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Kuba: Allgemeines und Besonderes von Corona

Autor:  | April 2020 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Noticias Kuba

Kuba_Covid19_Bild_Regierung-KubaDie ersten Corona-Infizierten wurden in Kuba nach dem 11. März 2020 registriert. Diese Infektionen gelten als „eingeschleppt“. Am Sonntag, dem 26.04.2020, gab es 1.337 Infizierte und 51 Tote im Land. Mit diesen Zahlen gehört Kuba zur mittleren Gruppe in Lateinamerika und der Karibik. In Kuba am meisten betroffen sind Havanna, Santa Clara und die Isla de la Juventud. Vergleicht man den Prozentsatz der Corona-Toten an den Infizierten, so ist dieser in Kuba und Deutschland mit jeweils rund 0,038 gleich hoch, in den USA, wo, wie man weiß, das Problem anfangs total ignoriert wurde, fällt er schlechter aus. Was mögen eigentlich die dortigen Exilkubaner darüber denken? Wichtiger ist indes die Frage, warum es angesichts einer solchen „Corona-Normalität“ dennoch interessant ist, über Kuba zu berichten. Mindestens aus den drei folgenden Gründen: Erstens, weil hier Prävention und Kontrolle besonders frühzeitig begonnen wurden, schon als es noch keine Fälle gab, und weiterhin effektiv gehandhabt werden: Der kubanische Prävention- und Kontrollplan ist seit Januar 2020 in Kraft. Er beinhaltet das Training des medizinischen Personals, Maßnahmen zur Quarantäne-Vorbereitung und die Information der Öffentlichkeit. Der öffentliche Nahverkehr ist landesweit gestoppt. Dabei sind staatliche und auch private Autofahrer gehalten, Patienten und medizinisches Personal zu transportieren. Große Supermärkte sind geschlossen, die Verteilung knapper Güter wird vom Zivilschutz übernommen, 60.000 Medizin-Studenten besuchen die Wohnhäuser, um Risikogruppen zu untersuchen. Weil Seife und Desinfektionsmittel fehlen, werden die Hände an den Eingängen von Läden und Dienstgebäuden mit gechlortem Wasser desinfiziert. Jeder Patient, der sich aufgrund von Symptomen dem Arzt vorstellt, wird zunächst als Corona-verdächtig eingestuft. Es werden auch besonders viele Tests durchgeführt: Die Ratio von Tests zu identifizierten Fällen beträgt in Kuba 25 zu 1. In Deutschland ist das Verhältnis 10 zu 1. Zweitens, weil Kuba zur Therapierung der Virus-Erkrankung schon mehrere eigene Medikamente entwickelt hat: CIGB-2020 soll insbesondere bei älteren Menschen den Krankheitsverlauf abschwächen. Interferon alfa 2 B (INFrec) stärkt das Immunsystem und wurde schon bei Dengue, Krebs sowie Hepatitis B und C mit Erfolg angewandt. Ferner werden noch das vorbeugende Medikament Biomodulina-T und, für Schwerkranke, CIGB 254 als erfolgversprechend aufgeführt. Auch deutsche und andere ausländische Firmen sind an einigen dieser Medikamente interessiert. Drittens, weil Kuba, das bereits über vielfältige Ärzte-Erfahrung im Ausland verfügt, seine erprobten Ärzte und Pfleger insgesamt in 31 Staaten, darunter Italien, Andorra, französische Überseegebiete, Jamaica, Surinam, Nicaragua, Grenada, Honduras, Katar und Argentinien „exportiert“. Kuba schickt seine Ärzte selbst in Länder, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen hat. Aus dem Export soll die kubanische Regierung 6,3 Milliarden Dollar eingenommen haben, was sich insgesamt auf rund 11 Milliarden summieren könnte. Dieser Export, so zitiert das „Handelsblatt“ zwei Spezialisten, sei zurzeit Kubas wichtigste Devisenquelle. Von Kuba-kritischen Quellen wird moniert, dass die Ärzte das Geld nicht selbst erhalten, sondern die Regierung. Dabei machen das andere Regierungen genauso. Dieselben Quellen betonen auch immer wieder, diese Hilfe sei bloßes Propaganda-Instrument. Und wenn es so wäre, ist nicht Hilfe immer noch besser als keine? Was zeigt uns Kuba noch? Dass Corona leider auch in warmen Regionen gedeiht und dass es ausgesprochen günstig ist, wenn Regierung und Bevölkerung an einem Strang ziehen. Aber auch: Wenn man Kuba mit Deutschland vergleicht, kommt heraus, dass die Resultate bei der Bekämpfung der Krankheit in Nicht-Demokratien und Demokratien ähnlich gut sein können. Was die Versorgung betrifft, war ja Kuba, anders als Deutschland, auch schon vor der Corona-Krise an Mangel gewöhnt. Man kann es aber auch anders sehen: Das, was in der Kritik an Kuba oft an erster, mindestens aber an zweiter Stelle genannt wird – dass es Versorgungsengpässe gibt – trifft in Corona-Zeiten auch auf Deutschland zu, o.k. hier wohl etwas weniger als dort. Jedoch bei fehlendem Toilettenpapier prügelt man sich in Kuba nicht. (Bild: Ministerio de Salud_Cuba).


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