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Encomienda

Autor:  |  Frühjahr 1993

Anfangs auch repartimiento genannt, bedeutet die Zuteilung indianischer Arbeitskräfte und sonstiger Leistungen an spanische Kolonisten, die sich dafür um das physische und insbesondere geistliche Wohl der ihnen anvertrauten Indios kümmern sollten. Die solcherart bevorzugten Spanier versuchten, die encomienda in ein erbliches, an keinerlei Gegenpflichen gebundenes Privileg zu verwandeln. Obwohl die spanische Krone mit den Leyes Nuevas 1542 versuchte, den gröbsten Mißbräuchen bei der Anwendung der encomienda entgegenzutreten. blieb die Praxis bis weit ins 17. Jh. Hinein von Zwangsarbeit, Knechtschaft und Drangsal gekennzeichnet. Tributzahlungen traten später oftmals an die Stelle der eingeforderten Arbeitsleistungen. Im Zusammenhang mit der Etablierung eines erblichen Großgrundbesitzes diente die Revitalisierung kolonialer Institutionen der Zwangsarbeit und Tributzahlungen zur Einführung feudaler Ausbeutungsmethoden. Bartolomé Las Casas (1474- 1566), Bischof und einer der bekanntesten Fürsprecher der Indianer, beschreibt die encomienda in einem Bericht an den spanischen König wie folgt: „ .. Die zweite Vorschrift, daß jeder Kazike (Häuptling) eine bestimmte Anzahl von Leuten zu stellen habe, führte der Gouverneur so aus, daß er die zahlreiche Bevölkerung dieser Insel vernichtete; er übergab nämlich jedem Spanier, der den Wunsch dazu äußerte, dem einen 50, dem anderen 100 Indianer … , darunter Kinder und Greise, schwangere Frauen und Wöchnerinnen, Hohe und Niedere, ja selbst die herren und angestammte Könige dieser Völker und dieses Landes. Diese Art der Verteilung der Eingeborenen und ansässigen Indianer nannte man allgemein Repartimiento … so ließ er, obwohl zu Unrecht, geschehen, daß die Spanier die verheirateten Männer 10, 20, 30, 40 oder 80 Leguas (1 Legua ca. 6 km) zum Goldgraben fortschleppen und die Frauen in den Häusern und Farmen zurückblieben, um dort Feldarbeit zu verrichten. … So kam es, daß die Männer und ihre Frauen kaum mehr zusammenkamen, sich 8 oder 10 Monate nicht sahen, und wenn sie nach Verlauf dieser Zeit wieder zusammenkamen, dann waren sie durch Hunger und Strapazen so erschöpft und ausgemergelt, so elend und entkräftet, … , daß es kaum noch zu einer ehelichen Gemeinschaft kam und die Geburten fast aufhörten. Die neugeborenen Kinder konnten sich nicht entwickeln, weil die Mütter, vor Anstrengungen und Hunger erschöpft, keine Nahrung für sie hatten. Aus diesem Grunde starben auf der Insel Cuba zum Beispiel 7.000 Kinder im laufe von 3 Monaten. Einige Mütter erdrosselten vor Verzweiflung ihre Kinder …“


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