lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Noticias Lateinamerika

09. März 2017 | Lateinamerika: Der Fall “Odebrecht” zieht immer weitere Kreise | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien, Noticias Dominikanische Republik, Noticias Lateinamerika, Noticias Peru, Noticias Venezuela

Lateinamerika: Korruptionsskandal Odebrecht - Foto: Quetzal-Redaktion, csNach und nach weitet sich der Korruptionsskandal um das brasilianische Bauunternehmen Odebrecht in Lateinamerika aus. Der Skandal nahm seinen Lauf, als Mitte Juni 2015 Marcelo Odebrecht wegen Bestechung und Geldwäsche festgenommen und später zu 19 Jahren Haft verurteilt wurde. Der Firmenchef und Hauptplaner des Korruptionsnetzwerks kooperierte mit der Staatsanwaltschaft – wohl um seine Haftstrafe zu mindern –, so dass die Behörden zahlreiche beteiligte Personen identifizieren konnten. Weitere 77 Ex-ManagerInnen des Bauriesen taten es Odebrecht gleich, und mittlerweile konnten die Staatsanwaltschaften aus 15 verschiedenen Ländern die systematische Korruption auf großen Teilen des lateinamerikanischen Kontinents und ein paar afrikanischen Ländern aufdecken. Offenbar zahlte das Unternehmen seit 2001 Schmiergeld an PolitikerInnen jedweder Couleur, um später bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt zu werden. Unter Betrachtung der Höhe der Schmiergeldzahlungen stechen Brasilien (349 Mio. USD), Venezuela (98 Mio. USD) und die Dominikanische Republik (92 Mio. USD) hervor. Am spektakulärsten ist bisher aber der Fall Peru, da dort wohl die letzten vier Präsidenten des Landes persönlich in die Korruption involviert sind. Gegen Expräsident Alejandro Toledo (2001-2006) ist bereits ein internationaler Haftbefehl erlassen worden, weil er Schmiergeldzahlungen in Höhe von 20 Mio. UDS erhalten haben soll. Gegen die Ex-Präsidenten Alan García (2006-2011) und Ollanta Humala (2011-2016) wird seit kurzem auch wegen Korruptionsfällen während ihrer Amtszeiten ermittelt. Schließlich gibt es auch erste Indizien gegen den amtierenden Präsidenten Pablo Kuczynski, der als damaliger Wirtschafts- und Finanzminister sowie späterer Premierminister im Kabinett von Toledo ebenfalls Schmiergeldzahlungen erhalten haben soll. Auch wenn noch unklar ist, wie groß dieses kriminelle Netzwerk insgesamt war, so zeigt der Skandal doch jetzt schon, wie stark die lateinamerikanischen Demokratien von finanzstarken Privatinteressen ausgehöhlt worden sind (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, cs).


08. September 2016 | Brasilien: Die Demokratie fürchtet sich vor Präsident Temer | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien_Demostration_Foto Redaktion_Soledad BiasattiAm 31. August 2016 übernahm Michel Temer vom Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB; Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung) die Präsidentschaft Brasiliens. Nach einem drei Monate dauernden politisch motivierten Prozess gegen Präsidentin Dilma Rousseff vom Partido dos Trabalhadores (PT; Arbeiterpartei) beschloss der Senat ihre Amtsenthebung. Nachdem Rousseff 2010 die Stichwahl mit 55,4% der Stimmen gewonnen hatte, übernahm Temer die Vizepräsidentschaft. Die zweite Amtsperiode von Dilma Rousseff begann Januar 2015 und wurde im vergangenen Mai beendet. Da keine eindeutigen Beweise für die gegen sie erhobenen Anschuldigungen bezüglich der Staatsfinanzen vorgelegt wurden, wird die Amtsenthebung Rousseffs in unabhängigen kritischen Medien als ein parlamentarischer Staatsstreich bezeichnet, der die Demokratie Lateinamerikas gefährde. Das Urteil des Parlaments führte zu zahlreichen Protesten, bei denen der Rücktritt Temers (“fora Temer!”) und Neuwahlen (“elecciones diretas, ja!”) gefordert wurden. Polizei- und Sicherheitskräfte reagierten heftig, und es ist mit einer Eskalation der Gewalt zu rechnen, da laut Justizminister Moraes die Demonstranten “Terroristen” und “Guerillakämpfer” seien, die die innere Sicherheit bedrohen. Für den 9. September wurden landesweite Proteste gegen Präsident Temer angekündigt. Gemäß der Verfassung endet die Präsidentschaft Temers im Dezember 2018. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, Soledad Biasatti).


06. Juni 2016 | Brasilien: Raduan Nassar erhält den “Prêmio Camões” | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien_Premio-Camoes-an-Raduan-Nassar-Foto_ Antonio CruzAgencia BrasilDer jährlich ausgelobte Preis für portugiesisch-sprachige Literatur wird in diesem Jahr an den Brasilianer Raduan Nassar verliehen. Die Jury des Preises wird von Schriftstellern und Literaturschaffenden aus Portual, Brasilien, Macau und Mosambik gestellt. Der Preis ist auf 100.000 Euro dotiert und wurde 1988 von der portugiesischen und brasilianischen Regierung gemeinsam ins Leben gerufen. Preisträger waren bisher unter anderem Jorge Amado (1994), José Saramago (1995), António Cândido de Mello e Sousa (1998) und Mia Couto (2013). Nassar hatte sich seit dem Höhepunkt seines Schaffens zu Beginn der 1980er Jahre aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen und nur noch 1994 eine Sammlung von Kurzgeschichten veröffentlicht. Aufsehen erregte in diesem Kontext, dass er sich am 31. März diesen Jahres gemeinsam mit weiteren Künstlern und Intellektuellen solidarisch mit Dilma Rousseff im Regierungspalast in Brasilia zeigte, als der damaligen Präsidentin das Amtsenthebungsverfahren drohte. Die Preisvergabe kann somit auch als politisches Zeichen betrachtet werden.  Seine beiden Romane und die Kurzgeschichtensammlung sind auf Deutsch unter folgenden Titeln erschienen: “Das Brot des Patriarchen”, “Ein Glas Wut” und “Mädchen auf dem Weg”. (Bildquelle: Antonio Cruz, Agencia Brasil)


12. Mai 2016 | Brasilien: Brasilianische Präsidentin suspendiert | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva mit Präsidentin Dilma Rousseff - Foto: Agencia Brasil, Ricardo StuckertNach einer fast 21-stündigen Debatte votierte der brasilianische Senat mit 55 gegen 22 Stimmen für eine Suspendierung der amtierenden Präsidentin. Senatspräsident Renan Calheiros sorgte dafür, dass die Marathonsitzung weitgehend ruhig verlief und nicht wie die Abstimmung im Kongress im Chaos versank. Unter Leitung des Obersten Gerichtshofs hat der Senat jetzt 180 Tage Zeit, die gegen die Präsidentin erhobenen Vorwürfe – Buchhaltungstricks und Regelverstöße beim Umgang mit Staatsfinanzen – zu untersuchen. Das erklärte Ziel der Rousseff-Gegner ist es, im Anschluss an die Untersuchungen die Präsidentin endgültig ihres Amtes zu entheben. Wie die Abstimmung zeigt, scheint es dafür die notwendige Zweidrittelmehrheit zu geben. Kommentatoren verweisen darauf, dass die Vorwürfe gegen Rousseff nur vorgeschoben sind, es ginge allein darum, die Regierung der Arbeiterpartei zu stürzen. Generalstaatsanwalt José Eduardo Cardoza betonte als letzter Redner im Senat, die Regierung solle für etwas bestraft werden, dass alle Regierungen machten. Immerhin fast 54 Prozent der Kongressabgeordneten und 60 Prozent der Senatoren haben oder hatten Probleme mit der Justiz. Während der Suspendierung Rousseffs mit minimalem Bezügen wird Michel Temer vom Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB), Vizepräsident und Rousseff-Gegner, die Staatsgeschäfte übernehmen. Auch gegen verschiedene seiner Parteigänger, die er bereits für sein künftiges Kabinett ins Gespräch brachte, wurden bereits Korruptionsvorwürfe erhoben. (Bildquelle: Agencia Brasil).


06. Mai 2016 | Brasilien: Präsidentin Rousseff nimmt Wasserkraftwerk am Rio Xingu in Betrieb | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Wasserkraft Belo Monte am Rio Xingu in Betrieb genommen - Foto: Agencia BrasilAlle Proteste haben nichts geholfen: Die ersten Turbinen des Megadamms Belo Monte am Rio Xingu sind im Beisein von Präsidentin Dilma Rousseff am 05.05.2016 in Betrieb gegangen. Sie haben eine Leistung von zunächst 650 Megawatt. In der letzten Ausbaustufe soll das Wasserkraftwerk eine Leistung von 11.000 Megawatt haben. Es wäre damit das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt und soll 60 Millionen Menschen mit Strom versorgen. Das Volk der Kayapó wird jedoch durch das riesige Bauwerk sehr stark in seinen traditionellen Lebensgrundlagen eingeschränkt, und die negativen Umweltfolgen sind noch nicht abzuschätzen. Diese Aspekte werden von der brasilianischen Regierung allerdings vollkommen ausgeblendet. Auch die Umsiedlung von mindestens 20.000 Menschen und die Flutung von 516 Quadratkilometern Regenwald sind laut deren Guthalten notwendige Maßnahmen, um die Energieversorgung des Landes nachhaltig zu sichern. Der Bau des Kraftwerks Belo Monte könnte allerdings genau das Gegenteil bewirken. Zum einen emittieren die Stauseen des Amazonas aufgrund der anaeroben Vergärung von Schwemmmaterial oder überfluteten Bäumen große Mengen an Methan, einem 25-fach stärker wirkenden Klimagas als Kohlendioxid. Zum anderen scheint die zunehmende Rodung des Amazonas-Regenwaldes den regionalen Niederschlagskreislauf negativ zu beeinflussen – mit zunehmender Trockenheit. Die akute Wassernot in Sao Paulo im Jahr 2015 zeigte dies sehr anschaulich. Durch die starke Abhängigkeit Brasiliens von Hydroenergie wird jede Wasserkrise damit gleichzeitig auch zu einer Energiekrise. (Bildquelle: Agencia Brasil).


17. März 2016 | Brasilien: Bundesgericht entbindet Lula da Silva als Premierminister | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Bundesgericht entbindet Lula da Silva als Premierminister - Foto: Agencia BrasilWenige Minuten nach der Vereidigung von Luiz Inácio Lula da Silva als Premierminister wurde er vom Bundesgerichtshof von diesem Amt entbunden. Der Richter Itagiba Catta Preta Neto vom Bundesgericht in Brasilia hat diese Entscheidung gefällt, da Anhaltspunkte zu Straftaten gegen Lula da Silva vorliegen und er als Premierminister die Untersuchungen verhindern könnte. Gegen den brasilianischen Ex-Präsidenten laufen Ermittlungen wegen unrechtmäßiger Bereicherung, Geldwäsche und Korruption im Zusammenhang mit dem brasilianischen staatlichen Erdölkonzern Petrobras. Weiterhin weist der Richter die amtierende Präsidentin, Dilma Rousseff, darauf hin, dass sie mit der Ernennung von Lula da Silva zum Premierminister strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden könnte (Bildquelle: Agencia Brasil).


29. Oktober 2015 | Brasilien: Musikproduzent veröffentlicht hispanoamerikanische Musik auf portugiesisch | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Musikproduzent veröffentlicht hispanoamerikanische Musik auf portugiesisch - Bild: CarlosArturoAcosta_Leonardo Vinhas möchte mit dem Album “Somos todos Latinos” die hispanoamerikanische Musik im Land bekannt machen. Der Titel der von ihm zusammengestellte Sammlung bedeutet sowohl auf Spanisch als auch auf Portugiesisch „Wir sind alle Latinos“. Die Website „Scream & Yell“ bietet sie derzeit kostenlos auf ihrer Homepage zum Download an. Vinhas möchte damit auch brasilianischen Musikliebhabern das Schaffen der Künstler jenseits des Amazonsbeckens und der Anden nahebringen. Gustavo Ceratí, Franny Glass, Jorge Drexler und andere werden dabei von brasilianischen Künstlern in portugiesischer Sprache neu interpretiert. Der Produzent weist zwar darauf hin, dass die sprachlichen Gemeinsamkeiten von Mexiko bis Feuerland nicht genügen, um von einer Gleichheit aller „Latinos“ zu sprechen. Doch gleichzeitig sei es über die Musik möglich, gemeinsame Hoffnungen und Sehnsüchte zu teilen und so ein Gefühl von Gemeinsamkeit zu schaffen (Bildquelle: CarlosArturoAcosta_).


09. Oktober 2015 | Brasilien: Präsidentin Rousseff mächtig unter Druck | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Präsidentin Dilma Rousseff - Foto: Agencia BrasilGestern erklärte das für den Haushalt zuständige Bundesrechnungsgericht den Etat des letzten Jahres für illegal, da die Bücher manipuliert worden seien. Die Regierung habe versucht, das zunehmende Defizit zu verbergen, so der Vorwurf. Zwar ist der Richterspruch juristisch nicht bindend; das Gericht riet den Parlamentariern jedoch, den vergangenen Etat abzulehnen. Während die Regierung bereits Widerspruch einlegte, schwor die Opposition ihrerseits das baldige Ende der Rousseff-Regierung herauf – und tatsächlich rückt dieser neuerliche Vorwurf ein Amtsenthebungsverfahren in erreichbare Nähe. Denn Rousseff geriet insbesondere während ihrer zweiten Amtszeit zunehmend in die Kritik. Hinzu kam just am Vortag dieses Urteils, dass nach dem mit 5:2 ausgefallenen Rechtsspruch des Obersten Wahlgerichtshofs ein Ermittlungsverfahren wegen Korruptionsverdachts gegen Rousseff eingeleitet wird. Der brasilianischen Präsidentin wird vorgeworfen, während ihres Wahlkampfs illegale Spenden von Zulieferern des Energiekonzerns Petrobras erhalten zu haben. Im sogenannten Petrobras-Skandal wird ihrer Arbeiterpartei vorgeworfen, vom genannten Staatskonzern bis zu 200 Millionen Dollar an Schmiergeldern empfangen haben. Da Rousseff dort von 2003 bis 2010 Aufsichtsratsvorsitzende war, ist sie ins Zentrum des Skandals geraten. Zusätzlich soll sie illegal Gelder von staatlichen Finanzgruppen für Sozialprogramme zur Armutsbekämpfung verwendet haben. In der Folge liegen ihre Umfragewerte mit weniger als zehn Prozent Zustimmung auf einem Rekordtief. So wundert es kaum, dass mittlerweile die große Mehrheit der Bevölkerung ihren Rücktritt befürwortet (Bildquelle: Agência Brasil).


18. Juni 2015 | Brasilien: Das brasilianische Portugiesisch entfernt sich immer weiter vom europäischen | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Das brasilianische Portugiesisch entfernt sich immer weiter vom europäischen - Foto: Jonatan ArgentoDer Sprachwissenschaftler Marco Bagno (Universidad de Brasília) stellte in einem Interview mit dem online-Magazin “Jornal Opção” (Ausgabe 2084) klar, dass aus seiner Sicht die Variation des Portugiesischen, die in seinem Land gesprochen wird, als neue, eigene Sprache behandelt werden kann. Die Gräben zwischen dem, was die Portugiesen sprächen und dem, was in Brasilien Alltagssprache sei, seien inzwischen unüberwindbar. Unterscheidende Faktoren seien dabei nicht allein der mit afrikanischen und indigenen Wörtern ausgestattete Wortschatz des brasilianischen oder die ungleich komplexere Aussprache des europäischen Portugiesisch. Besonders in der Morphosyntax, also hinsichtlich der Frage, an welcher Stelle des Satzes welche Worte stehen und wie diese geformt sind, tun sich den Forschern bei genauerer Untersuchung tiefgreifende Differenzen auf. Im brasilianischen Portugiesisch fällt zum Beispiel in gewissen Kontexten die Numerus-Übereinstimmung zwischen Verb und Subjekt weg, ein Phämomen, welches in keiner anderen vom Latein abstammenden Sprache zu beobachten ist. Das sei nicht nur eine Laune der Sprecher – diese Konstruktion hat es inzwischen in die Schriftsprache gebracht, i.e., sie ist weitgehend als “Standard”-Sprache anerkannt. Bagno sieht die brasilianischen Linguisten in der Pflicht, politische Stellung zu beziehen und über die Landesgrenzen hinaus aktive Sprachenpolitik zu betreiben, denn nur so könne Brasilien langfristig seine Interessen sichern, indem es z.B. lateinamerikanischen, spanischsprachigen Studenten die brasilianische Variante des Portugiesischen beibringt (Bildquelle: Jonatan Argento_)


27. April 2015 | Brasilien: Awá-Indigene nicht mehr sicher | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Abholzung des Amazonas-Regenwaldes - Foto: Agencia Brasil, Antonio CruzDie Führerin einer Gruppe von Awá-Indigenen im Nordosten des brasilianischen Amazonasgebietes ist schwer an Grippe erkrankt. Die Gruppe der Awá lebt zum Teil sesshaft, zum Teil noch zurückgezogen im Wald, wobei die sesshaften Mitglieder bereits Kontakt zur brasilianischen Mehrheitsgesellschaft haben, während die zurückgezogen lebende Gruppe bisher den Kontakt gemieden hat. Die an Grippe und Atemwegsbeschwerden erkrankte Jakarewyj ist Führerin der unkontaktierten Gruppe, welche etwa 100 Mitglieder hat. Im Januar diesen Jahres stellte sie zusammen mit einer weiteren Frau und einem Mann den Kontakt mit ihren sesshaften Verwandten her – aus Gründen, die bisher unbekannt sind. Gegenüber dem Indiginen Missionsrat Brasiliens (CIMI) erläuterte ein Mitglied der kontaktierten Awá, dass die Gruppe um Jakarewyj in eine Situation geraten war, in welcher sie sich von Holzfällern umzingelt sahen. Diese dringen schon seit Jahren in das eigentlich staatlich geschützte Gebiet ein. Im Januar 2014 hatte die brasilianische Regierung nach internationalem Druck die Siedler, Holzfäller und Viehzüchter zwar aus dem Gebiet ausgewiesen. Die Erschließung des Gebietes und damit die Bedrohung von unkontaktierten Gruppen wird jedoch nicht enden, wenn die Behörden nicht nachdrücklicher das Recht der Awá-Gruppen auf ihr Territorium verteidigen (Bildrechte: Agencia Brasil, Antonio Cruz).


25. März 2015 | Brasilien: Indigene Proteste gegen „PEC 215/2000“ | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Das Kongress-Gebäude in Brasília - Foto: Quetzal-Redaktion, lwDer Präsident des brasilianischen Kongresses, Eduardo Cunha vom PMDB (Partido do Movimento Democrático do Brasil/ Partei der demokratischen Bewegung Brasiliens), hat am 20. März 1015 erneut einen Änderungsentwurf der Verfassung auf die Tagesordnung gebracht. Er betrifft den rechtlichen Status der Gebiete der indigenen Bevölkerung und traditionellen Gruppen Brasiliens. Die „Proposição de Emenda Constitucional“/ (PEC) sieht vor, den Kongress mit der Verwaltung und Gemarkung der Territorien zu betrauen, und nicht mehr, wie bisher, die zuständigen nationalen Behörden wie etwa die Behörde FUNAI. Der aus dem Jahr 2000 stammende Entwurf wurde nun von Cunha, einem Vertreter der Agrarlobby, wieder in den Kongress gebracht. Am 23.3.2015 beschloss der Kongress jedoch, die Entscheidung über PEC215/2000 erst in 60 Tagen zu fällen. Grund dafür sind die heftigen Proteste von Seiten der Zivilbevölkerung. Regenwaldschützer und die betroffenen indigenen Gruppen befürchten entscheidende Einschnitte im Regenwaldschutz, sollte der Veränderungsentwurf im Kongress die Mehrheit bekommen. Bereits im November des vergangenen Jahres und im Februar diesen Jahres kam es in Brasília zu Widerständen gegen den Entwurf, wobei die brasilianische Polizei die Proteste unter Einsatz von Pfefferspray unterband. Derzeit sind 1,13 Millionen Quadratkilometer des brasilianischen Territoriums Schutzgebiet für brasilianische Indigene. Sie stellen noch eine wichtige Institution zum Schutz des Regenwalds vor Abholzung dar. In einem Internetblog werfen indigene Führer den Politikern vor, zwar über die Bewahrung des Waldes zu diskutieren, gleichzeitig aber den Agrarunternehmern die Invasion der Gebiete zu ermöglichen (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, lw).


17. November 2014 | Brasilien: Runder Tisch zum (Post-)Wachstum | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Abholzung des Amazonas-Regenwaldes - Foto: Agencia BrasilAm kommenden Wochenende findet von Samstag bis Sonntag (21.-22.11.) in Naunhof bei Leipzig der Runde Tisch Brasilien statt. Der diesjährige Runde Tisch befasst sich mit dem Thema “(Post-)Wachstum: Abschied vom Wachstumszwang. (Post-)Wachstum in Brasilien und Deutschland”. Welche Zukunft steht beiden Ländern offen? Wie kann sie gestaltet werden? Welche Rolle können Jugendbewegungen spielen? Wie könnte nachhaltige Entwicklung aussehen? Zu diesen Themen geben ReferentInnen aus Brasilien und Deutschland fachliche Impulse. Es wird Gelegenheit für Diskussionen, Vernetzung und Austausch geben. Die Tagung findet sowohl auf Deutsch als auch auf Portugiesisch statt und wird simultan übersetzt. QUETZAL wird an der Tagung teilnehmen und davon berichten (Bildquelle: Agencia Brasil).


08. Oktober 2014 | Brasilien: Präsidentschaftswahlen – Erste Runde | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Präsidentschaftswahlen 2014 - Brasilianer zur Wahlurne - Foto: Agencia BrasilAm Sonntag wurde in Brasilien gewählt. Es standen sich in dieser ersten Runde der Präsidentschaftswahlen die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff von der Arbeiterpartei und die Kontrahenten Aécio Neves von der sozialdemokratischen Partei PSDB sowie die Ökologin Marina Silver von der Sozialistischen Partei gegenüber. Amtsinhaberin Dilma Rouseff hat mit fast 42 Prozent der Stimmen den Sozialdemokraten Neves, der rund 34 Prozent der Stimmen erreichte, überholt. Dennoch erhielt Rousseff nicht die absolute Mehrheit und muss zur Stichwahl am 26. Oktober erneut antreten. Marina Silver dagegen erhielt nur 21 Prozent der Stimmen. Ein haushoher Sieg Rousseffs blieb aus. Viele Brasilianer machen sie für das stockende Wirtschaftswachstum, die steigende Inflation sowie hohe Staatsausgaben wie zum Beispiel bei der Fußball-WM 2014 verantwortlich. Des Weiteren musste sich Rousseff fortwährend Korruptionsvorwürfen stellen. Ihr stärkster Gegner Aécio Neves könnte bei der Stichwahl die Präsidentschaftswahl gewinnen, wenn er die Wähler Marina Silver für sich gewinnen könnte. Neves steht für eine Liberalisierung der brasilianischen Wirtschaft. Mit der Übernahme einiger prägnanter Programmpunkte Marina Silvers könnte die Angst vor Repressionen gegen soziale Förderprogramme schwinden. Am vergangenen Sonntag wurden rund 140 Millionen Brasilianer zur Wahlurne gebeten, um über einen neuen Präsidenten, einen neuen Kongress und neue Landesparlamente in allen 26 Bundesstaaten zu entscheiden. Rund 25500 Kandidaten traten zur Wahl an (Bildquelle: Agência Brasil).


25. Juli 2014 | Brasilien: Diplomatische Beziehungen mit Israel zerrüttet | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Außenminister Luiz Alberto Figueiredo, 2014Nachdem Brasilien als zweites Land nach Ecuador seinen Botschafter in Tel Aviv zwecks Konsultationen zum Gaza Konflikt zurückrief, antwortete Israels Regierung mit harscher Kritik. Nach Aussagen des israelischen Pressesprechers des Außenministeriums, Yigal Palmor, berücksichtigt Brasilien nicht Israels Recht auf Selbstverteidigung und bezeichnete das lateinamerikanische Land in der Folge als „diplomatischen Zwerg“ und „irrelevanten diplomatischen Partner“. Die brasilianische Regierung hatte zuvor die Eskalation im Gaza Konflikt kritisiert und angedeutet, dass Israel seine militärische Macht gegenüber Palästina unverhältnismäßig ausnutzt. Palmor antwortete, dass Israels Reaktion gemäß internationaler Gesetze angemessen sei und dass ein 1:7 in einem Fußballspiel als unverhältnismäßig gilt (in Anlehnung an Brasiliens Niederlage bei der Weltmeisterschaft 2014 gegen Deutschland). Hinzu kam noch die brasilianische Zustimmung im UN-Menschenrechtsrat (UNHRC) für die Einsetzung eines Untersuchungskomitees gegen israelische Kriegsverbrechen, was die Beziehung zwischen beiden Ländern noch mehr zerrüttete. (Bildquelle: Agencia Brasil, Antonio Cruz)


11. Juli 2014 | Brasilien: 100.000 Argentinier für WM-Finale in Rio de Janeiro zu Gast | Kategorie(n): Noticias, Noticias Argentinien, Noticias Brasilien

Brasilien: Maracanã Umbau für die Weltmeisterschaft 2014 - Foto: Governo do Estado do Rio de Janeiro_Für das Finale der Fussball-Weltmeisterschaft 2014 zwischen Deutschland und Argentinein am kommenden Sonntag (13.07.2014) erwartet Rio de Janeiro als Austragungsort ca. 100.000 Besucher aus Argentinien. Zwar haben zahlreiche Argentinier bereits im Vorfeld Karten für das Spiel im legendären Maracanã-Stadium gekauft, eine Vielzahl davon wird aber mit dem Public-Viewing an der Copacabana Vorlieb nehmen müssen. Nichts desto trotz wäre es für viele Argentinier eine Genugtuung im Nachbarland zu gewinnen. Einziger Wehrmutstropfen bei einem solchen Szenario wären geschätze Einnahmen von ca. 100 Millionen US-Dollar, welche die Tourismusbehörde des Bundesstaates für das Wochenende geschätzt hat. Während in Rio de Janeiro in den touristischen Stadtteilen die Hotels bereits zu 100 Prozent ausgelastet sind, gibt es in anderen Stadtteilen noch Übernachtungsmöglichkeiten (Auslastung von 90 Prozent). Nicht erwartet wurden jedoch eine Vielzahl von Wohnmobilen, mit denen die Argentinier anreisen. Nach Aussagen der Tourismusbehörde hat man für diese Art von Fahrzeugen jedoch keinerlei Vorkehrungen getroffen bzw. fehle hierfür generell eine Infrastruktur (wie z.B. Kampingplätze). Somit wird versucht die geschätzten 200 Wohnwagen an verschiedenen Stellen der Stadt zu konzentrieren, so u.a. in Níteroi – ein Vorort von Rio de Janeiro – wo 50 Plätze bereitgestellt werden. (Bildquelle: Governo do Estado do Rio de Janeiro_)


26. Juni 2014 | Brasilien: Schießerei in Rio de Janeiro | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Militärpolizei - Foto: Agencia Brasil, Elza FiuzaZu Beginn der Woche kam es in der Favela Complexo Alemano in Rio de Janeiro zu einer Schießerei zwischen der Polizei und einigen Anwohnern. Die Polizei beschuldigte diese als Drogendealer und führte auf diesen Verdacht hin eine umfangreiche Razzia durch. Bei dem Konflikt kamen drei Menschen ums Leben, ein Polizist und zwei Jugendliche. Seit dem Jahr 2012 und der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an Brasilien herrscht ein reger Kampf um die Kontrolle der Armutsviertel in den Metropolen zwischen der Polizei und der organisierten Kriminalität. Mit einer Einwohnerzahl von ca. 100.000 Menschen ist die Complexo Alemano eine der größten Favela in Rio de Janeiro und auch Anzugspunkt vieler Touristen. Seit den Befriedungsprojekten der Regierung kam und kommt es seither immer wieder zu derartigen Zwischenfällen. Während der Fußball-Weltmeisterschaft wurden die Maßnahmen von Seiten der Polizei weiter verschärft, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Die Behörden haben in den letzten Jahren mehr als 30 neue Polizeistationen in den Favelas installiert, um die Drogendealer zu vertreiben. Quellen berichten, dass Schießereien und Morde tatsächlich rückläufig sind, jedoch kritisieren die Bewohner kontinuierlich die Methodik der Polizei zur Herstellung dieser Ordnung (Bildquelle: Agencia Brasil, Elza Fiuza).


22. Juni 2014 | Brasilien: Fussball-WM schafft ca. eine Million Arbeitsplätze | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Maracanã Umbau für die Weltmeisterschaft 2014 - Foto: Governo do Estado do Rio de Janeiro_Gemäß einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung (Fipe) im Auftrag des Ministeriums für Tourismus schafft die Fussball-Weltmeisterschaft ca. 1 Million zusätzliche Arbeitsplätze in Brasilien. Der Großteil, d.h. 700.000 Stellen, wurden im formellen Sektor geschaffen, während – wie für Schwellenländer typisch – ein nicht unerheblicher Teil im informellen Sektor (= Schattenwirtschaft) geschaffen wurde. Die Aussagen basieren zum einen auf prognostizierten Effekten zur Fussball-WM und zum anderen auf Zahlen der Arbeits- und Arbeitslosenstatistik (Cadastro Geral de Empregados e Desempregados, Caged) mit Daten von 2011 bis März 2014. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen sollen durch die WM auch ca. 30 Milliarden Reais (ca. 10 Mrd. €) in die Wirtschaft fließen. Nach Zahlen des brasilianischen Fremdenverkehrsamts EMBRATUR allein 6,7 Milliarden Reais (ca. 2,2 Mrd. €) im Tourismussektor. Offen ist jedoch nach wie vor, wie langfristig die Effekte sind, vor allem in Bezug auf die Beschäftigung. Aufgrund des verhältnismäßig gering regulierten Arbeitsmarkts werden die Firmen spätestens in 2015 ihre Kostenstrukturen “optimieren”. Am ehesten könnte noch Rio de Janeiro, als wichtigstes Urlaubsziel des Landes, von mittelfristig positiven Effekten profitieren. Durch die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2016 sollte 2015 hoffentlich nur ein geringer Einbruch zu verzeichnen sein. (Bildquelle: Governo do Estado do Rio de Janeiro_)


05. Juni 2014 | Brasilien: Proteste und Streiks kurz vor WM | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Dilma beim Countdown für die Weltmeisterschaft 2014 - Foto: Blog do Planalto BrasilCopa sem o povo, tô na rua de novo! (WM ohne Volkesmasse, ich bin wieder auf der Straße!) – so tönte es gestern durch die Innenstadt von São Paulo. Mehr als zwanzig Tausend Menschen haben sich erneut zusammengefunden, um gegen die Fifa und die eigene Regierung zu demonstrieren. Die Menschen waren und sind nicht gegen das sportliche Großereignis der Fußballweltmeisterschaft an sich, aber gegen die Art und Weise, wie sie organisiert wurde und wie sie stattfinden wird. „Die Spiele dürfen kein Ereignis sein, das nur den Reichen Vorteile verschaffe“, meint Guilherme Boulos, natinonaler Koordinator der Arbeiterbewegung MTST (Movimento dos Trabalhadores Sem-Teto). Das einfache Volk habe schon keinen Zugang zu den Spielen, bei denen die Eintrittskarte 500 Reais kostet. „Sollten unsere Forderungen ohne Antwort bleiben, wird es viele Menschen geben, die ohne Eintrittskarten die Eröffnung der Weltmeisterschaft im Stadion in São Paulo werden sehen wollen“. Während der Proteste vor dem Itaquerão Stadion wurden unter anderem Forderungen zu Reformen im Gesundheitswesen, in der Bildung, im öffentlichen Nahverkehr und zur prekären urbanen Wohnsituation laut. Außerdem wurden lebenslängliche Renten für die Hinterbliebenen der während der Bauarbeiten zu Tode gekommenen Arbeiter gefordert. Heute legt zusätzlich ein Streik der Arbeiter im öffentlichen Nahverkehr große Teile São Paulos lahm. Die Mitarbeiter der Companhia de Engenharia de Tráfego (CET) fordern höhere Löhne sowie mehr Arbeitsplätze. Die Proteste in Brasilien werden auch kurz vor Anpfiff nicht leiser (Bildquelle: Blog do Planalto Brasil).


12. Mai 2014 | Brasilien: Deutliche Zunahme der Asylanträge | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: FlaggeIn den letzten vier Jahren ist eine Steigerung der Asylanträge in Brasilien zu beobachten. Im Jahr 2013 wurden 5.256 Anträge gestellt, 2010 waren es noch 566. Laut Brasiliens Justizsekretär Paulo Abrão ist die Erhöhung der Asylanträge eine Folge zunehmender bewaffneter Konflikte in einigen Ländern in Afrika und im Nahen Osten. Die Flüchtlinge, die in Brasilien um Aufnahme ersuchen, kommen aus 15 Ländern, davon zwei Drittel aus Bangladesch, Senegal, Libanon und Syrien. Für André Ramírez, den Vertreter des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen in Brasilien, weist die Zunahme der Asylanträge auf die stärkere Bedeutung Brasiliens im internationalen Geschehen hin. Für ein Land mit einer Bevölkerung von ca. 201 Millionen nimmt sich die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge allerdings bescheiden aus: 2010 wurden gerade einmal 126 Anträge bewilligt, 2013 auch nur 649. Mittlerweile ist die brasilianische Regierung auf Forderungen der Flüchtlinge eingegangen; seit Oktober 2013 werden diese im Ausweis als Einwohner und nicht mehr als Flüchtlinge bezeichnet. Besitzer alter Ausweise haben das Recht auf eine Veränderung des Eintrags, müssen aber die Kosten selbst übernehmen. Darüber hinaus bekommen Flüchtlinge in Brasilien inzwischen auch eine Arbeitserlaubnis.


24. April 2014 | Brasilien: Krawalle auf der Copacabana nach Tod eines jungen Tänzers | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Favela Dona Marta. Foto: Quetzal Redaktion, hlrDie genauen Umstände sind noch ungeklärt. Der 26-Jährige Rafael da Silva Pereira war am Dienstagmittag nach Angaben seiner Mutter auf dem Weg zu seiner Tochter, als er zu Tode kam. Polizisten sollen ihn nach Angaben der Anwohner geprügelt und dann erschossen haben. Die Polizei weist die Beschuldigungen zurück und wartet nun auf das Ergebnis der Untersuchungen. Noch am selben Abend versetzten hunderte Menschen mit brennenden Barrikaden und selbstgebauten Sprengkörpern das weltbekannte Viertel Copacabana in Ausnahmezustand. Sie protestierten gegen die vehemente Polizeigewalt in den favelas. Die bewaffnete Polizei rückte daraufhin mit Wasserwerfern und Helikoptern an, wobei wiederum ein Mann durch einen Kopfschuss getötet und ein 12-Jähriger Junge angeschossen wurde. Strukturelle Gewalt von Polizisten gegen Bewohner der Armenviertel, oftmals, wie auch in diesem Fall, dunkler Hautfarbe, sind leider immer noch eher Regel als Ausnahme. Von jährlich bis zu 1000 durch Polizisten getöteten Menschen geht Amnesty International allein in Rio de Janeiro aus. Der Tod des jungen Mannes zeugt jedoch von besonderer Tragik. Erst im vergangenen Jahr spielte er als Protagonist in dem Kurzfilm Made in Brazil mit. Der sechsminütige Film erzählt mit kritischem Blick auf die bevorstehende WM die Geschichte eines jungen Mannes, der vom Fußballspiel mit Freunden an der Copacabana zurück in die favela Pavão Pavãozinho kehrt. Dabei wird er von zwei Polizisten ohne Grund beleidigt und erschossen. Jetzt ist Rafael dieser immer widerkehrenden Geschichte wohl selbst zum Opfer gefallen, in genau derselben favela. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, hlr)


25. März 2014 | Brasilien: Wasserknappheit in São Paulo | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Wasserversorgungsreservoirs der Region São Paulo, betrieben vom Unternehmen Sapesp (Foto: Agencia Brasil, Sapesp / Divulgação )Aufgrund übermäßiger Hitze und geringen Niederschlägen in den letzten Monaten ist der Pegel des größten Wasserversorgungsreservoirs der Region São Paulo, das Sistema Cantareira, auf ein Rekordtief gesunken. Das verbleibende Volumen des Wasserspeichers beläuft sich aktuell nur noch auf knapp 14,5%. Das könnte bei anhaltendem Regenmangel zur Folge haben, dass viele Haushalte in den kommenden Monaten extremer Wasserknappheit ausgesetzt sein werden. Es wurde bereits von Anwohnern in São Paulo berichtet, dass sie seit einigen Tagen von der Wasserversorgung gänzlich abgeschnitten seien. Das zuständige Unternehmen Sabesp versicherte unterdessen, dass die letzten Sicherheitsreserven, das „volume morto“, die Wasserversorgung noch vier Monate tragen könne. Der Vorsitzende der Sapesp erklärte, die Nutzung der Notfallreserven könne „kurzfristig dazu beitragen, den Versorgungsnotstand zu vermindern.“ Dass sich das System davon wieder erholt, könne jedoch lange dauern. Für die kommenden Wochen ist weiterhin kaum Niederschlag in Aussicht. (Bildquelle: Agencia Brasil, Sapesp / Divulgação)


17. Februar 2014 | Brasilien: Weitere Anklagen im Prozess zum Carandiru-Massaker | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Carandiru - Foto: Agencia Brasil, Sergio AndradeAm heutigen Tag beginnen in dritter Instanz die Verhandlungen zum Carandiru-Massaker vom 2. Oktober 1992. Vor mehr als 21 Jahren wurde während eines Gefängnisaufstandes die Erstürmung einzelner Zellenblöcke durch die Militärpolizei angeordnet. Hierbei wurden 111 Menschen getötet und 87 verletzt. An der gewaltsamen Niederschlagung – bei der auch unbewaffnete, sich bereits ergebene Insassen erschossen wurden – müssen sich nun erneut 15 Polizisten für den Tod von acht Gefangenen verantworten. Durch die Einbindung einer großen Anzahl an Angeklagten und Opfern wurde der Prozess in insgesamt vier Instanzen unterteilt, analog der vier Etagen von Haus 9, in welchem das Massaker stattgefunden hat. Im April 2013 wurden bereits 23 Polizisten für den Mord an 13 Häftlingen zu je insgesamt 156 Jahren Haft verurteilt. In zweiter Instanz weitere 25 Polizisten zu je 624 Jahren Haft wegen Mordes von 52 Insassen. Wie auch schon bei der Verurteilung des kommandierenden der Militärpolizei, Ubiratan Guimarães, bleiben die Polizisten durch Unfähigkeit der Justiz in der Regel auf freiem Fuß oder erwirken in weiteren Instanzen zweifelhafte Freisprüche. Das Casa de Detenção de São Paulo, wie Carandiru offiziell bezeichnet wird, wurde im 2002 geschlossen. Mit über 8.000 Insassen galt es einst als größte Haftanstalt in Südamerika. (Bildquelle: Agencia Brasil, Sérgio Andrade)


16. Januar 2014 | Brasilien: Mais Médicos – Gesundheitsreform gegen Ärztemangel | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Vergangenen Freitag stellte der brasilianische Gesundheitsminister Alexandre Padilha in São Paulo das staatliche Programm Mais Médicos vor. Es hat bis April 2014 zum Ziel, 13.000 Ärzte aus dem Ausland anzuwerben, um in Gebieten zu arbeiten, die unter mangelnder medizinischer Versorgung leiden. Padilha versprach, Ärzte aus Kuba, Kolumbien und anderen Ländern ins Land zu holen, um eine höhere Dichte an verfügbaren Ärzten zu gewährleisten. Im Vorfeld äußerten verschiedene Ärzteverbände Kritik. Die Reform würde den brasilianischen Ärzten Arbeitsplätze wegnehmen und unqualifiziertes Personal mit sich bringen. Padilha betonte, dass das nicht der Fall sei: “Wenn ich gegen die Ärzte hier wäre, würde ich sagen, dass es zu viele Ärzte in Brasilien gäbe, die nicht in die armen Gebiete gehen. Wir sprechen aber genau vom Gegenteil. In unserem Land fehlen schlichtweg Ärzte.” Von Ende Januar bis Anfang Februar findet die Einschreibungsphase statt, während der sich sowohl brasilianische, als auch internationale Interessenten auf die Stellen bewerben können.


07. Januar 2014 | Brasilien 25 Jahre Verfassung: Anspruch und Wirklichkeit | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Verkündung der Verfassung 1988 - Foto: Agencia BrasilVor 25 Jahren, am 5. Oktober 1988, wurde in Brasilien eine neue Verfassung angenommen, die mit dem Erbe der Militärdiktatur von 1964 bis 1985 brach und das Ziel hatte, die demokratischen Institutionen im Land wiederherzustellen. Es wurden nicht nur wichtige Grundrechte wie die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in den Verfassungstext aufgenommen, sondern die „Errichtung einer freien, gerechten und solidarischen Gesellschaft“ und die „Sicherung der nationalen Entwicklung“ wurden als fundamentale Ziele der Föderativen Republik Brasilien (Artikel 3 der Verfassung) festgeschrieben. Armut, soziale und regionale Ungleichheiten sowie jegliche Diskriminierung sollen beseitigt werden. Die Protestwelle, die das Land im letzten Jahr durchzog und die sich auch gegen Korruption und soziale Missstände richtete, macht deutlich, dass Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit in Brasilien oft auseinanderfallen. Der „große Pakt“ für ein besseres Brasilien, den Präsidentin Dilma Rousseff als Reaktion auf die Proteste ankündigte, richtet sich deshalb auch gegen nach wie vor bestehende Ungleichheiten. Inzwischen gelang es der Regierung, das Tief zu überwinden, in das sie nach den Protesten gerutscht war: Immerhin drei Viertel der Brasilianer schätzten Ende vergangenen Jahres in einer Meinungsumfrage die Arbeit der Regierung als sehr gut bzw. zufriedenstellend ein (Bildquelle: Agencia Brasil).


04. November 2013 | Brasilien: Regierung spionierte ausländische Beamte aus | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Präsidentin Dilma Rousseff - Foto: Agencia BrasilEinem Bericht des Brasilianischen Geheimdienstes Abin (Agênica Brasileira de Inteligência) zufolge, wurden Diplomaten aus drei Ländern sowohl in den Botschaften, als auch in ihren Wohnhäusern beobachtet. Dem Dokument zufolge gab es zwischen 2003 und 2004 zehn Geheimoperationen. Unter den beobachteten Beamten und Diplomaten handelte es sich wohl hauptsächlich um russische, irakische und iranische Staatsbürger. Das Kabinett für Internationale Sicherheit, dem die Abin untergeordnet ist, räumt ein, dass es diese Operationen gab. Alle Aktionen seien jedoch mit der brasilianischen Gesetzgebung vereinbar gewesen und mit dem Ziel durchgeführt worden, geheime Staatsinteressen zu schützen. Die Arbeit des brasilianischen Geheimdienstes kann zwar nicht mit der Überwachungsarbeit der USA verglichen werden, dennoch rückt das veröffentlichte Dokument die Präsidentin Dilma in ein neues Licht. Diese hatte noch vor wenigen Wochen einen Besuch in den USA abgesagt, nachdem bekannt wurde, dass selbst vertrauliche Gespräche zwischen ihr und ihren Beratern von der NSA abgehört worden waren. Damals nannte sie das nordamerikanische Verhalten eine Verletzung der Staatssouveränität (Bildquelle: Agencia Brasil).


21. Oktober 2013 | Brasilien: Tauziehen um größtes Ölfeld | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Bohrinsel - Foto: Agencia Brasil, Divulgacao PetrobrasHeute findet in Rio de Janeiro die Versteigerung der Bohrkonzessionen für das größte Ölfeld Brasiliens statt. Lediglich elf Konzerne werden sich um die Rechte am Campo de Libra, das in der Pre-Sal-Zone liegt, bewerben. Zwar werden die Reserven auf 12 Mrd. Barrel geschätzt, die Erschließung ist jedoch enorm teuer und langwierig. Gewinne werden in frühstens sechs Jahren erwartet. Den Zuschlag soll derjenige Bewerber erhalten, der dem brasilianischen Staat den höchsten Anteil an Öl in Aussicht stellt. Bereits gestern hatten Militär- und Marineeinheiten mit insgesamt mehr als 1000 Mann Stellung bezogen, um den Ort der Versteigerung vor den absehbaren Protesten abzuschirmen. Dabei handelt es sich zum einem um streikende Erdölarbeiter, die von Petrobras eine Lohnerhöhung von 16,5 Prozent fordern. Darüber hinaus wollen die Streikenden eine Dominanz ausländischer Unternehmen bei der Förderung der nationalen Ölreserven verhindern. Zum anderen sind auch Aktionen von Umweltakivisten und betroffenen Küstenbewohnern zu erwarten, die für den Erhalt der Natur und die traditionellen Erwerbsmöglichkeiten (Fischerei) eintreten. Beides ist durch die Ölförderung und ihre Folgen gefährdet. Soziale Bewegungen und Studenten fordern außerdem eine gerechte Verteilung der Öleinnahmen, vor allem zur Bekämpfung der Armut und zur Verbesserung der Bildungsmöglichkeiten. (Bildquelle: Agencia Brasil, Divulgacao Petrobras)


10. Oktober 2013 | Brasilien: ILO-Weltkonferenz gegen Kinderarbeit in Brasília | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: ILO-Weltkonferenz gegen Kinderarbeit in Brasilia (Oktober 2013) - Foto: Ministério das Relações Exteriores_,  Gustavo Ferreira /AIG-MREDie III. Weltkonferenz gegen Kinderarbeit (Global Conference on Child Labour) begann am 8. Oktober in der brasilianischen Hauptstadt Brasília. Bis zum heutigen Donnerstag werden die Teilnehmer aus 153 Staaten „Strategien zur Beschleunigung der Ausrottung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit“, so das Konferenzthema, beraten. Ziel des Treffens ist es, eine Bilanz der bisherigen Fortschritte im Kampf gegen die schwere Ausbeutung von Kindern zu ziehen, neue Strategien für die weitere Arbeit zu entwickeln sowie den internationalen Kampf gegen Kinderarbeit besser zu koordinieren. Beim Treffen im Jahre 2010 in Den Haag nannte eine Bilanz noch 215 Mio. Kinder und Jugendliche im Alter von 5-17 Jahren, die im Jahr 2008 weltweit unter erniedrigenden Bedingungen arbeiten mussten. Obgleich die Zahl der arbeitenden Kinder in den letzen vier Jahren auf 168 Mio. gesunken ist, reicht dieser Rückgang nicht aus, um die schlimmsten Formen der Kinderarbeit bis 2016 zu beseitigen, wie es die internationale Gemeinschaft 2010 in einem Aktionsplan vereinbart hatte. Als „schlimmste Formen der Kinderarbeit“ bezeichnet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) alle Formen von Sklaverei, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, Kinderhandel und den Einsatz von zwangsrekrutierten Kindersoldaten, die Kinderprostitution sowie die Produktion von Kinderpornografie. Dazu gehören auch der Einsatz oder das Anbieten von Kindern für illegale Tätigkeiten sowie jede Arbeit, die durch ihre Art oder ihre Bedingungen die psychische und physische Gesundheit der Kinder gefährdet (Bildquelle: Ministério das Relações Exteriores_, Gustavo Ferreira /AIG-MRE).


24. September 2013 | Brasilien: Absage des Besuchs bei US-Präsident Obama wegen NSA-Affähre | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Präsidentin Dilma Rousseff - Foto: Agencia BrasilDie brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat vergangene Woche einen für den 23. Oktober geplanten Staatsbesuch bei US-Präsident Barack Obama mit Verweis auf die NSA-Affäre abgesagt. Im Rahmen der NSA-Affäre wurden nicht nur brasilianische Bürger und Unternehmen (z.B. der staatliche Ölkonzern Petrobras), sondern auch Regierungsstellen (u.a. der Mailverkehr von Rousseff selbst) abgehört. Nach Aussagen des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden gehört Brasilien zusammen mit Deutschland zu den am stärksten überwachten Ländern. Da bisher die geforderte Aufklärung zu den Vorfällen ausblieb, sieht Rousseff keine gemeinsame Grundlage für ein Treffen. Der Termin wurde gemäß entsprechender Aussagen von brasilianischen Medien zunächst auf Anfang 2014 verlegt. Das Staatsoberhaupt Brasiliens will mit diesem Vorgehen zum einen die eigene Souveränität – auch in Bezug auf die regionale Führungsrolle Brasiliens im “Hinterhof” der USA – betonen, zum anderen benötigt Dilma Rousseff nach den Massenprotesten im Rahmen des Fifa Confederations Cup dringend positive Meldungen für ihre stark gefallenen Umfragewerte. Ob diese Meldung aber auch im Fokus der Bürger steht, bleibt zu bezweifeln, gehört doch Brasilien bei der Nutzung von Facebook, Youtube und Twitter zu den weltweit größten drei Nationen. (Bildquelle: Agencia Brasil)


05. August 2013 | Brasilien Ärzteprotest: Es fehlen keine Ärzte, es fehlen bessere Arbeitsbedingungen | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Ärzteprotest - Foto: Pedro França/Agência SenadoDie brasilianische Regierung hat im Juli dieses Jahres das „Programm Mehr Ärzte“ (Programa Mais Médico) begonnen. Dieses Programm zielt darauf, den Mangel an medizinischer Grundversorgung für die indigene Bevölkerung und in den ländlichen Räumen sowie Risikogebieten der Peripherie zu beheben. Die Anmeldung ist für brasilianische und ausländische Ärzte möglich, wenn ihre Ausreise keinen Verlust für ihre Herkunftsländer darstellt. Allerdings haben Ärzte in Brasilien gegen das Programm demonstriert. Dass ausländische Ärzte angenommen werden, besonders die möglicherweise 6.000 Ärzte aus Kuba, sorgt für Empörung. Die Gewerkschaft behauptet, dass es in Brasilien keinen Mangel an Ärzten gäbe, das Problem seien die Arbeitsbedingungen in den erwähnten Gebieten. Die Regierung bietet den Ärzten ein Stipendium in Höhe von R$ 10.000,00 (ca. € 3.282,00), zzgl. den Reisekosten für die Ärzte und ihre Familien durch das „Programm Mehr Ärzte“. Wenn es, wie die Gewerkschaft behauptet, in Brasilien keinen Mangel an Ärzten gibt, dann können also alle diese Stellen von brasilianischen Ärzten besetzt werden, da diese auch Priorität haben. Also was fürchten sie? Die Ärzte erklären, dass die strukturellen Arbeitsbedingungen fehlen, und deswegen seien die Stellen nicht zu besetzen. Offensichtlich nehmen sie in Kauf, dass Menschen in diesen Regionen ohne ärztliche Grundversorgung bleiben. In Brasilien kommen auf 1.000 Einwohner 1.8 Ärzte, in Deutschland sind es 3,6 und in Kuba 6,7. In einigen Gebieten Brasiliens gibt es nur ca. einen oder sogar weniger als einen Arzt pro 1.000 Einwohner. Die Arbeitsbedingungen müssen ohne Zweifel dringend verbessert werden, aber auch die Lebensbedingungen der Bewohner des Landes. Die medizinische Versorgung sollte für niemanden Luxus sein (Bildquelle: Pedro França/Agência Senado).


20. Juni 2013 | Brasilien: Proteste in mehreren Städten | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Protestbewegung Passe Livre in Sao Paulo - Foto: Gianluca Ramalho Misiti

Seit einigen Wochen schon demonstrieren Anhänger der Bewegung „Passe Livre“, die seit Jahren für einen kostenlosen Nahverkehr in São Paulo kämpft, gegen die Fahrpreiserhöhungen von 3 auf 3,20 Reais. Was am Anfang nur eine kleine Protestbewegung mit konkreten Forderungen war, wurde spätestens am Montag, dem 17. Juni, zu einer unüberschaubaren Massenbewegung. Plötzlich gingen Hunderttausende Menschen in unzähligen Städten, darunter in den Metropolen São Paulo, Rio de Janeiro und Brasília auf die Straße. „Der Riese ist erwacht“ riefen die Menschen im Freudentaumel, endlich nicht nur über die Missstände in ihrem Land zu klagen, sondern selbst ein Zeichen zu setzen. Die Forderungen gewannen schnell an Breite: ein besseres Bildungs- und Gesundheitssystem, weniger Korruption, Boykott der Fußballweltmeisterschaft, die Millionen öffentliche Gelder verschlingt. Aber auch Rücktrittsforderungen gegenüber der Präsidentin Dilma Rousseff und ihrer Arbeiterpartei (PT) wurden laut. Rousseff erklärte am Montag, die Demonstrationen seien „legitim und charakteristisch für eine Demokratie“. Erstaunlich war das geringe Polizeiaufgebot während der Demonstrationen am vergangenen Montag, Tage zuvor war sogar die Polizeieinheit „Choque“, ein Überbleibsel aus der Militärdiktatur, in São Paulo mit Gummigeschossen und Tränengas zum Einsatz gekommen. Da ist es umso erstaunlicher, dass am Montag ohne jegliche Gegengewalt Hunderte von Demonstranten das Dach des Nationalkongresses stürmen konnten. Auch die großen Medien, die zunächst von Vandalismus und Extremisten sprachen, sehen nun in den Demonstrationen ein erstarktes demokratisches Brasilien. Gestern Abend nahmen die Oberbürgermeister von São Paulo und Rio de Janeiro die Tariferhöhungen zurück. Gleichzeitig kündigten sie an, die daraus entstehenden Kosten in anderen Bereichen, wie Bildung und Gesundheit einzusparen. (Bildquelle: Gianluca Ramalho Misiti)


13. Mai 2013 | Brasilien: Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen sinkt weiter | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Foto: Agencia Brasil, Fabio Rodrigues Pozzebom125 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei gibt es aufgrund der Hautfarbe in Brasilien noch sehr viele Vorurteile und Ungleichheiten. Nichtsdestotrotz konnten diese in den letzten zehn Jahren deutlich vermindert werden, so hat sich z.B. der Anteil der Brasilianer mit dunkler Hautfarbe an Universitäten von 19 auf 38 Prozent verdoppelt. Zu gleichen Zeit wurde zwar der Unterschied im Pro-Kopf-Einkommen zwischen Weißen und Schwarzen vermindert, noch immer werden Schwarze bei vergleichbaren Job-Profilen im Vergleich zu Weißen beim Verdienst diskriminiert. Je nach Berufsgruppe gibt es aber nicht nur in Bezug auf das Einkommen hohen Nachholbedarf. Während in der Medizin der Anteil nur 17 Prozent beträgt, nähert sich der Anteil in Lehramtsberufen mit 41 Prozent deutlich mehr dem Anteil der Schwarzen in der Gesamtbevölkerung von 51 Prozent. Im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums und aufgrund von zahlreichen Sozialprogrammen für Arme – in denen Schwarze mehrheitlich vertreten sind – konnte auch deren Anteil an der Mittelschicht (Pro-Kopf-Einkommen zwischen 291 und 1109 Reais, ca. 100 bis 400 Euro) gesteigert werden, d.h. waren im Jahr 2001 nur 31 Prozent der schwarzen Bevölkerung Teil der neuen Mittelschicht, so sind es jetzt 51 Prozent. Innerhalb dieser gibt es aber noch starke Ungleichheiten. So beträgt der Anteil von Schwarzen bei den ärmsten 10 Prozent 62 Prozent, bei den reichsten 10 Prozent aber nur 39 Prozent. (Bildquelle: Agencia Brasil, Fabio Rodrigues Pozzebom)


01. April 2013 | Brasilien: Mysteriöse Tierart entdeckt | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Neue Tierart tujakue tapiti mabati - Foto: Universidade de Ciências das Feras, Public DomainBei Recherchen zu einem neuen Projekt entdeckten Mitarbeiter von Yadegar Asisi im brasilianischen Regenwald eine neue Tierart. Das bisher in Fachkreisen unbekannte Wesen wird von den einheimischen Xavanté tujakue tapiti mabati (deutsch in etwa: uraltes weises Tier) genannt. Es zeichnet sich durch die Verbindung einer hohen Laufleistung mit perfektem Schwimmverhalten aus. Damit ist es optimal an die Bedingungen im Amazonas-Gebiet angepasst. Außerdem wurde überraschend festgestellt, dass diese Tierart bei Gefahr ihre Eier in gut getarnten Verstecken ablegt. Der Stamm der Xavanté ist auf die Suche nach diesen Eiern spezialisiert, da diesen ungewöhnliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Die nunmehr vorliegenden Nachweise über die mysteriöse Tierart wurden von Experten der Universidade de Ciências das Feras in Irandupa begutachtet und zur Veröffentlichung freigegeben (Bildquelle: Universidade de Ciências das Feras, Public Domain).


18. März 2013 | Brasilien/Leipzig: Brasilianische Literatur stellt sich in Leipzig vor | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Präsentation auf der Leipziger Buchmesse - Foto: Quetzal-Redaktion, hlrVom 14. bis 17. März stand Leipzig wieder im Zeichen der Buchmesse. Zum Auftakt am Donnerstag stellte sich Brasilien, der diesjährige Ehrengast der Frankfurter Buchmesse (vom 9. bis 13. 10. 2013), schon einmal in Leipzig vor. Der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Jürgen Boos, erklärte zur Wahl Brasiliens, dass das Besondere die vielen jungen Autoren seien, die „Stimmen der Leichtigkeit“. Man möchte mit dem vielfältigen literarischen Programm alte Klischees von Samba, Karneval und Caipirinha hinter sich lassen und das neue, selbstbewusste, aufstrebende Brasilien zeigen. In Frankfurt werden siebzig ausgewählte Autoren aus den fünf großen Regionen Brasiliens anwesend sein. Unter ihnen seien Frauen, Männer, Indigene, Weiße und Dunkelhäutige, um so die große kulturelle Diversität Brasiliens zu präsentieren, betonte Galeno Amorim, der Präsident der brasilianischen Nationalbibliothek. Dabei werde der Diskurs über die Identität dieses aufstrebenden Landes, das bereits das zweite Mal Ehrengast in Frankfurt sein wird, eine große Rolle spielen. Ein Schwerpunkt wird die neue urbane Literatur und Prosa sein, verkündete Manuel da Costa Pinto, einer der wichtigsten Literaturkritiker Brasiliens. In Leipzig waren acht brasilianische Autoren anwesend, unter anderen Tatiana Salem Levy, João Almino und Rafael Cardoso. Viele Lesungen und Gespräche gaben einen Vorgeschmack auf das reichhaltige Programm im Oktober. Ein Interview mit der Autorin Carola Saveedra über ihren kürzlich auf Deutsch erschienen Roman „Landschaft mit Dromedar“ wird in Kürze bei QUETZAL erscheinen (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, hlr).


11. März 2013 | Brasilien: 67% aller Schusswaffen-Toten sind junge Leute | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Polizeiauto - Foto: Agencia Brasil, Valter CampanatoGemäß dem Gewaltatlas 2013, herausgegeben von der La­tein­ame­ri­ka­ni­schen Fa­kul­tät für So­zi­al­wis­sen­schaf­ten (Flac­so) und dem Bra­si­lia­ni­schen Zen­trum für la­tein­ame­ri­ka­ni­sche Stu­di­en, sind Zweitdrittel (67,1 Prozent) aller Schusswaffen-Toten in Brasilien junge Menschen im Alter zwischen 5 und 29 Jahren. Innerhalb der letzten 30 Jahre wurden insgesamt 800.000 Menschen durch Schusswaffen getötet, davon mehr als 450.000 in dieser Altersgruppe. Während die Säuglingssterblichkeit rückläufig ist und parallel die Lebenserwartung älterer Menschen steigt, kann die Entwicklung der Schusswaffen-Toten nicht eingedämmt werden. Ganz im Gegenteil, denn der Wert hat sich im Vergleich zur Bevölkerungsentwicklung überproportional entwickelt. Als Ursachen für die ausufernde Gewalt werden unter anderem das Verlassen des Bildungssystems und die geringe Beteiligung am Arbeitsmarkt genannt. Zudem besteht de-facto Straflosigkeit, da nur ca. 5 – 8 Prozent der Verbrechen aufgeklärt werden (zum Vergleich: in den USA liegt der Prozentsatz bei 65% und in Großbritannien bei 90%). Abhängig von der betrachteten Region zeichnet sich aber ein differenziertes Bild, so ist z.B. die Mordrate an jungen Menschen in den Ballungsräumen Rio de Janeiro und São Paulo zurückgegangen, jedoch zu Ungunsten kleinerer Bezirke. So konnten zwar die Favelas in Rio durch Befriedung und die dauerhafte Stationierung der Sicherheitskräfte von Mafia und Drogenhandel befreit werden, diese verlagern ihren Wirkungsbereich aber einfach in kleinere angrenzende Städte. In diesem Zusammenhang spricht der ar­gen­ti­ni­sche So­zio­loge Julio Ja­co­bo Wai­sel­fisz, Koordinator des Gewaltatlas, auch von einer “De­zen­tra­li­sie­rung der Ge­walt”. (Bildquelle: Agencia Brasil, Valter Campanato)


04. März 2013 | Bolivien, Brasilien: stärkere regionale Zusammenarbeit beschlossen | Kategorie(n): Noticias, Noticias Bolivien, Noticias Brasilien

Bolivien, Brasilien: Treffen der beiden Außenminister Antonio Patriota (Brasilien, rechts im Bild) und David Choquehuanca (Bolivien, links im Bild) am 19.03.2012 - Foto: Agencia Brasil, Fabio Rodrigues PozzebomBolivien und Brasilien haben am Samstag (02.03.2013) ein Abkommen zur Bekämpfung des Drogenhandels und der organisierten Kriminalität sowie den Schutz von Imigranten und eine Vertiefung der regionalen Integration unterzeichnet. Alle Themen sollen im Rahmen von koordinierten Aktionen umgesetzt werden. Die Partnerschaft wurde auf einem Treffen der beiden Außenminister Antonio Patriota (Brasilien) und David Choquehuanca (Bolivien) im bolivianischen Cochabamba zu Papier gebracht. Gleichzeitig kündigte Bolivien an, dass es die Kandidatur Brasiliens für die Position des Generaldirektors der Welthandelsorganisation (WTO) unterstützen werde. Beide Länder erhoffen sich bei der Wahl am 31. Mai 2013 eine Stärkung der lateinamerikanischen Interessen im globalen Wirtschaftsumfeld. In regionaler Hinsicht wurde auch ein Beitritt Boliviens zur südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur diskutiert. Nachdem Bolivien seit 1997 bereits assoziiertes Mitglied ist, hat es im Dezember 2012 die Vollmitgliedschaft beantragt und hofft nun auf die schnelle Zustimmung der Parlamente der Mitgliedsländer, u.a. Brasilien. Neben den oben genannten Themen hat Brasilien auch seine Hilfe für eine elektronische Stimmenabgabe bei den kommenden Präsidentschaftswahlen im Jahr 2014 angeboten. (Bildquelle: Agencia Brasil, Fabio Rodrigues Pozzebom)


12. Februar 2013 | Brasilien: Angriff auf indigene Gemeinde bei Iguatemi, Mato Grosso do Sul | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Indigene vom Volk der Guaraní-Kaiowá - Foto: Quetzal-Redaktion, hlrAm Morgen des 10.02.2013 kam es zu einem gewaltsamen Übergriff auf das Lager der Gemeinde Tekoha Guaraní-Kaiowá Pyelito Kue/Mbarakay in der Nähe der Stadt Iguatemi im Bundesstaat Mato Grosso do Sul. Augenzeugen berichten, dass vier bewaffnete Insassen eines Jeeps Frauen und Kinder des Lagers, das sich auf dem Gelände der Farm „Cambara“ befindet, mit Schusswaffen bedrohten. Hintergrund der Aktion ist möglicherweise, dass am 10. Januar diesen Jahres zwei Gemeinden der ansässigen Guaraní-Kaiowá 41.571 Hektar Land zugesprochen wurde. Die Landrückgabe an die Indigenen bedeutet jedoch zugleich den Landverlust von 46 Farmern. Unter denen befindet sich auch der Bürgermeister der Stadt Iguatemi, José Roberto. Und während die etwa 1.700 ansässigen Guaraní-Kaiowa seit Jahren dafür kämpfen, auf das Land ihrer Vorfahren zurückkehren und autonom leben zu können, versuchen die Grundbesitzer – auch mit Mitteln der Einschüchterung – den Status Quo aufrecht zu erhalten. Die indigenen Gruppen wiederum errichten immer wieder illegale Lager (sog.: acampamentos) auf dem Gelände von Farmen, um damit ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, hlr).


21. Januar 2013 | Brasilien: Luftqualität von Rio de Janeiro soll bis Olympia 2016 verbessert werden | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: ein Teil der Lagune 'Lagoa Rodrigo de Freitas' in Rio de Janeiro - Foto: Quetzal-Redaktion, SPMit dem Ziel bis zu den Olympischen Spielen 2016 die Luftqualität in Rio de Janeiro zu verbessern, investiert das Umweltministerium des Bundesstaates Rio de Janeiro 28 Millionen Reais (je nach Wechselkurs zwischen 10 und 12 Millionen Euro) in den Bau von mehr als 16 weiteren hochmodernen Wetterstationen. Im Dezember 2012 wurde mit der Wetterstation am bekannten Lagoa Rodrigo de Freitas, wo hauptsächlich die Wassersportwettbewerbe stattfinden sollen, bereits die erste Wetterstation vom ehemaligen Umweltminister Brasiliens und jetzigem Umweltminister des Staates Rio, Carlos Minc, eingeweiht. Dieser äußerte sich, dass er sehr enttäuscht wäre, wenn durch eine schlechtere Luftqualität in Form starker Abgase oder hoher Ozonwerte die Aufstellung neuer Rekorde verhindert würde. Als mögliche Maßnahmen wurden z.B. die Umleitung von Buslinien, das Schließen von Tankstellen oder auch die Anpassung der Betriebszeiten von Fabriken genannt. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, SP)


23. November 2012 | Brasilien: Kinderarbeit sinkt um 23%, bleibt aber auf hohem Niveau | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Zuckerrohrernte in der Landwirtschaft - Foto: Agencia Brasil, Valter CampanatoGemäß einer Studie (Pesquisa Nacional por Amostra de Domicílios 2011) des statistischen Bundesamtes in Brasilien (IBGE) ist die Zahl der arbeitenden Kinder zwischen 5 und 13 Jahren von 2009 bis 2011 um 23,5 Prozent gesunken. Trotzdem sind immer noch ca. 704.000 Kinder davon betroffen. Der Großteil der Kinder ist zwischen 10 und 13 Jahren alt (615.000). 63 Prozent der Kinderarbeit findet in ländlichen Regionen statt, wo es nur eine geringe Anzahl an Kontrollen gibt. In absoluten Zahlen konzentriert sich die Kinderarbeit mit 336.000 vor allem im ärmeren Nordosten, während im Süden “nur” 80.000 betroffen sind. Bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren ist ebenso eine positive Tendenz sichtbar, hier konnten die Werte aber nur um ca. 12,5 Prozent verbessert werden, d.h. von 3,35 Millionen Jugendlichen auf 2,97 Millionen. Dadurch bedingt können somit ca. 3,7 Millionen Kinder zwischen 4 und 17 Jahren nicht zur Schule oder zum Kindergarten / Vorschule gehen. Während bei Kindern zwischen 4 und 5 Jahren die Entwicklung vor allem dem Fehlen von 6.000 Kindergärten geschuldet ist, ist es bei Kindern zwischen 15 und 17 Jahren meist in der Arbeitstätigkeit begründet. (Bildquelle: Agencia Brasil, Valter Campanato)


24. September 2012 | Brasilien: Mehr als die Hälfte der Brasilianer gehört zur Mittelschicht | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Markt für Obst und Gemüse - Foto: Quetzal-Redaktion, mcmDas Sekretariat für strategische Angelegenheiten (SAE) des Präsidialamtes hat vergangene Woche die Studie “Stimme der Mittelschicht” veröffentlicht, in welcher hervorgehoben wird, dass inzwischen 104 Millionen Menschen der brasilianischen Gesamtbevölkerung zur Mittelschicht gehören. Damit ist der Anteil von 38 Prozent im Jahr 2002 in den den letzten zehn Jahren um 15 Prozentpunkte auf 53 Prozent gewachsen. Erklären lässt sich die Verschiebung dadurch, dass 21 Prozent erstmalig Teil der Mittelschicht wurden und 6 Prozent im gleichen Zeitraum in eine höhere Einkommenschicht gewechselt sind. Während die Gesamtbevölkerung einen Zuwachs von 15 Millionen Brasilianern verzeichnete, stieg die Mittelschicht überproportional um 35 Millionen an. Als Ursache gelten unter anderem das starke und finanzkrisenresistente Wachstum mit der Schaffung von 18 Millionen Arbeitsplätzen, die stetige Erhöhung des Mindestlohns (als auch die damit verbundene Steigerung des Rentenniveaus) und zahlreiche Transferprogramme, wie z.B. “Bolsa Família”. Als “classe media” sind Haushalte definiert, deren Einkommen zwischen 291 (ca. 110 Euro) und 1.1019 Reais (ca. 390 Euro) liegt. Dies bedeutet aber auch, dass das Wort “Mittelschicht” in diesem Fall keine allgemeine länderübergreifende Definition besitzt. Stellt die Entwicklung für Brasilien bereits einen Erfolg dar, indem immer mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben in Form von Wohlstand, Konsum und sozialer Sicherung teilhaben können, so ist es noch nicht mit dem Absicherungsniveau in Europa oder anderen westlichen Ländern vergleichbar. In Brasilien bedeutet dies eine gesunkene Wahrscheinlichkeit, in naher Zukunft erneut in die Armut abzurutschen. Die gesunkene Ungleichheit ist nach Aussagen der Studie ein weiterer Faktor für die gute Entwicklung. Gleichzeitig werden auch Zahlen veröffentlicht, die besagen, dass jene 53 Prozent der Mittelschicht für 38 Prozent der Einkommen und dem Konsum der Familien stehen. Daran wird jedoch deutlich, dass noch viel mehr für die Beseitung der Ungleichheit getan werden muss, damit auch hier die 50-Prozent-Schwelle überschritten werden kann. Für die Studie wurden Daten des statistischen Bundesamtes in Brasilien (IBGE), des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IPEA), des Brasilianischen Industrieverband (CNI) und des Instituts Data Popular verwendet. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, mcm)


30. April 2012 | Brasilien: Teilerfolg in der Sammelklage von Bauern gegen Gen-Soja von Monsanto | Kategorie(n): Noticias, Noticias Brasilien

Brasilien: Sojaernte in der Landwirtschaft - Foto: Agencia BrasilWie der Informationsdienst Gentechnik / keine-gentechnik.de am 20.04.2012 basierend auf einem Gerichtsurteil berichtet, hat der US-amerikanische Saatguthersteller Monsanto eine Niederlage gegen brasilianische Landwirte hinnehmen müssen. Monsanto – bekannt durch den Verkauf von gentechnisch verändertem Saatgut – legte zwar bereits Einspruch gegen diese Entscheidung ein, läuft aber Gefahr, zukünftig keine Lizenzgebühren für die Wiederaussaat erheben zu können. Im Gegensatz zu normalem Saatgut, bei dem der Landwirt einen Teil seiner Ernte für die Aussaat im nächsten Jahr lagert, ist dies bei Monsanto-Produkten verboten bzw. nur erlaubt, wenn dafür nach gleichem Muster Lizenzen wie beim Neuerwerb gezahlt werden. Im Speziellen wird dieser Fall nun am Beispiel der Gen-Sojabohnensorte Roundup Ready (RR1) juristisch diskutiert. Während der Oberste Gerichtshof (Superior Tribunal de Justiça) parallel die Rückzahlung von bis zu 6,2 Milliarden Euro für Lizenzgebühren seit 2003/2004 prüft, ist es Monsanto aber erlaubt, die bisherige Systematik beizubehalten. Der Soja-Hersteller geht in einer Pressemeldung von einem bis zu zweijährigen Verfahren aus. Monsanto ist jedoch an dieser  geschäftskritischen Entwicklung (Brasilien ist nach den USA das Land mit den am meisten gentechnisch veränderten Pflanzen) massgeblich selbst beteilligt, sind doch die Widerstände unter anderem durch angekündigte Preiserhöhungen einer anderen Gen-Sojabohnensorte (Intacta RRpro) entstanden. Durch die hohe Abhängigkeit der Bauern bleibt Ihnen quasi keine andere Wahl, als den Konflikt eskalieren zu lassen oder Gewinneinbußen in Kauf zu nehmen. Genau diese kritische Grenze konnte Monsanto bisher durch Lobbyarbeit erfolgreich aufrechterhalten. Sollte der Einspruch abgelehnt werden oder es zu einem Kompromiss kommen, so werden die Bauern zwar als Sieger hervorgehen, aber aufgrund der Profitmaximierung beider Seiten kein wirklich nachhaltiges Umdenken im Sinne der Landwirtschaft und der brasilianischen Gesellschaft stattfinden. Vielmehr würde das Geschäftsmodell nur adaptiert und zum Beispiel die Lizenzen für den Erstkauf deutlich erhöht, um Einbrüche bei den Folgeeinnahmen zu kompensieren. (Bildquelle: Agencia Brasil)


Seite 1 von 41234

top