lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Fußballkrieg

Autor:  |  Frühjahr 1994

Am 14. Juli 1969 brach zwischen El Salvador und Honduras der sog. Fußballkrieg aus, der de jure erst am 30. Oktober 1980 mit einem Friedensabkommen beendet wurde. Formeller Anlaß für den bewaffneten Konflikt waren Auseinandersetzungen um den Ausgang der Fußball-Länderspiele am 8. bzw. 15. Juni 1969, die mehrere Todesopfer forderten. Die Gründe waren jedoch vor allem ökonomischer Natur. Etwa 300.000 land- und arbeitslose Salvadorianer waren über die offene Agrargrenze ins Nachbarland emigriert und hatten dort brachliegendes Land in Besitz genommen und kultiviert, ohne jedoch die geforderten Eigentumstitel vorweisen zu können. Der latente Konflikt eskalierte, als die honduranischen Behörden im Zuge einer Agrarreform am 30. April 1969 die salvadorianischen Campesinos aufforderte, binnen 30 Tagen in ihr Heimatland zurückzukehren. Auf beiden Seiten wurden nationalistische Stimmungen von den Regierenden angeheizt und instrumentalisiert, um von inneren Problemen abzulenken. Die einsetzende Flüchtlingswelle – insgesamt zwischen 80.000 und 150.000 Rückkehrer – verschärfte die sozialen Spannungen in El Salvador weiter, da die herrschende Oligarchie nicht bereit war, die bestehenden Besitzverhältnisse im Agrarsektor zu ändern. Die salvadorianische Regierung unter Fidel Sánchez Hernandez ( 1967-72) sah deshalb in der militärischen Intervention den einzigen Ausweg aus der Krise. Kriegsziel war nicht die dauerhafte Besetzung des gegnerischen Territoriums, sondern die Rücknahme der Vertreibung und die Garantie des Bleiberechts für die Emigranten aus El Salvador durch den honduranischen Präsidenten Osvaldo López Arellano (1965-71). Der zügige Vormarsch der salvadorianischen Armee und die sich abzeichnende Niederlage der honduranischen Streitkräfte veranlaßte die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die bereits unmittelbar vor Ausbruch der Kriegshandlungen im Sinne einer diplomatischen Lösung aktiv geworden war, zu schnellem Handeln. Mit Sanktionsdrohungen erzwang sie schon nach wenigen Tagen die Einstellungen der Kampfhandlungen. Am 29. Juli mußte die salvadorianische Seite dem Rückzug ihrer Truppen zustimmen, ohne daß im Gegenzug die Hauptforderung El Salvadors – die Vertreibung der Emigranten einzustellen – erfüllt wurde. Am 4. August verließen die letzten salvadorianischen Soldaten Honduras. Der Krieg forderte 3.000 Tote, 6.000 Verletzte und verursachte einen Schaden von mehr als 50 Mio. US-Dollar. Der „Fußballkrieg“ läutete zugleich das Ende des 1960 gegründeten MCCA (Gemeinsamer Zentralamerikanischer Markt) ein, der bis dahin als der erfolgreichste Gemeinsame Markt von Entwicklungsländern gegolten hatte. Das Spannungsverhältnis zwischen Gewinnern (Guatemala, El Salvador) und Verlierern (Honduras) des wirtschaftlichen Integrationsversuchs war auch eine der Kriegsursachen und führte Ende 1970 schließlich zum ofüziellen Austritt von Honduras aus dem MCCA.


Weitersagen:


top