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Bolívar, Simón

Autor:  |  Winter 1997

Simón Bolívar - Portrait: Public DomainGeb. am 24. 7. 1783 in Caracas (Venezuela); gest, am 17. 12. 1830 in San Pedro Alejandrino (bei Santa Marta, Kolumbien). Der als „Libertador“ (dt.: Befreier) Lateinamerikas gefeierte B. entstammt einer begüterten Kreolenfamilie. Von den Ideen der Französischen Revolution inspiriert, kehrte er nach längeren Reisen in Europa und Amerika in sein Heimatland zurück. um für dessen Unabhängigkeit zu kämpfen. Unter seinem maßgeblichen Einfluß wurde am 5. 7. 1811 die Loslösung von Spanien beschlossen, das damals von französischen Truppen besetzt war. Die Unabhängigkeit konnte jedoch nicht gegen die in Amerika stationierten Truppen verteidigt werden und B. mußte nach Neu-Granada (dem späteren Kolumbien) fliehen. Von dort aus nahm er den Kampf gegen die spanische Kolonialmacht wieder auf. Obwohl er am 4. 8. 1813 Caracas befreien konnte, mußte er 1815 erneut der feindlichen Übermacht weichen. Nach Aufenthalten in Jamaika und Haiti, wo er seine Anhänger und Truppen sammelte, landete er erneut in Venezuela und entriß diesmal den Spaniern die Macht im Land. Nach seiner Wahl zum Präsidenten mit diktatorischen Vollmachten im Februar 1819 überquerte er die Anden und vereinigte nach der Niederlage der Spanier in Boyacá (7. 8. 1819) Neugranada mit Kolumbien unter seiner Präsidentschaft. Nach weiteren Erfolgen seiner Truppen in Venezuela und Ecuador entschloß er sich 1822 zum Angriff auf Peru, die Bastion der spanischen Kolonialherrschaft in Südamerika. In Guayaquil (Ecuador) traf B. am 26. 7. 1822 mit dem argentinischen General Juan de San Martín, der von Süden her nach Peru vorgestoßen war, um gleichfalls die Spanier zu kämpfen. Unter bislang noch nicht völlig geklärten Umständen überzeugte B. den Argentinier, ihm den Vortritt in der Führung der „Independencia“ (Unabhängigkeitsrevolution) zu überlassen. Gegenstand der Auseinandersetzungen zwischen beiden „Befreiern“ waren vor allem die unterschiedlichen Vorstellungen über die staatliche Zukunft Amerikas. 1824 wurden die spanischen Truppen in zwei Entscheidungsschlachten (6. 8. in Junín; 7. 12. in Ayacucho) geschlagen. Spanien verlor damit alle seine Kolonien auf dem amerikanischen Festland. In den folgenden Jahren bekleidete B. in mehreren Ländern (Großkolumbien, Peru, Bolivien) das Präsidentenamt, konnte aber seine Vorstellungen von einer Konföderation aller amerikanischen Staaten einschließlich der USA auf dem eigens daür einberufenen Panamerikanischen Kongreß 1826 in Panama nicht durchsetzen. Nach dem Abfall Perus und Venezuelas von Großkolumbien trat B. angesichts der wachsenden Opposition gegen seine diktatorische Herrschaft zurück und starb verbittert über das Scheitern seines Traums von einem geeinten Amerika einige Monate später.


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