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Weitere Presseerklärungen lateinamerikanischer Präsidenten zur Konferenz von Rio

Autor:  |  Frühjahr 1993

PATRICIO AYLWIN AZOCAR (Chile)

Chiles Verfassung beinhaltet das Recht jeder Person, in einer Umwelt zu leben, die frei ist von Vergiftung, und die Pflicht des Staates ist es, die Natur zu fördern und zu schützen. Kürzlich wurde ein Gesetz zum Schutz der einheimischen Wälder verabschiedet … Jedermann sollte sich der unmenschlichen Auswirkungen der Treibhaus- Gase, des Ozonlochs, des sauren Regens und anderer Umweltprobleme bewußt sein. Sie sind genauso schädlich wie Hunger, Unterernährung, geringe Beschäftigung, Obdachlosigkeit und Armut. In Chile wird Umweltschutz, nicht als ein Hindernis für Entwicklung gesehen, sondern als eines ihrer Elemente. Die Aufgabe, die vor uns steht, wird teuer werden and in der Kostenfrage sollten zwei Prinzipien beachtet werden. Erstens: die Umweltverschmutzer sollten zahlen. Zweitens: das Prinzip der Solidarität, das beinhaltet, daß diejenigen mit den größten Ressourcen … den größten Teil beitragen sollten zu Umweltinvestitiönen in Entwicklungsländern. Handelsbarrieren in der industrialisierten Welt stellen eine enorme Last für die Entwicklungsländer dar, was wiederum zu einem Verfall der natürlichen Ressourcen führt.

ANDRES RODRIGUEZ (Paraguay)

Wege und Mittel müssen geschaffen werden, national und international, um den Verfall der Ökosysteme abzuwenden … und um die Menschheit zu befähigen, in Harmonie mit der Natur zu leben. Nach dem Umweltgipfel in Rio sollte es Gegenstand des Dialogs sein, die Menschen von der Armut und die Natur von einer Überausbeutung zu befreien. Die bisherigen Produktions- und Ausbeutungsaktivitäten in Paraguay haben nicht den Umweltfaktor berücksichtigt. Die Fortführung dieser schädlichen Aktionen wird zur Abholzung der Wälder, zu Wasserverschmutzung und Bodenerosion fuhren, Eine neue Politik für einen entsprechenden Schutz der Ökosysteme und eine bessere Nutzung der natürlichen Ressourcen wurde entwickelt. Es wird auch mehr Richtlinien für die Bodennutzung geben. Die Kontrolle der Verschmutzung, die ein Ergebnis der Urbanisierung und Industrialisierung ist, wird nur einen begrenzten Erfolg haben, wenn es keine nachhaltige Entwicklung gibt. Paraguay bekräftigt das Bedürfnis nach einem ehrlichen und produktiven Dialog zwischen entwickelten und Entwicklungsländern, der zu einer echten Kooperation führt. Es drängt die internationale Gemeinschaft, die Prinzipien der geteilten Verantwortung in die Fragen der Umweltlösungen einzubinden. Das Land ruft nach einer besseren Weltordnung, in der Handelsbeziehungen die Lücke zwischen den Reichen und den Armen verringern, in der Protektionismus verschwunden ist und die Preise in der Landwirtschaft gerecht sind. Entwicklungsländer brauchen zusätzliche finanzielle Mittel ohne Bedingungen.

LUIS ALBERTO LACALLE (Uruguay)

Die Nationen haben die Pflicht, nicht die Umwelt zu verschmutzen, weil Ländergrenzen die Verschmutzung nicht aufhalten. Die Vereinten Nationen haben 178 Mitgliedsstaaten und bis heute existiert kein Vertrag, der alle diese Staaten einbindet, nicht einmal Menschenrechtskonventionen oder ein Gesetz der See. Die Regierungen müssen beginnen, juristische Verpflichtungen zu entwerfen in bezug auf die Umwelt und ihre Gefährdung. Solch ein Vertrag, dem jedermann zustimmt, sollte den Widerspruch zwischen Souveränität und Umwelt lösen. Uruguay beabsichtigt, einen Mechanismus vorzuschlagen, der Gesetze auf diesem Gebiet erläßt, um die Verletzungen des Umweltgesetzes zu regulieren und zu bestrafen. Wir haben keinen größeren politischen Willen, als den Entwurf eines solchen Vertrages zu beginnen.

JAIME PAZ ZAMORA (Bolivien)

Es kann keine Bewahrung der Umwelt geben, wenn ein Plünderer wie der Mensch im Mittelpunkt der Natur steht. Aus diesem Grund ist der Erhalt des Menschen ein Synonym für menschliche Entwicklung. Umweltschutz und menschliche Entwicklung können nicht auf Kosten der Kultur der Völker geschehen. Bolivien, ein Land, das seine indigenen Bevölkerung bewahrt, schlägt vor, in Zusammenarbeit mit anderen Ländern einen Fonds zu errichten für die Entwicklung der indigenen Menschen Lateinamerikas und der Karibik. Die indigene Bevölkerung ist der Zugang und der natürliche Protagonist für die authentische Politik einer nachhaltigen Entwicklung. Menschliche Entwicklung und die Erhaltung der Umwelt setzen voraus, daß die Menschheit einen neuen Weg des Lebens, des Denkens und Organisierens einschlägt. Um die Verschlechterung der Umweltsituation zu verhindern, muß es eine neue Einstellung gegenüber dem Leben geben. Der Mensch muß zuerst sich selbst verändern und die Kriterien überdenken, die sich über die Jahre durchgesetzt und weit verbreitet haben. Im Sinne der ökologischen Schulden ist der Süden der Gläubiger und die Vertreter des industriellen Nordens sind die Schuldner. Die internationale Gemeinschaft muß jede Anstrengung unternehmen, um sicherzustellen, daß das 21. Jahrhundert nicht das Jahrhundert eines heftiges gewalttätiges ökologischen Krieges wird.

CESAR GAVIRIA TRUJILLO (Kolumbien)

Die Rio-Deklaration hat eine Grundlage für die künftige Ethik und ein internationales Umweltrecht geschaffen. Die “Agenda 21″ ist ein Arbeitsprogramm, das dazu dienen wird, Aktionen auf globaler Ebene zu koordinieren. Leider hat die Klima-Schutz-Konvention keine Basis für den Transfer von Technologie oder die Aufstellung konkreter Ziele für die Reduzierung der Treibhaus-Gase geschaffen. Die Beiträge der industrialisierten Länder für die Finanzierung der “Agenda 21″ sind nicht nur unzureichend, sondern sie konzentrieren sich auch auf die allgemeinen Umweltfragen und lassen somit die Themen beiseite, die für die Entwicklungspläne entscheidend sind. Die hauptsächlichen Umweltprobleme der Erde wurden nicht durch die Entwicklungsländer verursacht. Wenn die dafür verantwortlichen Nationen keinen Weg finden, um ihre Verpflichtungen gegenüber dem Planeten zu erfüllen und ihren Lebensstil zu verändern, wird der Planet eine Rechnung an alle Länder aufstellen, sowohl an die reichen als auch an die armen. Heute sind in Kolumbien 25 Millionen Hektar des Amazonas und anderer Teile des Landes durch das Gesetz geschützt und der Kongreß plant, ein Umweltministerium einzurichten.

ALBERTO FUJIMORI FUJIMORI (Peru)

Peru ist eines der am meisten bewaldeten Länder der Welt, mit enormen ökologischen Ressourcen. Es ist kein armes Land, sondern eher eines, das während der Jahre eines ineffizienten und korrupten Systems ausgelaugt wurde. Das gegenwärtige politische Übergangsregime wird es dem Land erlauben, sich zu stabilisieren und Nutzen aus seinen immensen Ressourcen zu ziehen. Von besonderer Bedeutung für Peru ist, daß es der größte Produzent eines der Hauptbestandteile zur Herstellung von Kokain ist. Der Anbau der Koka-Pflanze ist für die Entwaldung von großen Teilen des Landes Peru verantwortlich. 250.000 Bauern sind mit dem Anbau der Koka-Pflanze beschäftigt, weil sie das einzige Produkt ist, das einen gesicherten Absatzmarkt hat. Das ist kein Problem für das Jahr 2000, es ist ein Problem von heute. Die Umwelt muß vor einer ökologischen Katastrophe geschützt werden, die von der Koka-Pflanze herrührt. Der Norden muß seine passive Haltung aufgeben und das Versagen des Anti-Drogen-Programms umkehren. Das kostet Geld, das die Entwicklungsländer nicht haben. Der Kampf gegen Drogen ist teuer, aber die Welt wird später dafür bezahlen müssen, wenn die Investition nicht jetzt getätigt wird. In Peru wird die bedeutendste Anstrengung der Krieg gegen den Drogenhandel sein. Dieser Kampf wird nur gewonnen werden, wenn die reichen Länder sich der Gefahren bewußt werden, die Drogen für sie darstellen, insbesondere für ihre Jugend.

CARLOS SAUNAS DE GORTARI (Mexiko)

Mexiko appelliert an die Menschheit, in Frieden mit der Natur und mit sich selbst zu leben. Auf der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) sind die Anstrengungen noch unterhalb der Grenze, um die globalen Probleme zu lösen. Die globale Umweltzerstörung liegt in der Verantwortung aller, obwohl die Verantwortlichkeiten differenziert sind. Der Schmutz kennt keine Grenzen. Nicht jeder trägt zur Verschwendung in gleichem Maße bei. Nur durch internationale Kooperation wird es möglich sein, eine Lösung für die ökologischen Probleme zu finden, mit denen die Welt konfrontiert ist. Die Menschheit muß produzieren, aber sie muß anders produzieren. Der Zugang zu den finanziellen Ressourcen und zur Technologie ist das Schlüsselelement m diesem Prozeß. Freier Handel und Zugang zu den Märkten müssen gesichert werden. Vor allem besteht ein Bedürfnis nach einem ökologisch gesunden Wachstum. Einer nachhaltigen Entwicklung ist das Konzept der globalen Entwicklung hinzuzufügen. Das Ergebnis, daß nur die Unterentwicklung nachhaltig ist, muß vermieden werden. Es muß eine Differenzierung geben zwischen Situationen, die nationale Maßnahmen und solchen, die globale Maßnahmen erfordern. Antworten sollten nicht von außen gegeben werden, aber reale Antworten können nicht innerhalb der Grenzen gefunden werden, wenn sie nicht wirkliches Engagement beinhalten, sich an der Lösung der Probleme zu beteiligen, die alle betreffen. Mexiko gibt fast ein Prozent seines Bruttosozialprodukts aus, um Flüsse, die See und das Land wiederherzustellen. Mexiko versucht, seine Biovielfalt, die eine der vier reichsten in der Welt ist, zu schützen.

JORGE ANTONIO SERRANO ELIAS (Guatemala)

In dem Streben, die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und das Leben auf diesem Planeten zu erhalten, ist Solidarität unbedingt erforderlich. Die Zukunft ist die gleiche für jedermann und deshalb ist es notwendig, ideologische Differenzen zu überwinden. Diejenigen, die die Mittel haben und dazu in der Lage sind, müssen vorbereitet sein, zu kooperieren und zu garantieren, daß die einheimischen Menschen niemals wieder dazu gezwungen werden, die Natur zu schädigen. Die Natur zu kultivieren und für sie zu sorgen, heißt, sie niemals zu zerstören. Das muß für jeden zutreffen, in der Umweltfrage darf es keine doppelten Standards geben, wie es in der Vergangenheit war. Wenn das erlaubt wird, werden Forderungen an die Schwächeren gestellt, währenddessen die Stärkeren toleriert werden und ihnen vergeben wird. Alle sollten sich in acht nehmen vor ökologischen Kriterien, die als ein Vorwand für Druck auf Entwicklungsländer genutzt werden. Armen Ländern würde dann das Recht auf die Mittel verweigert werden, die wesentlich für ihre Entwicklung sind. Guatemala hofft, daß das gegenwärtige Gefühl der Verantwortung und Solidarität niemals gestört wird durch Verhalten oder Arroganz und Verachtung, die nur diejenigen an den Rand drängen würden, die bereits in einer marginalen Situation auf dieser Erde sind. Es kann kein Gespräch über die Verantwortung der Entwicklungsländer, ihre Wälder zu erhalten, geben, es sei denn, sie können sich nachhaltig entwickeln. Die Kosten der Erhaltung und des Schutzes dieser Wälder müssen geteilt werden. Jedes Land hat die totale Souveränität über seine Naturressourcen. Die Nationen müssen freiwillig versuchen, dahingehend eine Übereinstimmung zu erreichen, daß die Kosten für den Erhalt der Natur geteilt werden müssen.

VIOLETA BARRIOS DE CHAMORRO (Nicaragua)

Nikaragua hat unter politischen Problemen gelitten, die seine Entwicklung behindert haben. Nach der Überwindung der Zerstörungen nimmt es nun seine rechtmäßige Berufung für Frieden, Demokratie und Entwicklung an. Die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft ist unerläßlich für die Wahrung der Demokratie und dafür, es Ländern wie Nikaragua zu erlauben, ihre Verpflichtung gegenüber der Umwelt und Entwicklung wahrzunehmen. In Zentralamerika sind sieben Länder die Hüter großer biologischer Vielfalt. Zentralamerikanische Politik hat die Einrichtung eines regionalen Systems von geschützten Gebieten angeregt und genau vor einer Woche haben die mittelamerikanischen Präsidenten ein Abkommen über den Schutz der biologischen Vielfalt, das erste dieser Art in der Welt, unterzeichnet. Rio ist ein Anfang. Ein grundlegender Prozeß der Veränderungen wurde hier initiiert, in dem sich Nikaragua fest engagiert … Die Ergebnisse von Rio zeigen, daß es möglich ist, den Nord-Süd-Dialog für den Fortschritt auf spezifischen Gebieten zu aktivieren, die in einem Fortschritt in Richtung einer neuen Weltordnung resultieren können.


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