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Mariátegui, José Carlos

Autor:  |  Frühjahr 1996

José Carlos Mariategui - Foto: Public DomainGeb. 14. 6. 1895, gest. 16. 4. 1930 in Lima/Peru Linker peruanischer Intellektueller und Politiker. M. entstammte der Familie eines Angestellten und litt seit seiner Kindheit an einer unheilbaren Knochenkrankheit. Bereits in seiner Jugend arbeitete er sich zum Zeitungsredakteur empor. Über verschiedene politische (Haya de la Torre) und kulturelle Einflüsse (Dekadenz) gelangte er zum Marxismus. Die entscheidende Wende von spontanrevolutionären Ideen zum Marxismus vollzog er während seines Europaaufenthaltes 1919 – 1923. In Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich und Ungarn erlebte er unmittelbar die revolutionären Kämpfe jener Zeit und das Aufkommen des Faschismus. Die dort gewonnenen theoretischen Einsichten und politischen Erfahrungen schlugen sich später in seinem Wirken als Führer der revolutionären Linken und in seinem publizistischen Werk nieder. Unter seiner Leitung erschien ab 1926 die Zeitschrift „Amauta“, die Resonanz nicht nur unter Linken in ganz Lateinamerika fand. 1928 folgte die Herausgabe von „Labor“, mit der sich M. um die Organisierung der peruanischen Arbeiter bemühte. Vor diesem Hintergrund vollzog er den Bruch mit dem nationalistisch und populistisch orientierten Aprismus Haya de la Torres, einer ideologisch-politischen Strömung in Peru, die sich unter dem Einfluß der mexikanischen Revolution formiert hatte, und die die Rückbesinnung auf die indianischen Wurzeln (Indoamerika) propagierte. Wissenschaftliches und literarisches Hauptwerk M.s sind die „Siete Ensayos para la Interpretación de la Realidad Peruana“ (Sieben Versuche zur Interpretation der peruanischen Wirklichkeit, 1928). Diese Arbeit ist eine der bedeutendsten marxistischen Analysen der historischen Entwicklung Perus (von der Inkazeit bis zur Gegenwart) sowie der Grundlagen und Ziele der lateinamerikanischen Revolution. Sie gilt als einer der erfolgreichsten Versuche, den Marxismus in Lateinamerika anzuwenden und weiterzuentwickeln. Sein politisches Wirken krönte M. 1928 mit der Gründung der Sozialistischen Partei Perus.

Bildquelle: Public Domain


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