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„Stopp!“ – Kein Wasser verschwenden in Kolumbien

 | Februar 2019 | Artikel empfehlen

Individuen oder Industrien, die das erlaubte Limit an Wasserkonsum überschreiten, müssen mit Geldstrafen rechnen, so die Regierung. Diese Maßnahme wurde eingeführt, um das Wetterereignis El Niño abzuschwächen, das sich bis in den April hinziehen könnte. Einwohner von 313 Gemeinden hatten während des El Niño im Zeitraum zwischen 2015 und 2016 Wasserunterversorgung gemeldet. Nun wollen sie das gleiche Elend nicht noch einmal durchmachen. Seitdem sind einige Bürgermeister und die Gemeinde selbst zusehends aktiv geworden, um die Risiken zu verringern und zu verhindern, dass die Dürre sie wieder genauso hart peinigt wie vor drei Jahren.

Trotz allem haben es nicht alle geschafft, sich der Lage anzupassen. Aktuell stoßen bereits ca. 117 von 391 Gemeinden, die vom Wassermangel bedroht sind, auf Schwierigkeiten, weshalb der Ausnahmezustand ausgerufen wurde, berichtet das Ministerio de Vivienda (Ministerium für Wohnungsbau). Im Hinblick darauf zieht die Regierung des Landes in Erwägung, die Tarife des Sektors für KonsumentInnen zu erhöhen, die Wasser verschwenden und die erlaubten Konsumgrenzen überschreiten. Dies soll zur Sparsamkeit anspornen und dem übermäßigen Verbrauch vorbeugen. „Bei Wohnungen mit Heizung hat jeder

Kolumbien_Bild_Quetzal-Redaktion_tejeHaushalt einen registrierten Mittelwert an normalem und zusätzlichem Wasserverbrauch, und die Verschwendung lässt sich über den letztgenannten bestimmen”, erläuterte José Luis Acero, Vizeminister von Agua y Saneamiento Básico1. Er gab darüber Auskunft, dass die Wassermenge der Nebenflüsse, aus denen sich ungefähr acht Gemeinden des Landes bedienen, abgenommen habe, was dazu geführt hatte, dass in diesen Fällen der Ausnahmezustand wegen Unterversorgung verkündet wurde. Dies sei eine Situation, die Maßnahmen und Kontingenzpläne dringend erforderlich machen.

Inzwischen wurde vonseiten der Unidad Nacional para la Gestión del Riesgo de Desastres (UNGRD)2 darüber informiert, dass acht Ortschaften im Department La Guajira, fünf in Córdoba, zwanzig in Bolívar und acht in Atlántico bereits von einem einschneidenden Mangel betroffen sind.

Der Vizeminister für Wasserangelegenheiten versicherte, dass in den nächsten Tagen die beschlossenen Straftarifregelungen gegen Personen, die Wasser vergeuden, fest bestehen bleiben. „In gleichem Maße, wie die Dürre und El Niño um sich greifen, muss die Ahndung durchgesetzt werden“, äußerte Acero. Der Beamte betonte, dass diese Regelungen nur vorübergehend seien, so wie man es schon einmal beim letzten Wetterereignis gehandhabt hatte, und damals mit sehr positiven Ergebnissen, was den verringerten Verbrauch und das Wassersparen anging.

Acero wies ebenso darauf hin, dass ab nächster Woche in mehreren Bildungseinrichtungen Maßnahmen eingeleitet werden, um einen Lehrstuhl für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und weiteren Naturressourcen Kolumbiens einzuführen. Das vervollständigt das Spektrum an Kampagnen zum Wasser- und Energiesparen, die wir zusammen mit Ideam3, dem Umweltministerium und UNGRD seit mehreren Monaten durchführen. Der Gedanke dabei ist, jede Region für sich zu betrachten, denn der Verbrauch fällt in den einzelnen Gegenden unterschiedlich aus. Man möchte schließlich ein ganz bestimmtes Ziel erreichen”, erklärte er.

Zur Zeit machen die landesweiten Wasservorräte 60,93 % aus, laut Statistiken des XM, Betreiber des Sistema Interconectado Nacional und Administrator des Mercado de Energía Mayorísta5, bei der Erhebung zum 29. Januar. Eine Zahl, die den Pegelrückgang der Talsperren widerspiegelt, verglichen mit Daten vom achten Januar 2019, die 68,58 % verzeichneten. Nach dem letzten Bericht führt die zentralhydrologische Region am wenigsten Wasser, mit 50,10 %, während Antioquia den Höchstwert mit 78,48 % vorweist, gefolgt von Caribe (70,81 %), Valle, (52,14 %), und Oriente (51, 98%). Die Tendenz geht abwärts. Während des Wetterereignisses El Niño von 2015 und 2016, waren 656 Gemeinden des Landes durch Wasserunterversorgung gefährdet. Diese Situation veranlasste die jeweiligen Behörden Kontingenzpläne und Maßnahmen umzusetzen, wie Trinkwasserlieferungen in Tanklastwagen.

 

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Original-Beitrag aus La Semana. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift.

Übersetzung aus dem Spanisch: Uta Hecker

Bildquelle: Quetzal-Redaktion_teje

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1 Sektor für Wasserangelegenheiten (Teil der Nationalen Verwaltungsabteilung für Planung Departamento Nacional de Planeación, unter dem Bereiche wie Wasser, Wohnungsbau und Stadtentwicklung geregelt sind).

2 Nationale Einheit für Risiken-und Katastrophenmanagement.

3 Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umweltwissenschaften.

4 Nationales Stromnetz.

5 Unternehmen im Energiesektor.


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