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Dole vs. BANANAS!*
oder wie ein Großunternehmen versucht, einen Film zu verbieten

Autor:  | Mai 2010 | Artikel empfehlen

Ein Bananenarbeiter auf einer nikaraguanischen Plantage - Foto: Frank PinedaDie Geschichte wirkt nachgerade bizarr. Der Schwede Fredrik Gertten hat einen Dokumentarfilm über einen Prozess nikaraguanischer Bananenarbeiter gegen den US-Konzern Dole Food Company gedreht. Der im Dezember 2008 fertiggestellte Film heißt BANANAS!* und wurde für wert befunden, im Wettbewerb des Los Angeles Film Festivals zu starten. Diese offizielle Ankündigung erfolgte Anfang Mai 2009 auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. Bereits drei Tage später ließ Dole den Trailer bei einer Anhörung vor Gericht zeigen. Die zuständige Richterin stellte aber klar, sie werde keinesfalls das Recht auf freie Meinungsäußerung einschränken; mit anderen Worten, sie werde nichts gegen die Aufführung des Films unternehmen. Daraufhin begannen die Dole-Anwälte, Briefe zu schreiben – an die Filmemacher, das Los Angeles Film Festival und alle seine Sponsoren, den Schwedischen Botschafter in den USA und später an zahlreiche Journalisten. Jeder, der sich öffentlich mit BANANAS!* beschäftigte, hatte gute Chancen, Post von den Dole-Anwälten zu bekommen. Ziel der Briefe war es, Druck auszuüben, um den Film zu stoppen. Der Vorwurf von Dole: Der Film „enthält zahlreiche falsche und verleumderische Aussagen zu angeblichen Tatsachen, die Dole und seine heutigen und früheren leitenden Mitarbeiter und Angestellten im Zusammenhang mit einem Gerichtsverfahren gegen Dole und andere Beklagte, eingebracht von dem Klägeranwalt Juan ‚Unfälle‘ Domínguez“, betreffen.

Die Rechnung der Dole-Anwälte schien zunächst aufzugehen: Das Los Angeles Film Festival nahm BANANAS!* aus dem Wettbewerb und zeigte den Film lediglich in einer Nebenveranstaltung mit anschließender Diskussion. Auch bei einer anderen Vorführung in Los Angeles gab es seltsame Rückzüge der Veranstalter. In den Folgemonaten versendete Dole weiterhin Briefe in alle Welt. Es wurden wechselseitig Anträge bei Gericht eingebracht, und Dole reichte eine Zivilklage wegen Verleumdung gegen Filmemacher Gertten und die Produzentin Margarete Jangård ein.

Doch Gertten und seine Kollegen wehrten sich. Sie starteten ihrerseits eine Kampagne – für den Film. Mittlerweile erreichten auch Dole zahlreiche Briefe, in denen gegen den Eingriff des Konzerns in das Recht auf Redefreiheit protestiert wurde. Stellvertretend sei hier das Schreiben von Thomas Frickel erwähnt, dem Vorsitzenden der AG DOK aus Deutschland, der das Unternehmen aufforderte, seine Angriffe auf den Film und die Informationsfreiheit einzustellen. Ansonsten würde Frickel „offiziell die 850 Mitglieder der AG DOK bitten, ihre Kontakte und Möglichkeiten zu nutzen und kritische Filme oder Berichte über Dole und seine Methoden zu produzieren“. In Schweden war der Fall Thema im Parlament, und die Hamburgerkette Max nahm Dole-Fruchtsalate aus dem Angebot. Greenpeace forderte zum Boykott von Dole-Produkten auf, weil deren Kauf letztlich die Angriffe auf die Redefreiheit unterstütze. Die Kampagne des Konzerns ging, salopp gesagt, nach hinten los; sie hat Dole offensichtlich mehr geschadet als genutzt.

Dole zog inzwischen seine Zivilklage zurück, und es gab einen gerichtlichen Vergleich. Ausgestanden ist der Fall BANANAS!* aber noch lange nicht. Zuletzt gab es im Mai 2010 Anhörungen wegen des Betrugsvorwurfs gegen die nikaraguanischen Arbeiter und die Filmemacher.

Juan Domínguez bei einer Rede in Estelí, Nikaragua - Foto: Frank PinedaWarum, möchte man fragen, fürchtet dieses Riesenunternehmen den Film BANANAS!* so sehr? Im Juli 2007 kam in Los Angeles der Fall „Tellez gegen Dole“ vor Gericht. Die Anwälte Juan Domínguez und Duane Miller vertraten 12 nikaraguanische Bananenarbeiter in einer Klage wegen „Fahrlässigkeit und betrügerischen Verschweigens“. Dem Konzern wurde vorgeworfen, das Pestizid Dibromochloropropan (DBCP), bekannt auch unter dem Handelsnamen Nemagon, u.a. auf seiner Bananenplantage in Chinandega (Nikaragua) eingesetzt zu haben. Bereits 1961 hatte eine interne Shell-Studie empfohlen, bei der Anwendung von DBCP Schutzkleidung zu tragen, weil es Auswirkungen auf die menschliche Fortpflanzung haben könnte. 1977 stellte man Unfruchtbarkeit bei kalifornischen Arbeitern fest, die mit dem Pestizid gearbeitet hatten. Ein Gerichtsverfahren in Sacramento sprach 1983 sechs der betroffenen Arbeiter, vertreten vom Anwalt Duane Miller, hohe Entschädigungen zu. 1985 wurde der Einsatz des Pestizids in den USA verboten.

Der Prozess der Nikaraguaner in Los Angeles hatte insofern eine besondere Brisanz, als es um die Folgen des Pestizideinsatzes zu einer Zeit ging, als die Gefährlichkeit von DBCP schon lange bekannt war. Trotz dieses Wissens hatte Dole in Nikaragua weiter Nemagon eingesetzt und vom Hersteller Dow Chemical unter Androhung von Vertragsstrafen weitere Lieferungen verlangt.

Genaugenommen ist BANANAS!* ein „Gerichtsfilm“, ein Film über den Prozess, die Kläger und ihre Anwälte Juan Domínguez und Duane Miller. Vor allem aber erzählt der Film davon, wie ein weltweit operierender Konzern mit seinen Arbeitern umgeht, vor allem, wenn diese aus der so genannten Dritten Welt kommen. Und das ist ebenso spannend wie beklemmend, von der ersten bis zur letzten Minute.

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Weitere Informationen unter: www.bananasthemovie.com
Dort besteht auch die Möglichkeit, eine Petition für den Film und gegen Dole zu unterzeichnen.

BANANAS!* (Schweden/ Dänemark 2009) ist am 28. Mai 2010, 22.35 Uhr bei arte zu sehen.

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Bildquelle: Frank Pineda


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3 Kommentare zu “Dole vs. BANANAS!*
oder wie ein Großunternehmen versucht, einen Film zu verbieten”

  1. Bettina S. vom 11. Dezember 2012 - 17:15 Uhr

    Ich hatte gestern zufällig im Fernsehen einen Bericht über den Film Bananas und deren Hintergründe + Begleitumstände gesehen und bin eigentlich sehr erschüttert über die Vorgehensweise des Riesenkonzerns Dole.Für mich steht auf jeden Fall fest, dass ich keine Produkte der Firma Dole mehr kaufen werde. Dies mag als einzelne Aktion betrachtend völlig egal sein, wenn das aber zicktausende Menschen in aller Welt tun, dann ist das sehrwohl für die Firma spürbar – und das soll es ja auch letztendlich sein.

  2. Viktor vom 16. März 2013 - 12:53 Uhr

    Ich bin dabei!

  3. Brigitte vom 9. Oktober 2013 - 11:50 Uhr

    Ich hatte letzte Woche den Bericht gesehen und war geschockt wie viel Macht dieser Konzern hat, so dass er ungeniert Journalisten und Politiker weltweit kaufen kann. Wir haben nur die Macht diese Produkte einfach nicht zu kaufen. Von den schwedischen Politikern könnten wir uns ein Scheiberl abschneiden!!!

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