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Altmann, Andreas: Reise durch einen einsamen Kontinent

Autor:  | Februar 2013 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Gelesen

Altmann, Andreas:  Reise durch einen einsamen KontinentAndreas Altmanns – Reise durch einen einsamen Koninent – beschreibt auf beeindruckende Weise einen Trip durch fünf Länder Südamerikas: Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile. Seine Reise beginnt in Kolumbien. Dabei wird der Leser bereits zu Beginn auf den Widerspruch zwischen dem hohen Gewaltpotential auf der einen Seite und der Warmherzigkeit der Kolumbianer auf der anderen Seite hingewiesen. So symbolisiert zum Beispiel – Geschichte einer 82 Jährigen Frau, die jeden Morgen die Armen mit Essen versorgt, die Herzlichkeit dieses Volkes, das gemeinhin für seine hohe Rate von Gewalt und Kriminalität bekannt ist. Der Leser wird an eine ihm unbekannte Welt herangeführt, wobei der Autor verschiedene Alltagssituationen jedes einzelnen Landes auf kühle Weise beschreibt. Altmann verzichtet auf emotionalisierende Armutsgeschichten und vermittelt mit trockenem Humor ein Abbild der Realität. Der Leser taucht sowohl in verschiedene Lebensgeschichten ein, als auch in historische Ereignisse des Landes und dessen besonderen Charakter.

Die Besonderheit des Reiseberichts liegt in der Art und Weise der Beschreibung der fünf unterschiedlichen Länder – das ist etwas Unübliches in der Reiseliteratur. Das Buch lobt auch nicht wie die meisten Werke dieses Genres nur die Menschen und die prächtige Idylle der Landschaft, sondern ist eine Darstellung alltäglicher Situationen einer fremden Kultur. Altmann erzählt unterschiedliche Schicksale, die durch Armut und Lebensdurst miteinander verbunden sind. Er schildert auf beeindruckend unsentimentale Weise Lebensgeschichten mehr oder weniger starker Persönlichkeiten, wobei sich jede Geschichte von den anderen abhebt. In einem knappen Vorwort bereitet Andreas Altmann den Leser bereits darauf vor, dass es sich hierbei nicht um einen idyllischen Reisebericht über Land und Menschen handelt, sondern das Buch dazu beitragen möchte, ein Land mitsamt seinen Menschen und seiner Politik zu begreifen. Dabei geht es schon lange nicht mehr um das Klischee: „Südamerika – ein Mann mit Schnauzbart, Gitarre und Revolver“. Durch einen selbstsicheren Schreibstil und die Reflexion verschiedener Schicksale und Geschichten in den verschiedenen Ländern, gelingt es Altmann dieses Klischee zu überwinden.

Lateinamerika: Landschaft - Foto: Quetzal-Redaktion, jhDie Personen, die Altmann beschreibt, wirken auf den Leser sehr lebendig und sympathisch. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Verbrecher, einen Drogenabhängigen, eine Prostituierte oder einen Betrüger handelt. Die Beschreibung einer Blumenlandschaft liegt Altmann fern. Vielmehr geht es ihm darum, die Realität so unverzerrt wie möglich wiederzugeben. Der Eindruck des „plötzlich geschriebenen Wortes“ trägt dazu wesentlich bei. Altmann liefert dem Leser eine Momentaufnahme, was zu anfänglichen Verwirrungen oder Missverständnissen führen kann. Dennoch vermittelt der Verfassers die Eindrücke seiner Reise auf spannende Weise, wodurch der Leser angetrieben wird, das Buch bis zum Ende quasi zu verschlingen, um immer weiter in die Gedankenwelt des Autor einzutauchen.

Andreas Altmann
Reise durch einen einsamen Kontinent: Unterwegs in Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile
rororo; 2009 Andreas Altmann.

Bildquelle: Quetzal-Redaktion, jh.


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1 Kommentar zu “Altmann, Andreas: Reise durch einen einsamen Kontinent”

  1. Hayo vom 21. Februar 2013 - 20:42 Uhr

    Ein tolles Buch. Hatte es vor einer langen Südamerika Reise gelesen. Es hat mich noch neugieriger gemacht auf den bis dahin für mich unbekannten Kontinent.
    Es ist spannend geschrieben. Kann man auch lesen, wenn man nicht vor hat, eine Reise zu machen. Das Buch ist eine Reise selbst.

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