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Die Entwicklung des Agrobusiness in Paraguay schreitet voran

Autor:  | Dezember 2010 | Artikel empfehlen

In Paraguays Landwirtschaft wächst der Soja-Anbau weiter - Grafik: BaseIS/Quetzal-Redaktion, sscDas Agrobusiness in Paraguay weitet sich mehr und mehr auf der Basis von Monokulturen sowie umfangreicher technologischer Maßnahmen aus. Es orientiert sich dabei an der Nachfrage nach Rohstoffexporten für den internationalen Markt. Die gleiche Entwicklung kann ebenfalls in Brasilien und Argentinien verzeichnet werden. Laut Schätzungen soll im Jahr 2010 die Hälfte der weltweiten Sojaproduktion aus diesen drei Ländern stammen.

Als Gesamtertrag dieser drei Produzenten wird eine Menge von 130 Millionen Tonnen für dieses Jahr geschätzt. Bei einer weltweiten Produktion von 259 Millionen Tonnen gehen 69 Millionen Tonnen (26,5 % der weltweiten Produktion) auf Brasilien, 54 Millionen (20,9 %) auf Argentinien und 7 Millionen (2,7 %) auf Paraguay zurück. Der Hauptanteil wird in ganzen Bohnen nach Europa und Asien exportiert. In diesem Jahr wird Brasilien voraussichtlich 42 Millionen Tonnen, was 60 % der Gesamtproduktion entspricht, Argentinien 40 Millionen, also 73,5 % der Gesamternte und Paraguay 5,6 Millionen, 77 % des Gesamtertrages, exportieren. Die Industrialisierung ist vor allem in Paraguay schwach ausgeprägt und hinterlässt somit eine geringe Wertschöpfung sowie eine unzureichende Umverteilung der Einnahmen, die durch das Agrobusiness erwirtschaftet werden, was auf die begrenzte Kapazität zur Schaffung von Arbeitsplätzen unter der ländlichen Bevölkerung zurückzuführen ist.

Die relativ niedrigen Preise für Land in Paraguay haben zu einer starken Zunahme des Agrobusiness geführt, geleitet durch eine wachsende Überfremdung des Landbesitzes, der sich u.a. in den Händen brasilianischer, argentinischer und uruguayischer Unternehmer befindet. Laut einer Landwirtschaftszählung aus dem Jahr 2008 befinden sich mindestens 20 % des Bodens in Paraguay in der Hand ausländischer Eigentümer. Diese Prozentzahl ist mit Sicherheit noch höher, wenn man die unzähligen Aktiengesellschaften berücksichtigt, deren eigentliche Besitzer ausländische Investoren sind. Die Ausweitung des Landwirtschaftsgebietes für den mechanisierten Anbau von Monokulturen in der östlichen Region hat in den letzten Jahren die extensive Viehzucht in Richtung der Chacoregion verdrängt, eine Region, in der sich das Abholzen weit reichender Territorien für die Nutzung als Weideland unkontrolliert ausgebreitet hat. Auf diese Art und Weise wird das anfällige Ökosystem der Chacoregion durch ein allgemeines Ungleichgewicht bei Fauna und Flora sowie starke negative Rückstöße innerhalb der einheimischen Gemeinschaften der westlichen Region bedroht.

Die fünf wichtigsten Anbaukulturen in Paraguays Landwirtschaft - Grafik: BaseIS/Quetzal-Redaktion, ssc
Das Agrobusiness verdrängt mehr und mehr die bäuerliche Landwirtschaft. Von den fünf Hauptanbauprodukten der Agrarwirtschaft werden, gemessen an der Anbaufläche im Land bei der aktuellen Ernte, vier hauptsächlich durch mechanisierte Ackerwirtschaft und lediglich eines, der Maniok, vorwiegend durch Bauern erzeugt. Soja befindet sich mit 2,7 Millionen Hektar auf dem ersten Platz, gefolgt von Mais und Weizen.

Im Jahr 2010 hat die Produktion den Rekordwert von 7,5 Millionen Tonnen erreicht, wohingegen sie im Vorjahr aufgrund einer starken Dürre in der Region bei 3,6 Millionen Tonnen lag. Noch vor zehn Jahren betrug die Produktion ungefähr 3 Millionen Tonnen. Die Fläche, auf der Soja angebaut wird, nimmt nach wie vor stetig zu.

40 % der Bevölkerung Paraguays lebt auf dem Land. 1.206.226 Personen sind im Landwirtschaftssektor erwerbstätig. Laut der zuletzt im Jahr 2008 durchgeführten Landwirtschaftszählung beläuft sich die Zahl der im Sojaanbau arbeitenden Menschen im gesamten Land auf 27.735, was weniger als 3 % der erwerbstätigen ländlichen Bevölkerung ausmacht. Durch die Monokulturen der Sojapflanze werden nur wenige Arbeitsplätze geschaffen, sowohl während der Anbauphase, durch den hohen Zusammenschluss des Ackerlandes, als auch bei den Aufgaben der Bereitstellung des technologischen Inputs, der Lagerung und des Exports. Die wichtigsten transnationalen Unternehmen sind: Cargill, mit 380 Angestellten im Land, ADM mit 450, Bunge, Dreyfus und andere mit ähnlichen Beschäftigtenzahlen. In den Silos kann man nur während bestimmter Monate arbeiten. Es werden lediglich während der Sojaernte zwischen Dezember und März Arbeiter beschäftigt, die nicht älter als 30 Jahre alt sein dürfen, damit sie jung, kräftig und in guter körperlicher Verfassung sind, um die Arbeiten schnell zu verrichten.

Die Gewinne der Soja-Unternehmen in Paraguay - Grafik: BaseIS/Quetzal, sscDie Unternehmen mit dem größten Profit am Sojaanbau sind die ausländischen Konzerne, die den nötigen Input für die Produktion importieren und die Bohnen fast in vollem Umfang sowie die Nebenerzeugnisse, wie Öl und Mehl, wieder exportieren. Der größte ist der nordamerikanische Konzern Cargill, der 2008 ein Exportgeschäft im Wert von 1.268 US Dollar hatte, gefolgt von ADM mit 487 Millionen, und Bunge mit 261 Millionen. Die Gewinnspanne dieser Unternehmen ist groß und liegt bei über 30 % ihres Umsatzes. Aufgrund des schwach ausgeprägten Steuersystems dieses Sektors geht somit nur wenig Geld aus ihren wirtschaftlichen Aktivitäten an den Staat.

Das Agrobusiness in Paraguay beruht auf der Erzeugung von Gen-Soja. Für eine größere Ausweitung dieses Modells wird nun Druck ausgeübt, um eine behördliche Genehmigung für Gen-Mais und in Zukunft Gen-Baumwolle zu erwirken, mit der die transnationalen Unternehmen eine stärkere Kontrolle über das nationale Anbausystem und letztendlich höhere Gewinne haben werden.

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Dieser Beitrag erschien im Original bei BaseISBoletín: Derechos Humanos y Agronegocio“, September 2010, auf Grundlage der Studie von BASE IS und Repórter Brasil: „Los impactos socioambientales de la soja en Paraguay-2010“. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift.

Übersetzung aus dem Spanischen: Enrico Nake

Grafiken: BaseIS/Quetzal-Redaktion, ssc


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3 Kommentare zu “Die Entwicklung des Agrobusiness in Paraguay schreitet voran”

  1. jan z. volens vom 16. Dezember 2010 - 09:49 Uhr

    Paraguay hatte 9% Wirtschaftswachstum im letzten Jahr und wird weiter starken Wirtschaftswachstum haben: Meist durch Soja und Rindfleisch. Was sollen sie denn sonst herstellen, produzieren und exportieren ? Nur organische Bananen fuer “Biokonsumenten” in BRD ? Die Soja ist ein gutes, gesundes Nahrungsmittel fuer Mensch und Tier, und das suedamerikanische Rind is mager, natuerlich mit Gras gefuettert, nicht mit Getreide gemaestet wie in USA und EU.

  2. ThePipesmokingMan vom 29. Dezember 2010 - 14:57 Uhr

    Jenseits der Statistiken sollte nicht unerwähnt bleiben, daß die Gen-Soja-“Produzenten” sehr großzügig mit Pestiziden umgehen und das Land dauerhaft auslaugen und vergiften. Auch der Umgang mit der einheimischen Bevölkerung ist oft eher als “robust” zu bezeichnen. Sollte man gesehen haben: “Paraguay’s Painful Harvest” – http://video.google.com
    P.S.: 9% “Wirtschaftswachstum” sind, ganz abgesehen von der Unsinnigkeit des “Wachstums” als Selbstzweck, im Kontext einer massiv anziehenden Inflation zu sehen und kommen außerdem nicht unbedingt der Bevölkerung zugute, sondern der kleinen paraguayischen Oberschicht und ausländischen “Investoren”.

  3. ThePipesmokingMan vom 29. Dezember 2010 - 15:01 Uhr

    Die Linkerkennung hier funktioniert leider nicht so ganz – den Link im Video in meinem vorherigen Kommentar muß man von Hand kopieren, da das “Minus” und die Nummer noch mit zur URL dazugehören. Oder einfach auf Google nach “Unreported World Paraguay’s Painful Harvest” suchen – das Video wird als erstes angezeigt.

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