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Honduras: Neuer Polizeichef soll Anführer eines Mordkommandos gewesen sein

04. Juni 2012 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Honduras

Honduras: Nationalpolizei - Foto: MiMundo.org, Jaime Rodríguez „Der Tiger“ soll bei der Nationalpolizei aufräumen: Honduras’ Präsident Porfirio Lobo hat in der vergangenen Woche einen neuen Polizeichef ernannt: Juan Carlos Bonilla Valladares (46), genannt „El Tigre“, löst Ricardo Ramirez del Cid ab, der vor einem halben Jahr ins Amt kam, nachdem der Sohn des Mitgliedes der offiziellen Wahrheitskommission zur Aufklärung des Staatsstreiches 2009, der Uni-Rektorin Julieta Castellanos, und dessen Freund ermordet worden waren. Überwachungskameras zeigten Männer in Polizeiuniform bei dem Mord. Auch diesmal war der Auslöser für den Wechsel ein Mord, an dem mutmaßlich ein Polizist beteiligt war. Der bekannte Radiojournalist Alfredo Villatoro war am 9. Mai 2012 entführt und am 15. Mai erschossen aufgefunden worden. Im Gegensatz zu den meisten der 23 seit dem Putsch gegen Präsident Zelaya am 28. Juni 2009 ermordeten Journalisten, die der zivilen Widerstandsbewegung gegen den Staatsstreich und für eine „Neugründung“ des Landes nahestanden, zählte Villatoro offenbar zum engeren Zirkel der Vertrauten von Präsident Lobo, der nun eine rasche „Säuberung“ des gesamten Polizeiapparates ankündigte. Der neue Polizeichef, der seine Ausbildung in Chile erhalten hat und ein gewisses Image als harter Kämpfer gegen die Drogenmafias pflegt, arbeitete zuletzt als Verbindungsoffizier zwischen Polizei und Militär im Nordwesten von Honduras. Vor zehn Jahren war gegen Bonilla wegen Mordes ermittelt worden, die Anklage wurde jedoch 2004 fallengelassen, nachdem die interne Polizei-Ermittlerin Maria Luisa Borjas ausgebremst und schließlich abgesetzt worden war. Sie erhielt Todesdrohungen und verließ mit ihrer Familie das Land. In Honduras kursiert nun wieder ihr Bericht aus dem Jahr 2002, der Bonilla beschuldigt, zwischen 1998 und 2002 nachweislich an mindestens drei extralegalen Hinrichtungen bzw. dem Verschwindenlassen von Gefangenen beteiligt gewesen zu sein und von elf weiteren Verdachtsfällen spricht. Im Borjas-Bericht finden sich Menschenrechts­organisationen zufolge deutliche Hinweise darauf, dass Bonilla Chef einer Todesschwadron aus Polizisten und Ex-Polizisten namens „Los Magníficos“ (Die Großartigen) gewesen sei, die so genannte „soziale Säuberungen“ an jugendlichen mutmaßlichen Bandenmitgliedern durchführte. (Bildquelle: Jaime Rodríguez, MiMundo.org)


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