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Noticias Lateinamerika

26. Mai 2020 | Chile: Corona-Pandemie verschlimmert die Lage im ohnehin schon kriselnden Land | Kategorie(n): Noticias, Noticias Chile

COVID-19 Fälle in Chile, Stand: 25. Mai 2020 - Foto: NaveenNkadalaveniIm südlichen Andenland spitzt sich die Corona-Krise seit ein paar Wochen zu. Nachdem Anfang März die ersten Fälle in Chile festgestellt worden waren, stiegen nun die Fallzahlen stark an. Täglich infizieren sich nun rund 4.000 Menschen. Bisher wurden insgesamt knapp 78.000 Fälle nachgewiesen und es starben bereits 806 Infizierte. Am schlimmsten betroffen ist die Hauptstadtregion, wo knapp 80% der Fälle zu verzeichnen sind. Das sogenannte Gran Santiago, also fast die komplette Región Metropolitana, steht unter einer strikten Ausgangssperre. Anstatt eine Ausbreitung vorzubeugen, agierte Chiles Regierung meist erst reaktiv, dann waren die Maßnahmen jedoch weitreichend: Neben dem Durchsetzen drastischer Restriktionen wurden die Testkapazitäten sowie die Zahl der Betten auf den Intensivstationen ausgeweitet. Alle COVID-19-PatientInnen werden sowohl auf Privatkliniken als auch öffentliche Krankenhäuser verteilt unabhängig ihrer Krankenversicherung und alle Tests und Behandlungen werden vom Staat übernommen. Zudem werden Infizierte oder Verdachtsfälle isoliert, auch in eigens dafür angemieteten Hotels. Da insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten in teils sehr prekären Unterkünften leben und in einigen Stadtviertel Santiagos eine extrem hohe Bevölkerungsdichte besteht, breitet sich das Virus dennoch stark aus. So sind einige Krankenhäuser in der Hauptstadt bereits überlastet. Hinzu kommt, dass es in Chile kaum Kündigungsschutz gibt und ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen informell beschäftigt sind. Daher geraten viele Menschen zurzeit in Armut oder setzen sich über die Restriktionen der Regierung hinweg, um weiterhin ein Einkommen zu haben. Zwar verteilt der Staat Subventionen und Essenspakete an die ärmeren Bevölkerungsschichten. Es ist jedoch stark anzuzweifeln, dass diese ausreichen um die Not der Menschen effizient abzuwehren. Die Wirtschaftshilfen dienen zumeist den großen Unternehmen. So legt die Corona-Krise die substantiellen Probleme im Land offen und verschlimmert sie noch: Die ohnehin prekäre sozio-ökonomische Lage vieler ChilenInnen hat sich gravierend verschlechtert und die extreme soziale Ungleichheit nimmt in der Krise noch zu. Die lahmende Wirtschaft kommt teilweise zum Erliegen und der politischen Führung, welche bereits vor der Krise kaum noch das Vertrauen der Bevölkerung genoss, wird die Kompetenz immens angezweifelt. Auf diese Weise durchlebt Chile zurzeit nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine soziale, wirtschaftliche und politische. Die landesweiten Proteste, welche im Oktober 2019 begannen und zwischenzeitlich abebbten, sind keineswegs vorbei. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es der Regierung unter Sebastián Piñera gelingen wird, die multiple Krise zu meistern. Sollte sich die Lage jedoch weiterhin verschlechtern, sind eine neuerliche Protestwelle und eine weitere Instabilisierung des Landes zu erwarten (Bildquelle: NaveenNkadalaveni).


19. Mai 2020 | Uruguay: Unterschiedliche Begriffe von individueller Freiheit in Zeiten des Coronavirus | Kategorie(n): Noticias Uruguay

Uruguay_Notzustand_Flagge_Bild_quetzalredaktion_gcNach mehr als zwei Monaten, seit dem der Notstandszustand aufgrund der Covid-19-Pandemie in Uruguay ausgerufen wurde, zählt das südamerikanische Land 730 bestätige Fälle – davon 20 Todesfälle und über 560 Genesene. Diese Zahlen kontrastieren drastisch mit den Statistiken im Nachbarland Brasilien, wo die Zahl an Erkrankten 245.000 und die Todesfälle über 16.000 ist. Im Gegensatz zur Regierung Brasiliens traf Präsident Luis Lacalle Pou (Bündnis Compromiso por el País) frühzeitig die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Sofortmaßnahmen. Dabei wurde betont, dass die Maßnahmen kein Zwang seien, sondern man appellierte vielmehr an Solidarität und Engagement der Bürgerschaft, um die individuelle Freiheit zu gewährleisten. In anderem Zusammenhang brachte Lacalle Pou im vergangenen April den Entwurf für das „Gesetz zur dringlichen Behandlung“ (LUC) ein, der von der Opposition und sozialen Bewegungen als Beschränkung der demokratischen Freiheiten bezeichnet wurde. Das Maßnahmenpaket, das die Modifizierung und Verabschiedung von mehreren Gesetzen umfasst, wurde wegen seiner „Dringlichkeit“ kritisiert – zumal die öffentlichen und parlamentarischen Debatten im Kontext mit dem Notstand stattfinden müssen. Das Dringlichkeitsverfahren zur Verabschiedung des LUC sieht nicht nur die Verkürzung der Debatte vor, sondern stellt fest, dass der Entwurf nach Ablauf der vorgeschriebenen 90 Tage von der Exekutive bewilligt werden kann. Der Gesetzesvorschlag wurde außerdem als „pro-unternehmerisch“ und als ein gesellschaftliches Kontrollinstrument bezeichnet. Unter anderem betreffen die über 500 Paragraphen die Privatisierung öffentlicher Unternehmen, das Verstärkung der Sicherheitskräfte, die Kriminalisierung sozialer Proteste und die Beschränkung der Rolle der staatlichen Hochschulbildung zugunsten des privaten Sektors. (Bildquelle: quetzalredaktion_gc).


12. Mai 2020 | Brasilien: Die größte Gefahr in der Corona-Krise heißt Bolsonaro | Kategorie(n): Noticias Brasilien

COVID-19_Brasilien_Creative_CommonsBrasiliens Parlament hat am 9. Mai eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer von COVID-19 angeordnet, deren Zahl 10.000 überschritten hatte. Das Land gilt als der neue Corona-Hotspot, die Zahl der Infizierten und Todesfälle steigt rasant an. Zusammengefasst stellt sich die aktuelle Situation im größten Land Lateinamerikas folgendermaßen dar: Die Johns Hopkins University ermittelt vom 25. Februar bis zum 11. Mai 170.021 bestätigte Fälle von COVID-19 und 11.701 an der Krankheit Verstorbene. Allein am 11. Mai wurden 6.895 neue Erkrankte und 530 Tote gezählt. Schwerpunkte der Pandemie sind die Bundesstaaten Rio de Janeiro, São Paulo, Ceará, Pernambuco und Amazonas. Nach einer britischen Studie erreichte die Übertragungsrate mittlerweile den weltweit höchsten Wert – 2.81. Es wird eine Verdopplung der Todesrate in nur fünf Tagen befürchtet. Die Hälfte der Intensivbetten befindet sich in Privatkliniken. Ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu den Privatkliniken. Auf 100.000 Einwohner kommen drei Beatmungsgeräte. „Na und?“ So lautete kürzlich die Antwort von Präsident Jair Bolsonaro auf Fragen von Journalisten nach der schnell wachsenden Zahl von COVID-19-Fällen in Brasilien. (Bildquelle: CC_wiki).


05. Mai 2020 | Zentralamerika: Pandemie als Krisenkatalysator | Kategorie(n): Noticias, Noticias Zentralamerika

SICA-Logo_CC_flickrWenn sich die Zahl der Toten, die der COVID-19-Pandemie zum Opfer gefallen sind, in den meisten zentralamerikanischen Ländern derzeit im zwei- oder dreistelligen Bereich bewegt, dann mag dies zunächst verwundern. Dies könnte auf die relativ frühen und zum Teil einschneidenden Gegenmaßnahmen zurückzuführen sein. Als erstes Land rief Panama am 12. März den Ausnahmezustand aus, gefolgt von Honduras (16. März) und Guatemala (Grenzschließung am 17. März). El Salvador verhängte am 21. eine umfassende Ausgangssperre und Costa Rica reagierte am 24. März mit der Schließung seiner Grenzen. Am 1. April rief Belize den nationalen Notstand aus. Nur Nicaragua beschreitet einen Sonderweg. Mit der Begründung, dass das Land ausreichend gegen die Pandemie gerüstet sei, erlaubt die Regierung sogar Massenkundgebungen und Sportveranstaltungen. Nach 34 Tagen Abwesenheit trat Präsident Daniel Ortega am 15. April mit einer Rede in der Öffentlichkeit auf, in der er COVID-19 als „Strafe Gottes“ bezeichnete, die sich in erster Linie gegen die USA richte. Nicaragua meldet derzeit 15 Kranke, fünf Todesfälle und sieben Genesene, die sich mit dem Virus infiziert hatten. Mit sechs bzw. zwei Fällen liegen Costa Rica und Belize bei den Todesfällen ebenfalls im einstelligen Bereich. Von den insgesamt 330 Menschen, die in der Region nach offiziellen Angaben an COVID-19 verstorben sind, entfallen allein auf Panama 203 Fälle. Auch bei den akut Infizierten konzentrieren sich zwei Drittel (7.387 von 10.657 Fällen in allen sieben Ländern Zentralamerikas) im südlichsten Land des Isthmus. Bei der Bewertung dieser Zahlen sollte man jedoch folgende Faktoren berücksichtigen: Zum einen dürfte es sich aufgrund der geringen Testkapazitäten und des oftmals schlechten Zustands des Gesundheitswesens um die Spitze des Eisbergs handeln. Zudem zeigen die verantwortlichen Politiker oft das Bestreben, die Situation und damit ihr Wirken in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Als dritter Faktor ist die Wirkung der getroffenen Maßnahmen zu nennen. Generell verschärfen sich durch sie all jene Probleme, Ängste und Benachteiligungen, unter denen die Schwächsten der Gesellschaft „normalerweise“ schon zu leiden haben. So wird für Guatemala eine Hungersnot prognostiziert, weil die Mehrheit der im informellen Sektor Tätigen aufgrund der Schließung der Departementsgrenzen und der umfassenden Mobilitätsbeschränkungen nicht mehr ihren Lebensunterhalt sichern kann. Auch die zahlreichen Migranten, die mit ihren Rücküberweisungen für Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua einen unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor darstellen, sind durch COVID-19 massiv gefährdet, da sie in der Regel die ersten sind, die während einer Wirtschaftskrise ihren Job verlieren. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) prognostiziert für dieses Jahr einen ökonomischen Einbruch, der die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 noch übertreffen wird. Laut einer Pressemitteilung vom 22. April rechnen Experten der Weltbank bei den Rücküberweisungen nach Lateinamerika für 2020 mit einem Rückgang von 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2019 schickten Migranten aus dieser Weltregion rund 69 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer zurück. Des weiteren ist der Kaffeesektor, in dem nach Angaben des Zentralamerikanischen Integrationsbündnisses (SICA) rund fünf Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen, massiv von den Folgen der Pandemie betroffen. So sind die honduranischen Kaffee-Exporte gegenüber dem Vorjahr im April 2020 um rund 20 Prozent eingebrochen. Der Anteil Zentralamerikas an der weltweiten Kaffeeproduktion beträgt rund zehn Prozent. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes nimmt außerdem die Tendenz der Militarisierung des öffentlichen Lebens und eines repressiven Vorgehens gegenüber der Gesellschaft zu, wie das Beispiel von Nayib Bukele, dem neugewählten Präsidenten El Salvador, anschaulich zeigt. Alles in allem werden sich die sozialen und politischen Probleme in allen Ländern Zentralamerikas infolge der Corona-Pandemie rapide zuspitzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Region, die schon in „normalen“ Zeit äußerst fragil ist, von einer Welle sozialer Explosionen erschüttert wird. (Bildquelle: CC_flickr).


28. April 2020 | Kuba: Allgemeines und Besonderes von Corona | Kategorie(n): Noticias Kuba

Kuba_Covid19_Bild_Regierung-KubaDie ersten Corona-Infizierten wurden in Kuba nach dem 11. März 2020 registriert. Diese Infektionen gelten als „eingeschleppt“. Am Sonntag, dem 26.04.2020, gab es 1.337 Infizierte und 51 Tote im Land. Mit diesen Zahlen gehört Kuba zur mittleren Gruppe in Lateinamerika und der Karibik. In Kuba am meisten betroffen sind Havanna, Santa Clara und die Isla de la Juventud. Vergleicht man den Prozentsatz der Corona-Toten an den Infizierten, so ist dieser in Kuba und Deutschland mit jeweils rund 0,038 gleich hoch, in den USA, wo, wie man weiß, das Problem anfangs total ignoriert wurde, fällt er schlechter aus. Was mögen eigentlich die dortigen Exilkubaner darüber denken? Wichtiger ist indes die Frage, warum es angesichts einer solchen „Corona-Normalität“ dennoch interessant ist, über Kuba zu berichten. Mindestens aus den drei folgenden Gründen: Erstens, weil hier Prävention und Kontrolle besonders frühzeitig begonnen wurden, schon als es noch keine Fälle gab, und weiterhin effektiv gehandhabt werden: Der kubanische Prävention- und Kontrollplan ist seit Januar 2020 in Kraft. Er beinhaltet das Training des medizinischen Personals, Maßnahmen zur Quarantäne-Vorbereitung und die Information der Öffentlichkeit. Der öffentliche Nahverkehr ist landesweit gestoppt. Dabei sind staatliche und auch private Autofahrer gehalten, Patienten und medizinisches Personal zu transportieren. Große Supermärkte sind geschlossen, die Verteilung knapper Güter wird vom Zivilschutz übernommen, 60.000 Medizin-Studenten besuchen die Wohnhäuser, um Risikogruppen zu untersuchen. Weil Seife und Desinfektionsmittel fehlen, werden die Hände an den Eingängen von Läden und Dienstgebäuden mit gechlortem Wasser desinfiziert. Jeder Patient, der sich aufgrund von Symptomen dem Arzt vorstellt, wird zunächst als Corona-verdächtig eingestuft. Es werden auch besonders viele Tests durchgeführt: Die Ratio von Tests zu identifizierten Fällen beträgt in Kuba 25 zu 1. In Deutschland ist das Verhältnis 10 zu 1. Zweitens, weil Kuba zur Therapierung der Virus-Erkrankung schon mehrere eigene Medikamente entwickelt hat: CIGB-2020 soll insbesondere bei älteren Menschen den Krankheitsverlauf abschwächen. Interferon alfa 2 B (INFrec) stärkt das Immunsystem und wurde schon bei Dengue, Krebs sowie Hepatitis B und C mit Erfolg angewandt. Ferner werden noch das vorbeugende Medikament Biomodulina-T und, für Schwerkranke, CIGB 254 als erfolgversprechend aufgeführt. Auch deutsche und andere ausländische Firmen sind an einigen dieser Medikamente interessiert. Drittens, weil Kuba, das bereits über vielfältige Ärzte-Erfahrung im Ausland verfügt, seine erprobten Ärzte und Pfleger insgesamt in 31 Staaten, darunter Italien, Andorra, französische Überseegebiete, Jamaica, Surinam, Nicaragua, Grenada, Honduras, Katar und Argentinien „exportiert“. Kuba schickt seine Ärzte selbst in Länder, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen hat. Aus dem Export soll die kubanische Regierung 6,3 Milliarden Dollar eingenommen haben, was sich insgesamt auf rund 11 Milliarden summieren könnte. Dieser Export, so zitiert das „Handelsblatt“ zwei Spezialisten, sei zurzeit Kubas wichtigste Devisenquelle. Von Kuba-kritischen Quellen wird moniert, dass die Ärzte das Geld nicht selbst erhalten, sondern die Regierung. Dabei machen das andere Regierungen genauso. Dieselben Quellen betonen auch immer wieder, diese Hilfe sei bloßes Propaganda-Instrument. Und wenn es so wäre, ist nicht Hilfe immer noch besser als keine? Was zeigt uns Kuba noch? Dass Corona leider auch in warmen Regionen gedeiht und dass es ausgesprochen günstig ist, wenn Regierung und Bevölkerung an einem Strang ziehen. Aber auch: Wenn man Kuba mit Deutschland vergleicht, kommt heraus, dass die Resultate bei der Bekämpfung der Krankheit in Nicht-Demokratien und Demokratien ähnlich gut sein können. Was die Versorgung betrifft, war ja Kuba, anders als Deutschland, auch schon vor der Corona-Krise an Mangel gewöhnt. Man kann es aber auch anders sehen: Das, was in der Kritik an Kuba oft an erster, mindestens aber an zweiter Stelle genannt wird – dass es Versorgungsengpässe gibt – trifft in Corona-Zeiten auch auf Deutschland zu, o.k. hier wohl etwas weniger als dort. Jedoch bei fehlendem Toilettenpapier prügelt man sich in Kuba nicht. (Bild: Ministerio de Salud_Cuba).


21. April 2020 | Argentinien: Covid-19 und die (notwendige) Neugründung des Landes | Kategorie(n): Noticias Argentinien

Argentinien_Covid_Bild_quetzal-redaktion_solebiasattiSeit einem Monat befindet sich auch Argentinien unter Quarantäne aufgrund der Covid-19-Pandemie. Die Maßnahme wurde damals von Teilen der Opposition als „voreilig“ kritisiert, da es zu diesem Zeitpunkt lediglich weniger als 100 bestätige Infizierte und 3 Todesfälle gab. Zwei Wochen nach Feststellung des ersten Falles am 2. März war die Schließung von Grenzübergängen und die Aussetzung des Schulunterrichts verordnet worden. Geht man von der Glaubwürdigkeit der offiziellen Zahlen aus, 2.900 Erkrankte und 130 Todesfälle, so führten die frühzeitig durchgeführten Maßnahmen zur Verlangsamung der Virusausbreitung, was wiederum von der bislang niedrigen Belegung von Intensivbetten bestätigt wird. Da die Zahl der bislang durchgeführten Tests unzureichend sind, sollen jedoch die niedrigen Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden. Im Gegensatz zu diesen niedrigen Covid-Zahlen steht die hohe Zahl an Suspendierungen und Entlassungen, die im Zusammenhang mit der Ausgangssperre durchgeführt wurden – bis dato fast 16.000 MitarbeiterInnen – nicht nur von kleineren Familienfirmen, sondern hauptsächlich von großen Konzernen wie General Motors, Techint oder Minera del Altiplano. In diesem Zusammenhang gab Präsident Fernández einerseits einen Dringlichkeitserlass heraus, der innerhalb der kommenden zwei Monate Entlassungen untersagt. Andererseits wurde ein Programm zur Unterstützung der Beschäftigung und Produktion gestartet, das zinsfreie Darlehen für Selbständige anbietet und Firmen bei der Lohnzahlung unterstützt. Der Beschluss zur Maskenpflicht, der bereits am 8.04. in einigen Provinzen eingeführt wurde und seit gestern landesweite Geltung hat, stellt für zahlreiche Handwerker, die aufgrund der Ausgangssperre nicht arbeiten dürfen, eine konkrete Beschäftigungsmöglichkeit dar. Derzeitige parlamentarische Diskussionen über die Verabschiedung eines Gesetzes zur Vermögensversteuerung sind von ausschlaggebender Bedeutung – zumal eine Rückkehr zur Normalität im Fall Argentiniens über die momentane Lage hinausgeht. Hinzu kommt nicht nur die Ausbreitung von Denguefieber, sondern auch die Belastung des Internationalen Währungsfonds und eine langfristige einheimische Wirtschaftskrise, die von unpopulären Maßnahmen der vorherigen Regierung Macri verschärft wurden. Fernández brachte erneut seine Überzeugung aus dem Wahlkampf zum Ausdruck, dass es notwendiger denn je sei, ein solidarisches und gerechteres Land neu zu begründen. (Bild: quetzalredaktion_solebiasatti).


15. April 2020 | Ecuador: Apocalipsis ahora | Kategorie(n): Noticias Ecuador

noticias_ecuador_covid-19_public_domainHeute meldete Ecuador 7.603 bestätigte Coronafälle und 369 an der Krankheit Verstorbene. 71,2 Prozent der Kranken entfallen auf die Küstenprovinz Guayas, aus deren Hauptstadt Guayaquil die Medien rund um den Globus apokalyptische Szenen schildern: Tote auf den Straßen und in Wohnungen, überfüllte Leichenhallen. Die Stadt baut drei neue Friedhöfe, um die Toten bestatten zu können, eine Firma spendete Särge aus Pappe. Mittlerweile wurde gemeldet, dass extra zu diesem Zweck abkommandierte Polizeieinheiten in Guayaquil Hunderte Tote aus Wohnungen und Krankenhäusern abgeholt hätten. Es ist trotz der Situation in Guayas vermutlich nicht gerechtfertigt, die offiziellen Angaben zu den Coronatoten einfach als Vertuschungsversuch der Regierung abzutun. Staatsministerin María Paula Romo gab heute bekannt, dass die Ergebnisse von etwa 10.000 Tests noch ausstehen. Fakt ist, dass man einfach nicht weiß, wie viele Menschen tatsächlich an Covid-19 gestorben sind. Das Gesundheitssystem ist faktisch zusammengebrochen, Hilfsbedürftige – und nicht nur Coronakranke – warten oft vergeblich auf Behandlung. Jetzt versuchen die Behörden verzweifelt gegenzusteuern und der Krise Herr zu werden; es wird auch an einem Fernpflegesystem gearbeitet. Vor drei Wochen war die Gesundheitsministerin wegen der unzureichenden Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19 zurückgetreten. Dass die Regierungsmitglieder jetzt auf die Hälfte ihres Gehalts verzichten wollen, fühlt sich da eher wie Kosmetik an. Zehn Milliarden US-Dollar, so heißt es, brauche Ecuador, um die Krise zu überwinden. Man rechnet mit einem Wirtschaftsrückgang von sechs Prozent. Schlechtere Prognosen gibt es in Lateinamerika nur für Venezuela und Mexiko. (Bildquelle: wiki_public_domain).


31. März 2020 | Nicaragua: Corona und der magische Realismus | Kategorie(n): Noticias Nicaragua

Nicaragua_CC_wikiGoogelt man Mexiko mit Corona, findet man schon lange nicht mehr an erster Stelle die beliebte süffige Flüssigkeit. Bei Nicaragua ist das anders: Hier sind es noch immer die dicken Rauchstäbchen, die uns aus dem Internet grüßen. Richtig, auch in Lateinamerika haben viele Länder viele Corona-Infizierte und wenige wenige. Es ist schon eine Crux mit den Statistiken: Wer nicht misst oder testet, hat natürlich auch keine oder kaum Fälle. Immer dieses Misstrauen! Warum kann es nicht sein, dass es in Nicaragua einfach nichts zu testen gibt, weil keiner oder kaum einer krank ist? Nun ja, um das zu wissen, müsste man erst einmal … testen. Kurzum, wir wissen es nicht. Nach Belize sei es Nicaragua, das in Lateinamerika am wenigsten von COVID-19 betroffen ist oder solches zumindest vorgibt. Dabei sind seine zentralamerikanischen Nachbarn keinesfalls frei von höheren Zahlen: Für Honduras werden (am 31.03.) 141 und für Costa Rica 330 Infizierte angegeben. Die für „hochkonsistente Daten“ bekannte Johns-Hopkins-Universität, die, ob direkt oder indirekt, ihre Quellen aber auch nur in den betreffenden Ländern selbst haben kann, nennt nun schon dreizehn Tage lang nur vier Betroffene für Nicaragua. In dreizehn (!) Tagen ist in diesem Land nichts weiter an Ansteckung passiert? Was ist denn hier mit der exponentiellen Kurve? O.k., am Anfang ist sie ja immer flach. Am 18. März wurde in Nicaragua vom ersten Corona-Fall berichtet. Doch ein Schelm, der Böses dabei denkt: Präsident Ortega zeigt sich – aus welchem Grunde eigentlich, wo doch nichts gefährlich ist? – schon seit dem 21. Februar nicht mehr in der Öffentlichkeit. Vogel Strauß lässt grüßen. Er lässt wieder einmal seine Frau, Rosario Murillo, die Vizepräsidentin, sprechen. Ihre offiziellen Zahlen seien „tadellos transparent“. Fragen von Journalisten werden nicht zugelassen. Nach den Worten der Ehefrau brauche Nicaragua weder Ausnahmezustand noch Quarantäne, weder soziale Distanz noch Grenzschließung. Stattdessen ruft Frau Murillo zum Marsch der Bürger unter der Losung auf „Amor en los tiempos de COVID-19“. Nun ja, die Liebe verlangt halt nach Nähe und nicht nach sozialer Distanz. Ein wirklich magischer Realismus! Oder, wie Wikipedia sagt: Die Grenze zum Surrealismus ist fließend. (Bildquelle: CC_wiki).


25. März 2020 | Lateinamerika: In Erwartung der Katastrophe – Corona in Lateinamerika | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

noticia_mexico_covid-19_foto_mctic.gov.brCovid-19 kam am 26 Februar in Lateinamerika an: an diesem Tag meldete Brasilien den ersten Erkrankten in der Region. Die neuesten Zahlen der bestätigten Erkrankungen reichen von 1.900 in Brasilien über 416 in Peru bis zu 1 in Nicaragua. Damit ist Lateinamerika nach wie vor verhältnismäßig wenig von der Pandemie betroffen, doch die Länder bereiten sich auf Schlimmeres vor und ergreifen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt drastische Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren, die Schließung öffentlicher Einrichtungen oder Ein- und Ausreiseverbote. De facto haben sich die Länder gegeneinander abgeschottet. Zwar beschlossen die Regierungen der am Forum für den Fortschritt Südamerikas (Prosur) beteiligten Länder vor wenigen Tagen ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen das Virus, doch fällt es ihnen schon im nationalen Rahmen schwer, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen, da ihr Rückhalt in der Bevölkerung meist nicht groß ist. In Brasilien führt ein die Krise leugnender Präsident politische Auseinandersetzungen mit den Gouverneuren der am stärksten von der Pandemie betroffenen Regionen des Landes statt sie zu unterstützen. In Kolumbien starben bei einem Gefängnisaufstand vor zwei Tagen 23 Menschen und 90 weitere wurden verletzt. Aus Peru wird von mehreren Hundert Verhafteten berichtet, weil die nationale Quarantäne nicht eingehalten wird. Neben dem Fehlen staatlicher Autorität erschweren schlechte Gesundheitssysteme ein wirksames Vorgehen gegen das Virus. Zudem treffen Ausgangssperren die Bevölkerung in vielen Ländern der Region weit stärker als in Europa oder auch in China. Allein in Mexiko arbeiten knapp 60 Prozent im informellen Sektor, ihnen würde so jeglicher Lebensunterhalt entzogen. Experten rechnen deshalb mit einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe, falls die Pandemie die gleiche Stärke erreicht wie in Europa und China. Die gegenseitige Abschottung der wirtschaftlich miteinander verflochtenen Länder dürfte diese Krise noch verschärfen (Bildquelle: mctic.gov.br).


19. März 2020 | Kolumbien: Katastrophenszenario im Amazonas | Kategorie(n): Noticias Kolumbien

Noticias_Kolumbien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcDas Flammenmeer, was bereits im vergangenen Jahr große Teile des Amazonas verschlungen hatte, ist immer noch nicht ausgelöscht. Am 17. März fiel das Nukak-Reservat der Feuersbrunst zum Opfer. Die indigene Bevölkerung in diesem Gebiet zählt offiziell zu den Gruppen im „Erstkontakt“. Ihr Leben ist bedroht durch massives Waldsterben, das einhergeht mit dem Landgrabbing durch Siedler, Kokabauern und neuerdings auch Großgrundbesitzer. Das betroffene Departamento Guaviare macht zwanzig Prozent der entwaldeten Fläche des kolumbianischen Amazonas aus. Kriminelle Gruppen bauen im niedergebrannten Wald Routen für den Drogenhandel aus, oder betreiben illegalen Bergbau und Viehhaltung. Zwanzig Brände gleichzeitig vernichteten 628 verschiedene Pflanzenarten und damit auch Lebensräume von Tigern, Jaguaren, Pumas, zehn Affenarten, vierzehn Papageien- und vier Tukanarten und 158 Ameisentype (Bild_Quetzal-Redaktion_gc).


11. März 2020 | Uruguay: Der Sohn ist’s, nicht der Vater | Kategorie(n): Noticias Uruguay

Noticias_Uruguay_LacallePou_Bild_CC_wikiHatte der Vater, Luis Alberto Lacalle Herrera, seine Präsidentenzeit bereits in der erste Hälfte der 1990er Jahre absolviert, ist es nun, seit dem 1. März 2020, der Sohn, Luis Alberto Lacalle Pou, der den entsprechenden Sessel im Torre Ejecutiva in Montevideo besetzt. Nach 20 Jahren als Abgeordneter und Senator hat nun auch er es geschafft: Er ist ganz oben. Er vertritt dabei die Partido Nacional (PN), die sich – konservativ – über 180 Jahre gut gehalten hat. Bekannt geworden ist sie als Partido Blanco. Der Sohn löste zwar im Präsidentenamt Tabaré Vásquez von der Frente Amplio ab, aber eben auch seinen Vater, dies insofern, als jener der letzte Präsident des Landes unter der Fahne der PN war. Zur Inauguration fuhr Lacalle Pou in dem Automobil vor, mit dem auch der Vater schon zu seiner eigenen Präsidentenweihe gefahren war: einem Ford V8 von 1937. Traditionsbewusstsein kennt eben keine Grenzen! Um das Familienbildnis zu vervollständigen: Mit dem älteren Sohn des jetzigen Präsidenten gibt es ein weiteres Familienmitglied, das Luis Alberto Lacalle heißt; der jüngere Sohn trägt den Vornamen des Begründers der PN Manuel Oribe. Des Präsidenten Mutter wiederum verdingte sich einst als Senatorin, und als sie sich zurückzog, nahm dann eben der Sohn, zuvor ihr Stellvertreter, mit 26 Jahren ihren Abgeordnetenplatz ein. Ihr Großvater und sein Urgroßvater mütterlicherseits galt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als einer der caudillos der PN. Der Ford V8 von 1937 war ursprünglich sein Eigentum gewesen. Konnten Sie folgen? Als Lacalle Pou, als Kind auf einer Kiste stehend und wild gestikulierend, diesen seinen Urgroßvater in einer Rede imitierte, begann wohl seine politische Karriere. Anderenfalls wäre er vielleicht eine Art Jacques Costeau, Meeresbiologe und Seefahrer, geworden. Ein Surfer ist er trotzdem noch, na ja und eben Präsident. War die uruguayische Atlantikküste etwa nicht verheißungsvoll genug? Genug der „gelben“ Genealogien und Personalien! Was verheißt denn der 47jährige Surfer der uruguayischen Politik? Die Zeiten von Pepe Mujica und Tabaré Vásquez als Frente Amplio-Präsidenten sind unwiederbringlich vorbei. Die beiden Linken sind inzwischen zu alt (Mujica) oder zu krank (Vásquez), um das Ruder später noch einmal in die Hand zu nehmen. Lacalle Pou hat in der Stichwahl am 28. November 2019, wenn auch nur mit 0,8 Prozent bzw. 30.000 Stimmen mehr, das Linksbündnis Frente Amplio mit deren neuem Kandidaten Daniel Martínez besiegt, der seinerseits keinen Wahlbetrug konstatierte und dem neuen Präsidenten freundlich gratulierte. In der ersten Wahlrunde hatte Martínez noch recht weit vor Lacalle Pou gelegen. Die Frente Amplio ist noch immer stark und hat fast die Hälfte der Bevölkerung hinter sich. Lacalle Pous aus fünf Parteien bestehendes rechtes Bündnis Compromiso por el País (oder auch Coalición Multicolor) ist in sich so heterogen, ja rivalisierend, dass dieser Mühe haben wird, es zusammenzuhalten. Steht Lacalle Pou politisch eher im (rechten) Zentrum, gehört zu seinem Bündnis auch das rechtspopulistische Cabildo Abierto unter Guido Manini, einem Ex-General und früherem Oberbefehlshaber der Armee, auch als „Uruguays Bolsonaro“ benannt oder, schlimmer noch, als politischer Nachfahre der Militärdiktatur der 1970er Jahre. Die argentinische Zeitung Clarín sieht für Uruguay ökonomische Öffnung und eine harte Hand in der Sicherheitspolitik kommen. Außerdem will Lacalle sparen. Und wie wird sich nun die Nachbarschaft zum linksperonistischen Argentinien gestalten? Doch einen Trumpf hat Lacalle Pou ganz sicher in der Hinterhand: Seine Vize ist eine Frau, Beatríz Argimón, eine Feministin. Sie ist Uruguays erste Vizepräsidentin. Immerhin, selbst zu der eher maskulinen Fiesta Gaucha hat sie ihren Chef sogleich begleitet. Doch in die Zukunft gefragt, wie viele Feministinnen (!) mag es in Uruguay wohl geben, die gerade ihretwegen konservativ (!) wählen würden? (Bildquelle: CC_wiki).


03. März 2020 | Nicaragua: Der Dichter und Priester Ernesto Cardenal ist tot | Kategorie(n): Noticias Nicaragua

noticias_Nicaragua_Ernesto_Cardenal_CCDiese Bilder haben sich eingeprägt: Die irgendwie etwas gelangweilten Gesichter von Gästen des Festaktes, die der Dankesrede des Geehrten lauschen; die Übersetzung seines Redemanuskriptes bleibt unbeachtet auf dem Schoß liegen, so als interessiere es nicht, was dieser zu sagen habe. Das war im Oktober 1980, der nicaraguanische Dichter und Vertreter der Theologie der Befreiung Ernesto Cardenal war gerade mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Im Jahr zuvor hatten die Sandinisten die Somozadiktatur gestürzt und Cardenal gehörte als Kulturminister der sandinistischen Regierung an. Verständlich, dass sich im deutsche Publikum des Festakts nicht nur Sympathisanten fanden. Knapp drei Jahre später wird Papst Johannes Paul II. während seiner ersten Lateinamerikareise den revolutionären Priester mit großer Geste tadeln und im Jahr darauf vom Priesteramt suspendieren. Der Vorwurf des explizit politisch agierenden Papstes aus Polen betraf das politische Engagement Cardenals und der anderen Gemaßregelten. Ernesto Cardenal wird diesen Papst gut 20 Jahre später in einem Spiegel-Interview als ein Unglück für Lateinamerika und die Welt bezeichnen. Erst im vergangenen Jahr wurde diese Suspendierung wieder aufgehoben. Ernesto Cardenal Martínez, der aus einer einflussreichen Familie stammte, hatte zunächst Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Später zog er sich in ein Trappistenkloster zurück, studierte schließlich Theologie und wurde zum Priester geweiht. Von der Welt zog er sich indes nicht zurück. Sein politisches Engagement für die Armen treibt ihn zeit seines Lebens um; ob nun in seiner Gemeinschaft von Solentiname gegen Somoza, als Minister der sandinistischen Regierung oder in der Opposition gegen das System Ortega. Er selbst sagte über sich einmal, er sei zum Dichter geboren, weshalb er auch Priester geworden sei, um die Schönheit Gottes zu besingen. Für Cardenal, der bis zuletzt betonte, er bleibe ein christlicher Marxist, war die Theologie der Befreiung eher eine Theologie der Revolution, schließlich stehe die Kirche Jesu Christi auf der Seite der Armen. Am Sonntag, dem 1. März, ist Ernesto Cardenal in Managua verstorben. Seine letzte Ruhe wird er in Solentiname finden. (Bildquelle: Roman Bonnefoy_CreativeCommoms).


25. Februar 2020 | Argentinien: Holocaust Museum in Buenos Aires wiedereröffnet | Kategorie(n): Noticias Argentinien

Argentinien_HolocaustMuseum_Bild_CC_wiki_Ginés90Vergangene Woche öffnete das Museo del Holocausto Buenos Aires, das als eines der besten seiner Art gilt, wieder seine Pforten. Das kürzlich sanierte Museum, welches 2000 eingeweiht worden war, beherbergt auf drei Etagen nicht nur zahlreiche Exponate und Berichte von Überlebenden, die im argentinischen Exil ihr Leben neu beginnen durften, sondern auch eine spezialisierte Bibliothek und ein Archiv. Die neue Dauerausstellung zeigt in einer modernen Präsentation die Judenverfolgung während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs in Europa sowie ihre Auswirkungen in Argentinien. Das südamerikanische Land war einerseits einer der wichtigsten Exilorte für verfolgte Juden, nicht nur nach Hitlers Machtergreifung, sondern bereits während der Pogrome im zaristischen Russland. Andererseits nahm Argentinien – Ironie des Schicksals und nicht zuletzt der doppeldeutigen politischen Handlung des damaligen Präsident Juan Domingo Perón – auch mehrere Kriegsverbrecher auf, die nach der Zerschlagung Nazideutschlands flüchteten, u.a. Josef Mengele, Erich Priebke und Adolf Eichmann. Buenos Aires berief sich in den 1930er Jahren darauf, den wichtigsten NSDAP-Sitz außerhalb des Dritten Reiches zu haben. Auch damit bestärkte Argentinien schon damals seine ausgeprägte Leidenschaft für Superlative. Es ist zu hoffen, dass das Land seinem Stil in diesem Sinne nicht ganz treu blieb. (Bild: CC_wiki_Ginés90).


18. Februar 2020 | El Salvador: Demokratie? Egal! Der „coolste Präsident der Welt“ wollte das Geld! | Kategorie(n): Noticias El Salvador

Noticias_El Salvador_Bukele_Bild_wiki_CCAm 9. Februar 2020 traute man in San Salvador seinen Augen kaum: Ein etwa halbes Hundert schwerbewaffneter Armeeangehöriger und Polizisten mit Schusswesten besetzte den halbleeren Plenarsaal des salvadorianischen Parlaments. Wenig später marschierte auch der Präsident El Salvadors Nayib Bukele in den Saal, um dortselbst den Sitz des Parlamentspräsidenten einzunehmen, der seinerseits nicht anwesend war. Bukele verkündete mit klarer Stimme: „Nun ist es wohl klar, wer die Situation kontrolliert!“ In El Salvador hatte wieder einmal die Exekutive, gar militärisch, die Legislative „besiegt“. Demokratie und Gewaltenteilung? Egal! Nach seinem einzigen Satz schloss der Präsident für ein paar Minuten die Augen und verließ dann den Saal wieder, gefolgt von seinen bewaffneten Begleitern. Das Fernsehen übertrug live. Draußen wurde Bukele von etwa 5000 Anhängern, darunter vor allem Mitglieder seiner Partei Nuevas Ideas und Regierungsangestellte, empfangen, denen er eröffnete, im Saal habe Gott zu ihm gesprochen und ihn doch noch um Geduld gebeten. Wie schön, Gott hatte ihn noch einmal vor einem „Selbstputsch“ bewahrt! Aber für wie lange? Denn im gleichen Atemzug kündigte Bukele vor den Menschenmassen an: Wenn das Parlament nicht innerhalb einer Woche seiner Intention entspräche, würde er es nunmehr durch einen „Aufstand“ auflösen. In dieser Rede soll Bukele dann Gott sogar 25 Mal angerufen haben. Für deren Ende wählte er den Satz der Linken: „El pueblo unido jamás será vencido!“ Was war zuvor passiert? Am 5. Februar hatte das Parlament dem Präsidenten die Erfüllung seines Wunsches nach einem Kredit von 109 Millionen $ versagt, die dieser für die Finanzierung der Phase 3 seines Planes Control Territorial beanspruchte. Bukele hätte dafür der Stimmen entweder der Partei ARENA oder der FMLN bedurft, die sie ihm allerdings nicht gaben. Wieder einmal rächte sich, dass er sich im Parlament auf keine signifikante eigene Partei stützen kann. Am 9. Februar waren dann bis zu der von Bukele anberaumten Uhrzeit nicht genügend Abgeordnete für eine Außerordentliche Parlamentssitzung erschienen. Der Präsident reagierte mit o.g. Szenario. Bis zum heutigen Tag (18.02.2020) hat das Parlament seine Forderung nicht erfüllt. Was wird nun passieren? Zu Recht bezeichnen salvadorianische Kolumnisten Bukeles Akt vom 9. Februar, der im Übrigen auch bei der politischen Rechten und der Unternehmerschaft Kritik fand, als die schlimmste Krise der Demokratie seit Unterzeichnung des Friedensabkommens. Denkt man diese Krise, mithin die autoritäre Attitüde Bukeles, mit der Tatsache zusammen, dass dieser als der populärste Präsident seit 1992 in El Salvador gilt (noch im Januar 2020 gaben ihm 91 Prozent in einer Umfrage von CID GALLUP ihre Unterstützung), schwant einem nichts Gutes. Bukele dünkt sich zudem als coolster Präsident, sogar der Welt. Nun ja, es ist da wohl mindestens noch einer auf dem Kontinent, der das von sich meinen dürfte. Aber selbst dessen Botschafter in El Salvador hat in einem Tweet lakonisch Respekt vor der drei Gewalten und Verhandlungen gefordert. (Bild: wiki_CC).


12. Februar 2020 | Lateinamerika: Fettleibigkeit ist auch in Lateinamerika ein Problem | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

noticia_Übergewicht_Bild_Weltbank_CreativeCommonsUnter dem Titel „Obesity“ veröffentlichte die Weltbank am 6. Februar einen Bericht zu den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen von Fettleibigkeit. Für Lateinamerika sind die veröffentlichten Ergebnisse durchaus alarmierend. 60 Prozent der erwachsenen Lateinamerikaner werden als fettleibig eingestuft. Darüber hinaus ist auf dem Kontinent eine zunehmende Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen, und die Wachstumsrate steigt. Bereits jetzt leiden fast 40 Prozent der Kinder an starkem Übergewicht und mehr als Prozent bringen mehr auf die Waage als ihr Idealgewicht. Von den lateinamerikanischen Ländern sind Mexiko und Chile am stärksten, Nicaragua, Paraguay und Haiti am wenigsten betroffen. In Mexiko sind durch Fettleibigkeit verursachte Krankheiten bereits die häufigste Todesursache. Die Autoren des Berichtes benennen neben genetischer Veranlagung eine Reihe von verhaltensbedingten Ursachen für diese Entwicklung: frühkindliche Ernährung, Veränderung der Ernährungsgewohnheiten (hoher Konsum zuckerhaltiger und verarbeiteter Lebensmittel), zu wenig Bewegung. Um der „Zeitbombe Fettleibigkeit“ Herr zu werden, fordern die Autoren die Regierungen auf, Programme aufzulegen, die eine gesunde Lebensweise ermöglichen. Das schließt Bildung und Information über gesunde Ernährung ebenso ein wie eine verbesserte urbane Infrastruktur. In Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile wurden zuckerhaltige Softdrinks mit einer Extrasteuer belegt. Das kann aber nur ein Anfang sein, auch wenn für Mexiko bereits erste Wirkungen der Steuer nachweisbar sind. (Bild: Weltbank_CC).


04. Februar 2020 | Bolivien: Acht Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen registriert | Kategorie(n): Noticias Bolivien

Bolivien_Regierungspalast_Bild_Quetzalredaktion_pgDer Präsident der Obersten Wahlbehörde Boliviens (TSE), Salvador Romero, gab auf einer Pressekonferenz am Montag die Namen der Spitzenkandidaten für anstehenden Wahlen bekannt. Im ersten Wahlgang, der für den 3. Mai anberaumt ist werden acht Bündnisse bzw. Parteien antreten. Für den MAS (Movimiento al Socialismo) wird der frühere Wirtschaftsminister Luis Arce als Kandidat für das höchste Staatsamt antreten. Carlos Mesa, der von 2003 bis 2005 das Land regierte, und Jorge Quiroga, der 2001 bis 2002 das Präsidentenamt innehatte, werden für die Bürgervereinigung (Comunidad Ciudadana) bzw. Libre 21 ins Rennen gehen. Mit Jeanine Áñez, die sich nach dem Putsch gegen Evo Morales selbst zur Interimspräsidentin ernannt hatte, sowie Luis Fernando Camacho, der als Chef des Bürgerkomitees von Santa Cruz die Aktionen der Putschisten koordiniert hatte, kandidieren auch zwei Vertreter der extremen Rechten. Die drei anderen Kandidaten sind Chi Hyun Chung, der für den Frente para la Victoria antritt, Feliciano Mamani, ein Bergarbeiterführer, der an der Spitze von Pan-Bol steht, sowie der rechte Militär Ismael Schabib, der für die Acción Democrática Nacionalista (ADN), die Partei des ehemaligen Diktators Hugo Banzer, kandidiert. Am Wochenende zuvor war der Versuch gescheitert, eine Einheitsfront gegen den MAS von Evo Morales zu bilden. Dieser wird am 3. Mai für den Sitz eines Senator für das Departamento Cochabamba kandidieren. Bei der jüngsten Umfrage, deren Ergebnisse letzte Woche präsentiert wurden, lag Arce (MAS) mit 26 Prozent vorn, gefolgt von Mesa und Camacho mit je 17 Prozent. Áñez erhielt 12 Prozent, während Chi und Quiroga mit sechs bzw. drei Prozent hinten lagen. Der wahrscheinlich notwendige zweite Wahlgang soll am 14. Juni stattfinden. Zuvor, am 3. April, wollen sich die Gegner von Evo Morales treffen, um erneut über die Bildung einer Einheitsfront zu beraten. Massive Kritik an der amtierenden Regierung rief das Vorgehen der bolivianischen Sicherheitskräfte gegen zwei MAS-Politiker am vergangenen Samstag hervor. César Navarro, ehemaliger Bergbauminister, und Pedro Damián Dorado, ehemaliger Vizelandwirtschaftsminister, waren im Beisein der Botschafter der EU und Mexikos verhaftet worden, obwohl ihnen freies Geleit für ihren Flug ins Exil nach Mexiko zugesagt worden war. Erst nach internationalen Protesten kamen die Inhaftierten wieder frei. Der Vorfall zeigt, welche Anstrengungen die Gegner von Evo Morales unternehmen, um dessen Anhänger unter Druck zu setzen und zu behindern. (Bild: Quetzalredaktion_pg).


28. Januar 2020 | Kolumbien/USA: Durchführung militärischer Übungen in Namen der Demokratie | Kategorie(n): Noticias Kolumbien

Noticias_Kolumbien_USA_Bild_Quetzal-Redaktion_gcVergangene Woche führten Einheiten der kolumbianischen und US-amerikanischen Streitkräfte gemeinsame Übungen auf kolumbianischem Gebiet durch. Die Manöver erfolgten im Anschluss an ein Treffen des US-Staatsministers Mike Pompeo mit dem venezolanischen Oppositionsführer Juan Guadió in Bogotá. Bei dem Gespräch, das im Rahmen einer regionalen Konferenz über den Kampf gegen den Terrorismus stattfand, hatte Pompeo dem selbsternannten Präsidenten Venezuelas die Unterstützung Washingtons zugesichert, um den Rücktritt von Präsident Nicolás Maduro zu erzwingen. Die auf der kolumbianischen Militärbasis Tolemaida durchgeführte Übung wurde neben Pompeo und dem neuen US-Botschafter, Philip Goldberg, von Vertretern der brasilianischen Armee beaufsichtigt. Goldberg, der seit vergangenem September in Bogotá tätig ist, war bereits 2008 vom damaligen Präsident Boliviens, Evo Morales, ausgewiesen und wegen Verschwörung gegen die bolivianische Regierung zur „Persona non grata“ erklärt worden. Die USA sind zurzeit in über 170 Ländern militärisch präsent – einschließlich Kolumbien und Brasilien. Auch wenn ein Streifzug durch die Geschichte Lateinamerikas im 20. Jahrhundert das militärische Engagement Washingtons für die Rechtsstaatlichkeit und die Schaffung des Friedens infrage stellt, begründete die kolumbianische Regierung die Maßnahme mit der Notwendigkeit, die vor internationalen kriminellen Organisationen gefährdete Demokratie zu stärken. (Bild: Quetzalredaktion_gc).


21. Januar 2020 | Mesoamerika: Weltweit die gefährlichste Region | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

Noticias_Mexiko-Stadt_Foto Quetzal-Redaktion_pablo arocaZentralamerika führt seit Jahren die globale Statistik der Gewalt an. Obwohl der Isthmus nicht zu den Kriegsgebieten gehört, sind dort in den letzten zwanzig Jahren fast 300.000 Menschen gewaltsam getötet worden. Mit 51 Morden je 100.000 Einwohner lag El Salvador 2018 an der Spitze, gefolgt von Honduras mit 40, Belize mit 35,9 und Guatemala mit 22,4. Während die Tötungsrate in den genannten Ländern seit 2016 fällt, ist sie in Mexiko, das zusammen mit seinen südlichen Nachbarn zu Mesoamerika zählt, angestiegen. Mit 34.582 Morden war dort 2019 das gewalttätigste Jahr seit dem Beginn der statistischen Erfassung 1997. 2018 lag die entsprechende Zahl noch bei 33.369, was einer Mordrate von 25,8 Prozent entspricht. Damit hat Mexiko den zentralamerikanischen Durchschnitt von 23,7 übertroffen. Ähnliche Werte weisen auch Brasilien und Kolumbien mit jeweils 25 Tötungen je 100.000 Einwohner auf. Vor El Salvador, das im lateinamerikanischen Vergleich der Mordraten 2018 auf Platz zwei kam, liegt nur noch Venezuela mit einem Wert von 81,4. Hinter dieser Zahl verbergen sich 24.047 Menschen, die gewaltsam ums Leben gekommen sind. (Bild: Quetzalredaktion_pabloaroca).


08. Januar 2020 | Bolivien: Neuer Wahltermin steht fest | Kategorie(n): Noticias Bolivien

La Paz_Regierungspalast_Foto_Quetzal-Redaktion_gcDer Vorsitzende der Obersten Wahlbehörde Boliviens (TSE), Salvador Romero, hat am Wochenende den 3. Mai 2020 als neuen Termin für die allgemeinen Wahlen bekannt gegeben. Falls bei den Präsidentschaftswahlen eine zweite Runde erforderlich sein sollte, dann wird dies nicht vor dem 15. Juni der Fall sein. Laut einer Umfrage von Unitel, deren ergebnisse am 2. Januar veröffentlicht worden sind, liegt der MAS, die Partei von Evo Morales, mit 20,7 Prozent vorn, gefolgt von Jeanine Áñez, die als Interimspräsidentin fungiert, mit 15,6 Prozent. Auf dem dritten Platz liegt Carlos Mesa mit 13,8 Prozent. Luis Fernando Camacho und Marco Pumari, die auf der Liste des MNR (Movimiento Nacionalista Revolucionario) für das Amt der Präsidenten bzw. Vizepräsidenten kandidieren werden, können auf eine Zustimmung von 6,9 bzw. 8,2 Prozent verweisen. Chi Hyun Chung, der bei den Wahlen im Oktober 2019 für den PDC (Partido Demócrata Cristiano) angetreten war, erhielt 8,1 Prozent. Der MAS wird seine Kandidaten am 19. Januar auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires vorstellen. Neben Diego Pary, der seit 2018 das Amt des bolivianischen Außenministers innehatte und nun nach Bolivien zurückkehren will, gelten David Choquehuanca, Luis Arce und Andrónico Rodríguez als die aussichtsreichsten Anwärter. Die beiden Erstgenannten waren unter Evo Morales ebenfalls als Minister tätig – Choquehuanca als Außenmister (2006-2017) und Arce als Wirtschaftsminister (2006-2017; erneut 2019). Der 30jährige Rodríguez ist Politikwissenschaftler (Abschluss 2012) und übt derzeit die Funktion des Vizepräsidenten der Coordinadora de las Seis Federaciones de Cocaleros del Trópico de Cochabamba aus. Laut bolivianischer Verfassung müsste am 22. Januar 2020 eine neue Regierung unter Führung der Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, María Cristina Díaz, die Amtsgeschäfte übernehmen, was Jeanine Áñez, die sich am 12. November 2019 selbst zur Präsidentin des Landes ernannt hatte, jedoch ablehnt. Bislang steht auch die formelle Annahme des Rücktritts von Evo Morales durch die Plurinationale Legislative Versammlung noch aus. Nach Meinung von Eugenio Raúl Zaffaroni, ehemaliger Vorsitzender des Obersten Gerichtshofes Argentiniens und Richter am Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte, sei dieser deshalb noch bis zum 22. Januar 2020 rechtmäßiger Präsident Boliviens. (Bild: Quetzalredaktion_gc).


03. Januar 2020 | Mexiko: Haben Archäologen Reste der Flotte von Hernán Cortés gefunden? | Kategorie(n): Noticias Mexiko

Noticias_Mexiko_Quetzalredaktion_tzDer spanische Konquistador Hernán Cortés, der Anfang des 16. Jahrhunderts das Reich der Mexica (Azteken) eroberte, soll die elf Schiffe seiner Flotte 1519 versenkt haben. Er wollte nicht nur Eroberer, sondern auch Besitzer des Landes sein. Mit seinen Männern wollte er in Mexiko siedeln und sich damit von Diego Velázquez, dem Gouverneur von Kuba, unabhängig machen. Als Siedler und Gründer von Ortschaften war er nur noch dem König untergeordnet. Etwas Genaues weiß man von der Vernichtung der Flotte bis heute nicht, aber das könnte sich jetzt ändern. Archäologen fanden vor der Küste von Villa Rica in Veracruz drei Anker, deren spanischer Ursprung inzwischen außer Frage steht. Seit zwei Jahren untersuchen die Archäologen aus Mexiko und den USA den Meeresgrund vor Villa Rica. Insgesamt durchkämmen die Forscher inzwischen eine Fläche von 10 km2. Schon zu Beginn der Untersuchungen fand sich ein erster Anker, nur wenige hundert Meter von dem neuesten Fund von zwei weiteren Ankern. Damals fand sich auch ein Stück Holz, dessen Untersuchung bereits eine Zuordnung der Funde erlaubte. Der mexikanische Archäologe Roberto Junco erhofft sich mit den Funden weitere Aufschlüsse über Technologie und Kultur der frühen spanischen Siedler. Allerdings halten sich die Experten zurück, was die genaue Herkunft ihrer Funde betrifft: Es könnte sich durchaus um Cortés‘ versenkte Schiffe handeln, aber ebenso gut auch um Überreste des zu Zeiten der Konquista bedeutenden Hafens von Villa Rica. (Bild: Quetzalredaktion_tz).


20. Dezember 2019 | Chile: Protest gegen Ungleichheit und Patriarchat | Kategorie(n): Noticias Chile

Noticias_Chile_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiWas Mensch Meier im gleichnamigen Lied von Ton Steine Scherben entfachte, wiederholt sich seit Mitte Oktober in ungleich größerem Ausmaß auf den Straßen von Chile. Denn wenn einer allein schwarzfährt, handelt es sich allenfalls um stillen Protest. Wenn eine Gruppe das Gleiche tut, kann dem ticketlosen Ungehorsam eine ganze Bewegung folgen. Was als Protest von Schülerinnen und Schülern gegen die Erhöhung der Fahrpreise begann, ist zu einem kollektiven Streik gegen die soziale Ungleichheit in Chile geworden. Wegen der Erklärung des Ausnahmezustands durch Präsident Sebastián Piñera im Oktober patrouillieren erstmals seit Ende der Diktatur Militärkräfte in der Hauptstadt. Kurz darauf wurde der Ausnahmezustand wieder aufgehoben und der Präsident machte Zugeständnisse. Doch die Proteste rissen nicht ab. In einem Land, das von enormen Ungleichheiten geprägt ist und in dem viele grundlegende Güter in privater Hand liegen, gingen die Menschen weiterhin nicht wegen der Bahntickets sondern für eine grundlegende Reform der Lebensverhältnisse auf die Straße. Erst vor einigen Wochen kündigte die Regierung ein Referendum über die Verfassung an, das im April 2020 abgehalten werden soll. Ob sich die Protestierenden damit zufrieden geben werden, bleibt abzuwarten. Zurzeit sieht es eher so aus, als würde sich die Bewegung erweitern. Mit der Aktion “Un Violador En Tu Camino” des feministischen Kollektivs Lastesis demonstrieren von Valparaíso ausgehend inzwischen auch in Deutschland Menschen gegen (Polizei-)Gewalt an Frauen. Denn der Vergewaltiger, so heißt es in der Performance, ist auch der Staat der unterdrückt. (Bild: Quetzalredaktion_solebiasatti).


10. Dezember 2019 | Kolumbien: „Ein Lied für Kolumbien“ gegen die Regierung | Kategorie(n): Noticias Kolumbien

Noticias_Kolumbien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcAm Sonntag machten die Kolumbianer klar, dass die Protestwelle, die das Land seit dem 21. November erschüttert, nicht abreißen wird. Unter dem Motto „Ein Lied für Kolumbien“ fand in Bogotá ein großes Konzert mit zahlreichen Künstlern statt, das die Carrera Séptima, eine der wichtigsten Magistralen der Hauptstadt, blockierte. Ziel der Veranstaltung war es nicht zuletzt, Druck auszuüben, um Ergebnisse bei den Verhandlungen zwischen Regierung und Streikkomitee zu erzielen. Die Demonstranten fordern von der Regierung Duque eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik. Die Einheitsgewerkschaft CUT wirft dem Präsidenten vor, nicht gesprächsbereit zu sein. Im Vorfeld des IV. Gipfels des sozialen Dialogs, der am Montag in Cartagena stattfand, forderte Fernando Carillo (Procurador General de la Nación) den Präsidenten auf, sich mit den Forderungen der Demonstranten ins Einvernehmen zu setzen. Er warf Duque vor, gravierende Probleme in der sozialen Führung des Landes zu haben. Unter der kolumbianischen Bevölkerung ist die Zustimmung zum Präsidenten so schlecht wie nie zuvor. Befragungen ergaben, dass 70 Prozent mit seiner Politik unzufrieden sind. Indes ist die Zustimmung zu den nationalen Streiks und Protesten sehr hoch: 71 Prozent haben die Hoffnung, dass die Streiks die Regierung zu einer Politikänderung zwingen können. (Bild: Quetzal-Redaktion_gc).


04. Dezember 2019 | Uruguay: Uruguay hat einen neuen Präsidenten | Kategorie(n): Noticias Uruguay

Uruguay_Flagge_Bild_PublicDomainVergangenen Samstag wurde der neu gewählte Präsident Uruguays, Luis Lacalle Pou, bestimmt. Beim ersten Wahlgang am 27. Oktober entfielen auf die Kandidaten des regierenden Parteienbündnisses (Frente Amplio – FA), Daniel Martínez Villamil und Graciela Villar, 39 Prozent der Stimmen, während an die Kandidaten des Bündnisses Compromiso por el País, Luis Lacalle Pou und Beatríz Arguimón, 28,6 Prozent der Stimmen gingen. Aufgrund dieses unentschiedenen Ergebnisses gab es am 24. November einen zweiten Wahlgang. Diesen gewannen Lacalle Pou-Arguimón mit einem Stimmenanteil von 48,8 Prozent knapp vor Martínez Villamil-Villar, auf die 47,3 Prozent entfielen. Neben den Präsidentschaftswahlen fanden auch die Wahlen der Mitglieder von Senat und Abgeordnetenhaus statt. Auch wenn es der Frente Amplio dabei gelang, in beiden Kammern die Mehrheit der Sitze zu behalten, lässt die Unterstützung anderer konservativen Parteien für Lacalle Pou die Bildung einer konservativen Koalition vermuten, um sich gegen das Bündnis Frente Amplio auch in der Legislative durchzusetzen. Nach 15 Jahren eher fortschrittlicher Politik ändert Uruguay somit den Kurs. In welchem Umfang und durch welche Maßnahmen damit zur neuen Welle konservativer Regierungen des Südkegels beigetragen wird, wird im kommenden Lustrum ins Gewicht fallen. (Bild: PublicDomain).


26. November 2019 | Bolivien: Parlament beschließt Gesetz zu erneuter Abstimmung | Kategorie(n): Noticias Bolivien

Noticias_Bolivien_Bild_Quetzal-Redaktion_pgAm Sonnabend (23. November 2019) haben beide Kammern des Parlaments ein Gesetz über die Durchführung von Neuwahlen angenommen. Damit wurden die Wahlen vom 20. Oktober für ungültig erklärt. Das Gesetz war möglich geworden, nachdem sich die Abgeordneten und Senatoren des MAS (Movimiento al Socialismo), der Partei des gestürzten Präsidenten Evo Morales, mit zwei Oppositionsparteien – der Unidad Demócrata und dem Partido Demócrata Cristiano – darüber verständigt hatte. Die Vermittlung einer entsprechenden Vereinbarung war durch Vertreter der UNO und der EU vermittelt worden. In den nächsten 20 Tagen muss das Parlament das Oberste Wahlgericht (TSE) bestellen. Die Wahlen sollen voraussichtlich im Februar 2020 stattfinden. Das Gesetz schließt die Kandidatur von Evo Morales sowie von allen Amtsträgern, die bereits zwei Wahlperioden hintereinander absolviert haben aus. Ciro Zabala, der als Senator des MAS den Gesetzesentwurf vorgestellt hatte, betonte dessen „Ausnahme- und Übergangscharakter“. Am Sonntag unterzeichnete Jeanette Áñez, die sich selbst zur Interimspräsidentin ernannt hatte, das Gesetz. Es dürfte jedoch nicht im Interesse einer Verhandlungslösung sein, dass der Innenminister der De-facto-Regierung, Arturo Murillo, am Freitag Strafantrag gegen Evo Morales gestellt hat. Er begründete dies mit dem Vorwurf der Rebellion und des Terrorismus. (Bild: Quetzal-Redaktion_pg).


19. November 2019 | Bolivien: Die Tragik Morales‘ – Was wir wissen, was wir nicht wissen und was wir wissen können | Kategorie(n): Noticias Bolivien

Noticias_Bolivien_EvoMorales_Bild_Quetzal-Redaktion_gcWas wir wissen: Am 10. November 2019 trat Evo Morales auf Druck des Militärs und von Teilen der Bevölkerung von seinem Präsidentenamt zurück. Morales wird immer das große Verdienst für sich beanspruchen können, die verschiedenen indigenen Gruppen im Land in einem plurinationalen Staat integriert, ihnen die gebührenden Rechte verschafft und die Armut halbiert zu haben. Was wir nicht wissen: Gab es bei den Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober 2019 Wahlbetrug oder nicht? Die Befürworter der These führen ins Feld, dass nach einer Auszahlungspause die letzten 5, 10 oder 12 Prozent (die Zahlen variieren) einen nicht mehr erwartbaren Umschwung brachten. Die Wahlbeobachter hielten diesen Sprung für „sehr ungewöhnlich“ und „statistisch unwahrscheinlich“, also für anfechtbar. Die OAS, der Morales die Wahlbeobachtung ausdrücklich gestattet hatte, stellte in ihrem 13seitigen Papier weitere Wahlmanipulationen fest. Morales begründete seine Gegenthese damit, dass diese Stimmen aus ländlichen, entlegenen Gebieten gekommen seien, wo er aber besonders viele Anhänger habe, und sie bis zu ihrer Einbeziehung in das Gesamtresultat einfach „länger“ brauchten. Heute, vom Leipziger Wohnzimmer aus, ein Urteil darüber zu fällen, welche der beiden Thesen richtig ist, erweist sich als schlechterdings unmöglich. Wir haben nicht mitgezählt. Wichtig aber ist, dass, selbst wenn man Wahlbetrug bestreitet, Morales nur äußerst knapp gesiegt hat: Der Sieger musste über 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinen und 10 Prozent Stimmenvorsprung vor dem Zweiten haben, damit keine Stichwahl notwendig geworden wäre. Ersteres hat Morales erreicht, bei Letzterem hat er selbst nach der offiziellen Auszählung die nötige Vorsprunggrenze nur mit 0,56 Prozent übertroffen. Das ist sehr wenig, und unter dieser Bedingung den Vorschlag einer Stichwahl, zumal bei einem im Raum stehenden Vorwurf der Wahlmanipulation, abzulehnen, sehr bedenklich. Bedenkenswert ist, dass für Morales weniger als die Hälfte der Bevölkerung gestimmt hat und dass dieser einen knapp 14 Prozent geringeren Stimmenanteil erreicht hat als 2014. Was von der Definition abhängt: Morales unterstellt der bolivianischen Armee einen Putsch: Wenn man „Putsch“ so definiert, dass das Militär dazu die Macht übernehmen muss, war es keiner, denn das ist nicht geschehen. Wenn man hingegen allein zur Bedingung macht, dass der Oberbefehlshaber der Streitkräfte den Präsidenten öffentlich zum Rücktritt auffordert, wäre es einer. Nimmt man schließlich als Putschkriterium an, dass die Armee die gegebene Verfassung verletzt hat, wird es knifflig, weil es ja Morales zuerst gewesen war, der sich über sie hinweggesetzt hat. Er wollte damit zum vierten Mal das Präsidentenamt gewinnen. Doch laut der Verfassung, die sich Bolivien unter Morales selbst gegeben hat (!), war und ist rechtlich nur eine einmalige Wiederwahl erlaubt (Artikel 168). Die zweite Wiederwahl fand dennoch statt, weil man sich darauf geeinigt hatte, dass die erste Wahl vor der neuen Verfassung stattgefunden habe und deshalb nicht „zähle“. Vor der vierten Wahl gab es am 21.02.2016 ein Referendum. 51,3 Prozent stimmten hier gegen eine weitere Wiederwahl, die Mehrheit. Das von der Exekutive nicht unabhängige (!) Oberste Verfassungsgericht setzte sich indes über das Ergebnis des Referendums hinweg, weil es die von der eigenen (!) Verfassung auferlegte Beschränkung auf einmal als Verletzung der Menschenrechte ansah. Das hat unter der Bevölkerung, auch unter den indígenas und beim Gewerkschaftsbund COB, Unmut ausgelöst. Morales, der die indigene Bevölkerung einst selbst politisch emanzipiert hatte, war auf einmal mit den Folgen konfrontiert: Sie maß nun auch ihn an den demokratischen Verfassungsbestimmungen. Worin Morales‘ Tragik besteht: Morales ist an einem wesentlichen Teil der Demokratiefrage gescheitert. Auch, so selbst linke Beobachter, sei Morales im Amt paternalistisch, ja zuweilen autoritär geworden und habe es versäumt oder vermieden, neben sich, aus dem eigenen Kreis, einen würdigen Nachfolger aufzubauen. Einmal mehr scheint auf, dass ein Teil der lateinamerikanischen Linken (noch mehr als Morales – Ortega und Chávez), zumindest implizit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als lediglich „formal“ und im Zweifel vernachlässigbar einstuft. Beides ist aber in seiner Relevanz mit sozioökonomischer und ethnischer Emanzipation gleichzusetzen. Das können wir inzwischen wissen. (Bild: Quetzal-Redaktion_gc)


06. November 2019 | Bolivien: Evo Morales kündigt Joint Venture mit deutscher Firma | Kategorie(n): Noticias Bolivien

Bolivien_Salar_de_Uyuni_Bild_Quetzalredaktion_fqAnfang der Woche vermeldeten deutsche Medien, dass die Regierung Boliviens ein Projekt zum Lithiumabbau im Salar de Uyuni gestoppt habe. Der Abbau sollte in einem Joint Venture zwischen dem bolivianischen Unternehmen YLB und der Firma ACI Systems aus Baden-Württemberg erfolgen. Am 2. November erließ nun Präsident Evo Morales das Decreto Supremo No. 4060, mit dem das im Dezember vergangenen Jahres erlassenen Decreto Supremo No. 3738 über das transnationale Joint Venture außer Kraft gesetzt wird. Der Chef von ACI Systems hatte aus den Medien von der Vertragsaufkündigung erfahren und äußerte gegenüber der Presse, er könne diese nicht nachvollziehen. In Bolivien selbst war die Überraschung wohl nicht ganz so groß. Bereits seit Monaten protestieren Initiativen in Potosí, dort lieg das Abbaugebiet, gegen das Projekt; zum einen wegen der befürchteten negativen Folgen für die Umwelt und zum anderen, weil der dem Departement zugedachte Anteil an den Einnahmen ihres Erachtens zu gering ist. Die Initiativen, vor allem das Bürgerkomitee Comcipo, werfen der MAS-Regierung vor, in kolonialistischer Manier die Ressourcen des Landes zu plündern und auszubeuten. Der Protest war im Oktober mit dem erklärten Ziel forciert worden, die Regierung zur Rücknahme des Dekrets 3738 zu zwingen. Das hat der nach Vorwürfen des Wahlbetrugs unter Druck stehende Evo Morales nunmehr getan. (Bild: Quetzal-Redaktion_fq).


30. Oktober 2019 | Argentinien: Neuer Präsident Alberto Fernández wurde gewählt | Kategorie(n): Noticias Argentinien

Argentinien_Präsidentschaftswahlen 2019_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiAm vergangenen Sonntag wählte Argentinien sein neues Staatsoberhaupt. Dabei setzte sich der Kandidat der Partei Frente de Todos (FT), Alberto Fernández, gegen den aktuellen Präsident Mauricio Macri (Juntos para el Cambio – JC) durch. Während die Kandidaten der FT, Alberto Fernández und die ehemalige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, 48,1% der Stimmen erhielten, gingen an den Kandidaten des Bündnisses JC, Mauricio Macri und Miguel A. Pichetto, 40,4% der Stimmen. Auch wenn der aktuelle Präsident Macri auf einen höheren Stimmenanteil als bei den Präsidentschaftsvorwahlen vergangenen August kam, reichte dieser nicht aus, um zum zweiten Wahlgang zu gehen. Die Wahlergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten zeigen die Ablehnung von Macris Regierungsprogramm – wobei die Mehrheit der Stimmen in 17 der insgesammt 23 Wahlbezirken an Fernández-Fernández ging. Die aktuelle Regierung hinterlässt ein düsteres Szenario. Das ist wohl ein Verdienst der bislang umgesetzten rechtskonservativen Maßnahmen – zugleich kennzeichnend für den Machtwechel in Argentinien, der nahezu einer „Politik der verbrannten Erde“ ähnelt. Nach Bekanntgabe der Wahlergebnisse versicherte der gewählte Präsident Alberto Fernández, dass die Regierung wieder vom argentinischen Volk übernommen wurde. Der zwischen 2003 und 2008 als Kabinettsleiter tätige Jurist äußerte seinen Wunsch nach einem solidarischeren, gerechterem Land. Ob dies durch die Umsetzung von entsprechenden Regierungsmaßahmen in den nächsten vier Jahren geschieht, wird sich zeigen. (Bild: Quetzal-Redaktion, solebiasatti).


22. Oktober 2019 | Lateinamerika: Bischöfe „for Future“ – ein neuer „Pacto de las Catacumbas“ | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

Franziskus_Wandmalerei_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiInsbesondere die an der Theologie der Befreiung Interessierten werden sich erinnern, dass am 16. November 1965, unmittelbar nach dem II. Vatikanischen Konzil, etwa 40 lateinamerikanische und einige europäische Bischöfe in den Domitilla-Katakomben in Rom den Pacto de las Catacumbas für die „Kirche der Armen“ unterzeichneten, dem sich später weltweit 500 Bischöfe anschließen sollten. Die damalige „graue Eminenz“, der brasilianische Erzbischof Dom Hélder Cámara, hatte für diesen Pakt den Text verfasst. Mehr als fünfzig Jahre danach, am 20. Oktober 2019, wurde in denselben Katakomben und wieder durch eine Gruppe von etwa 40 Bischöfen (der Synode der Bischöfe für die pan-amazonische Region) ein zweiter Pakt geschlossen: der Pacto por la Amazonía. In ihm verpflichten sich die Bischöfe zu einer „integralen Ökologie“ und zum Schutz des amazonischen Regenwaldes. Gleichzeitig erneuern sie damit ihre „Option für die Armen“ von 1965 und beziehen sie nunmehr auch auf die Indigenen. Im neuen Pakt geht es vorrangig um die ökologische Bewahrung des Amazonas-Gebietes und den Schutz der dortigen indigenen Bevölkerung gegenüber den großen Landbesitzern und repressiven Regierungen. Denn die Unterzeichnenden sehen sich und andere nicht als Herrscher über die Erde, sondern als Söhne und Töchter des Planeten, „die aus dem Staub der Erde geformt wurden“. Im Pakt wird die „viri probati“ verlangt und damit die Möglichkeit, dass auch erfahrene verheiratete Männer in der katholischen Kirche zum Diakon geweiht werden können. Außerdem soll – entsprechend dem Amazonas-Ritus – das Frauen-Diakonat eingeführt werden. In Anbetracht des heutigen Konsumismus verpflichten sich die Unterzeichner zu einem „frohen, nüchternen und einfachen Lebensstil an der Seite der Menschen, die wenig oder nichts haben“ und feiern ihren Pakt als „Akt der kosmischen Liebe“ – dies im engen Einverständnis mit Papst Franziskus, der sich immer wieder gern vom Befreiungstheologen Leonardo Boff beraten lässt. Boff hat im Übrigen auch (2014) erstmals den Text des Katakomben-Paktes von 1965 veröffentlicht, überzeugt davon, dass Papst Franziskus den Text „leben“ wird. Franziskus seinerseits hatte schon unmittelbar nach seiner Wahl zum Papst gerufen: „Wie würde mir doch eine arme Kirche für die Armen gefallen!“ Der Eucharistiefeier zu Ehren des neuen Paktes stand der (emeritierte) brasilianische Kurienkardinal Cláudio Hummes vor, und er trug dabei eine Stola von Dom Hélder Cámara, die er stolz präsentierte. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, solebiasatti)


15. Oktober 2019 | Lateinamerika: Eine neue Welle, aber welche? | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

Noticias_Lateinamerika_Bild_Quetzal-Redaktion_gcZuletzt am 13. Oktober 2019 sind tausende Protestler in Haïtis Hauptstadt Port-au-Prince gegen Präsident Jovenel Moïse auf die Straße gegangen und haben seinen Rücktritt gefordert. Bei früheren Demonstrationen fanden 17 Personen den gewaltsamen Tod. Ähnliches zeigte sich in den Straßen Quitos, wo sich Präsident Lenín Moreno auf den Druck der Straße hin gezwungen sah, die Regierung aus Quito in die etwas ruhigere Stadt Guayaquil umzuziehen, ohne dabei auf eine exzessiv brutale Antwort den Demonstranten gegenüber zu verzichten. Auch hier wurden Personen getötet und mehr als 1.300 verletzt. Nachdem die Demonstranten Regierungsgebäude besetzt hatten, verhängte Moreno eine Ausgangssperre. Schließlich erfüllte er die Forderung insbesondere der indígena-Organisationen, jenes Dekret zurückzunehmen, mit dem auf Druck des IWF die staatlichen Subventionen für Treibstoff abgeschafft worden waren. Ob das aber für eine längerfristige Beruhigung der Situation reicht, ist ungewiss. In Perú löste der „einsame“ Präsident Martín Vizcarra den Kongress auf, der von einer Partei angeführt wurde, die gegenüber dem früheren autoritären Regenten Alberto Fujimori und dessen Tochter Keiko loyal ist. In Argentinien, mehrfach von Generalstreiks erschüttert, ist es ein offenes Geheimnis, dass die jetzige rechtskonservative Regierung unter Mauricio Macri die nächsten Wahlen nicht überdauern wird. In Venezuela (bzw. Barbados) sind die von Norwegen initiierten Versöhnungsgespräche zwischen Präsident Nicolás Maduro und Oppositionsführer Juan Gaidó gescheitert. Ein Ende der „presidential crisis“ ist nicht in Sicht. Über 80 % der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. Etwa ein Drittel ist geflüchtet, viele von ihnen zu Fuß. Das Land liefert kein Erdöl mehr zum Vorzugspreis. Nun könnten sich auch die wenigen noch verbliebenen Alliierten von ihm abwenden. Die Angst, dass Sanktion zur Intervention wird, bleibt akut. In Honduras „beging“ man im Juni des Jahres den zehnten Jahrestag des Staatsstreiches gegen Hoffnungsträger Manuel Zelaya. Seitdem gilt das Land als Paradebeispiel eines Narco-Staates. Nun hat gar die New Yorker Staatsanwaltschaft festgestellt, dass Präsident Juan Orlando Hernández für seine Wahlkampagne 2013 mehr als eine Million Dollar von den mexikanischen Narcos erhalten hat, die damit ihren „Schutz vor Verfolgung“ erreichen wollten. Die Nachrichten von August und September über Protestdemonstrationen (u.a. gegen die Privatisierung des Gesundheits- und Bildungssystems) gegen die Regierung und deren repressive Antwort darauf sind allen noch im Gedächtnis. Wie ist die Welle all dieser Ereignisse politisch einzuordnen? In Lateinamerika, das in seiner stürmischen und opferreichen Geschichte jeweils dreimal von Autoritarisierungs- und Demokratisierungswellen erfasst wurde, um dann zum Ort einer linken pink tide zu werden, die ihrerseits von einer Welle rechtskonservativer Regierungen (etwa Jair Bolsonaro in Brasilien, Mauricio Macri in Argentinien oder auch Lenín Moreno in Ecuador) abgelöst wurde, ist nun eine neue Welle aufgeschlagen. Mehrere Ursachen wirken hier zusammen: das weltweite Sinken der Ölpreise, die Verringerung des wirtschaftlichen Wachstums bei einer massiven Steigerung der Rate absoluter Armut (seit 2008) und die Erhöhung der Verschuldung, aber auch Drogen- und andere Korruptionsgeschäfte, ob bei linken oder rechten Präsidenten, und das alles im Kontext, soweit überhaupt vorhanden, schwacher demokratischer Institutionen. Ja, es ist eine neue Welle, die sich da über den Subkontinent ergießt. Eine Welle der Krisen? Gewiss. Nur das? Gewiss nicht. Eine (vor)revolutionäre Welle? Beileibe nicht. Also pure lateinamerikanische Normalität? Wohl auch nicht. Nennen wir diese Welle vorläufig: Welle der Rebellionen im Ebbstrom der linken oder/und rechtskonservativen Tiden. Aber Obacht! Denn, wie Wikipedia unter dem Stichwort „Ebbe“ schreibt: „Gerät ein Schwimmer in einen Ebbstrom, kann er von diesem weit ins Meer hinausgetragen werden. Wenn er dort nicht Hilfe findet oder aus eigenen Kräften zurückschwimmen kann, kann er ertrinken.“ (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, gc)


08. Oktober 2019 | Lateinamerika: Steigende Sicherheitsausgaben schaffen nicht mehr Sicherheit | Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

Kolumbien_Bank_Polizei_Quetzalredaktion_gtDie Länder Lateinamerikas und der Karibik haben in den letzten zehn Jahren ihre Sicherheitsausgaben um gut ein Drittel erhöht. Die erhofften Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate blieben jedoch weitestgehend aus. Im Gegenteil: In den meisten Ländern stieg diese sogar an. Und so sitzen in der Region heute 1,5 Millionen Menschen im Gefängnis, zwei Fünftel davon in Untersuchungshaft. Seit dem Jahr 2000 stieg die Zahl der Gefängnisinsassen um 120 Prozent, weltweit lag der Anstieg bei „nur“ 24 Prozent. Doch Kriminalität und die damit verbundene Unsicherheit sind teuer. In Lateinamerika und der Karibik verschlingt sie jährlich 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das entspricht der Hälfte der Ausgaben für Gesundheit und Bildung. Kürzlich haben deshalb Sicherheitsexperten der Region beraten, wie sie ihren Bürgern mehr Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit garantieren können. Die Vorschläge sind zumindest interessant – mehr Digitalisierung von Polizei und Justiz, Entwicklung der Humanressourcen, Kriminalprävention. Ein genauerer Blick ist allerdings ernüchternd. Digitalisierung meint im Wesentlichen eine bessere Erfassung von Kriminalität und wohl auch die bessere Vernetzung der zuständigen Behörden. Entwicklung der Humanressourcen heißt bessere Ausbildung der Beamten. Und die Kriminalprävention scheint sich vor allen Dingen auf die dringend erforderliche Verbesserung der Bedingungen in den Haftanstalten zu richten, um die Rückfallquote zu verringern. Das alles sind ohne Zweifel wichtige, aber ebenso zweifellos nicht ausreichende Maßnahmen bei der Kriminalprävention. Die Kriminalitätsrate, das belegen zahlreiche Studien, hat nicht zuletzt etwas mit gesellschaftlicher Ungleichheit zu tun. Und Lateinamerika ist die Region der Welt mit der größten Einkommensungleichheit. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gt)


01. Oktober 2019 | Ecuador/UNASUR: Lenín lässt Néstor einpacken | Kategorie(n): Noticias Ecuador

UNASUR, Quito - Bild: José Gutiérrez KettererDie im Mai 2008 gegründete Internationale Organisation UNASUR, der einmal 12 südamerikanische Staaten angehörten, ist 2018, im Kontext der Konflikte um Venezuela, faktisch zerbrochen. Seit Anfang 2017 hat das Bündnis schon keinen Generalsekretär mehr. Nur Venezuela, Uruguay, Bolivien, Guayana und Suriname sind noch Mitglieder. UNASUR, die ihren Sitz in der Mitad del Mundo unmittelbar am Äquator im Nordwesten von Quito, der Hauptstadt von Ecuador, hat, ist ökonomisch zu schwach ist, diesen zu erhalten. Durch den Austritt von sieben Staaten hat sie 86,54 % ihres Finanzvolumens verloren. Daher hat sie das entsprechende, von Diego Guayasamin entworfene futuristische Gebäude dem Staat Ecuador zurückgegeben. Am 17. September 2019 beschloss nun das Parlament von Ecuador, dem Wunsch des Präsidenten Lenín Moreno nachzukommen und die Mitgliedschaft des Landes in UNASUR aufzukündigen. Laut Artikel 24 des Tratado Constitutivo de UNASUR kann aber der ecuadorianische Präsident das Dekret über den Austritt seines Landes erst in einem halben Jahr verhängen. Dieser ist kein Freund der Idee des „Sozialismus‘ des 21. Jahrhunderts“ und beklagt, dass UNASUR zu sehr von dieser vereinnahmt gewesen sei. Das Gebäude sei ohnehin eine „Ode an die Verschwendung“. Schon werden die Möbel, Bilder, Archive und Bücher der García Márquez-Bibliothek, die das UNASUR-Gebäude zierten, eingepackt, um sie an die Donatoren zurückzugeben. Dabei erfüllt das Gebäude zurzeit sogar noch seine Funktion als UNASUR-Sitz. Es soll laut Präsident Moreno eine indígena-Universität werden, doch die Präfektur Pichincha reklamiert den Grund und Boden für sich. Das neben dem Gebäude aufgestellte 2,28 Meter hohe und 600 Kilogramm schwere Denkmal Nestor Kirchners mit erhobenem Arm und im Winde wehender Krawatte, ein Geschenk Argentiniens an UNASUR, als der argentinischen Regierung noch Kirchners Frau Cristina vorstand, ist bereits in einen schwarzen Plastiksack verpackt worden und soll an Argentinien zurückgegeben werden. Vielleicht kehren ja auch Argentinien und Nestor Kirchner – als Denkmal – wieder zu UNASUR zurück, wenn, wie zu vermuten, Cristina Kirchner die nächsten Wahlen gewinnt, wo auch immer dann der Sitz von UNASUR sein mag und falls er dann überhaupt noch nötig sein wird (Bildquelle: José Gutiérrez Ketterer_).


25. September 2019 | Argentinien: Erinnerung an León Rozitchner (1924-2011) | Kategorie(n): Noticias Argentinien

Noticias_Argentinien_Rozitchner_Bild_BuchCoverDer argentinische Philosoph León Rozitchner wäre gerstern 95 Jahre alt geworden. Am 24. September 1924 in Chivilcoy, einer kleiner Stadt in der argentinischer Pampa, geboren, zog er einige Jahre später zusammen mit seinen jüdischen Eltern nach Buenos Aires. Nach dem Schulabschluss ging er nach Paris, um in der Sorbonne zu studieren. 1952 schloss er Studium in Literatur ab und promovierte 1960 in Philosophie unter der Betreuung Jean Wahls. Rozitchner beteiligte sich in den 1950er Jahren an der Redaktion der legendären, von den Geschwistern Ismael und David Viñas geleiteten argentinischen Kultur-Zeitschrift Contorno. Nach dem Sieg der kubanischen Revolution fuhr er nach Kuba, um von 1961 bis 1962 an der Universidad de La Habana zu unterrichten. Der Putsch 1976 in Argentinien zwang ihn ins Exil nach Venezuela, wo er bis 1985 an der Universidad Central de Venezuela unterrichtete und das Institut für Praxisphilosophie leitete. Aufgrund seines scharfen, kritischen Geistes in Bezug auf intellektuelle Trends, die argentinische Hochschulpolitik, den Katholizismus, den Peronismus und die Politik des Staates Israel wurde sein Werk eher ignoriert – kennzeichnend dafür ist, dass sein Name in der fast 1.500 Seiten umfassenden Historia de la Filosofía en Argentina 1600-2000 nicht erscheint. Kurz nach seinem Tod im Jahr 2011 unternahm die Nationalbibliothek Argentiniens die Veröffentlichung seines Gesamtwerkes, welches neben der Neuauflage der bereits publizierten 13 Bücher auch mehrere bislang unveröffentlichte Schriften umfasst. Das unvollständige Projekt wurde nach dem Regierungswechsel 2015 abgebrochen und die bisher veröffentlichten 18 Bände eingestellt. Auch wenn Rozitchner aus der Universität Buenos Aires ausgeschlossen blieb, war er doch ein ständiger und gern gesehener Gast in alternativen Lehrbereichen und politischen Diskussionsforen. León Rozitchner war ein leidenschaftlicher Redner und Zuhörer, ein großherziger Mensch, jedoch ungehorsam gegenüber allen Formen der Macht und des Kolonialismus (Bild: BuchCover).


18. September 2019 | Brasilien: Morde an Umweltschützern bleiben meist straflos | Kategorie(n): Noticias Brasilien

Brasilien: Abholzung des Amazonas-Regenwaldes - Foto: Agencia BrasilDer Rauch über dem deutschen Blätterwald, der die Brände am Amazonas beklagte, hat sich wieder etwas verzogen. Es gab sehr laute Überlegungen darüber, dass „unsere Lunge“ vernichtet wird und sehr leise darüber, ob „wir“ nicht auch Schuld tragen an diesem Inferno. Die Bundesrepublik sieht sich indes nach wie vor nicht veranlasst, das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur infrage zu stellen, da dieses zwar keine Handhabe gegen Brandrodungen biete, aber doch ein Kapitel über Nachhaltigkeit enthalte. Derweil gehen die Brandrodungen in Brasilien weiter, und die Morde ebenso. In der vergangenen Woche wurde im Amazonasgebiet ein Inspektor der Nationalen Stiftung für Indigene Funai durch zwei Schüsse getötet. Allein seit 2015 zählten NGOs 28 Morde und vier Attentate, von den zahlreichen Drohungen gegen Umweltaktivisten ganz zu schweigen. Nur zwei dieser Morde kamen vor Gericht. Die Polizei tut sich schwer mit den Ermittlungen und zeigt häufig keine Interesse an einer Suche nach den Tätern. Das politische Klima im Land ermutigt die Verantwortlichen für das illegale Abholzen offensichtlich noch, mit Gewalt gegen Umweltschützer vorzugehen. Schließlich propagiert Brasiliens Präsident Bolsonaro die forcierte wirtschaftliche Nutzung des Regenwaldes. Und um Störungen zu vermeiden, wird Umweltorganisationen die finanzielle Unterstützung gestrichen und die Arbeit der staatlichen Umweltbehörde Ibama massiv blockiert. Brasilien hat übrigens das Pariser Übereinkommen zum Klimaschutz unterzeichnet; und, so ließ das deutsche Landwirtschaftsministerium verlauten, das Land wird selbstverständlich auch nach Annahme eines Freihandelsabkommens an dessen Bestimmungen gebunden sein. Jair Bolsonaro zeigt heute schon, wie das geht (Bild: Agencia Brasil).


12. September 2019 | Chile: Der Jahrestag des Militärputsches ist für die Regierung ein ganz normaler Tag | Kategorie(n): Noticias Chile

Noticias_Chile_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasatti (2)Vor 46 Jahren putschte das Militär in Chile und stürzte die rechtmäßig gewählte Regierung unter Dr. Salvador Allende. Für die chilenische Regierung ist der heutige Tag fast ein Tag wie jeder andere. Ein offizieller Akt der Erinnerung fand nicht statt. Präsident Sebastián Piñera erinnerte lediglich in einer kurzen Rede an den Putsch, in welcher er zwar Allende die Schuld an dem Staatsstreich gab („die Unidad Popular führte Chile in eine nie dagewesene Krise“), aber immerhin betonte er, dass der 11. September 1973 die chilenische Demokratie beendete. Für Andrés Chadwick, Minister für Inneres und Öffentliche Sicherheit (und auch Cousin des Präsidenten), ist heute im Regierungspalast La Moneda ein ganz normaler Arbeitstag. Im El Mercurio erschien unter dem Titel „Chile se salvó de ser como es hoy Venezuela“ eine ganzseitige Anzeige zur Verteidigung des Militärputsches, die nicht nur in den sozialen Medien sehr kontrovers diskutiert wird. Die Chile-Korrespondentin der spanischen El País erinnert indes daran, was diese „Rettungsaktion“ konkret bedeutete. Sie verweist auf das Buch „Así se torturó en Chile (1973-1990)“ des chilenischen Journalisten Daniel Hopenhayn, welches bereits vor einigen Monaten erschien. Hopenhayn hatte den vor 15 Jahren erschienenen Valech-Bericht noch einmal aufgearbeitet und inhaltlich auf knapp ein Drittel seines Umfangs zusammengefasst, um diesen so einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die sogenannte Valech-Kommission hatte 2004 ihren „Bericht über Politische Gefangenschaft und Folter“ vorgelegt, in dem nach dreijähriger intensiver Arbeit die Folterpraxis während der Pinochetdiktatur aufgearbeitet und dargestellt wurde. Der Inhalt des Berichts ist über weite Strecken schwer zu ertragen, weil, so drückte es Hopenhayn aus, die beschriebenen Misshandlungen unsere Vorstellung von der menschlichen Natur erschüttern. Vor allen Dingen machte der Bericht der Valech-Kommission deutlich, dass die Folterpraxis keine Exzesse Einzelner waren, sondern eine systematisch betriebene staatliche Politik (Bild: Quetzal-Redaktion, solebiasatti).


03. September 2019 | Kolumbien: Alarmierendes Video von FARC-Führungsmitglied Iván Márquez | Kategorie(n): Noticias Kolumbien

Kolumbien: Alarmierendes Video von FARC-Führungsmitglied Iván Márquez - Bild: SortuAm 29. August 2019 hat Luciano Marín Arango alias Iván Márquez, Verhandlungsführer der FARC-EP bei den Friedensgesprächen mit der kolumbianischen Regierung, in einem Video angekündigt, dass ein Teil der FARC den bewaffneten Kampf wiederaufnehmen wird, weil die Regierung systematisch das 2016 unterzeichnete Friedensabkommen von Havanna verletze. Márquez verweist in seinem Video zum einen darauf, dass seit dem Friedensschluss viele (insgesamt 140) reintegrierte FARC-Mitglieder umgebracht worden sind, ob von paramilitärischen Gruppen oder auch von der Armee, von den Morden an Aktivisten der Zivilgesellschaft ganz zu schweigen. Zum anderen dient ihm als Argument, dass die Regierung unter Präsident Iván Duque zentrale Teile des Friedensabkommens nicht erfüllt hat: Im April 2019 war mit der Umsetzung von 31 % der Vertragsinhalte noch nicht einmal begonnen worden. Nur 12 % des Abkommens waren zu diesem Zeitpunkt so erfüllt, wie vom Abkommen vorgesehen. Márquez verlangt im Video nun neue Friedensgespräche, in denen eine Verfassunggebende Versammlung und eine alternative Regierung ausgehandelt werden sollen. Das Friedensabkommen sieht auch vor, dass die FARC-Partei Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común in beiden Kammern des Parlaments für acht Jahre je fünf Sitze erhält. Dies wurde umgesetzt. Auch Márquez, der Mitglied der Nationalleitung dieser Partei ist, steht ein solcher Sitz (im Senat) zu, den er allerdings wegen fehlender Sicherheitsgarantien nie eingenommen hat. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass die FARC-Partei diese Sitze nach acht Jahren und entsprechenden Wahlen wieder beanspruchen kann. Auf dem Video sind 20 bewaffnete Kämpfer zu sehen, darunter außer Márquez auch Jesús Santrich, der wegen Drogenhandels von der kolumbianischen Justiz gesucht wird, und El Paisa. Es besteht Unklarheit darüber, ob das etwa 32 Minuten dauernde Video in Venezuela oder im kolumbianischen Amazonasgebiet aufgenommen wurde. Márquez erhofft sich darin ein zweites „Marquetalia“ – in dieser Region hatten die FARC 1964 ihren territorialen Ursprung – und will sich mit seinen Leuten mit dem ELN verbünden. Der ELN hat im Unterschied zu den FARC keinen Friedensvertrag unterzeichnet und zählt gegenwärtig etwa 3.000 Kämpfer. Márquez‘ Trupp ist nicht die einzige Dissidenten-Gruppe, die nunmehr der seit September 2017 am legalen politischen Leben teilnehmenden FARC-Partei nicht mehr folgt. Rodrigo Londoño alias Timochenko jedoch, der Führer der FARC-Partei, steht fest zum Friedensabkommen und mit ihm, so sagt er, die Mehrheit – manche Quellen sprechen sogar von 90 % – der Farianos. Jegliche Nachricht in den Medien, dass die FARC den bewaffneten Kampf wiederaufnähmen, ist also falsch, so alarmierend Márquez‘ Signal für den Friedensprozess auch ist. Präsident Duque nennt die Gruppe um Márquez „Kriminelle“ und ordnete augenblicklich die Bildung einer Elite-Einheit zu deren Bekämpfung an, die auch zur Bombardierung berechtigt ist, sowie ein beträchtliches Kopfgeld für jeden der Dissidenten (Bild: Sortu_).


29. August 2019 | Honduras: Der Druck steigt | Kategorie(n): Noticias Honduras

Noticias_Honduras_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiDer honduranische Präsident Juan Orlando Hernández (JOH) hat am Sonntag (25. August) die USA besucht, um mit dem Minister für Heimatschutz (Homeland Security), Kevin McAleenan, über verschiedene Aspekte der Migration zu sprechen. In diesem Zusammenhang warnte er vor 30.000 Migranten aus Haiti, Kuba sowie Asien und Afrika, die von Honduras aus die USA erreichen wollen. Das Thema ist aus zwei Gründen von besonderer Brisanz für beide Seiten. Zum einen war Honduras im Herbst 2018 der Ausgangspunkt für eine Reihe von Migrantenkaravanen, die über Mexiko bis zur US-Grenze gelangten. Zum anderen hat die Trump-Administration mit Mexiko und Guatemala Abkommen geschlossen, die eine Wiederholung der Flüchtlingskrise ausschließen sollen. Besonders pikant ist die Angelegenheit nicht zuletzt deshalb, weil JOH seitens der US-amerikanischen Ermittlungsbehörden mit dem Drogenhandel in Verbindung gebracht wird. Das Migrationsproblem wird sich aber ungeachtet aller „Sicherheitsmaßnahmen“ weiter verschärfen. Neben der Gewalt steigern Armut und die Folgen des Klimawandels den Druck im nördlichen Dreieck Zentralamerikas, zu dem neben Honduras auch Guatemala und El Salvador gehören. Nach neuesten Angaben der Weltbank gehören die drei Republiken zu den am meisten von der Armut betroffenen Ländern Lateinamerikas. Honduras mit einem Anteil von 52,6 Prozent und Guatemala mit 48,8 Prozent stehen dabei an der Spitze, El Salvador liegt auf Platz 6 (von 18). Das Welternährungsprogramm der UNO hat am 9. August mitgeteilt, dass mehr als 1,4 Millionen Menschen in Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua, die unter den Folgen extremer Klimaschwankungen leiden, schnellstens Lebensmittelhilfe benötigen. Mehr als zwei Millionen Bauern gelten mittelfristig als besonders verwundbar (Bild: Quetzal-Redaktion_solebiasatti).


13. August 2019 | Argentinien: Börse reagiert panisch | Kategorie(n): Noticias Argentinien

Noticias_Argentinien_Macri_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiKaum hatte die Börse in Buenos Aires gestern ihr Geschäft begonnen, brach der Peso ein. Für einen Dollar musste man gut 60 Pesos zahlen, am Freitag waren es noch weniger als 45. Die argentinische Zentralbank verkaufte mehr als 100 Millionen Dollar aus ihren Rücklagen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Der argentinische Aktienindex MERVAL schloss den Montag mit einem Rückgang von 37 Prozent ab, einem der höchsten täglichen Rückgänge in seiner Geschichte. Kommentatoren sprachen dann auch von einem „schwarzen Montag“. Auch an der Wallstreet brachen argentinische Aktien ein, vor allem solche von Energieunternehmen und Banken. Grund für das Beben an den Börsen waren die Vorwahlen im Land. In den PASO genannten Wahlen wurden am Sonntag die Kandidaten für den Präsidenten und Vizepräsidenten sowie die für die Abgeordnetenkammer und den Senat gewählt. Und diese Wahlen haben die Peronisten deutlich gewonnen. In den Prognosen war von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede. Dass aber Regierungschef Mauricio Macri 15 Prozent hinter dem peronistischen Präsidentschaftskandidaten Alberto Fernández bleiben wird, hat wohl niemand erwartet. Und auch bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer und zum Senat ließen die Peronisten vom Bündnis „Frente para todos“ Präsident Macris „Juntos por el cambio“ deutlich hinter sich. Während Macri das Gespenst einer Rückkehr des „Kirchnerismus“ an die Wand malte, kündigte Fernández an, nicht zu der Wirtschaftspolitik der letzten Kirchner-Regierung zurückkehren zu wollen. Aber Argentiniens Wirtschaftspolitik müsse grundlegend geändert werden, denn das Land steckt in einer tiefen Krise – die Inflation liegt im mittleren zweistelligen Bereich und ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Die Ergebnisse der Vorwahlen zeigen, dass ein großer Teil der Bevölkerung einen Wandel will (Bild: Quetzal-Redaktion, solebiasatti).


30. Juli 2019 | Guatemala: Anwalt will Migrationsabkommen mit USA stoppen | Kategorie(n): Noticias Guatemala

Noticias_Guatemala_Jimmy_Morales_Public_DomainDer guatemaltekische Menschenrechtsanwalt Jordán Rodas hat beim Verfassungsgericht eine Beschwerde gegen die zwischen Donald Trump und Jimmy Morales am vergangenen Freitag unterzeichnete Migrationsvereinbarung eingereicht. Die Beschwerde wird von der Acción Ciudadana, der guatemaltekischen Abteilung von Amnesty International, unterstützt. In dem Abkommen, das unter erpresserischen Drohungen der USA zustande kam, wird Guatemala als sicheres Drittland eingestuft. Das ermöglicht es den USA, lateinamerikanische Flüchtlinge, die auf ihrem Weg in die USA durch Guatemala kommen, in das mittelamerikanische Land zurückzuführen. Staatsanwalt Rodas betonte, dass das unter Drohungen unterzeichnete Abkommen „keine rechtlichen Folgen“ haben wird. Die gleiche Auffassung vertritt auch Helen Mack, die Präsidentin der Mirna-Mack-Stiftung. Sie verweist zudem darauf, dass Abgeordnete des US-Kongresses dieses Abkommen als Verstoß gegen US-Gesetze bezeichnen. Rodas, der in seine Beschwerde auch die Forderung nach einem Rücktritt des Außenministers Enrique Degenhart einschloss, zeigt sich zuversichtlich, dass der Migrationspakt vor dem guatemaltekischen Verfassungsgericht scheitern wird. Andere Experten weisen allerdings darauf hin, dass Bestrebungen gegen das Gesetz in dem wirtschaftlich und politisch schwachen Guatemala keine Chance haben werden. Dem Druck der US-Botschaft haben die Institutionen des Landes nichts entgegenzusetzen (Bild: Presidencia El Salvador).


24. Juli 2019 | Uruguay: Erinnerung an Daniel Viglietti (1939-2017) | Kategorie(n): Noticias Uruguay

Viglietti_Canciones_para_el_hombre_nuevo_CoverScanDer uruguayische Komponist, Sänger und Gitarrist Daniel Viglietti wäre heute 80 Jahre alt geworden. Am 24. Juli 1939 in der Hauptstadt Uruguays, Montevideo, geboren, erhielt der Sohn einer Pianistin und eines (verfassungstreuen) Obersten und (vorzüglichen) Gitarristen eine musikalische Ausbildung als Konzertgitarrist – zugleich den Sinn für Gerechtigkeit. In seiner 60 Jahre währenden Laufbahn gelang es dem Musiker, nicht nur 16 Studio- und mehrere Live-Alben vorzulegen und den sogenannten „Canto Popular Uruguayo“ mit zu gründen, sondern auch, mit seiner Musik mehrere Generationen politisch engagierter Menschen auf der ganzen Welt zu prägen. 1972, als die ideologische Verfolgung in Uruguay intensiviert wurde, kam Viglietti ins Gefängnis. Der Putsch 1973 zwang ihn schließlich ins Exil, zuerst nach Buenos Aires und anschließend nach Paris. Während der elf langen Exil-Jahre bereiste er die Welt und engagierte sich für den Widerstand gegen die Diktaturen und für die Rückkehr zur Demokratie, sowohl in seiner Heimat als auch in vielen anderen Ländern. Erst 1984, als sich die Diktatur in seiner Heimat dem Ende näherte, konnte Daniel Viglietti nach Uruguay zurückkehren und dort seine sozialpolitische Tätigkeit fortsetzen. Bis zu seinem überraschenden Tod am 30. Oktober 2017 blieb er ein engagierter Mensch, welcher mit seiner Gitarre in Lateinamerika überall dort zu Gast war, wo es galt, eine gerechte Sache zu unterstützen (Bild: ScanCover).


03. Juli 2019 | Chile: Chilenen wollen Vorreiter im Umweltschutz werden | Kategorie(n): Noticias Chile

Chile: Die Kupfer-Mine Chuquicamata - Foto: Quetzal-Redaktion, mkMitte Mai vermeldeten die Medien, dass Chile und Sachsen künftig auf dem Gebiet des Umweltschutzes enger zusammenarbeiten wollen. Umweltministerin Carola Schmidt (Chile) und Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft Thomas Schmidt (Sachsen) unterzeichneten eine Absichtserklärung, voneinander zu lernen und die Leistungsfähigkeit im Umweltschutz zu erhöhen. Das macht zumindest für Sachsen Hoffnung; denn wenn man sich die entsprechenden Anstrengungen in Richtung Verkehrs- oder Energiewende ansieht, weiß man, dass Sachsen noch sehr viel zu lernen hat. Aber auch Chile hat sich seinen Ruf als Umweltsünder fleißig erarbeitet. Doch jetzt will das Land zur Avantgarde in Sachen Umweltschutz auf dem Kontinent werden. Als Gastgeber der UN-Klimakonferenz im Dezember 2019 fordert das Land verstärkte Anstrengungen der Weltgemeinschaft gegen den Klimawandel und bessere, vor allem verbindlichere, Vereinbarungen als die der Pariser Konferenz 2015. Bis 2025 will Chile als erstes lateinamerikanisches Land den Anteil der erneuerbaren Energie auf ein Fünftel steigern. Es wurden gesetzliche Regelungen geschaffen, um dieses Ziel zu realisieren. Vor allem im öffentlichen Verkehr werden Anstrengungen für den Klimaschutz unternommen, so soll die Busflotte Santiagos Schritt für Schritt auf E-Fahrzeuge umgestellt werden. Bis 2050 will das Land CO2 neutral sein. Andererseits trägt Chile schwer an dem unter Pinochet eingeleiteten neoliberalen Umbau des Landes und dem ausgeprägten Extraktivismus. Ein deutliches Beispiel dafür ist der Lithiumabbau in der Atacamawüste, der einen starken Wassermangel in der Region zur Folge hat. Auflagen zur Regulierung gibt es nicht, und sind in absehbarer Zeit wohl auch nicht zu erwarten. Chiles Wasserressourcen befinden sich zu 100 Prozent in privaten Händen; und die Firma Soquimich, gegen die übrigens mehrmals wegen Geldwäsche, Steuerhinterziehung und illegaler Wahlkampffinanzierung ermittelt wurde, hat erst kürzlich die staatliche Garantie erhalten, bis 2030 wie gewohnt Lithium abbauen zu dürfen. Eine Klage wegen der Nutzung der Wasserrechte wurde deshalb fallengelassen. Soquimich gehört übrigens seit den 1980-er Jahren der Familie Pinochet (Bild: Quetzal-Redaktion_mk).


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