lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Informeller Sektor

Autor:  |  Frühjahr 1995

In der ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Literatur verwendeter Begriff zur Kennzeichnung eines spezifischen Bereiches der Wirtschaft in Entwicklungsländern, der einem mehr oder weniger großen Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter Beschäftigung und minimale Einkünfte sichert. Dieser informelle Sektor, der in erster Linie eine Erscheinung der städtischen Zentren ist, bildete sich in den Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg heraus. Seine Entwicklung ist auf das engste verbunden mit wachsender Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung in den ländlichen Regionen, mit raschem Bevölkerungswachstum, anhaltend starker Land-Stadt-Migration sowie einem Mangel an Arbeitsplätzen in modernen Bereich von Industrie, Handel, Dienstleistungswesen und Exportlandwirtschaft, der als formeller Sektor bezeichnet wird. Die Tätigkeiten im informellen Sektor sind außerordentlich vielfältig, konzentrieren sich aber hauptsächlich auf persönliche Dienstleistungen (Schuhputzer, Kleintransporte, Autowäsche etc.), Klein- und Kleinsthandel (oftmals in ambulanter Form), Reparaturen und handwerkliche Erzeugnisse. Charakteristische Merkmale der Tätigkeiten im informellen Sektor sind: hohe Arbeitsintensität, geringe Qualifikation, einfache Technologie, niedriger Kapitaleinsatz, fehlender Zugang zu Krediten und nicht vorhandenen arbeitsrechtliche und soziale Absicherung der Beschäftigten. Die Erzeugnisse und Dienstleistungen des informellen Sektors sind in der Regel für den lokalen Markt bestimmt.


Weitersagen:


top