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Sepúlveda, Luis: Tagebuch eines sentimentalen Killers

Autor:  |  Frühjahr 2000

Sein Geschäft ist der Tod

Der chilenische Schriftsteller Luis Sepulveda erzählt in seinem neuesten Werk die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Berufskillers, der seinen letzten Auftrag zu erfüllen hat. Die Handlung der sechs Kapitel spielt an sechs aufeinanderfolgenden Tagen und in sechs internationalen Metropolen, in denen er sechs Taxifahrten unternimmt. Das Foto, das der Killer bekommt, zeigt ihm sein künftiges Opfer in einer Gruppe von sechs Männern. Diese Häufung der Nennung der Zahl sechs lässt an das Sechstagewerk der Schöpfung denken, mit dem Unterschied, dass das Werk des Protagonisten ein zerstörerisches ist. Da dies zudem sein letzter Auftrag ist, kann er sich am siebten Tag zur Ruhe setzen, “weit fort vom Tod”, wie er es sich erträumt.

Luis Sepulveda, der bereits im Jahre 1994 mit Nombre de torero einen spannenden – leider noch nicht ins Deutsche übertragenen -Thriller vorlegte, verknüpft auch in seinem Tagebuch eines sentimentalen Killers eine Liebesgeschichte mit Elementen des “schwarzen Romans”, einer Spielart des Abenteuerromans. Die Liebe zu einer jungen Frau ist es dann auch, die den Killer gegen die wesentlichen Regeln seines Berufsstandes verstoßen läßt. Widersprüchlich wie die Tatsache, dass ein hartgesottener Profi wie er ein empfindsames Tagebuch führt, schwankt auch sein ganzes Denken und Tun zwischen der Handwerksehre eines Killers und den Gefühlen von einem, dem die Geliebte das Gehirn weichgekocht hat, wie er selber feststellt.

Sepulvedas wundervoll schwarzer Humor zeigt sich besonders an den Stellen, an denen er die Taxifahrer zu Worte kommen lässt. Diese Herren, die allesamt der Zunft der großen Nervensägen angehören, bringen nicht nur den Protagonisten mit ihren rassistischen und besserwisserischen Plattheiten zur Weißglut, sondern erfreuen den Leser durch so bissige und abgedrehte Kommentare wie den des mexikanischen Exemplars dieser Spezies. Er entwickelt die abstruse Idee, die Regierung vergifte Lebensmittel, um die Bevölkerung von den eigentlichen politischen Problemen abzulenken : “Das ist wie in England, Chef. Damit sie dort aufhörten, über Prinz Charles und seine Geliebte, Lady Tampax, über die dürre Di und die kleinen Prinzen zu tratschen, hat die blöde Alte, die Königin, befohlen, die Rinder in den Wahnsinn zu treiben.”

Das dicke Ende kommt allerdings erst noch – um das herauszufinden, müssen Sie das Buch schon selbst lesen!

Luis Sepulveda: Tagebuch eines sentimentalen Killers, Carl Hanser Verlag 1999.


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