Lateinamerika: Vier Themen auf der “Project Censored”-Liste 2009/10
02. Januar 2010 | Kategorie(n): Noticias, Noticias Lateinamerika
Vier journalistische Berichte, die sechs lateinamerikanische Länder betreffen, befinden sich auf der Top 25-Liste des unabhängigen Medienforschungsprogrammes Project Censored für 2009/10. Das Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, wichtige Themen auf die Agenda zu setzen, die in den US-Medien – und damit oft über die USA hinaus – unterrepräsentiert sind, ignoriert oder zensiert werden. Auf der aktuellen Liste stehen die Länder Ecuador (2x), Haiti, Brasilien, Kolumbien, Peru und Bolivien. Auf Platz 10 rangiert die mangelnde Berichterstattung darüber, dass Ecuador Ende 2008 einen Teil seiner Auslandsschulden für illegal bzw illegitim erklärt hat. Vor allem die Beleuchtung der Hintergründe fand keine Wiedergabe in der Mainstream-Presse. Rang 16 nimmt die fehlende Berichterstattung über die fortgesetzten US-Repressionen in Haiti ein. Es geht insbesondere um den mit US-Entwicklungsgeldern forcierten Ausbau des UN-Stützpunktes in Cité Soleil, dem immer mehr Hütten des angrenzenden Ghettos weichen müssen und dessen Bewohner sich gewaltsamen Übergriffen – die Rede ist auch von Massakern – durch die Soldaten der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH) ausgesetzt sehen. Auf Platz 18 findet sich dagegen eine positive Nachricht, der (zumindest in den USA) zu wenig mediale Aufmerksamkeit zuteil wurde: die Verbriefung von Natur- bzw. Umweltrechten in der neuen ecuadorianischen Verfassung von 2008. Die Liste wird auf Platz 25 abgeschlossen mit dem kaum zur Geltung gekommenen Thema, dass im Westen des Amazonasgebietes ein weiteres Umweltdesaster droht. Laut neuen Studien haben sich in dem auf die Länder Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Brasilien erstreckenden Areal mindestens 35 multinationale Erdöl- und Erdgasfirmen die Rechte an über 180 Blöcken (Explorations- und Fördergebieten) gesichert. Die westliche Region Amazoniens ist geprägt durch ihre hohe Biodiversität und ist außerdem Lebensraum für mehrere, zum Teil unkontaktierte, indigene Völker.
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