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Lateinamerika: In Erwartung der Katastrophe – Corona in Lateinamerika

Autor:  | März 2020 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

noticia_mexico_covid-19_foto_mctic.gov.brCovid-19 kam am 26 Februar in Lateinamerika an: an diesem Tag meldete Brasilien den ersten Erkrankten in der Region. Die neuesten Zahlen der bestätigten Erkrankungen reichen von 1.900 in Brasilien über 416 in Peru bis zu 1 in Nicaragua. Damit ist Lateinamerika nach wie vor verhältnismäßig wenig von der Pandemie betroffen, doch die Länder bereiten sich auf Schlimmeres vor und ergreifen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt drastische Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren, die Schließung öffentlicher Einrichtungen oder Ein- und Ausreiseverbote. De facto haben sich die Länder gegeneinander abgeschottet. Zwar beschlossen die Regierungen der am Forum für den Fortschritt Südamerikas (Prosur) beteiligten Länder vor wenigen Tagen ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen das Virus, doch fällt es ihnen schon im nationalen Rahmen schwer, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen, da ihr Rückhalt in der Bevölkerung meist nicht groß ist. In Brasilien führt ein die Krise leugnender Präsident politische Auseinandersetzungen mit den Gouverneuren der am stärksten von der Pandemie betroffenen Regionen des Landes statt sie zu unterstützen. In Kolumbien starben bei einem Gefängnisaufstand vor zwei Tagen 23 Menschen und 90 weitere wurden verletzt. Aus Peru wird von mehreren Hundert Verhafteten berichtet, weil die nationale Quarantäne nicht eingehalten wird. Neben dem Fehlen staatlicher Autorität erschweren schlechte Gesundheitssysteme ein wirksames Vorgehen gegen das Virus. Zudem treffen Ausgangssperren die Bevölkerung in vielen Ländern der Region weit stärker als in Europa oder auch in China. Allein in Mexiko arbeiten knapp 60 Prozent im informellen Sektor, ihnen würde so jeglicher Lebensunterhalt entzogen. Experten rechnen deshalb mit einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe, falls die Pandemie die gleiche Stärke erreicht wie in Europa und China. Die gegenseitige Abschottung der wirtschaftlich miteinander verflochtenen Länder dürfte diese Krise noch verschärfen (Bildquelle: mctic.gov.br).


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