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Túpac Amaru

Autor:  |  Sommer 1994

In der späten Kolonialzeit sah sich in ganz Hispanoamerika die weitgehend autochthone Landbevölkerung sowohl von Vertretern der Kirche, als auch von Gutsbesitzern, Bergwerksbesitzern und Kaufleuten zunehmend unter Druck gesetzt. Diese waren daran interessiert, die indígenas in die Marktwirtschaft zu integrieren, sie auf diese Weise als Arbeitskräfte zu gewinnen. Die indígenas waren zwar nominell frei, waren aber der Kontrolle der corregidores (Beamte der Kolonialverwaltung) und der curacas (adlige indianische Häuptlinge), sowie verschiedenen Arten der Steuereinziehung, wie Tributleistungen, der mita und der Zahlung des Zehnten unterworfen. Das Resultat dieser Situation waren Gewalttätigkeiten, Unruhen. Beamtenmord und Trunkenheit. Die Aufstandsbewegung des Túpac Amarú war, was die Zusammensetzung der an ihr Beteiligten, ihr Programm, ihre Entwicklung und die Auswirkungen betrifft, außerordentlich komplex. Sie baute sich seit den 70er Jahren des 18. Jh. allmählich im Verlauf eines langwierigen Rechtsstreits auf, in dem der Kläger José Gabriel Condorcanquí auf dem Rechtsweg Erbansprüche durchzusetzen suchte. Nach dem Scheitern des Versuchs nannte er sich, im Gedenken an den letzten Herrscher des Inkareiches, Túpac Amarú II. und inszenierte einen Aufstand, in dem er um die Anerkennung seiner inkaischen Adelstitel und die Abschaffung des Zwangshandels und der zwangsweisen Arbeitskräfterekrutierung (mita) kämpfte. Die Hauptziele Condorcanquís waren die Vertreibung der Eurospanier mitsamt ihrer institutionellen Ordnung und die Wiedererr-ichtung des Inkareiches mit dem Adel von Cuzco als Herrscherklasse. Weiter forderte er tiefgreifende Veränderungen in der Kolonialwirtschaft: neben der Abschaffung der mita, die Aufhebung des Großgrundbesitzes, von Zöllen und Verkaufssteuern sowie die Öffnung des Handels für den freien Warenverkehr. Die Rebellion begann im November 1780 als aufgebrachte indígenas den corregidor Arriaga töteten. Sie breitete sich schnell von ihrem Epizentrum in Cuzco ins rückwärtige Hochland, den altiplano, aus. Das politische Echo der Kämpfe reichte bis Quito, Santa Fe de Bogotá und Buenos Aires. Trotz ihrer Stärke von mehreren zehntausend Mann war das Heer nur schlecht organisiert und unzureichend bewaffnet. Durch die schnelle Aufhebung des Zwangshandelssystems Ende 1780 und die Einberufung eines „Wiedergutmachungstribunals“ konnte die Kolonialverwaltung entscheidend den Motiven der Rebellion entgegenwirken. Bedeutsam war weiterhin die Intervention des Bischofs von Cuzco. Moscoso, der Túpac Amarú und seine Gefolgsmänner exkommunizierte, gleichzeitig aber allen, die ihn verließen, Pardon gewährte. So scheiterte der Aufstand schon im Mai 1781, José Gabriel Condorcanquí wurde enthauptet, der Kampf aber noch in einigen Regionen fortgeführt. Ein Erfolg des Aufstandes war u.a. die Aufhebung des Zwangshandels. Dem Aufstand des Túpac Amarú folgten zahlreiche weitere, die sich allesamt gegen fiskalische Maßnahmen zur Verschlechterung der Situation der indígenas richteten, und auch heute noch ist sein Name Symbol für den Kampf für ihre eigene Identität.


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