lateinamerika - Quetzal - Politik und Kultur in Lateinamerika


Der mexikanische Narcocorrido – Teil 4: Verhältnis zur Staatsgewalt

Autor:  | November 2010 | Artikel empfehlen

Los Tucanes de Tijuana (Foto: Fernando Messino)Der soziale Aspekt der Macht spielt eine zentrale Rolle in der Selbstwahrnehmung der Drogenhändler. Dieser Aspekt spiegelt sich auch in den Inhalten der Narcocorridos wider und definiert sich nicht nur durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gesellschaftsschicht, sondern in erster Linie durch die Macht des Geldes. Dazu gehören neben demonstrativ zur Schau gestellten Statussymbolen auch weitreichende soziale Netzwerke, die den Drogenkartellen eine „Infrastruktur […], von der globale Wirtschaftsunternehmen nur träumen können“, so die Deutsche Welle in einem Bericht aus dem Jahr 2004, ermöglichen. Zu diesen Netzwerken zählen „jefes de alto poder” (aus dem Corrido La Piñata), also Bosse mit großer Macht aus den unterschiedlichsten Sektoren, wie der Corrido La Guerra del Norte aufzeigt:

Kontakte nach Kolumbien/ Mexiko, China und in die USA
Es begleiten ihn ein Leutnant/ ein Mitarbeiter der Migrationsbehörde und ein Anwalt
für den Fall, dass es Probleme gäbe/ Damit er aus allem fein raus wäre

Der Drogenbaron dieses Corridos unterhält gute Kontakte in alle wichtigen Bereiche: Militär, Behörden und Justiz. Als weitere Beispiele für Kontakte in die Exekutive werden in diversen Corridos Polizisten und Politiker genannt. María Luisa de la Garza geht in ihrer Lectura ética de los corridos que hablan del narcotráfico y de los narcotraficantes intensiv auf diese Zusammenarbeit zwischen Drogenwelt und Staatsgewalt ein. Am Beispiel der Zeile

Sie wissen doch, was ich bei mir habe/ Warum wollen Sie mich also durchsuchen?
Sagen Sie mir besser gleich/ mit wieviel ich kooperieren soll

aus dem Corrido El Judicial y el Traficante erläutert sie die am weitesten verbreitete Art der Verbindung: die sogenannte cooperación. Das Verhältnis wird als gemeinschaftliches Zusammenarbeiten aufgefasst, von dem beide Seiten profitieren. Diese Position vertreten auch die Corridistas in El Jefazo und Los Dos Jefes:

Schauen Sie, Herr Kommandant/ Ich weiß nichts von Gesetzen
Ich bin Drogenhändler/ und Sie würden mich gerne verhaften
Ich schlage Ihnen etwas Wichtiges vor/ Etwas, das uns beiden zugute kommt

El Jefazo

Der Kommandant antwortete ihm/ Warum so viel Gewalt?
Sagen Sie mir besser gleich/ Was die Belohung sein wird
Die ich mir verdiene/ Indem ich mein Hirn einschalte

Los Dos Jefes

Die Kooperation kann indirekt, ohne Absprachen zwischen Drogenhändler und Vertreter der Staatsgewalt erfolgen, wie beispielsweise in La Merma del Traficante. In diesem Narcocorrido wird dem Zuhörer in fünf Strophen illustriert, wie sich Mitarbeiter der Polizei und diverser Behörden an Beweismittel bedienen bis es aufgrund der geringen Menge, die dem Gericht vorgelegt wird, zu keiner Verurteilung mehr kommen kann:

Zwanzig Kilo Kokain/ Jedes Kilo in einer Tüte
Ein Kommandant berichtet seinem Vorgesetzten/ nur von fünfzehn […]
Hier sind die zehn Kilo […]
Er kam gut bewacht an / mit nur drei Kilo […]

Bei einer direkten Kooperation stehen dem Drogenhändler mit Bargeld (Los Dos Jefes) und Drogen (Los Cocodrilos) unterschiedliche Mittel zur Verfügung, um seinen aus der Zusammenarbeit resultierenden Verpflichtungen nachzukommen:

Ich versichere Ihnen, mein Freund/ dass Sie es nicht bereuen werden
Wenn Sie keinen Ärger machen/ werden Sie im Geld schwimmen

Los Dos Jefes

Ich weiß, dass es ihnen auch gefällt
Mit etwas Kokain/ werden Sie uns in Ruhe ziehen lassen

Los Cocodrilos

Dass diese Art der Korruption nicht als Ausnahme, sondern vielmehr als die Regel verstanden wird, folgert Maria Luisa de la Garza in ihrer Analyse aus der Verwendung von bestimmtem Artikel und Personalpronomen in Dólar Doblado, insbesondere in der Aussage eines Angehörigen der Bundespolizei:

Ich bin ein ehrenhafter Polizist/ Das Vergehen begehe ich nicht

Der Polizist spricht nicht etwa von „einem” oder „diesem” Vergehen, sondern verwendet bewusst den bestimmten Artikel. Daraus lässt sich schließen, dass es sich um das allgemein bekannte Vergehen handelt, welches keiner weiteren Spezifizierung bedarf. Die Verwendung des Personalpronomens yo an dieser Stelle ist im Spanischen nicht nur in der gesprochenen Sprache unüblich. Durch den Einschub des Personalpronomens in diesem Corrido wird zudem die vorher gewählte Silbenanzahl pro Zeile nicht mehr eingehalten. Der Corridista nimmt diese Verschiebung bewusst in Kauf, um es an dieser Stelle dem Sprecher zu ermöglichen, sich von diesem Delikt, das andere begehen mögen, ausdrücklich zu distanzieren.

Vertreter des Staatsapparats, die eine Kooperation verweigern, werden vor die Wahl plata o plomo gestellt. Der Begriff plata o plomo entstammt dem kolumbianischen Drogenjargon und kam erstmals im Zusammenhang mit Pablo Escobars, ehemaliger Chef des Medellín-Kartells, Art der „Kooperation” mit den Behörden auf. Plata (Silber) ist eine u.a. in Kolumbien gängige Bezeichnung für Geld, während plomo (Blei), basierend auf dem wesentlichen Bestandsmerkmal älterer Projektile, für den Tod steht. Das plata o plomo-Prinzip wird in vielen Narcocorridos behandelt:

Schon ist der Kommandant tot/ weil er das Angebot nicht annahm

El Jefazo

Hör mir gut zu, Kommandant/ Du wirst mir langsam aufmüpfig
Auch wenn du für den Staat arbeitest/ interessiert mich dein Rang überhaupt nicht
Ich habe schon stärkere Männer gesehen/ die vor mir auf die Knie gegangen sind

Los Dos Rivales

Die in Los Dos Rivales deutlich werdende Arroganz findet ihren Ausdruck nicht nur in direkten Ansagen an die Staatsgewalt wie in eben diesem Corrido, sondern auch in Einstellungen und Handlungen. Der Staat ist schwach und der Drogenhändler hat nichts zu befürchten – diese Botschaft ist in der Zeile

Vor dem Staat nehme ich mich nicht in Acht

aus dem Corrido El Primo eindeutig. Vielmehr soll es der Staat sein, der sich vor den Narcos fürchten muss und der von ihnen abhängt. In De Sinaloa a California fragt und fordert der Corridista stellvertretend für den Drogenhändler offen:

Wenn es keine Narcos mehr gibt/ Wer gibt euch dann zu essen?
Lasst das also besser bleiben/ Ich kann euch aushalten

Im selben Corrido wird besungen, wie der Drogenbaron seinen „Kumpels von der Bundespolizei”, einen Tipp geben wird. Dadurch wird klar, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Ganz im Gegenteil: Ob ihrer Unfähig- und Hilflosigkeit muss der Narco ihnen sogar selbst Hinweise zukommen lassen. Er gefällt sich in dieser Rolle, denn auch in Pacas de a Kilo heißt es

Ich entkomme gerne den Fallen/ die die Polizei mir stellt

Während sich die Haltung des Corridistas heute zwischen Kritik an den Behörden wegen ihrer angeblichen Feigheit, Spott wegen angeblicher Angst und Zögerlichkeit und Verständnis, da ihnen keine andere Wahl gelassen wird, bewegt, wurde des Thema der cooperación in frühen Schmuggelcorridos eindeutig negativ bewertet. In modernen Narcocorridos findet die enge Verbindung zwischen ranghohen Vertretern der Staatsgewalt und Drogenbaronen ihren metaphorischen Ausdruck implizit zum Beispiel in El Tarasco:

Außerdem werden an dem Tag, an dem ich falle/ viele von dort oben fallen

und besonders explizit in Pacas de a Kilo

Die Pinien (Los Pinos – Offizieller Sitz des mexikanischen Präsidenten) spenden mir den Schatten

und La Fiesta de los Perrones:

Wir wissen, dass das Narcoimperium / niemals zu Fall gebracht werden wird
Solange in der großen Politik / weiterhin kooperiert wird
Solange sie im selben Boot sitzen / werden sie gemeinsam rudern

Auch in modernen Formen des mexikanischen Corridos finden sich immer wieder klassisch strukturierte Lieder, die sich stärker an der Philosophie des Corridos als erzählende Chronik und Interpretation gesellschaftlicher und politischer Ereignisse orientiert. Ein Beispiel dafür ist der von Teodoro Bello komponierte Narcocorrido El General, der sich mit dem Fall Jesús Gutiérrez Rebollos auseinandersetzt.

General Gutiérrez Rebollo wurde 1997 nach wenigen Monaten an der Spitze des Instituto Nacional de Combate a las Drogas (INCD) verhaftet, nachdem bekannt wurde, dass er mit einem der zu jener Zeit mächtigsten Drogenbarone, El Señor de los Cielos Amado Carillo Fuentes, „kooperierte”. Der Tenor des Corridos lässt sich mit dem Sprichwort „Im Zweifel für den Angeklagten” zusammenfassen, auch wenn Bello Jahre nach der Komposition des Corridos im Gespräch mit Elijah Wald zu Protokoll gibt, dass er Gutiérrez Rebollo mittlerweile durchaus für schuldig halte. El General fokussiert die Rolle der USA im Drogenhandel auf kritische Weise und ist einer der wenigen Narcocorridos, die sich positiv und anerkennend über Polizisten oder Militärangehörige äußern, die sich weigern zu kooperieren:

Mit einer Million Dollar / ließ er sich nicht kaufen

Durch den in El General beschriebenen Fall Gutiérrez Rebollo liegt die Schlussfolgerung nahe, das in Narcocorridos vermittelte Bild des Verhältnisses der Drogenwelt zur Staatsgewalt sei realitätsgetreu. Auch offizielle Quellen stützen diese These. So bestätigt die US-amerikanische nichtstaatliche Organisation Washington Office on Latin America in ihrem Bericht über mit dem Drogenhandel in Zusammenhang stehende Gewalt und Korruption in Mexiko aus dem Jahr 2006, dass das Gesetz der Drogenhändler durch Korruption und Erpressung in vielen mexikanischen Städten zum geltenden Recht geworden ist. Der Drogenhandel sei zwar nicht der Auslöser der weit über ganz Mexiko verbreiteten Korruption, trage jedoch entscheidend zur Verstärkung und Ausweitung dieses Problems bei. Gegen ein Fünftel der Mitarbeiter der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft Procuraduría General de la Républica (PGR) und gegen 1.500 der 7.000 Agenten der bundespolizeilichen Ermittlungsbehörde Agencia Federal de Investigación (AFI) wurden 2005 wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen Untersuchungsverfahren eingeleitet. Ende des Jahres 2008 wurde bekannt, dass auch der stellvertretende Leiter der AFI und Leiter von Interpol Mexiko, Rodolfo de la Guardia García, sowie sein Nachfolger in der mexikanischen Interpol-Dependence, Ricardo Gutiérrez Vargas, beides „Bosse mit großer Macht”, mit dem organisierten Verbrechen gegen Bezahlung „kooperiert” hatten. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2010 musste die Bundespolizei ein Zehntel ihrer Beamten wegen Unfähigkeit, Korruption oder Kontakten zu Kriminellen entlassen.

Der Drogenbaron

Strechlimosine (Foto: Quetzal Redaktion, gt)

Narcocorridos vermitteln eine besondere Weltanschauung und sind Ausdruck einer besonderen Denk- und Lebensweise mit eigenen Regeln und Wertvorstellungen. Unterschiedliche Facetten der Narcocultura werden von diversen Interpreten unterschiedlich beleuchtet und auch die Subkultur der Narcocultura ist eine heterogene Gesellschaft, wenn auch zentrale Positionen und Moralvorstellungen geteilt werden.

Die Art und Weise, beispielsweise, wie der Drogenbaron in den Narcocorridos dargestellt wird, ist erstaunlich homogen. Nur in einer verschwindend geringen Zahl ist das von Drogenhändlern, den Narcos, in Narcocorridos gezeichnete Bild als kritisch zu bezeichnen. Vielmehr wird der Drogenbaron als Erbe des großzügigen, guten Banditen der Revolutionszeit und in einem dementsprechend überaus positiven Licht präsentiert: Er ist der charismatische, clevere Held der Geschichte, der gefährliche Situationen meistert, seine Ehre verteidigt und dabei sein Geschick, seinen Mut und seine Großzügigkeit unter Beweis stellt. Doch auch Drogenbarone sind Teil einer auf demonstrativen Konsum ausgerichteten Gesellschaft und auch sie beherrschen den Tanz um das goldene Kalb. Die mit dem Drogenhandel einhergehende Gefahr ist dem Narco bewusst:

Ich weiß, dass mein Leben gefährlich ist/ Aber ich schätze die schönen Dinge
Ich werde das Leben genießen/ Tot kann ich das nicht

Lo que sembré allá en la sierra

Basierend auf einem Wertesystem, das sozialen Status und gesellschaftliche Anerkennung fast ausschließlich vom materiellen Lebensstandard abhängig macht, muss dieses konstante Risiko durch ostentativen Repräsentationskonsum ausgeglichen werden. Der Drogenhändler sieht als Homo consumis die Profilierung durch öffentlichen Konsum neben der Gewalt als einzige Möglichkeit, den eigenen gesellschaftlichen Status darzustellen und zu erhöhen. In Corridos sind deshalb el cuerno de chivo (das Ziegenhorn, Bezeichnung für das Sturmgewehr AK-47, kurz Kalaschnikow) und la troca del año (der Pickup des Jahres) seine ständigen Begleiter:

Vor Schlangen habe ich keine Angst/ Ich kann verlieren und gewinnen
Hier habe ich eine Kalaschnikow/ für den, der es wagen will

Pacas de a Kilo

Ich fahre durch Tijuana/ in meinem Cheyenne des Jahres
Zwei Männer hinten/ mit einer Kalaschnikow in jeder Hand

Clave Privada

Ein Pickup des Jahres/ fährt durch den Staat
Mit verdunkelten Scheiben/ und einem Mann von großem Kaliber am Steuer

El Chaca de Michoacán

Ich habe einen geilen Pickup/ und fahre durch mein Gebiet
Mit einer heißen Schnecke/ Ich gebe zu, ich bin kein Heiliger

El Mexicano Cien por Ciento

Neben Waffen und exklusiven, für die Mehrheit der mexikanischen Bevölkerung nicht erschwinglichen Wagen gehören weitere materielle Güter wie Schmuck, aber auch immaterielle wie Musik und gesellschaftliche Festivitäten zum Prestigekonsum und Imponierverhalten der Drogenhändler. Simonett weist darauf hin, dass während des Narcoterrors der 1970er Jahre eine besonders starke Bindung zwischen der Szene der Banda- und Norteñamusik und den Drogenkartellen bestand. Noch heute sei eine Liveband ein wichtiger Bestandteil jeder einschlägigen Festivität, was sich auch auf die Narcocorridos überträgt:

Wer sich auf das Geschäft einlässt/ mit Gras zu handeln
schwelgt im Luxus/ und wird respektiert
Bandas und Grupos Norteños/ spielen auf allen Feiern

Las Dos Hectáreas

Ich werde dafür sorgen, dass/ die Kosten für mein Begräbnis gedeckt sind
Mit einer guten Kapelle, die für mich singt/ wenn bereits um mich getrauert wird

Mi Último Contrabando

Allein in meinem Pickup/ höre ich  Musik
Von der Banda del Recodo/ und das Neueste von Los Temerarios

El Mexicano Cien por Ciento

In den Narcocorridos paart sich auf perfide Weise der Geltungskonsum des neoliberalen Turbokapitalismus mit dem heteronormativen, patriarchalischen Machismus Lateinamerikas. Das Ergebnis: Die Objektifizierung der Frau, die neben schnellen trocas bien perronas (geilen Pickups, aus dem Corrido El Mexicano Cien por Ciento), alhajas de oro, botas de avestruz und cuernos de chivo (Goldschmuck, Stiefeln aus Straußenleder und Kalaschnikows aus dem Corrido Mi Último Contrabando) zum bloßen Statussymbol degradiert wird. In der Welt des Drogenhandels scheinen Frauen und Geld untrennbar zusammenzugehören – ganz ohne Zutun des noblen Drogenbarons:

Mit allem Respekt vor der Mutter meiner Kinder/ Um die Frauen muss ich mich nicht bemühen
Ganz im Gegenteil, manchmal verstecke ich mich/ Sie umschwärmen mich wie Bienen den Honig
Aber ich bin ja nicht aus Stein/ und wenn sie schon mal da sind, müssen sie nach meiner Pfeife tanzen

La Ley 57

Geld im Überfluss/ ist auch gefährlich
Deshalb gebe ich es gern aus/ mit meinen Freunden
Und die Frauen, ganz ehrlich/ sehen das Geld und bekommen große Augen

Mis Tres Animales

Die Frau als Objekt ist jederzeit ersetzbar, ihre Individualität wird ihr, mit Ausnahme der Mutter meiner Kinder (aus dem Corrido La Ley 57), durch die Verwendung des Plurals abgesprochen. Es gibt nicht la mujer, es gibt nur die Masse der Frauen als Statussymbol. Wie mit jedem anderen Konsumgut wird mit ihnen geprahlt, sie werden wie jedes andere Konsumgut öffentlich wirksam zur Schau gestellt und wie jedes andere Konsumgut als austauschbar angesehen:

Er leidet nicht wegen der Frauen/ Er nimmt sich, welche ihm gefällt
Kaum spielt die Musik/ hat er schon eine Neue
Passt auf/ all ihr schönen Mädchen

El Jefe X

Das eben beschriebene Bild der Frau als Accessoire wird durch die Aussagen einer im Drogengeschäft involvierten anonymisierten Quelle in der Arbeit „Jefe de Jefes“ des mexikanischen Soziologen José Manuel Valenzuela bestätigt: „Es ist wie mit einer Rolex, wie mit irgendeinem teuren Accessoire […] Man weiß, dass sie zu ihm gehört, zu seinen Errungenschaften […], zu seinem Schmuck.“

Die Darstellung des Narcos als von Frauen begehrten Mann bestätigt einer der bekanntesten Capos Mexikos, Ismael ‚El Mayo‘ Zambada, im Interview mit dem mexikanischen Journalisten Julio Scherer García im April 2010: Neben seiner Ehefrau habe er noch weitere fünf Frauen.

Narcocorridos unterstreichen das Bild des Narcos als auf auffälliges und öffentlich wirksames Konsumieren programmierten Macho, welches diese Subkultur nach außen vermittelt. Sie beschreiben das, was für jedermann sichtbar ist und orientieren sich an Berichten in der Presse von beinahe über Nacht errichteten Villen, kostspieligen Wagen, dem Auftreten des Narcos mit wechselnder Damenbegleitung in der Öffentlichkeit. Großzügige Gesten wie aus einem Hubschrauber auf Ortschaften herabregnende Geldscheine, das Errichten von Schulen und Krankenhäusern oder das Angebot Rafael Caro Quinteros, eines der einflussreichsten Drogenbarone der 1980er Jahre, die Auslandsschulden Mexikos zu begleichen, führen zu einem erhöhten Ansehen des Drogenbarons in der Gesellschaft. So bescheinigte der Sänger der Musikgruppe Los Tucanes de Tijuana dem Drogenbaron Caro Quintero, mehr für das Wohl der mexikanischen Bevölkerung zu tun als die eigene Regierung.

Literatur:

Almada, Marcos (2005): „Narcocultura – música, marihuana y mucha acción. La cultura del narcotráfico en los medios de entretenimiento“ In: dph, 07/2005.

BBC News vom 30.08.2010: Mexico sacks 10% of police force in corruption probe.

CRS Report for Congress vom 16.10.2007: Mexico‘s Drug Cartels: www.fas.org/sgp/crs/row/RL34215.pdf.

Dal Bó, Ernesto / Dal Bó, Pedro / Di Tella, Rafael (2006): ‚Plata o Plomo?‘: Bribe and Punishment in a Theory of Political Influence“ In: American Political Science Review, Februar 2006, Nr. 100, Nr.1: http://www.econ.brown.edu/fac/Pedro_Dal_Bo/plataoplomo.pdf.

De la Garza, María Luisa (2008): Pero me gusta lo bueno – Una lectura ética de los corridos que hablan del narcotráfico y de los narcotraficantes. México, D.F.: Porrúa.

DW-World vom 23.08.2004: Gigantisches Ausmaß des Drogenhandels.

Edberg, Mark Cameron (2001): El narcotraficante: narcocorridos and the construction of a cultural persona on the U.S.-Mexico border. Austin: University of Texas Press.

Scherer García, Julio (2010): „Proceso en la guarida de ‚El Mayo‘ Zambada.“ In: Proceso, 03.04.2010.

Simonett, Helena (2001): Mexican Musical Life across Borders. Middletown: Wesleyan University Press.

Valenzuela Arce, José Manuel (2002): Jefe de Jefes – Corridos y Narcocultura en México. México, D.F.: Plaza y Janés.

Valenzuela Arce, José Manuel (2007): Consumo y narcocultura. In: El Universal, 02.01.2007.

Wald, Elijah (2001): Narcocorrido – A Journey into the Music of Drugs, Guns and Guerrillas. New York: HarperCollins.

—————————

Bildquellen: [1] Fernando Messino; [2] Quetzal-Redaktion, gt


Weitersagen:

Kommentar schreiben




top