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Zum Tod des chilenischen Schriftstellers Francisco Coloane

Autor:  |  Frühjahr 2003

Am 4. August 2002 verstarb im Alter von 92 Jahren Francisco Coloane. Seine schriftstellerische Leistung hat vor allem darin bestanden, dass er dem äußersten Süden seines Heimatlandes ein literarisches Denkmal zu setzen verstand.

Patagonien und Feuerland, wo er prägende Jahre seiner Jugend und des Jungmannesalters verlebte, den Tieren und Menschen, der rauen Landschaft und den Ozeanen, die die Südspitze Lateinamerikas umspülen, widmete er sein Werk und verdankte er die Inspiration zu seinen Schriften. Obwohl weitgereist, blieb er sein Leben lang der Welt am Ende der Welt treu und kehrte von seinen zahlreichen und ausgedehnten Aufenthalten in so fernen Ländern wie China, Indien und der damaligen Sowjetunion immer wieder gerne in seine geliebte Heimat zurück. „Ich bin viel gereist, zu viel sogar, nur um am Ende festzustellen, dass die unbekanntesten Landstriche und Meere genau in den Gegenden lagen, wo ich geboren worden war und meine frühe Jugend verlebt hatte: Chiloe, Patagonien, Feuerland, Kap Hoorn, der südliche Ozean.” (Aus Coloanes Memoiren: El paso del hombre)

In seinem letzten Werk „Naufragios y rescates”, an dem er bis kurz vor seinem Tod gearbeitet hat und das der Verlag Andres Bello postum veröffentlichen wird, zeichnete er die Geschichten von Schiffbrüchigen nach. Als Quelle diente ihm das im Jahre 1901 von Francisco Vidal Gormaz veröffentlichte Buch „Algunos naufragios ocurridos en las costas chilenas desde su descubrimiento hasta nuestros dias”, das für Coloane einen ganz besonderen Wert besaß, da es eines der beiden Bücher war, die ihm sein früh verstorbener Vater hinterlassen hatte.

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Gabriele Eschweiler schrieb den Beitrag über „Francisco Coloane” für das KLfG, Hrsg. Heinz Ludwig Arnold, und arbeitet derzeit an einer Dissertation über Patagonien und Feuerland als literarische Landschaften, in der das Werk von Francisco Coloane eine zentrale Rolle einnimmt.


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