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Lateinamerika: Bischöfe „for Future“ – ein neuer „Pacto de las Catacumbas“

Autor:  | Oktober 2019 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Noticias Lateinamerika

Franziskus_Wandmalerei_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiInsbesondere die an der Theologie der Befreiung Interessierten werden sich erinnern, dass am 16. November 1965, unmittelbar nach dem II. Vatikanischen Konzil, etwa 40 lateinamerikanische und einige europäische Bischöfe in den Domitilla-Katakomben in Rom den Pacto de las Catacumbas für die „Kirche der Armen“ unterzeichneten, dem sich später weltweit 500 Bischöfe anschließen sollten. Die damalige „graue Eminenz“, der brasilianische Erzbischof Dom Hélder Cámara, hatte für diesen Pakt den Text verfasst. Mehr als fünfzig Jahre danach, am 20. Oktober 2019, wurde in denselben Katakomben und wieder durch eine Gruppe von etwa 40 Bischöfen (der Synode der Bischöfe für die pan-amazonische Region) ein zweiter Pakt geschlossen: der Pacto por la Amazonía. In ihm verpflichten sich die Bischöfe zu einer „integralen Ökologie“ und zum Schutz des amazonischen Regenwaldes. Gleichzeitig erneuern sie damit ihre „Option für die Armen“ von 1965 und beziehen sie nunmehr auch auf die Indigenen. Im neuen Pakt geht es vorrangig um die ökologische Bewahrung des Amazonas-Gebietes und den Schutz der dortigen indigenen Bevölkerung gegenüber den großen Landbesitzern und repressiven Regierungen. Denn die Unterzeichnenden sehen sich und andere nicht als Herrscher über die Erde, sondern als Söhne und Töchter des Planeten, „die aus dem Staub der Erde geformt wurden“. Im Pakt wird die „viri probati“ verlangt und damit die Möglichkeit, dass auch erfahrene verheiratete Männer in der katholischen Kirche zum Diakon geweiht werden können. Außerdem soll – entsprechend dem Amazonas-Ritus – das Frauen-Diakonat eingeführt werden. In Anbetracht des heutigen Konsumismus verpflichten sich die Unterzeichner zu einem „frohen, nüchternen und einfachen Lebensstil an der Seite der Menschen, die wenig oder nichts haben“ und feiern ihren Pakt als „Akt der kosmischen Liebe“ – dies im engen Einverständnis mit Papst Franziskus, der sich immer wieder gern vom Befreiungstheologen Leonardo Boff beraten lässt. Boff hat im Übrigen auch (2014) erstmals den Text des Katakomben-Paktes von 1965 veröffentlicht, überzeugt davon, dass Papst Franziskus den Text „leben“ wird. Franziskus seinerseits hatte schon unmittelbar nach seiner Wahl zum Papst gerufen: „Wie würde mir doch eine arme Kirche für die Armen gefallen!“ Der Eucharistiefeier zu Ehren des neuen Paktes stand der (emeritierte) brasilianische Kurienkardinal Cláudio Hummes vor, und er trug dabei eine Stola von Dom Hélder Cámara, die er stolz präsentierte. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion, solebiasatti)


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