lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Immigration

Autor:  |  Herbst / Winter 1998

Die europäische Immigration nach Lateinamerika wurde von der Eroberung an gezielt gefördert. Die spanischen und portugiesischen Konquistadoren errichteten regelrechte Siedlungskolonien und nicht nur Handelsstützpunkte. Die erste Stadt, die so entstand war Santo Domingo auf der Insel Hispaniola (heute Dominikanische Republik). Um die Einwanderung zu überwachen wurde 1503 die Casa de la Contratación in Sevilla gegründet. Sie sollte v.a. Bauern und Handwerker anwerben. Nicht-Spanier waren als Immigranten nicht erwünscht, um die spanische Kontrolle über die lateinamerikanischen Bodenschätze nicht zu gefährden. Zudem verbot die Inquisition Juden und Protestanten die Niederlassung. Die Siedler selbst waren zu keinerlei körperlicher Arbeit bereit, strebten nach Gold, Land und Arbeitskräften, v.a. aber nach schnellem Reichtum und sozialen Aufstieg. Nach der Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Länder ließen sich britische Kaufleute in den wichtigen Küstenstädten nieder und brachten den Import-Export-Handel unter ihre Kontrolle. Auch das neuentstehende Bankwesen und die Verkehrsinfrastruktur war in britischer Hand. Deutsche spielten als Militärberater eine Rolle. Hinzu kamen kleine Gruppen von Holländern, Schweden und Schweizern. Ab 1830 kann man von größerer Einwanderungswellen sprechen. Hier sind v. a. Basken und Gallizier zu nennen. Sie flohen vor Verfolgung im Zusammenhang mit den Karlistenkriegen in Spanien. Einwanderer mit wirtschaftlicher Motivation kamen v.a. aus den Gebirgsregionen Italiens, den Kanarischen Inseln und Südfrankreich. Spätere Einwanderergruppen bestanden aus Juden, die vor den Pogromen in Rußland flüchteten, republikanischen Spaniern und Verfolgten des NS-Regimes. Die europäische Einwanderung war den lateinamerikanischen Staaten willkommen, wurde oft sogar gezielt angeworben. Bestimmte Gruppen waren allerdings ausgeschlossen: Kranke, körperlich oder geistig Behinderte, Waisen und alte Menschen. Die politische Überzeugung war in vielen Ländern auch ausschlagebend. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die europäische Einwanderung für das Bevölkerungswachstum in Lateinamerika unbedeutend.


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