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Linke

Autor:  |  Frühjahr 1996

Die L. umfaßt jene Organisationen, Gruppen und Individuen des politisch-ideologischen Spektrums, die sich durch folgende Merkmale auszeichnen: (1.) radikale Kritik an den Grundlagen der bestehenden (kapitalistischen) Gesellschaft, die (2.) in der Schlußfolgerung mündet, daß nur in einer neuen oder erneuerten (sozialistischen) Gesellschaft (3.) das für die L. wesensbestimmende Egalitätsaxiom realisiert werden kann. In der Radikalität der Kritik der bestehenden Zustände und den daraus gezogenen Schlußfolgerungen für den Weg der Veränderungen (Reform oder Revolution), in der Zukunftsvision (Sozialismus als neue Gesellschaft: ja oder nein) und in der Gewichtung zwischen Gleichheit und Freiheit bzw. Demokratie unterscheiden sich die verschiedenen Strömungen und Ausformungen der L. Zur Kennzeichnung dieser Vielfalt innerhalb der L. wird oft der Plural („die Linken“) verwendet. Die Begriffe „links“ bzw. „rechts“ werden auch zur Bezeichnung der unterschiedlichen Strömungen innerhalb von Parteien und Organisationen benutzt. Die politische Verwendung des Begriffs „links“ geht darauf zurück, daß zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich und später auch in anderen Ländern die Opposition im Parlament links vom Parlamentspräsidenten saß. Im 19. und 20. Jahrhundert hatte die L. ihren sozialen, organisatorischen und politischen Hauptbezugspunkt zunächst in der Arbeiterbewegung, später auch in sozialrevolutionären Bewegungen der Dritten Welt. Der Zusammenbruch des „realen Sozialismus“ 1989/90 hat die gesamte L. in eine tiefe Krise gestürzt. Existenzberechtigung und Efüzienz der L. hängen künftig davon ab, ob sie sich ihrer ursprünglichen Stärken besinnt: „ … rücksichtslose Kritik alles Bestehenden, rücksichtslos sowohl in dem Sinn, daß die Kritik sich nicht vor Resultaten fürchtet und ebenso wenig vor dem Konflikt mit den bestehenden Mächten“ (K. Marx). Dabei muß die L. selbst Gegenstand der Kritik sein.


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