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Bananen

Autor:  |  Sommer 1997

Bananenpflanze - Foto: Wencke Dittmann

Die Banane ist eine tropische Frucht mit hochwertigen Inhaltsstoffen, die für die Ernährung der Bevölkerung in den Produktionsländern einen hohen Stellenwert einnimmt. Seit dem Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden die Bananen im Hinterland der zentralamerikanischen Häfen verstärkt für den Export angebaut und sind in einigen Ländern der gemäßigten Breiten zum Volksnahrungsmittel geworden. Das Produktionssystem für Exportbananen erfordert wegen der hohen Anfälligkeit der Monokulturen bei der Erzeugung und der leichten Verderblichkeit der Frucht bei der Vermarktung einen hohen Arbeitskräfte- und Kapitaleinsatz sowie eine perfekte Logistik. Es steht in einem deutlichen Widerspruch zur traditionellen Anpflanzung für die Selbstversorgung bzw. den lokalen Markt, die ohne größeren Aufwand erfolgreich betrieben werden könnte. (Untersuchungen haben ergeben, daß in Honduras die Investitionsaufwendungen für die Exportproduktion bei 336 US$/ha lagen, während für die übrigen landwirtschaftlichen Produktionsflächen durchschnittlich nur 13US$/ha aufgewendet werden mußten.) Europa stellt nach den USA mit ca. 4 Mio., t Einfuhren 1992 den zweitwichtigsten Absatzmarkt für Bananen dar. Der größte Einzelimporteur ist die Bundesrepublik Deutschland, die ihre Bananen fast ausschließlich aus Lateinamerika bezieht. Die sehr unterschiedliche Regelung des Bananenmarktes in den Mitgliedsländern der EU machten für die Realisierung des Binnenmarktes zum 01.01.1993 eine Vereinheitlichung notwendig, Zwei Modelle waren dabei vorstellbar: 1. das vor allem in der BRD vertretene Konzept des offenen Marktes in Verbindung mit Beihilfen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und 2. das vor allem von Frankreich und Großbritannien praktizierte Konzept der Regelung des Marktes durch Quoten. Die Entscheidung fiel nach kontroversen Diskussionen und schwierigen Verhandlungen erst am 12.02.1993, gegen das Votum der BRD, zugunsten des zweiten Modells. Die Quotenregelung wirkt sich nicht nur negativ auf die mit multinationalen Exporteuren assoziierten Produzenten in Lateinamerika aus, deren Verträge nun häufig nicht verlängert werden, da die Importgesellschaften zunächst die Kapazitäten ihrer eigenen Plantagen berücksichtigen, sondern hat auch nachteilige Wirkung auf viele kleine Dienstleister und Händler, die mit den großen Unternehmen zusammenarbeiten und deren Überleben von der Existenz offener Märkte abhängt.

Bildquelle: Quetzal-Redaktion, Wencke Dittmann.


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