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Guatemala: Wegen des Massakers von „Dos Erres“ gesuchte guatemaltekische Ex-Soldaten in den USA verhaftet

14. Mai 2010 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Guatemala

Guatemala: Wegen des Massakers von „Dos Erres“ gesuchte guatemaltekische Ex-Soldaten in den USA verhaftet. Foto: teleSURFür einiges Aufsehen in den US-Medien sorgte in der vergangenen Woche die Verhaftung von drei ehemaligen Mitgliedern der guatemaltekischen Spezialtruppe „Kaibiles“ in Florida und Kalifornien. Ihnen wird vorgeworfen, an einem der grausamsten Massaker der guatemaltekischen Armee beteiligt gewesen zu sein. In der Siedlung „Dos Erres“ im Departement Petén hatten Kaibiles im Dezember 1982 über 250 Männer, Frauen und Kinder gefoltert, vergewaltigt, verstümmelt und schließlich erschlagen, erschossen oder lebendig begraben. Einer der Verhafteten, Gilberto Jordán (54), soll laut guatemaltekischer Presse inzwischen zugegeben haben, er habe zunächst ein Baby lebend in einen Brunnen geworfen, und später noch mehrere Personen, die von anderen Soldaten exekutiert wurden. Ein vierter Ex-Soldat war bereits im Februar in Texas verhaftet worden. Er hatte einen fünfjährigen Jungen aus Dos Erres verschleppt, der nun als einer der wenigen überlebenden Augenzeugen gegen ihn aussagt. Die Verhaftungen konfrontieren die US-amerikanische Öffentlichkeit mit der Verwicklung des eigenen Landes in den Genozid in Guatemala. Das National Security Archive hat Dokumente veröffentlicht, die belegen, dass die Regierung Reagan wenige Tage nach dem Massaker sicher annahm, dass es von der guatemaltekischen Armee begangen wurde. Journalisten haben herausgefunden, dass ein Beschuldigter, Pedro Pimentel Ríos, wenige Wochen später in die School of the Americas in Fort Benning, Georgia aufgenommen wurde und dort als Ausbilder tätig war. 1985 erhielt Ríos von Verteidigungsstaatssekretär Marsh einen Verdienstorden, berichtet Matt McAllester in der Global Post. Den vier Beschuldigten kann in den USA offensichtlich nicht der Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit gemacht werden. Sie können in den USA nur wegen Verstößen gegen Einwanderungsgesetze bzw. falschen eidesstattlichen Angaben bei ihrer Einbürgerung belangt werden, so jedenfalls US- und guatemaltekische Medien. In Guatemala, wo der Fall „Dos Erres“ seit 16 Jahren juristisch blockiert wird, betonen Menschenrechtsaktivisten, dass zwar der Unteroffizier Jorge Vinicio Sosa Orantes, der die Kaibil-Einheit vor Ort befehligte, nun gefasst sei, aber noch weitere Haftbefehle gegen höhere Offiziere bestehen, die zum Teil bis heute in der Armee aktiv sind. Der interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hatte Ende letzten Jahres den guatemaltekischen Staat dazu gezwungen, insgesamt 17 seit dem Jahr 2000 suspendierte Haftbefehle wieder in Kraft zu setzen. Ex-Staatschef und Armeebefehlshaber Efraín Rios Montt genießt als Abgeordneter jedoch weiterhin Immunität. (Bildquelle: teleSUR_)


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