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Argentinien: Das Recht auf Identität

10. September 2015 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Argentinien

Argentinien: Das Recht auf Identität - Foto: Quetzal Redaktion, Soledad BiasattiIn der letzten Woche berichtete die argentinische Menschenrechtsorganisation Abuelas de Plaza de Mayo (Großmütter der Plaza de Mayo) in einer Pressemitteilung über das Wiederauffinden des 117. verschwundenen Enkels. Es handelt sich um ein 1978 geborenes Mädchen, dessen Eltern Walter und Gladys, Aktivisten der kommunistischen Partei, Ende 1977 in der Provinz Mendoza verschleppt wurden und seitdem als verschwunden gelten. Gladys war zu diesem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger. Während der letzten argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) war die Kindesentführung mit anschließendem Identitätsraub eine systematische Maßnahme gegen Oppositionelle. Nach der Geburt, die zumeist in Gefängnissen oder Militärkrankenhäusern stattfand, wurden die Säuglinge an neue Familien übergeben, um ihnen eine „westliche, christliche“ Erziehung zu gewährleisten. Die geraubten Kinder waren Kriegsbeute einer Diktatur, deren Maßnahmen traumatische Folgen in der ganzen Gesellschaft hinterlassen haben. Die Geschichte der „Enkelin 117“, die erst jetzt ihre eigene Identität erfahren konnte, ist Teil der Geschichte einer Gesellschaft, die eine Diktatur ertrug und jetzt deren langfristige Folgen lösen muss. Neben der langen Suche durch die biologischen Verwandten wurde die junge Frau auch mit Hilfe der nationalen Genbank und der Arbeit von CONADI gefunden. CONADI (Nationaler Ausschuss für das Recht auf die Identität) widmet sich der Forschung nach weiteren Fällen von Kindern von Verschwundenen. Die Zahl der möglichen Fälle wird von den Abuelas de Plaza de Mayo auf ca.400 geschätzt (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, Soledad Biasatti).


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