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Von der Jagd auf Kamele bis zur Rückkehr der Pferde

Autor:  |  Herbst / Winter 1998

Menschen, die in Amerika mit Lanzen auf Kameljagd gehen, das ist etwas, was man sich nur schwer vorzustellen vermag. Obwohl es märchenhaft scheint, so gab es dennoch eine Zeit, in der die Hufschläge jener buckligen Säuger auf der Oberfläche dieser Kontinentalmasse zu spüren waren. Nahezu auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, vor allem aber in den Flußtälern im Südwesten der Vereinigten Staaten, wurden Lanzenspitzen des Typs Clovis und Folsom gefunden, die der Epoche des höheren Paläolithikums (15000 bis 5000 vor Chr.) zugerechnet werden. Diese Spitzen tauchen in Nordamerika im Zusammenhang mit der Jagd auf Bisons auf, auf dem übrigen Kontinent mit der auf andere Tiere – wie Pferde und Kamele. Viele Jahre nach jenen Jagden verschwanden die Pferde und Kamele. Aus der Familie der Höckertiere blieben nur die Lamas, Guanakos, Vikunjas und Alpakas zurück, ihre Vettern aber, die Kamele, setzten nie wieder einen Huf auf amerikanischen Boden, es sei denn in einem Zoo. Das Pferd hingegen kehrte mit der Konquista als großes und mächtiges Tier mit bärtigem Buckel zurück, der nicht selten sein Gestell verließ, um Jagd auf die Nachfahren jener Menschen zu machen, die sich einige tausend Jahre zuvor besagter Spitzen Clovis und Folsom bedient hatten. Ironie des Schicksals. Es geht nicht nur darum, die Konquistadoren als Verlängerung des Pferdes darzustellen, sondern in den Augen der eroberten Einheimischen war das Pferd ein magisches und mächtiges Wesen, das nicht nur über äußerste Schnelligkeit verfügte, sondern auch die Gabe besaß, sich in zwei Tiere verwandeln zu können. Dadurch hatten die Eroberer zu Pferde neben dem militärischen auch einen gewissen psychologischen Vorteil. Wäre den eingeborenen Völkern Amerikas jene Epoche der Jagd auf Pferde und Kamele in Erinnerung geblieben, hätten sie diese zauberhaften Tiere, die sich vor ihnen aufspalteten, nicht mit der Furcht vor dem Unbekanntem, sondern mit dem Selbstbewußtsein Tausender von Lanzen des aktualisierten Modells aus der Serie Clovis und Folsom empfangen.

Die ersten Siedler

Ungeachtet umfangreicher archäologischer Funde auf dem gesamten amerikanischen Kontinent gestaltete sich eine präzise Bestimmung, wann die Besiedlung Amerikas erfolgte, als äußerst schwierig. Trotz einiger Unsicherheiten gilt es mittlerweile als erwiesen, daß die ersten Völkerwanderungen nach Amerika vor 20.000 bis 35.000 Jahren während des Quartärs einsetzten, als die Vergletscherungen der Wisconsin- oder Wurm-Eiszeit eine Landverbindung zwischen Asien und Nordamerika über die Meerenge von Bering herstellten. Die zu jener Zeit migrierenden Völkergruppen müssen mongolische oder prämongolische gewesen sein, die das westliche Asien bevölkerten und ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch die Jagd auf Säugetiere und das Sammeln von Früchten bestritten. Forschern zufolge hielt die Migrationswelle über diese Meerenge bis ca. 10.000 v. Chr. an, was zusammen mit möglicherweise vereinzelt erfolgten Wanderungen über Pazifik und Atlantik (australoide und melanoide Elemente) die vorhandene ethnische Vielfalt innerhalb der verschiedenen amerikanischen Völker erklären könnte. Dem Anschein nach breiteten sich die ersten Amerikaner im Verlauf von 200 Jahrhunderten von Norden Richtung Süden aus. Es gibt Spuren, die von der Existenz menschlicher Wesen vor bereits 10.000 Jahren in Patagonien zeugen. In weniger weit zurückliegenden Zeiten müssen auch Seefahrer aus Japan, dem Südwesten Asiens und Polynesien gelegentlich die Pazifikküste Amerikas erreicht haben. Das würde zum Beispiel die technische Perfektion der Valdivia-Keramik in Ecuador erklären, die dort um 3000 v. Chr. auftaucht, und die der Jomon-Keramik des primitiven Japans gleicht.

Die ersten nomadischen oder halbnomadischen Jäger, die den Kontinent betraten, benutzten geschliffenen Stein als Werkzeug und Waffe. Bis heute lassen sich in den äquatorialen und tropischen Wäldern Südamerikas Stämme finden, welche die Lebensformen der Siedler des höheren und mittleren Paläolithikums beibehalten haben. Insbesondere anhand der Entwicklung der Pfeiltypen läßt sich der Anpassungsprozeß jener ersten Einwohner an ihre Umgebung beobachten. Zunächst tauchten geschliffene Steine auf, die unter der Bezeichnung Choppers und Choppingtools bekannt sind, danach Spitzen des Typs Sandia, die bei der Jagd auf Mammuts verwendet wurden. Es folgten die bereits erwähnten Spitzen Clovis und Folsom, welche bis zu Spitzen mit Griff perfektioniert wurden, die sogar bis zur Ankunft der spanischen Eroberer fortbestanden.

Zwischen 5000 und 4000 v. Chr. setzte in einigen Gebieten Mexikos, Mittelamerikas und in den zentralen wie nördlichen Anden das Neolithikum ein, das gekennzeichnet ist durch das zunehmend systematische Sammeln von Pflanzen, Seßhaftwerdung und beginnende Urbanisation, Keramik, Korbflechterei, Weberei und schließlich eine mikrolithische Steinindustrie, angepaßt an die Bedürfnisse der Landwirtschaft (Mörser, Handmühlen). Dieser jungsteinzeitliche Umbruch verdichtete sich zwischen 3000 und 1500 v.Chr. und gründete sich auf der Nutzung einheimischer Pflanzenarten wie Mais, Kartoffel, Kürbis, Kakao, Maniok, Sonnenblume etc., wofür die Anwendung landwirtschaftlicher Techniken wie der Bewässerung, dem Terrassenanbau und der Düngung erforderlich wurde. Die Viehzucht hingegen war wenig entwickelt, man hatte nur wenige Haustiere wie den Hund, das Lama und das Alpaka.

Obwohl bis zur Ankunft der Spanier in Amerika das Rad, der Bogen und das Gewölbe (in der Architektur), eine entwickelte Metallurgie und die alphabetische Schrift unbekannt waren, hatte man es auf dem Kontinent zu einem hohen Grad an Perfektion in Kunst, Keramik und Stoffweberei gebracht. Gleichermaßen förderte die wachsende Komplexität sozialer und wirtschaftlicher Organisation die Bildung urbaner Zentren, die mit einer zentralistischen politischen Macht ausgestattet waren. So entwickelte sich in Mexiko zwischen 1150 und 800 v.Chr. die Olmeca-Kultur, die mit dem Kalender, einem Zahlensystem und dem Ballspiel bereits kulturelle Elemente kannte, die später charakteristisch für alle mittelamerikanischen Kulturen sein würden. Der Kultur von Teotihuacän (400 v.Chr. bis 650 n.Chr.) gelang es, das gesamte Tal von Teotihuacán zu beherrschen und seinen kulturellen wie politischen Einfluß bis nach Guatemala auszudehnen. Es folgten die Toltecas (10. bis 12. Jahrhundert n.Chr.) und später die Azteken (14. bis 16.Jahrhundert), die ihre Macht über ein immenses Territorium ausbreiteten und sich bei der Ankunft der Spanier auf dem Höhepunkt ihrer Macht befanden. Die Zivilisation der May a, die sich ab 500 v.Chr. auf der Hochebene Guatemalas entwickelte und sich später auf die Hochebene von Chiapas und die Halbinsel von Yucatán ausbreitete, ist möglicherweise die bedeutendste und ursprünglichste der mittelamerikanischen Kulturen und die, welche bis heute die meisten Mysterien in sich birgt.

Im Gebiet der Anden blühten Kulturen wie die der Chavin und der Paracas (1000 bis 200 v.Chr.), die vermutlich von den fernen Olmecas beeinflußt waren. Erwähnenswert sind auch die Nazca und Mache (400 bis 200 v.Chr.) und das Imperium Tiahuanaco (600 bis 800 n.Chr.) mit der Hauptstadt Tiahuanaco, einem großen, an den Ufern des Titicacasees gelegen urbanen Zentrum, dessen Einfluß vom Norden Perus bis zum Norden Chiles spürbar war. An diesem Punkt angelangt, neigten die künstlerischen Stilrichtungen zur Vereinheitlichung, die städtischen Zentren wuchsen beträchtlich, ebenso die gesellschaftlichen Hierarchien. Das Königreich Chimü an der peruanischen Küste (14. und 15. Jahrhundert) muß von einer beachtlichen städtischen Entwicklung gewesen sein, denn die Ruinen seiner Lehmziegelkonstruktion umfassen ungefähr 30 Quadratkilometer. Das letzte Volk, das ein gehobenes Niveau an sozialer, politischer, wirtschaftlicher und architektonischer Entwicklung erlangte, waren die Inkas zwischen dem 15. und 16. Jahr-hundert. Der Fall ihres Imperiums bezeichnet das Ende der letzten großen autochthonen Kultur Amerikas.

Was die physischen Merkmale der präkolonialen Einwohner betrifft, ist festzustellen, daß trotz der gemeinsamen Mongoloidität beachtliche Unterschiede bestehen. Der amerikanische Indianer ist von unterschiedlicher Statur: Es gibt die Indianer der Prärie und die der Wälder im Norden, die eine Durchschnittsgröße von 1,70 bis 1,74 m messen, daneben die Patagonier am südlichen Extrem des Kontinentes mit 1,68 bis 1,80m. Im Rest des Kontinentes liegt die Durchschnittsgröße hingegen nur bei 1,55 bis 1,60m. Die Gliedmaßen sind eher kurz, die Taille wenig ausgeprägt, die Haut von gelblich-brauner Farbe, die Augen braun oder dunkelbraun. Das Haar ist schwarz und glatt, Gesichts- und Körperbehaarung ist kaum vorhanden, Kahlheit und Grauhaarigkeit gibt es selten. Das Gesicht ist gewöhnlich breit mit markanten Wangenknochen und einer fleischigen Nase, die generell weniger flach ist als im Fall der Asiaten. Unter Indianern gibt es die Blutgruppe B überhaupt nicht, was deshalb verwunderlich ist, weil die höchsten Ziffern weltweit in Asien vorkommen. Die Blutgruppe A ist ebenfalls selten. Hingegen kommt die Blutgruppe MN bei Indianern Amerikas weit häufiger vor als bei irgendeiner anderen Rasse. Bis jetzt gibt es keine gefestigte Erklärung für die Vielfältigkeit der physischen Unterschiede innerhalb der Amerindios. Am wahrscheinlichsten erscheint, daß die Unterschiede auf die fortschreitende Anpassung an die verschiedenen natürlichen Umstände und auf die Abgeschlossenheit der menschlichen Gruppen untereinander zurückzuführen sind. Als Beispiel lassen sich die Hochlandindianer in den Anden anführen, die einen viel breiteren Brustkorb als die an der Küste haben, zweifelsohne ein Ergebnis der Anpassung der Lunge an den niedrigeren Sauerstoffgehalt der Luft im Hochgebirge.

Die Ankunft der Europäer

Den Spaniern gebührt nicht das Verdienst, die ersten Europäer gewesen zu sein, die amerikanischen Boden betraten. Es gibt Beweise dafür, daß die skandinavischen Wikinger Erik der Rote und Leif Erikson Ende des l0./Anfang des 11. Jahrhunderts Grönland und die nördlichen Küsten Nordamerikas erreichten. Leif Erikson gab den von ihm bereisten amerikanischen Landstrichen die Namen „Markland” (Land der Wälder) und „Vinland” (Land der Weinstöcke). Den Spaniern hingegen gebührt das zweifelhafte Verdienst, neben den Pferden einen unstillbaren Durst nach Bereicherung, gefärbt von Zerstörung und Blut, mit sich gebracht zu haben. Die Eroberung Amerikas erfolgte nicht etwa aus wissenschaftlicher Motivation heraus, zum Beispiel um die Kugelförmigkeit der Erde zu beweisen oder eine kürzere Reiseroute zu finden, vielmehr erfolgte sie aufgrund der Notwendigkeit einer territorialen und wirtschaftlichen Expansion der spanischen Krone und der Dringlichkeit der finanziellen Sanierung des Seefahrers Christoph Kolumbus.

Während des 14. Jahrhunderts war die Geschäftsroute zum Orient durch das Vordringen des osmanischen Reiches blockiert, wodurch die Europäer gezwungen waren, neue Wege zu finden, wollten sie den Handel mit jenem Teil der Erde aufrechterhalten. Auf diese Weise war auch Portugals Unterfangen, einen neuen Weg zu finden, indem es die Südspitze Afrikas umsegelte und außerdem durch den Vertrag von Alcacobas ein Monopol auf die Routen Richtung Südsahara erhielt, von Erfolg gekrönt. Dem Königreich Kastilien hingegen blieb nach der Zurückeroberung der letzten muslimischen Bastion Granada keine andere Ausbreitungsmöglichkeit als die der Überquerung des „Meeres der Finsternis”, um das östliche Indien von seiner anderen Seite aus zu erreichen, wie dies von Kolumbus vorgeschlagen worden war.

Am 17. April des Jahres 1492 wurden die Verträge von Santa Fe unterzeichnet, die Kolumbus die Titel eines Admirals, Vizekönigs und Gouverneurs über die Gebiete einräumte, die er entdecken würde. Außerdem sollte er 10% aller Reichtümer erhalten, die sich unter seiner Admiralität ansammeln würden. Dies waren für Kolumbus äußerst vorteilhafte Konditionen, die später im 16. Jahrhundert von der Krone zurückgewiesen wurden. Am 3. August 1492 verließen drei Schiffe unter dem Kommando von Kolumbus den andalusischen Hafen Palos mit Kurs auf die kanarischen Inseln, die sich nach Meinung des Seefahrers auf demselben Breitengrad wie Cipango (Japan) befanden. Am 9. September segelte er von den Inseln mit Kurs nach Westen ab und schlug damit, ohne es zu ahnen, den kürzesten Weg nach Amerika ein. Am 12. Oktober gab Rodrigo de Triana von der Pinta aus den Ruf, daß Land in Sicht sei, und am selben Tag legten sie auf der karibischen Insel Guanahani an, die San Salvador getauft wurde. Nachdem sie mehrere Inseln der Bahamas und Kuba erkundet hatten, ließen sich die Seefahrer auf der Insel La Española nieder, wo sie mit den Resten der schiffbrüchig gewordenen Santa Maria die erste europäische Niederlassung in Amerika gründeten – das Fort La Navidad. Für die zweite Reise Kolumbus’ im September des Jahres 1493 zählte man eine Besatzung von l .500 Personen an Bord von 17 Schiffen. Dies bedeutete den Anfang einer groß angelegten Kolonisation. Nach der Landung auf den Antilleninseln Guadeloupe, Dominika und Jamaika, gründete Kolumbus auf La Española die erste Gemeinde auf amerikanischem Boden, deren Verwaltung Bartolomeus Kolumbus, Bruder von Christoph, übertragen wurde. Die dritte Reise Kolumbus’ 1498 stand unter dem vernehmlichen Ziel, endlich das Fest- land zu entdecken. Nachdem er Trinidad erreicht hatte, folgte Kolumbus der südamerikanischen Küste bis zur Mündung des Flusses Orinoco, einem Ort, den er dem Garten Eden gleichsetzte. Im Verlauf der dritten Reise wurden alle bedeutenden Inseln entdeckt und mit der Kolonisation der großen Antillen begonnen. Mitte des 6. Jahrhunderts war die indigene Bevölkerung auf jener Inselgruppe fast vollständig verschwunden, weshalb die Einfuhr afrikanischer Sklaven für Minen- und Landwirtschaftsarbeit unvermeidlich war.

Im Jahre 1499 erforschten Alonso de Ojeda, Amerigo Vespucci und Júan de la Cosa die karibischen Inseln Trinidad und Margarita sowie Curaçao. Später erreichte Ojeda den Golf von Maracaibo, wo er auf eine auf Holzpfeilern errichtete Eingeborenensiedlung traf, die ihn an Venedig erinnerte. Deshalb nannte er diesen Ort Venezuela: Klein-Venedig. Amerigo Vespucci hingegen war an der Küste Brasiliens Richtung Süden gesegelt, wo er die Mündung des Amazonas entdeckte. Nachdem er das Kap San Agustin (Santo Agostinho) erreicht hatte, kehrte er in den Norden zurück, in der Meinung, die östliche Halbinsel Asiens entdeckt zu haben. Vespucci erhielt 1501 die Unterstützung der portugiesischen Krone für eine zweite Forschungsreise, im Verlaufe derer er über die brasilianische Küste und sogar die Flußmündung des Rio de la Plata hinauskam und als erster Europäer die südliche Küste Patagoniens erreichte. Nach jener Reise war sich Vespucci darüber im Klaren, daß es sich bei dem, was er bereist hatte, um einen neuen Kontinent handeln mußte, denn es war unmöglich, daß sich die asiatische Halbinsel in südlicher Richtung derart in die Länge zog. Diese Neuigkeit verbreitete sich in Europa nach seiner Rückkehr am 22. Juni 1502 wie ein Lauffeuer.

Die brasilianische Küste wurde von der Expedition Pedro Alvares Cabrals am 22. April 1500 erreicht. Auf diese Weise nahm die portugiesische Krone Besitz von den Territorien, die ihr laut Vertrag von Tordecillas zustanden. Am 25. oder 27. September des Jahres 1513 erblickte Vasco Núñez de Baiboa auf seiner Rückkehr nach Norden den Pazifischen Ozean, was die Entdeckung des besten Weges für die Eroberung der südlichen Gebiete der Neuen Welt bedeutete. Am 18. Februar 1519 erreichte Hernän Cortes die Küsten Yucatáns, im November desselben Jahres wurde er von Moctezuma in Tenochtitlän friedlich empfangen.

Auch Cortes unternahm nach seiner Ernennung zum Generalkapitän und Gouverneur der eroberten Gebiete weitere Expeditionen, durch die dem spanischen Imperium die Gebiete von Honduras und Guatemala einverleibt wurden. Später folgten Reisen entlang der pazifischen Küste, bei denen Cortes 1536 Baja California entdeckte.

Ein bedeutsames Ereignis in jenen Jahren war die Umsegelung des Cabo Virgenes am südlichen Ende des Kontinentes durch Fernande de Magellan am 21. Oktober 1520, der dabei die Meerenge durchfuhr, die später nach ihm benannt werden sollte. Am 28. November lief die Flotte Richtung Pazifischer Ozean mit Kurs Nordwest aus. Auf der philippinischen Insel Mactan wurde Magellan am 27. April 1521 von den Einheimischen ermordet.

1524 begann Francisco Pizarro mit den Erkundungen des Südkonus, die ab November 1531 einen zweifelhaften Erfolg bescherten, als nämlich der Inkaherrscher Atahualpa auf der Plaza de Cajamarca in Peru in Gefangenschaft genommen und später hingerichtet wurde. Der Fall des Inkareiches durch spanische Hand markiert das Ende der großen amerikanischen Zivilisationen und schließt den Kreis der wirtschaftlich bedeutendsten Eroberungen in der Neuen Welt. Jetzt war der erste und entscheidende Schritt gemacht: Der Rest der Geschichte der europäischen Befestigung in Amerika war jetzt nur noch eine Frage von Zeit und Routine.

Übersetzung a. d. Span.: Anja Jaramillo

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[1] Vgl. dazu die Verträge von Santa Fe und die Versuche Kolumbus”, die Indianer zu Sklaven für den europäischen Markt zu machen, falls keine Edelmetalle gefunden würden. Dies wurde von der spanischen Krone zurückgewiesen.

[2] Als Kolumbus zum zweiten Mal auf La Española landete, war das Fort La Navidad durch die Eingeborenen verwüstet und alle Europäer getötet worden.

[3] Der Name Antillen stammt von dem italienischen Humanisten Pedro Martir de Angleria. der sie für die legendäre Antilia hielt, die in den Texten Aristoteles’ erwähnt ist und seit der zweiten Hälfte des 14.Jahrhunderts auf einigen europäischen Landkarten zwischen der iberischen Halbinsel und Asien eingezeichnet ist.

[4] Júan de la Cosa ist die älteste Karte der Neuen Welt durch einen Europäer zu verdanken. Der erste, der den Vorschlag machte, den neuen Kontinent Amerika zu nennen, war der deutsche Kosmograph und Humanist Martin Waldseemüller, genannt Hylacomylus. der 1507 die Quattuor Americi navigationes veröffentlichte.

[5] Der Vertrag von Tordecillas wurde 1494 unterzeichnet. Seine wichtigste Bestimmung war die Festlegung der Meridianlinie 370 spanische Meilen westlich des Cabo Verde. Die westliche Hemisphäre blieb bei Kastilien. die östliche bei Portugal, das somit Brasilien erhielt.


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