherren gewesen waren.

Und, und, und … Der Film ist voll von verkürzt oder (bewusst?) in zweifelhaftem Zusammenhang dargestellten Ereignissen. Für Liebhaber von Abenteuergeschichten à la Indiana Jones oder „Die Mumie“ ist der Film sicher ganz nett, schließlich zeigt er einmal mehr, „wie diese Wilden so waren“. Mit Blick auf eine historisch stimmige sowie kritische Darstellung der Vernichtung von Tenochtitlán – angeblich ja das Ziel diese Films – ist er weitgehend überflüssig.

Tag X. Der Untergang der Azteken, phoenix 28. Juni 2008


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7 Kommentare zu “Der Untergang der Azteken”

  1. Lilli vom 29. Oktober 2009 - 15:28 Uhr

    sehr hilfreich für mein referat!

  2. Lina vom 30. November 2009 - 12:16 Uhr

    Danke hat mir sehr geholfen! :-)

  3. Sarah vom 8. März 2010 - 16:07 Uhr

    danke :)
    diese seite hat mir sehr für mein bevorstehendes referat geholfen :)

  4. doris esser vom 17. März 2012 - 02:51 Uhr

    Das war sehr interessant, da ich kein Expert bin aber sehr daran interessiert bin hat es mich erstaunt was hier darueber berichtet wird,und es stimmt nicht ueberein was ich vorher gelesen habe,hoffe nur dass es diesmal stimmt.

  5. Hensch vom 23. März 2012 - 15:06 Uhr

    Sehr hilfreich, da ich ein Referat darüber halten muss.
    Ich hoffe, diese Seite bleibt noch lange;-)

  6. J. R. vom 29. September 2013 - 17:48 Uhr

    Grundsätzlich ist deiner Kritik zuzustimmen. Ich muss dir aber klar widersprechen, wenn du behauptest die Opferkultur sei keine Barbarische Angelegenheit gewesen. Fakt ist: Es ist zu täglichen Opferungen gekommen, da der Glaube der Azteken darin bestand, das die Aufgabe des Königs sei, die Sonne am nächsten Morgen aufgehen zu lassen, ein Menschenopfer an die Götter sollte das gewährleisten. Wenn du nun von Eigenopfern redest so ist dies auch nicht ganz richtig! Die Azteken führten sogenannte Blumenkriege mit ihren Unterworfenen Nachbarn, in welchen eine Schar Aztekischer Krieger die Stärksten Krieger dieser Nachbarn entführte. Diese sollten dann das Opfer für den Gott stellen. Die Angst bestand darin, die Welt könne jede Nacht zu Ende gehen. Man wollte eben nicht nur eigene Krieger opfern. Einige stellten sich freiwillig zur Verfügung, weil es als große Ehre galt, aber meist waren es Kriegsverbrecher. Tatsächlich beweisen Funde neuster Zeit auch das Tragen der Haut des Unterlegenen bei folgenden Schlachten. Kinder und Frauen wurden zu Tode gehungert und auch die Darstellung der Rolle der Kindertränen im Film ist zwar reißerisch aber grundsätzlich wohl nicht als Falsch zu bewerten. Die Kultu der Azteken war Hochkomplex, aber aus heutiger Sicht auch äußerst Barbarisch. Nichts Rechtfertigt den Europäischen Genozid an Indigenen Völkern, aber es muss auch in einer kontrovers diskutierenden Gesellschaft erlaubt sein, zu sehen , das diese Indianer, im Falle der Azteken, nicht das friedliche, Naturbelassene, naive Volk waren, wie es gerne erzählt wird. Das trifft auf die Inselvölker zu und auf die vielen vereinzelten kleinen Stämme! Die Welt und ihre Geschichte ist niemals gut und böse sondern immer kontrovers!

  7. J. R. vom 29. September 2013 - 17:50 Uhr

    Kriegsgefangene* nicht Kriegsverbrecher!

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