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Nicaragua: 20 Verhaftete in „Operation Dano 21“ (24. Juni 2021)

noticias_Nicaragua_Sandino_Karen_Creative_CommonsEinen Tag, nachdem Michelle Bachelet, UNO-Hochkommissarin für Menschenrechte, auf einer Sitzung des Menschenrechtsrates in Genf die nicaraguanische Regierung aufgefordert hatte, eine dringende Änderung im Wahlprozess vorzunehmen und alle willkürlich inhaftierten Personen freizulassen, veröffentlichten Zeitungen des Landes heute die Namen der 20 Oppositionellen, die seit dem Beginn der sogenannten „Operación Dano 21“ am 28. Mai verhaftet wurden. Unter ihnen befinden sich vier Präsidentschaftskandidaten, drei hochrangige Ex-Guerilleros sowie führende Persönlichkeiten verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen. Erfolgten die ersten Festnahmen noch unter dem Vorwurf der Geldwäsche – u.a. gegen die Präsidentschaftskandidatin Cristiana Chamorro Barrios, werden den Inhaftierten seitdem ausschließlich Verstöße gegen das Gesetz 1055 „Zur Verteidigung der Rechte des Volkes auf Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung für den Frieden“ vorgeworfen. Das erst im vergangenen Dezember verabschiedete Gesetz wird als ein Instrument betrachtet, um die Teilnahme der Opposition an den Wahlen am 7.11.2021 zu verhindern. Es erlaubt der Regierung Ortega/Murillo jeglicher Opposition zu unterstellen, die „Unabhängigkeit, Souveränität und Selbstbestimmung“ des Landes zu untergraben. Heute berichtete die Zeitung CONFIDENCIAL, die die Namensliste ebenfalls veröffentlicht hatte, dass ihr Direktor Carlos Fernando Chamorro nach einer Hausdurchsuchung durch die Policia Nacional in der Nacht zum Montag und die fortwährende Überwachung seiner Familie Nicaragua gestern verlassen hat (Bildquelle: karen_cc).

Nicaragua: Corona und der magische Realismus (31. März 2020)

Nicaragua_CC_wikiGoogelt man Mexiko mit Corona, findet man schon lange nicht mehr an erster Stelle die beliebte süffige Flüssigkeit. Bei Nicaragua ist das anders: Hier sind es noch immer die dicken Rauchstäbchen, die uns aus dem Internet grüßen. Richtig, auch in Lateinamerika haben viele Länder viele Corona-Infizierte und wenige wenige. Es ist schon eine Crux mit den Statistiken: Wer nicht misst oder testet, hat natürlich auch keine oder kaum Fälle. Immer dieses Misstrauen! Warum kann es nicht sein, dass es in Nicaragua einfach nichts zu testen gibt, weil keiner oder kaum einer krank ist? Nun ja, um das zu wissen, müsste man erst einmal … testen. Kurzum, wir wissen es nicht. Nach Belize sei es Nicaragua, das in Lateinamerika am wenigsten von COVID-19 betroffen ist oder solches zumindest vorgibt. Dabei sind seine zentralamerikanischen Nachbarn keinesfalls frei von höheren Zahlen: Für Honduras werden (am 31.03.) 141 und für Costa Rica 330 Infizierte angegeben. Die für „hochkonsistente Daten“ bekannte Johns-Hopkins-Universität, die, ob direkt oder indirekt, ihre Quellen aber auch nur in den betreffenden Ländern selbst haben kann, nennt nun schon dreizehn Tage lang nur vier Betroffene für Nicaragua. In dreizehn (!) Tagen ist in diesem Land nichts weiter an Ansteckung passiert? Was ist denn hier mit der exponentiellen Kurve? O.k., am Anfang ist sie ja immer flach. Am 18. März wurde in Nicaragua vom ersten Corona-Fall berichtet. Doch ein Schelm, der Böses dabei denkt: Präsident Ortega zeigt sich – aus welchem Grunde eigentlich, wo doch nichts gefährlich ist? – schon seit dem 21. Februar nicht mehr in der Öffentlichkeit. Vogel Strauß lässt grüßen. Er lässt wieder einmal seine Frau, Rosario Murillo, die Vizepräsidentin, sprechen. Ihre offiziellen Zahlen seien „tadellos transparent“. Fragen von Journalisten werden nicht zugelassen. Nach den Worten der Ehefrau brauche Nicaragua weder Ausnahmezustand noch Quarantäne, weder soziale Distanz noch Grenzschließung. Stattdessen ruft Frau Murillo zum Marsch der Bürger unter der Losung auf „Amor en los tiempos de COVID-19“. Nun ja, die Liebe verlangt halt nach Nähe und nicht nach sozialer Distanz. Ein wirklich magischer Realismus! Oder, wie Wikipedia sagt: Die Grenze zum Surrealismus ist fließend. (Bildquelle: CC_wiki).


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