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Kauft, trinkt, helft!!!

Autor:  |  Frühjahr 1993

Alternativer Kaffeberg bedroht Existenz von Kooperativen

Für über eine Million DM lagert nicaraguanischer Bio-Kaffee im deutschen Zollager. Soviel, daß an neuen Einkauf aus der aktuellen Ernte nicht zu denken ist. Wenn der Kaffeeberg nicht kurzfristig in Geld umgesetzt werden kann, stehen die Kooperativen ohne die notwendige Unterstützung da und gehen bankrott.

Wir von el rojito sind ein politisches Kollektiv, das zusammen mit anderen Gruppen (MITKA GmbH) in der BRD Kaffee aus Nicaragua und El Salvador verkauft. Wir wagen den schwierigen, aber interessanten Versuch, politisches und wirtschaftliches Handeln zu verbinden, d.h. eine nicht profitorientierten Handel zugunsten der Produzentinnen zu organisieren. Im Moment sind wir allerdings in die größte und bedrohlichste Krise unseres Bestehens geraten. Wenn wir jetzt keine massive Unterstützung in Form von Krediten und Kaffeeabsatz erfahren, bedeutet das für uns und für einige Kooperativen in Nicaragua das AUS.

Wir stehen zu unserer Verantwortung und bestellten auch für nächstes Jahr Kaffee. Zum Verständnis müssen wir etwas ausholen: Ein Ergebnis der sandinistischen Agrarreform war die fast vollständige Zurückdrängung des Großgrundbesitzes und die Herausbildung eines starken kleinbäuerlichen und kollektiven Sektors. Seit dem Antritt der Chamorro-Regierung wird massiv versucht, diese fortschrittlichen Eigentumsverhältnisse zugunsten der alten Besitzerinnen zu ändern. Neue Gesetze zur Enteignung, Angriffe von ehemaligen Contras, ideologische Kampagnen und vor allem die Kreditpolitik der Regierung setzen die Kooperativen und Kleinbäuerinnen massiv unter Druck. Ab ’91 wuchs der Druck des IWF und der Weltbank auf die nicaraguanische Regierung zur Beschleinigung des neoliberalen Projektes.

Das heißt für den kooperativen Sektor eine weitere Reduzierung des Kreditvolumens. Druck kommt auf von Seiten der US-Regierung, die zugesagte Wirtschaftshilfegelder an neue (alte) Forderungen knüpft. So sollen die alten Besitzerinnen wieder Land bekommen. Diese Entwicklung fuhrt momentan schon zu einem bedrohlichen Anwachsen von kooperativen Pleiten und zu Landverlust. Wir unterstützen den kooperativen Sektor als Modell eines kollektiv organisierten linken Wirtschaftssektors in Nicaragua. Seit 1987 beziehen wir, zusammen mit anderen Gruppen, als MITKA e.V. Kaffee aus Nicaragua, seit 1990 auch aus kontrolliert biologischem Anbau. Bis zur Wahlniederlage der FSLN 1990 erfolgte der Handel über die staatliche Exportorganisation ENCAFE, danach über ECODEPA, die Vermarktungseinrichtung der Kleinbäuerlnnenorganisation UNAG und der Kooperativen. Die Kooperativen erhalten von ECODEPA für den Kaffee mehr Geld, wenn der Weltmarktpreis im Moment unter den Produktionskosten liegt. Beispiel 1992: Der Weltmarktpreis für Kaffee sackt auf unter 60 Cent/Libra ab. Der errechnete Aufwand für eine Libra (ca. 500 gr.) allerdings lag bei 75 Cent. Wegen der höheren Produktionskosten erhielten die Kooperativen die den Bio-Kaffee erzeugen, eine 30 %ige Mehrzahlung. Die Differenz zwischen dem an den Produzentinnen bezahlten Preis und dem von uns garantierten Mindestpreis von 1,20 Dol-lar/Libra plus 10 % Projektaufschlag (plus 30 % bei Orgänico-Kaffee) bekommt die ATC für die Unterstützung der Landarbeiterinnen in verschiedenen Projekten. Dies sind z.B. rechtliche Hilfen für die von Räumung bedrohten Kooperativen, für Schulungsmaßnahmen, Kredite etc. und soziale Maßnahmen für alleinstehende KooperativistInnen mit Kindern. Die ATC führt die dramatische Auseinandersetzung in der Landfrage in Nicaragua mit einem Etat von ca. l .Million Dollar, der zur Hälfte aus Kaffeegeldern besteht!

Das eigentliche Problem ist…
… ein Grundsatz unseres Handels, nämlich die vollständige Bezahlung des Kaffee direkt nach dem Einkauf der Jahresmenge am Anfang des Jahres. Dieses ist jetzt jedoch stark gefährdet, da das dazu notwendige Geld zur Zeit noch in Form von ca. 1000 Sack Organico im deutschen Zollager liegt. Da der Weltmarktpreis für Kaffee in einen tiefen Keller gerutscht ist, wir jedoch einen gleichbleibenden relativ hohen Kaffeepreis garantieren, ist der Umsatz des “teueren” Nica-Kaffees um mehr als 20 % gesunken.

Die Lage hat sich noch zusätzlich durch die Auflösung von größeren MITKA-Kaffeegruppen in Berlin und Frankfurt/M. zugespitzt. Auf diese veränderte Situation ist von uns außerdem nicht rechtzeitig reagiert worden, so daß wir jetzt vor dem Problem stehen, innerhalb kurzer Zeit große Mengen Kaffees zu Geld machen zu müssen bzw. Darlehen zu kriegen. Wenn wir das nicht schaffen, heißt das für uns und vor allem für die Kooperativen aller Wahrscheinlichkeit nach das Aus.

Die Existenz der Kooperativen hängt eng mit unserem Handel zusammen. Wenn jetzt dieser Handel zusammenbrechen würde, müßten sie den Kaffee auf dem Weltmarkt verkaufen. Der Weltmarktpreis reicht nicht aus, ihre Darlehen zurückzuzahlen und die Kosten zu decken, die auf Grund unserer Zusagen kalkuliert wurden. Da sie über keine zusätzlichen Geldreserven verfugen würde das den Konkurs und Landverlust bedeuten. Deshalb unser dringender Notruf:

Kauft Biokaffee Orgánico! Gebt uns Darlehen!

Wir haben beschlossen, den Preis des Cafe Organico für ein halbes Jahr um eine Mark zu senken, auch wenn es für uns eher ein Verlust wird. Wegen Darlehen setzen wir uns gerne mit Euch in Verbindung, um über die Modalitäten und Sicherheiten zu informieren. Den Cafe Organico kann sich jede/r per Post ins Haus schicken lassen, l Karton Kaffee (5kg in 10 vakuumverpackten 500g-Päckchen) kostet 96,- DM (90,- + 6,- Porto), die im voraus überwiesen werden oder mit einem der Bestellung beigelegten Verrechnungsscheck bezahlt werden müssen. Kontaktadresse für Kaffeebestellungen und weiteren Informationen:

el rojito
Gr. Brimnenstr. 74
W-2000 Hamburg 50
Tel.: 040/390 68 98


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