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Gewalt

Autor:  |  Herbst 1997

…ist die rücksichtslose Anwendung von physischem und/oder psychischem Zwang gegenüber einem anderen, um diesem Schaden zuzufügen bzw. ihn der Herrschaft des Gewaltausübenden zu unterwerfen oder um solcher Gewalt (mittels Gegen-Gewalt) zu begegnen. In Nichtmarktökonomien ist Gewalt ein mögliches, aber sich nicht grundsätzlich als ein solches erweisendes Substitut für einen immer gegebenen ökonomischen Zugang zum Markt. Strukturell ist Gewalt entweder im Gewaltmonopol des Staates und/oder – in Nichtmarktökonomien – in einer unzivilisierten Zivilgesellschaft verwurzelt. Gewalt wird sichtbar als Konfliktaustragungsmodus zwischen Akteuren in direkten Auseinandersetzungen um Ressourcen oder die Wege zu deren Erlangung, bei denen – in der Regel mit Waffengewalt oder deren Androhung – die physische Versehrtheit resp. Vernichtung des Gegners angestrebt oder in Kauf zu nehmen beabsichtigt wird. unabhängig davon, ob die Anwendung der Gewalt legitim ist oder nicht. Gewaltsam werden Konflikte um die Allokation von Ressourcen dann ausgetragen, wenn in den Augen mindestens eines der Gewalt-Akteure alle gewaltlosen Methoden, das Allokationsproblem zu lösen, versagt haben, das heißt, diese müssen objektiv noch nicht ausgeschöpft sein. Gewalt ist nicht per se antisoziales Handeln oder disorder, sie kann unter bestimmten Bedingungen die von mangelnder Vergesellschaftung vorgegebene Anomie strukturieren, um die Gesellschaft später (beispielsweise durch eine Transition) zu integrieren und damit auf der politischen Ebene die ökonomisch nicht vorhandene Vergesellschaftung vorwegzunehmen.


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