lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Dokument 3

Autor:  |  Frühjahr 1994

Die Bundesrepublik Deutschland und Lateinamerika. Dokumentation des Auswärtigen Amtes. Bonn 1987.

 

1. Einführung: Die deutsche Lateinamerika-Politik (Auszüge; S. 16-18)

Bedeutung Lateinamerikas und Ziele der deutschen Lateinamerika-Politik

[…]

Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in den Ländern Lateinamerikas haben entscheidende Bedeutung dafür, ob die Region Aussicht hat auf eine sichere Zukunft und eine stetige politische Entwicklung ohne Revolution oder andere Ausbrüche von Gewalt. Die großen Probleme der Weltwirtschaft in den vergangenen fünf Jahren haben gezeigt, wie rasch positive Erwartungen in ihr Gegenteil umschlagen können, wenn nicht das rechte Maß eingehalten wird.

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Lateinamerika, der großen sozialen Unterschiede, der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der trotz aller demokratischen Traditionen einer demokratisch-pluralistischen Ordnung entgegenstehenden Probleme, wird die weitere Entwicklung Lateinamerikas in den kommenden Jahrzehnten ein immer größeres weltpolitisches Gewicht erhalten. Die Ereignisse in Kuba seit 1962, in Chile seit 1970 und in Nicaragua seit 1979 lassen erkennen, welche Folgen eintreten können. Zur Vermeidung von Fehlentwicklungen müssen wir noch mehr als bisher unsere Aufmerksamkeit auf Lateinamerika richten, den politischen Dialog und die partnerschaftliche Zusammenarbeit suchen.

Europa sieht, daß sich Lateinamerika in einer der schwierigsten Perioden seiner Geschichte befindet. Schon früh, Anfang des 19. Jahrhunderts, hatte es sich aus der kolonialen Abhängigkeit befreit und eine vielversprechende demokratische Entwicklung begonnen, teilweise früher als manches europäische Land.

Doch wirtschaftlich und sozial blieben die damals herrschenden Verhältnisse vielfach bis in die jüngste Zeit erhalten; die Kolonialzeit bestand in anderer Form fort. Die Wirtschaft produzierte für die Alte Welt oder sie erschöpf sich in Subsistenzwirtschaft

[…]

Wollen wir Demokratie fördern, persönliche Freiheit ur Menschenrechte sichern helfen, dann müssen wir konkret daran mitwirken, daß Lateinamerika seine wirtschaftliche und sozialen Probleme auf Dauer lösen kann. Diese Aufgab ist die besondere Herausforderung der nächsten Jahrzehnt für uns alle. Sie ist uns Europäern jedoch auch angemessen Herkunft, geistige und kulturelle Verwandtschaft, gleich Interessen in der Staatengemeinschaft und im bilaterale Verhältnis, vor allem aber das Verlangen und die Notwendigkeit, Sicherheit und Frieden in der Welt zu schaffen un zu bewahren, fordern unser entschiedenes Engagement.

3. Die Bundesrepublik Deutschland und Lateinamerika -Grundfragen ihrer Beziehungen (Auszüge, S. 46ff)

Die Lateinamerika-Politik der Bundesregierung sieht in dessen auf eine lange Kontinuität zurück. Sie begann de facto am Tage nach dem Kriege, d.h. dem Tag der Wiederaufnahme bilateraler Gespräche […]

[…] Schon im Jahre 1961 wurde ein erstes Arbeitspapier zur Aktivierung unserer Lateinamerika-Politik entworfen. E; gipfelte 1963 in einigen Thesen, von denen mir folgend* erwähnenswert erscheinen:

(I) Abstimmung und Intensivierung unserer Lateinamerika-Politik im Rahmen der WEU, EWG, OECD und NATO;
(II) Intensivierung des politischen Dialogs mit den Ländern Lateinamerikas;
(III) Schaffung einer europäischen Solidarität mit den Ländern Lateinamerikas;
(IV) Erkenntnis einer Schicksalsverbundenheit zwischen Lateinamerika und Europa; beide als Träger westlichen Erbes; Symbiose zwischen alter und neuer Welt.

2. Im Jahre 1967 folgte eine weitere Initiative zur Aktivierung unserer Lateinamerika-Politik. Die Thesen von 1963 wurden aufgearbeitet und zur Leitlinie der Politik der Bundesregierung gegenüber Lateinamerika. …

3. In den späten 60er und frühen 70er Jahren vollzog sich in Deutschland und Europa eine neue Entwicklung. Das Wirtschaftswachstum erreichte nie da gewesene Ausmaße – es wurde zum Fetisch unseres Denken und Handelns…. Der Wachstumsfetisch überlagerte unsere politischen Zielvorstellungen über die Zusammenarbeit mit Lateinamerika, mutete letztere doch zu einfach und zu bescheiden an. … die Weltwirtschaftskrise zu Beginn unserer Dekade hat die Labilität dieses Ansatzes aufgezeigt – und zwar sowohl in der alten als auch in der neuen Welt. Die alte Welt stellte sich trotz aller Schwierigkeiten und Härten sofort darauf ein. Es wird aber Jahre, vielleicht Jahrzehnte dauern, bis Lateinamerika wieder mit sich selbst und seiner Entwicklung ins Reine gekommen sein wird.


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