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Saavedra, Carola: Landschaft mit Dromedar

Autor:  | Oktober 2013 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Gelesen

Interviewt - Carola Saveedra - Landschaft mit DromedarPünktlich zur Leipziger Buchmesse 2013 erschien der Roman Landschaft mit Dromedar der brasilianischen Autorin Carola Saavedra. Die in Chile geborene Autorin wuchs in Brasilien auf und verbrachte während ihres Studiums viele Jahre in Berlin. Hier begann sie ihre ersten Bücher zu veröffentlichen, jedoch nur auf portugiesischer Sprache. Jetzt erschien erstmals ein Buch in deutscher Übersetzung von Maria Hummitzsch (Quetzal führte auf der Buchmesse ein Interview mit der Autorin zu ihrer ersten deutschen Veröffentlichung). In dem Buch beschreibt Saavedra in sehr dichter Erzählung, wie eine Frau namens Érika versucht sich selbst zu erkennen, vor allem in Abgrenzung zu ihrem Partner Alex, dem „großen Künstler“. Mit Alex lebte sie jahrelang in einer schwierigen Beziehung. Sie liebten und brauchten sich, jedoch war Alex immer derjenige, den alle vergötterten und sie das „Anhängsel“, wie sie zuweilen von Freunden auch genannt wurde. Er war der erfolgreiche Künstler, Lehrer und Frauenheld. Sie spielte dabei die Rolle der Muse und inspirativen Kraft. Sehr eindrucksvoll zeigt sich diese Rollenverteilung in folgendem Zitat:

„Vor Karen haben wir zusammengearbeitet, jetzt erinnere ich mich wieder. Wir haben mit Alex und Érika Z. unterzeichnet. Weißt du noch? Und unsere Namen bildeten ein einziges Zeichen, einen einzigen Klang. Alex und Érika Z. Viele sagten, ich sei dein Anhängsel, du der große Künstler und ich die, die davon profitiert. Die, die nie dein Talent haben, nie so bedeutend sein, nie etwas Neues sagen wird. Immer. Wenige sahen in dem was unseres war, etwas, was von mir hätte sein können. Das war es aber, du wusstest das, viel davon war meins.“ (S. 68)

Alle Informationen erhält der Leser nur von Érika selbst. Die Protagonistin Érika zieht sich nach dem Tod von Karen, einer Schülerin ihres Freundes Alex, mit der sie eine Dreiecksbeziehung führten, auf  eine Insel zurück. Sie lebt im Ferienhaus eines an sich befreundeten Pärchens, das sie im Grunde aber nicht ausstehen kann. Um mit Alex in Kontakt zu bleiben, ohne mit ihm reden zu müssen, und um ihre Gedanken zu ordnen, spricht sie regelmäßig auf ein Aufnahmegerät.

Diese insgesamt 22 Tonbandaufnahmen sind alleiniger Gegenstand des Romans. Die Autorin wählt für ihre Erzählung nämlich eine spannende und nicht ganz einfache Form, den Monolog, und meistert die schwierige Aufgabe, aus einem Monolog einen unterhaltsamen Roman zu machen. Auch wenn es zu Weilen einige sich häufig wiederholende Themen gibt, wie zum Beispiel ihre Beschreibungen von Alex als den großen Künstler, den alle Welt zu lieben scheint und aus dessen Schatten sie verzweifelt versucht zu entkommen oder ihre beständigen Versuche und Verwerfungen einer möglichen Kunstinstallation, wird der Leser schlüssig und unterhaltsam durch das Buch geführt. Er beginnt zu verstehen, weshalb Érika die Isolation auf einer Insel sucht, und bekommt einen Einblick in die Dreiecksbeziehung zwischen ihr, Alex und Karen, die plötzlich an Krebs gestorben ist. Es geht um große Themen wie Trauer, Liebe, Beziehung, die Relevanz der Kunst und nicht zuletzt den Sinn des Lebens. Érika steht vor der für sie existenziellen Frage, ob sie wirklich die Künstlerin ist, die sie ihr Leben lang versucht hat zu sein. Und in wieweit sind die Ideen ihrer Werke ihre eigenen oder kopiert? Ist eine Beziehung zwischen zwei Menschen möglich, oder braucht es immer eine dritte Person? Und wie geht man mit dem Tod eines geliebten Menschen um?

Mit dem Roman versucht die Autorin jedoch nie Antworten auf die aufgeworfenen Fragen zu geben, und am Ende des Buches steht lediglich die Kraft für einen Neuanfang.

Insgesamt ist das Buch eine kurzweilige und nette Lektüre ohne große Spannungsbögen oder unerwartete Wendungen. Dennoch regt es hin und wieder zum Nachdenken an. Wer jedoch ein Buch über Brasilien oder Lateinamerika erwartet, wird enttäuscht, denn dass die Autorin Brasilianerin ist, merkt man in keinem Satz – und ist auch nicht Thema des Buches.

Saavedra, Carola
Landschaft mit Dromedar
C. H. Beck,
München 2013

Bildquelle: Buchcover


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