lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Brasilien: Proteste in mehreren Städten

20. Juni 2013 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Protestbewegung Passe Livre in Sao Paulo - Foto: Gianluca Ramalho Misiti

Seit einigen Wochen schon demonstrieren Anhänger der Bewegung „Passe Livre“, die seit Jahren für einen kostenlosen Nahverkehr in São Paulo kämpft, gegen die Fahrpreiserhöhungen von 3 auf 3,20 Reais. Was am Anfang nur eine kleine Protestbewegung mit konkreten Forderungen war, wurde spätestens am Montag, dem 17. Juni, zu einer unüberschaubaren Massenbewegung. Plötzlich gingen Hunderttausende Menschen in unzähligen Städten, darunter in den Metropolen São Paulo, Rio de Janeiro und Brasília auf die Straße. „Der Riese ist erwacht“ riefen die Menschen im Freudentaumel, endlich nicht nur über die Missstände in ihrem Land zu klagen, sondern selbst ein Zeichen zu setzen. Die Forderungen gewannen schnell an Breite: ein besseres Bildungs- und Gesundheitssystem, weniger Korruption, Boykott der Fußballweltmeisterschaft, die Millionen öffentliche Gelder verschlingt. Aber auch Rücktrittsforderungen gegenüber der Präsidentin Dilma Rousseff und ihrer Arbeiterpartei (PT) wurden laut. Rousseff erklärte am Montag, die Demonstrationen seien „legitim und charakteristisch für eine Demokratie“. Erstaunlich war das geringe Polizeiaufgebot während der Demonstrationen am vergangenen Montag, Tage zuvor war sogar die Polizeieinheit „Choque“, ein Überbleibsel aus der Militärdiktatur, in São Paulo mit Gummigeschossen und Tränengas zum Einsatz gekommen. Da ist es umso erstaunlicher, dass am Montag ohne jegliche Gegengewalt Hunderte von Demonstranten das Dach des Nationalkongresses stürmen konnten. Auch die großen Medien, die zunächst von Vandalismus und Extremisten sprachen, sehen nun in den Demonstrationen ein erstarktes demokratisches Brasilien. Gestern Abend nahmen die Oberbürgermeister von São Paulo und Rio de Janeiro die Tariferhöhungen zurück. Gleichzeitig kündigten sie an, die daraus entstehenden Kosten in anderen Bereichen, wie Bildung und Gesundheit einzusparen. (Bildquelle: Gianluca Ramalho Misiti)


Weitersagen:

Kommentar schreiben





top