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Guatemala: Polizei und Militär gehen gewaltsam gegen Bauern im Polochic-Tal vor

16. März 2011 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Guatemala

Guatemala - Antonio Beb Ac starb während der Räumung in Miralvalle (Gemeinde Panzós) - Foto: Quetzal-Redaktion, alMehrere hundert, möglicherweise sogar über 1.000 Soldaten und Polizisten haben am 15. März zwei Siedlungen im Polochic-Tal, Miralvalle und Aguas Calientes, im Departement Alta Verapaz gewaltsam geräumt. Die Aktion forderte bisher mindestens ein Todesopfer. Augenzeugen berichteten einem deutschen Journalisten telefonisch, dass es mindest acht weitere Verletzte mit Schusswunden gegeben habe. Die Truppen zerstörten zusammen mit angeheuerten Männern aus Nachbargemeinden die Hütten sowie erntereife Mais- und Bohnenpflanzungen der Bauern, die sich Ende letzten Jahres auf den brachliegenden Ländereien der offensichtlich bankrotten Zuckerraffinerie Chabil Utz‘aj niedergelassen hatten. Sie werden von den Großgrundbesitzern Widmann und Barrientos als ihr Privateigentum reklamiert, während die Bauern für sich in Anspruch nehmen, dass das Land ihren Vorfahren gehört habe. Eine Richterin aus Cobán hatte nun einen Räumungsbefehl herausgegeben und damit die friedlichen Verhandlungen schlagartig beendet, die noch am 14. März zwischen staatlichen Stellen, Vertretern von insgesamt 12 betroffenen Gemeinden, der Bauernorganisation CUC (Comité de Unidad Campesina) und parallel mit dem Unternehmen Chabil Utzaj geführt wurden. Eigentümer Carlos Widmann, ein Schwager des ehemaligen Präsidenten Oscar Berger soll geäußert haben, bei der Räumung, die von ihm erwirkt wurde, sei kein einziger Schuss gefallen. Sie sei überhaupt ganz anders abgelaufen, als von den „illegalen Besetzern“ dargestellt. Bauern- und Menschenrechtsorganisationen vermuten, dass sich die Großgrundbesitzer im Polochic-Tal der Unterstützung der amtierenden Regierung Colom versichert haben und dass auch der Menschenrechtsombudsmann des Kongresses nicht eingreifen wird. Sie befürchten nun, dass die nächsten gewaltsamen Räumungen, von denen etwa 800 weitere Familien betroffen sein könnten, unmittelbar bevorstehen. Am 16. und 17. März wurde von weiteren großen Truppenbewegungen berichtet, sowie vom Beginn gewaltsamer Räumungen in der Gemeinde Chimich. Wie erst jetzt bekannt wurde, hatten bereits am 7. und 11. März Vertreibungen in zwei Gemeinden im Naturschutzgebiet „Laguna Lachua“ einen Schwerverletzten gefordert. Ende März hatte eine Militärpatrouille auch die Überlebenden mehrerer Massaker der 80er und 90er Jahre in der Rückkehrergemeinde „La Aurora 8 de Octubre“ (Xamán) in Angst und Schrecken versetzt. Das Departement Alta Verapaz befindet sich seit Ende 2010 im Ausnahmezustand und damit de facto unter Militärherrschaft. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, al)


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