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Der Umgang der Peruaner mit ihrer Vergangenheit

Autor:  | April 2007 | Artikel empfehlen

Geschichte. Welche Geschichte? Wir leben heute. Wir leben jetzt. Entsprechend gehen viele – aber nicht alle – Peruaner mit ihrer Geschichte um. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um staatliche Institutionen oder Privatpersonen handelt. Hier eine kleine Auswahl aus den eigenen Erfahrungen:

Die Höhle Shupluy in Ancash, Peru: Moderne Schmierereien neben steinalten Bildern - Foto: Quetzal-Redaktion, sscDie Höhle Shupluy in Ancash: Hier hinterließen vor 10.000 Jahren die ersten Besiedler dieser Region ihre Spuren. Die Guitarrero-Felszeichnungen wurden aber inzwischen Opfer von Schmierereien.

Die Zerstörung der Steinzeichnungen von Checta bei Lima lässt sich nicht mehr aufhalten - Foto: Quetzal-Redaktion, ssc

Checta bei Lima: Fast ebenso alt wie die Höhle Shupluy sind die Steinzeichnungen in Checta. Von den ehemals 450 Bildern sind nur noch knapp die Hälfte erhalten. Und es werden immer weniger.

Perus berühmte Linien von Nazca werden durch Autofahrer vermehrt - Foto: Quetzal-Redaktion, sscNazca (600 v.Chr.-100 v.Chr.): Die Zeichnungen von Nazca sind weltbekannt und trotzdem von den Einheimischen wenig geachtet. Immer mehr Linien kommen heute in der Pampa hinzu, weil Anwohner mit ihren Autos die kürzeste Verbindung durch den Wüstensand wählen – off-road natürlich. Es wurde sogar davon berichtet, dass (Limaer) Touristen Rallyes veranstalteten.

Mitten durch die berühmten Linien von Nazca führt die Panamericana - Foto: Quetzal-Redaktion, ssc

Nazca II: Obwohl Maria Reiche bereits ab 1941 immer wieder auf die Bedeutung der im Sand gefundenen Linien hindeutete, war der Ausbau der Infrastruktur für die Regierungen Perus wichtiger. Heute durchquert die Panamericana, mehr schlecht als recht asphaltiert, die Pampa.

Wie hier bei den Pueblos de los Muertos der Chachapoyas-Kultur sind Grabräuber oft schneller als die Forscher - Foto: Quetzal-Redaktion, sscPueblo de los Muertos: Hier kamen die Forscher zu spät. Die meisten der Gräber der Chachapoyas-Kultur (800-1475) waren bereits von Grabräubern geöffnet. Noch heute gibt es einen Wettlauf zwischen den Wissenschaftlern und Kriminellen um die Entdeckung und Ausgrabung von archäologisch bedeutungsvollen Stätten. Einige Projekte werden rund um die Uhr von Polizeieinheiten kontrolliert.

Die Ruinen der Yarawilca-Kultur gelten als beliebtes Weidegebiet für die anliegenden Bauern - Foto: Quetzal-Redaktion, ssc

Tantamayo. Von allen Beispielen sind die Ruinen der Yarawilca-Kultur (um 900) das harmloseste. Aber so kurz wie hier fressen die Schafe (manchmal auch Kühe oder Pferde) der Landwirte landesweit die Gräser innerhalb der archäologischen Komplexe ab.

Perus Hauptstadt Lima bedroht durch ihr ungebremstes Wachstum inzwischen die Ruinen von Pachacamac - Foto: Quetzal-Redaktion, sscDie Ruinen von Pachacamac: Die Zeugnisse der Ishmay-Kultur (1000-1450) und der Inkas (1450-1532) werden Opfer der großen Krake Lima, die unaufhaltsam über die Sandhügel hinweg wächst. Jedes Jahr werden Teile des Komplexes annektiert. Steht einmal eine Strohhütte, gibt es große Probleme, die Invasoren wieder von dem Grundstück zu vertreiben.

Eine Straße quer durch Chan-Chan, die größte Pre-Inka-Stadt und damalige Hauptstadt der Chimú - Foto: Quetzal-Redaktion, ssc

Chan-Chan: In der größten Prä-Inka-Stadt, Hauptstadt der Chimú, lebten zwischen 1250 und 1480 zirka 50.000 Menschen. Die Stadt erstreckt sich über 28 km2 und wurde 1988 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Das hinderte die peruanische Regierung allerdings nicht daran, eine Straße mitten durch die Ruinenstätte zu legen.

Die Ruinenstadt Chan-Chan eignet sich auch hervorragend für ein fulbito - Foto: Quetzal-Redaktion, sscChan Chan II: Fußball wird in Peru überall gespielt. Der Spielwut können auch ein paar altertümliche Mauern keinen Einhalt gebieten.

Das zweite Machu Picchu, der Ruinen-Komplex von Choquequirao, als Pferdeweide - Foto: Quetzal-Redaktion, ssc

Choquequirao (etwa 1450). Seit 1994 erst erfolgen in dem an Machu Picchu erinnernden Komplex aus der Inka-Zeit kontinuierliche Ausgrabungen. Er gilt heute immer noch als touristischer Geheimtip. Weidende Pferde soll es jedoch inzwischen nicht mehr geben.

Bildquellen: Quetzal-Redaktion, ssc


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