lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Eurídice Román de Dias
Guatemala, Land des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs

Autor:  |  Frühjahr 2003

Am Anfang war Gesang der Vulkane
klopfender See,
Gold des Sonnenaufgangs.
Auch war geblümte Landschaft.
Im Staub des Lichts keimte der Mais,
Blütenblätter und Gedanken besänftigen
den Stein,
und auf den Steinen entsprossen Mauern
aus Schweigen,
Schatullen der Geschichte.
Die Zeit bestickte Dächer.
Verknüpfte Steine, Pfeiler,
Räume der Gottheiten.
Frauen und Männer des Quetzal wurden geboren,
Vögel aus Tuch bewahren sie vor der Kälte.
Frauen wurden geboren,
alt, weise,
heiter, weil sie genau wissen, dass das Leben
ein Seufzer ist,
ein Lidschlag des Todes.
Frauen aus Holz wurden geboren,
mit dem Geruch von feuchter Erde.
Gefäße sprossen hervor, den Nektar der Wesen
aus Licht zu trinken.
Aus Licht, weil des Licht
die Sterne anstrahlt.
Wesen aus Palmen,
der Arbeit und des Feuers.
Sammler der fleischigen Frucht,
Nahrung der Götter.
Geboren wurden weise Frauen mit Zeit im Antlitz,
Mütter, Mädchenmütter.
Mädchen mit makellosem Blick,
in Hautkontakt
mit der Mutter Erde.
Geboren wurden die Männer und Frauen des Tanzes
des doppelten Gesichts,
der Masken, dem Himmel preisgegeben.
Wesen des Festes, des Spiels
Ballspiel der Farben
beschützt von der Ewigkeit seiner Vulkane.
Wesen der Magie
verwandeln die Struktur des Holzes
in den Jaguar
in Häuser der Mädchen und Jungen.
Die Wesen der Schöpfung
hüten ihre Geschichte in den Falten
des Steins…
In seinen weißen Mauern
läuten seit Jahrhunderten
die Glocken Guatemalas.
In Guatemala
leben und werden weiterhin leben
Männer und Frauen
der Gesänge und Blumen.

Zeit, Raum, Rituale
ständiger Dialog mit prophetischen Vulkanen,
Wächter von Licht und Schatten.

Der Text entstand für die Ausstellung von Maria Cristina Rival (Juni 2000, Casa de Cultura „Jose Marti”)

Aus dem Span.: Gabi Töpferwein


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