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Schattenglobalisierung

Autor:  | März 2008 | Artikel empfehlen

Entgegen den euphorischen Erwartungen zu Beginn der 1990er Jahre hat die damals beschleunigt einsetzende Globalisierung nicht die gewünschten Homogenisierungstendenzen und Wohlstandssteigerungen bewirkt. Stattdessen hat der neoliberal ausgerichtete globale Transformationsprozeß die Ungleichheiten sowohl weltweit als auch innerhalb der einzelnen Länder dramatisch verschärft. Ausdruck dafür sind soziale Polarisierung und Fragmentierung, die sich in wachsender Armut, Prekarisierung und Marginalisierung niederschlagen.

Die davon besonders stark betroffenen Bevölkerungsgruppen haben mit Überlebensstrategien versucht zu reagieren, die zu einem wachsenden Teil in der Schattenwirtschaft und im informellen Sektor angesiedelt sind. Diese Notlage wiederum schafft günstige Bedingungen für die Ausweitung von organisierter Kriminalität, die sich ihrerseits besonders dort entfalten kann, wo der Staat schwach oder bereits zerfallen ist.

Diese Aktivitäten haben inzwischen globale Dimensionen angenommen und machen einen wachsenden Teil der Weltwirtschaft aus. So wird vom IWF der Jahresumsatz, den kriminelle Organisationen weltweit machen, auf 1.500 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei allein 400 Milliarden auf den Drogenhandel entfallen. Illegaler Menschen-, Rohstoff- und Waffenhandel sowie Produktpiraterie sind ebenfalls feste Bestandteile der globalisierten Kriminalität. Korruption und Geldwäsche bilden weitere Facetten der Schattenglobalisierung, die sich in enger Wechselwirkung mit den lokalen und regionalen Bürgerkriegs- und Gewaltökonomien entwickelt.

Generell ist festzustellen, dass legale und illegale Wirtschaft aufs engste miteinander verbunden sind. Die Schattenglobalisierung stellt die dunkle, illegale und gewalttätige Seite der Globalisierung dar, deren allgemeiner Logik sie folgt und deren Ergebnisse den Nährboden für ihr Gedeihen schaffen.


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