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Uruguayisches Land steht für ausländische Investoren „zum Verkauf” bereit

Autor:  | Januar 2012 | Artikel empfehlen

Paraguay: Soja-Monokultur bestimmt die Landwirtschaft im Alto Parana - Foto: Quetzal-Redaktion, Steffi Holz„Es ist unglaublich! Schau, wie sehr diese Maispflanzen in nur drei Wochen gewachsen sind!”, erklärt der Unternehmer Olivier Combastet von der Firma Pergam Finance begeistert, während er eines der vier Felder, die er in Uruguay besitzt und die etwa 25.000 Hektar umfassen, entlang läuft. Die Investitionen in uruguayischen Grund und Boden sind Teil eines weltweiten Phänomens des Kaufs von Agrarland zur Kontrolle des Nahrungsmittelangebots. Eine Entwicklung, die von den uruguayischen Behörden mit Sorge verfolgt wird.

Die Fälle von Combastet, der mit Aktiva im Wert von 1 Milliarde US-Dollar operiert, König Abdullah von Saudi-Arabien und des indischen Investors Ram Karuturi wurden als Beispiele dieses Phänomens in einer vom französisch-deutschen Fernsehsender Arte kürzlich ausgestrahlten Dokumentation mit dem Titel „Dritte Welt im Ausverkauf” dargestellt. Sie beruht auf einer Reihe von Reportagen über Großinvestoren, Regierungsbeamte, Beamte der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sowie Wirtschaftsanalysten.

In den letzten Jahren sind 50 Millionen Hektar Agrarland in die Hände von Investoren wie Combastet, Abdullah und Karuturi übergegangen. Diese Größenordnung entspricht der Fläche von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien, vergleicht die 2010 produzierte Dokumentation.

Sie berichtet über ein jährliches Treffen großer Unternehmensgruppen und Investmentfonds aus 23 Ländern, die acht Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche und vier Milliarden US-Dollar verwalten. Bei diesem in den USA stattfindenden Treffen bewerten die Führungskräfte die Perspektiven der Agrargeschäfte und die nächsten Landkäufe in verschiedenen Teilen der Welt, die sie planen. Ausgehend von Berichten von Unternehmen und Analysten stellt die Dokumentation die Regionen -in Asien, Afrika und Südamerika- vor, auf die diese Art von Investoren ihre Aufmerksamkeit richten.

Der Bericht bezieht sich speziell auf uruguayisches Land als „zum Verkauf stehend”. Dabei wird die Vision von Unternehmern wie Combastet berücksichtigt, die in Zeiten finanzieller Turbulenzen, wie es sie seit 2008 weltweit gibt, in Uruguay eine „sichere und rentable Investition” sehen. Das Argument, das dieses Geschäft im Hinblick auf die Zukunft stützt, ist die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln durch den Anstieg der Weltbevölkerung, erklärte dieser Investor.

Ein Beamter trennte sich von seinem Grundstück und ein anderer denkt darüber nach, es zu tun

In den letzten Jahren haben mehrere uruguayische Landwirte ihre Ländereien aus verschiedenen Gründen, unter anderem der Notwendigkeit, Schulden zu bezahlen, der Tatsache, dass ihre Kinder das Familienunternehmen nicht fortführen wollten, oder weil sie sich vor einem wirtschaftlich verlockendem Angebot wähnten, verkauft oder verpachtet. Diesem Trend entziehen sich auch einige Beamte der aktuellen Regierung, die aus der Agrarführung stammen, nicht. Ihre Fälle wurden in den letzten Tagen unter den Betreibern des Landmarktes heftig diskutiert, zu einem Zeitpunkt, zu dem ihr Geschäft durch die Einführung einer Steuer auf Großgrundbesitz, die dem Parlament zur Prüfung vorliegt, beeinträchtigt wird. Einer von ihnen ist der Leiter des Nationalen Fleischinstituts, Luis Alfredo Fratti, der mit einem ausländischen Forstunternehmen über die Verpachtung oder den Verkauf eines in Cerro Largo gelegenen Grundstücks seiner Familie verhandelt. Dieses hat eine Fläche von 800 Hektar und eine Produktivitätskennzahl von 60 laut Coneat-Index. Auf Nachfrage von Búsqueda räumte Fratti ein, dass er diese Verhandlungen führe. Er argumentierte, dass dieses Grundstück ihm und drei seiner Geschwister gehöre und sagte, dass nicht alle an der landwirtschaftlichen Produktion interessiert seien.
Ein weiterer Fall ist der eines bereits vereinbarten Verkaufs. Derjenige, der sich von seinem Land -etwa 900 Hektar und in Treinta y Tres gelegen- trennte, war der Vizepräsident des Nationalen Institut für Kolonisation, Gonzalo Gaggero. Das Geschäft wurde letztes Jahr vorgenommen, erfuhr Búsqueda von Landwirtschaftsunternehmern. Sie berichteten weiter, dass dieser Beamte Wochen zuvor mit Vermittlern des Landmarktes in Paraguay in Kontakt trat, um dort Land zu erwerben. Búsqueda versuchte, Gaggero zu befragen, dieser ging jedoch nicht ans Telefon. Im Institut für Kolonisation teilte man mit, dass der Beamte im Urlaub sei und sich auf einer Auslandsreise befände. Bevor sie Regierungsämter übernahmen, waren Fratti und Gaggero führend in der Federación Rural tätig, einer der einflussreichsten Verbände landwirtschaftlicher Erzeuger. 2011 nahm die Welle des Landkaufs in Paraguay durch Uruguayer zu, da die Preise dort niedriger sind, als auf dem einheimischen Markt. Etwa 1,5 Millionen Hektar Agrarland befinden sich in den Händen uruguayischer Investoren, wie El Observador Ende Juli bekannt gab.

Der französische Konzern Pergam Finance agiert in Uruguay und Argentinien durch das Unternehmen Campos Orientales, das 45.000 Hektar besitzt, von denen 25.000 in den Departements Flores und Cerro Largo liegen. Diese Grundstücke sind für die Produktion von Getreide und für das Vieh bestimmt. In der Dokumentation machte Combastet deutlich, dass es das Ziel seines Unternehmens sei, höchste Renditen für diese Investitionen zu erhalten, was die Möglichkeit einschließe, einige der Ländereien zu verkaufen. Er deutete ebenfalls seine Absicht an, zwei weitere Grundstücke zu erwerben, weigerte sich jedoch, Einzelheiten über seine zukünftigen Geschäfte in Uruguay und Argentinien zu geben.

„Regen ist Geld”, kommentiert er in einem Moment der Reportage, während der Niederschlag die Pflanzen seines Feldes wässert. Der Unternehmer lobt die günstigen Klima- und Geschäftsbedingungen, die es in Uruguay für die landwirtschaftliche Produktion gibt.

In dem Bericht, der vor einigen Wochen vom deutschen und zuvor vom französischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, wird die Sorge einiger Teile der uruguayischen Gesellschaft angesichts des Landkaufs durch ausländische Investoren und der Abwanderung von Landwirten in die Städte angesprochen. Er weist darauf hin, dass eine Gruppe sozialer Bewegungen und Produzenten in den letzten Jahren eine Unterschriftensammlung mit dem Ziel durchgeführt hat, in der Verfassung ein Verbot des Landverkaufs an ausländische Staatsbürger zu verankern.

Der in dieser Dokumentation interviewte Staatssekretär für Viehzucht, Landwirtschaft und Fischerei, Daniel Garín, gestand ein, dass die Veränderungen, welche die Investitionen in den uruguayischen Agrarsektor in den ländlichen Gegenden erzeugten, sowohl Vorteile als auch Kosten verursachten. Es gibt Gewinner und Verlierer, sagte er.

Im Februar verabschiedete das Zentralkomitee der Sozialistischen Partei ein Dokument, in dem vorgeschlagen wird, ein „Verbot für ausländische Staaten sowie direkt oder indirekt mit ihnen in Verbindung stehende Unternehmen, landwirtschaftliche Geschäfte zu betreiben,” in Uruguay einzuführen. Auch soll eine „Begrenzung der maximalen Fläche, die durch ein Unternehmen oder einen Konzern bewirtschaftet werden kann”, festgelegt werden. Ende August informierte die sozialistische Abgeordnete Yerú Pardiñas in Últimas Noticias über die Absicht ihrer Fraktion, einen Gesetzentwurf vorzulegen, der diese Beschränkungen umsetze. Dies geschehe in dem gemeinsamen Verständnis, dass die Initiative, Steuern auf Großgrundbesitz einzuführen, die dem Parlament seit vergangenem Monat zur Prüfung vorliege, „nicht ausreichend ist”, um zu verhindern, dass der Landbesitz in den Händen einiger weniger Investoren liegt.

Von Süd nach Süd

Brasilien: Sojaernte in der Landwirtschaft - Foto: Agencia Brasil„Kaufe Land. Gott erschafft keins mehr”, sagte schon der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain. Daran erinnert Javier Blas, Analyst der britischen Tageszeitung Financial Times, im Interview mit Arte.

Er hob die Bedeutung der Investitionen in Agrarland für die Produktion von Nahrungsmitteln und die in diesem Zusammenhang verzeichneten weltweiten Veränderungen, wie die Einmischung der Regierungen in das Agrargeschäft, hervor. Einige reiche Nationen wie Japan, Südkorea und einige Golfstaaten haben keine Sicherheit, was die Nahrungsmittelversorgung ihrer Bevölkerung angeht, und deshalb suchen sie Grundstücke in anderen Ländern für ihre eigene Produktion, berichtete er.

Die Dokumentation zeigt Demonstrationen gegen die Verteuerung von Lebensmitteln und die Probleme beim Zugang zu diesen in verschiedenen Ländern in jüngster Zeit. „Die Preise für Öl, Reis, für einfach alles steigen, wovon sollen sich die armen Leute ernähren?”, klagt eine Frau während eines Protests auf den Straßen von Peru.

Es werden auch Bilder der riesigen Bewässerungsanlagen in der grenzenlosen Weite der saudiarabischen Wüste gezeigt, die dazu dienten, Anbauflächen zu gewinnen und jetzt verlassen sind. Der auf diesen Feldern produzierte Weizen wurde sogar exportiert. Aber König Abdullah, von dem Argument alarmiert, dass das verwendete Wasser nicht rückgewonnen werden könne, und dies Probleme für die Zukunft des Landes erzeugen könnte, verbot diese Plantagen, erklärt er aus dem Off.

Angesichts dieser Situation beschloss die saudische Regierung in den wichtigsten landwirtschaftlichen Gebieten der Welt eine Bestandsaufnahme der Ländereien mit dem höchsten Produktionspotenzial vorzunehmen. Mit dem Ziel, diese zu erwerben und Lebensmittel für die Bevölkerung ihres Landes zu produzieren.

Der Analyst der Financial Times weist darauf hin, dass ein weiterer neuer Aspekt bei den Investitionen in Anbauflächen sei, dass die größten Kapitalbewegungen von Ländern des Südens in andere Länder derselben Hemisphäre zu verzeichnen seien und nicht so sehr vom Norden in den Süden, wie es in der Vergangenheit geschah. Von Indien, Südkorea und den arabischen Staaten nach Brasilien, Argentinien, Uruguay und auch in asiatische Länder, wie die Philippinen oder Kambodscha, merkte er an.

Die Dokumentation stellt den Inder Ram Karuturi, Besitzer des weltweit größten Produktionsunternehmens für Rosen mit Sitz in Äthiopien, vor. In den letzten Jahren kaufte der Investor etwas mehr als 300.000 Hektar in dem afrikanischen Land mit dem Ziel, ungefähr drei Millionen Tonnen Reis zu produzieren, die zehn Prozent des internationalen Marktes für dieses Getreide ausmachen würden. Angesichts der Auswirkung dieser Investition weist er darauf hin, dass diese Art von Geschäften eine neue Agrarordnung auf der Welt schafft.

Eine Reihe von Landgesetzen

Nachdem dem Parlament ein Gesetzentwurf übergeben wurde, der eine Steuer vorsieht, die Besitzer von mehr als 2.000 Hektar Land belastet, bereitet die Regierung zwei weitere Vorentwürfe vor. Einen, um den Landbesitz durch Ausländer zu regulieren, und einen weiteren, um Einschränkungen für den Landkauf im Grenzgebiet festzulegen, versicherte die Senatorin von Espacio 609, Lucía Topolansky, am 9. September in La Diaria. Die im August vorgestellte Steuer auf Großgrundbesitz „ist das erste in einer Reihe von Landgesetzen”. „Damit beachten wir die Landlosen, die Gedanken Artigas´ und viele Vorhaben, welche die Linke zum Grundbesitz hatte”, führte sie an.
„Der Präsident (José Mujica) hat die Senatoren (Ernesto) Agazzi und (Enrique) Rubio mit zwei Vorentwürfen beauftragt, die bereits ausgearbeitet sind und zu gegebener Zeit auf den Tisch kommen”, sagte sie. „Uns bereitet die Anwesenheit von Ausländern auf dem Land Sorgen, vor allem wie es derzeit geschieht. Denn wir hätten kein Problem im Falle von Menschen, die sich mit ihren Familien niederlassen, die Staatsbürgerschaft beantragen und die sich an unsere Regeln halten”, erklärte sie. Eine Regulierung in Bezug auf Landbesitz im Grenzstreifen (innerhalb von 20 Kilometer) wurde bereits von der vorherigen Regierung begonnen zu analysieren.
Als Antwort auf die Kritik einiger Teile der Linken, die darauf verweisen, dass bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kaum Fortschritte erzielt wurden, argumentierte Topolansky: „Wir arbeiten mit der geltenden Gesetzeslage, mit dem Programm von Frente Amplio in der einen und der Verfassung in der anderen Hand, und wenn ich mich dafür entschieden habe, mich danach zu richten, so brauche ich Zeit, denn das ‘sofort’ funktioniert bei diesen Themen nicht”.

Der Artikel erschien am 15. September 2011 in Busqueda. Veröffentlichung  mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Übersetzung aus dem Spanischen: Monika Grabow

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Bildquelle: [1] Quetzal-Redaktion, Steffi Holz; [2] Agencia Brasil


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1 Kommentar zu “Uruguayisches Land steht für ausländische Investoren „zum Verkauf” bereit”

  1. Vorbildlicher Präsident Mujica – Uruguay verbietet den Verkauf von Land an ausländische Unternehmen | staseve vom 7. Oktober 2014 - 09:43 Uhr

    […] den letzten Jahren sind mehr als 50 Millionen Hektar Agrarland in die Hände von Investoren, wie König Abdullah von Saudi-Arabien, des indischen […]

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