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Agricultura Sostenible in Lateinamerika

Autor:  |  Sommer 1995

Politischer Werbegag, Utopie oder Realität?

Die Landwirtschaft in Lateinamerika ist traditionell seit dem 17. Jahrhundert mit der Praxis konfrontiert, ausgedehnte Landstriche ungehemmt zu verwerten: Exportansprüche zu befriedigen und Exportmöglichkeiten um jeden Preis auszunutzen, die billige Arbeitskraft auszubeuten und den agrotechnischen Entwicklungsstand industrialisierter Staaten kopieren. Davon zeugt heute die starke sozial-ökonomische Abhängigkeit zahlreicher Länder von einem einzigen landwirtschaftlichen Wirtschaftszweig. Der Zuckerrohranbau trägt in Kuba zu 59 % und in der Dominikanischen Republik zu 54 % der Exporterlöse bei. El Salvador realisiert 58 % der Deviseneinnahmen mit Kaffee. Der Bananenexport erbringt Honduras 31 % und Panama 26 % der harten Währung. Mit Baumwolle erwirtschaftet Paraguay 44 % seiner Devisen und Uruguay deckt seine Dollareinnahmen zu 21 % aus dem Rindfleischexport.

Besonders seit den 60er Jahren unseres Jahrhunderts ist diese einseitige Art der landwirtschaftlichen Nutzung ins Gerede gekommen. Die Monokultur einzelner Nutzpflanzenarten wie Zuckerrohr, Baumwolle oder Kaffee, die zumeist Exportbedürfnisse der entwickelten, reichen Länder befriedigen sollte, bot beste Möglichkeiten für eine schnelle Technisierung und Chemisierung des Anbaus. Die damit einhergehende Produktionssteigerung hatte die einheimische Bevölkerung zwar zu erarbeiten, wobei die harte, schweißtreibende Handarbeit zurückgedrängt wurde, doch eine generelle Verbesserung der sozial-ökonomischen Lage der ländlichen Bevölkerung trat nicht ein. Vielmehr provozierte das Überstülpen fortgeschrittener Technologien in Verbindung mit Monokultur, überhöhter Mineraldüngung, ständig stereotyp zunehmender Verwendung von Herbiziden, Insektiziden und Fungiziden sowie die übermäßige Tierkonzentration unübersehbare Probleme für die Umwelt.

Weltweite Aufmerksamkeit erfuhr diese Entwicklung jedoch erst mit dem besorgniserregenden schnellen Verlust der Regenwälder auf dem amerikanischen Kontinent. Jährlich fallen den Flammen der Brandrodung und den Kettensägen fast 20 Millionen Hektar zum Opfer. Eine Fläche dreimal so groß wie die Benelux – Staaten. Die Sauerstoffproduktion im Gebiet der tropischen Regenwälder, oft auch als die grüne Lunge unserer Erde bezeichnet, nimmt entsprehend ab. Die heftigen, fast täglich fallenden Niederschläge weichen den nun ungeschützten Boden auf und setzen eine Erosion in Gang, die je Hektar jährlich mehr als 200 Tonnen fruchtbares Erdreich verlorengehen läßt. Die angestrebte landwirtschaftliche Nutzung ist damit keineswegs nachhaltig. Stark dezimiert wird außerdem die Artenvielfalt des mannigfaltigsten natürlichen Reservoirs der Erde.

Die in Europa ein Jahrzehnt zuvor heiß diskutierten Probleme wie das übermäßige Eingeben von Stickstoff und Phosphaten in das Grundwasser und die Kontaminierung landwirtschaftlicher Produkte mit Pflanzenschutzmitteln sind heute auch in Lateinamerika im Bewußtsein der Öffentlichkeit allgegenwärtig. Eine öffentliche Auseinandersetzung zu Fragen des Umweltschutzes ist dank des Verantwortungsbewußtseins von sehr unterschiedlichen nationalen und internationalen Organisationen und Einzelpersonen in Gang gebracht worden. Vielen mittleren und kleinen Landwirten ist längst bewußt geworden, daß sie Nahrungsmittel nicht nur in ausreichender Menge und gewinnbringend produzieren, sondern auch ihren Bodenbesitz vor umweltschädigenden Einflüssen schützen müssen. Dadurch bieten sich Chancen, traditionelle nachhaltige Produktionssysteme mit neuen Erkenntnissen für eine dauerhaft produktiv gestaltete Landwirtschaft zu verknüpfen.

Das katastrophale Image der modernen Landwirtschaft in der Öffentlichkeit, ein ständiges Hineinreden nichtkompetenter Verbraucher und die tatsächliche Situation der Landwirtschaft als unproduktiver, nichtprofitabler, unattraktiver und keinesfalls nachhaltig produzierender Wirtschaftszweig schaffen unzählige Zweifel und Widersprüche, die alles andere als fördernd auf eine zukünftig vorherrschende Agricultura Sostenible wirken. Daran hat bisher auch die Diskussion über eine nachhaltig zu gestaltende volkswirtschaftliche Entwicklung wenig verändert. Als Gründe dafür werden die ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen angeführt. Die Wichtung jedes einzelnen Gliedes erfolgt natürlich entsprechend der Interessen und den Möglichkeiten eines jeden Staates. Und hier scheiden sich seit Jahrzehnten die Geister. Die Marktwirtschaft priorisiert den kurzzeitig sicheren ökonomischen Gewinn, die extreme Ökologie-Szene möchte die Natur über alles stellen und die kostenfreie soziale Sicherheit bleibt Vision des Kommunismus. Mit solch einer einseitig ausgerichteten, starrköpfigen Haltung werden und können keine den Erdball nachhaltig schützenden Entwicklungen eingeleitet werden. Auch wenn es generell positiv ist, daß miteinander geredet wird, darf es nicht bei der selbstkritischen Einschätzung der Industrienationen bleiben. Eine die Folgen bedenkende wirtschaftliche Entwicklung muß weltweit politisch eingeleitet, wissenschaftlich gefördert und ökonomisch abgesichert werden. Diese Selbstverpflichtung, zukünftig beispielhaft umweltschützend vorangehen zu wollen, hätte schon längst in die Tat umgesetzt werden können und müssen.

Traditionelle Anbausysteme

Die Palette traditioneller Anbausysteme in Lateinamerika ist ebenso reichhaltig wie das Füllhorn an Pflanzen- und Tierarten im tropischen Regenwald. Die Anbausysteme entwickelten sich entsprechend der ethnobotanischen Gegebenheiten, der sozialökonomischen Bedingungen der jeweiligen Region und der natürlichen Standortverhältnisse über eine Vielzahl von Generationen hinweg. Typisch war in jedem Fall die nachhaltige Nutzung der vorhandenen natürlichen Ressourcen. Das Kayapo-System im Amazonasbecken nutzte die reiche Artenvielfalt für einen Mischanbau von einjährigen und mehrjährigen Pflanzenarten. Auf den gerodeten Flächen wurden die abgeschlagenen Gräser, Kräuter und kleineren Zweige als bodenbedeckende Mulchschicht aufgelegt, um so den Boden zu schützen. Die Düngung erfolgte mit Asche und organischen Materialien. Eine der mehrjährigen Anbauperiode nachfolgende fünf- bis zehnjährige Brache wirkte der Bodenmüdigkeit entgegen. Entstehende Lücken in den Baumbeständen wurden periodisch bepflanzt. So konnten entsprechend des Vegetationsverlaufes mehrere Pflanzenarten gleichzeitig fruchten und reifen. Reis, Knollen- und Wurzelfrüchte sowie Obst und Gemüse standen ganzjährig auf dem Speisezettel. Viehhaltung war unter den Verhältnissen des feuchten Regenwaldes schwer möglich. Dafür spielte der Fischfang eine große Rolle. In Mittelamerika zählt das Milpa-System zu den bekanntesten. Die ortsansässigen Mayas von Nordmexiko bis Guatemala prägten ungezählte lokale Varianten. Typisch ist hier der Mischanbau von Mais mit teilweise bis zu 40 anderen Pflanzenarten. Gemüse- und Obstanbau charakterisieren dieses nachhaltige Anbausystem ebenso wie Baumarten zur Feuer- und Bauholzgewinnung. Es wurde Vieh gehalten, und Wildtiere wurden gejagt. Den klimatischen Verhältnissen entsprechend lassen sich in feuchteren Zonen Mittel- und Südamerikas ähnlich gestaltete Anbausysteme finden, die aber als Hauptkultur die Knollenfrucht Maniok oder das Zuckerrohr haben. Bedeutsam für all diese Nutzungssysteme ist die durch den Menschen geförderte Dreieinigkeit von Boden – Pflanze – Tier. Auf diese Weise konnte sich der Mensch seine Bedürfnisse nach ausreichend Nahrung und erträglichen Lebensbedingungen erfüllen und sich die Natur als nachhaltig wirkenden Lebensquell nutzbar machen.

Die moderne Entwicklung

Auf diese stabilen und umweltverträglichen Verhältnisse wurde mit Einführung der frühkapitalistischen landwirtschaftlichen Nutzung in Lateinamerika bewußt verzichtet. Jetzt wurde die Monokultur mit Zuckerrohr, Kaffee oder Banane modern und die extensive Weidewirtschaft mit Rindern angekurbelt. Seitdem Mineraldünger, chemische Pflanzenschutzmittel und veterinärmedizinische Produkte uneingeschränkt kostengünstig eingesetzt werden konnten, erhöhte sich das Leistungspotential für die landwirtschaftliche Produktion erheblich. Die Exportmengen stiegen besonders durch größere Transportkapazitäten und höhere Transportgeschwindigkeiten. Die Ansprüche Nordamerikas und der reichen westeuropäischen Staaten nach einem ganzjährigen Angebot von exotischen Obst- und Gemüsearten in ihren Supermärkten mußten und konnten zunehmend besser befriedigt werden. Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas wurde damit völlig ausgeschlossen, denn die internationale Verflechtung von Kapital, Transportmittel produzierender Industrie und Nahrungsmittelindustrie ließ den nationalen Produzenten nur Brosamen. Vielmehr setzt sich der Teufelskreis fort, daß nur die landwirtschaftlichen Betriebe ökonomisch überleben, welche engagiert und rücksichtslos neue Exportchancen ausnutzen.

Ein Beispiel dafür ist der Anbau von Chayote – einem Kürbisgewächs, das auf etwa zwei Meter über dem Boden gespannten Drähten emporrankt und birnengroße Früchte bildet, die jungem Kohlrabi im Geschmack ähneln. In Costa Rica etablierte sich im Tal von Ujarrás das weltweit bedeutendste Produktionszentrum, welches von mittleren und kleinen Bauernwirtschaften getragen wird, die sich in Genossenschaften zusammengeschlossen haben. Sie besitzen eigene Vermarktungseinrichtungen und exportieren ihre Früchte fast ausschließlich in die USA. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Vorteile führten aber nicht zu einer nachhaltigen ökonomischen und ökologischen Stabilität in der Region, so daß heute eine heftige Diskussion um das zukünftige Gesicht dieses malerischen Tales im Herzen der ‘mittelamerikanischen Schweiz’ entbrannt ist.

In Honduras, Guatemala und Nikaragua hat sich im letzten Jahrzehnt der Anbau von Wasser- und Zuckermelonen für den Export enorm ausgedehnt. Anfangs ließ sich mit dem Pfund wuchern, daß damit eine neue, umweltverträgliche Ära der lateinamerikanischen Landwirtschaft anbricht, die den großflächigen, durch Latifundistas betriebenen modernen, umweltverseuchenden Baumwoll- und Zuckerrohranbau beendet. Doch wenn lediglich eine großflächige Monokultur durch eine neue, nun stärker kleinbäuerlich strukturierte Monokultur abgelöst wird, bleibt die nachhaltige umweltgerechte Landwirtschaft weiterhin auf der Strecke.

Die moderne landwirtschaftliche Entwicklung darf aber nicht grundsätzlich mit dem Makel versehen werden, umweltzerstörend und ressourcenvergeudend zu sein. Der nach Prinzipien der organischen Landwirtschaft durchgeführte Bananenanbau im Gebiet von Bribri in Costa Rica oder die sich über ganz Lateinamerika ausbreitende Assoziation von Kaffeebauern mit nachhaltiger, standortgerechter Produktionsweise verzichten keineswegs auf wissenschaftliche Erkenntnisse und den technischen Fortschritt. Hier werden aber bewußt umweltzerstörende Maßnahmen in den Anbau- und Vermarktungsprozessen vermieden. Belanglos ist es dabei, ob kleinbäuerlich oder großflächig produziert wird. Entscheidend ist aber die möglichst vielfältige Gestaltung und standortgerechte Nutzung der entsprechenden ländlichen Räume und eine klar favorisierte sozialökonomische Stellung von Anbausystemen für die nationale Eigenversorgung mit landwirtschaftlichen Produkten.

Die Agricultura Sostenible

Die Agricultura Sostenible könnte mit dazu beitragen, einen Ausweg aus der umweltzerstörenden, ressourcenvernichtenden Sackgasse der einseitigen modernen Anbau-, Nutzungs- und Vermarktungsweise zu finden. Es geht dabei keineswegs darum, ein zurück zur Natur zu fordern und sich dem enormen naturwissenschaftlich-technischen Wissen zu verweigern. Die Lebensgrundlagen aller Menschen als globale Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung und natürliche Stabilität auf der Erde können so nicht gesichert werden.

Die Agricultura Sostenible muß Spiegelbild nachhaltiger, umwelterhaltender, traditioneller Nutzungssysteme sein, deren Produktivität durch innovative Lösungen so zu verbessern ist, daß bis zum Jahr 2030 eine Nahrungsmittelverdopplung garantiert werden kann, ohne die Umwelt zu schädigen. Deshalb ist der Kreislauf Boden – Pflanze – Tier so zu steuern, daß die Bodenfruchtbarkeit erhalten bleibt und keine Kontamination von Boden, Wasser und Luft erfolgt. Die neuen Anbausysteme müssen mit wenig Energie auskommen können. Entsprechende Maßnahmen wie die Direktsaat und die Minimalbodenbearbeitung, die derzeitig in Lateinamerika nur eine Fläche von etwa 500.000 ha betreffen, werden verstärkt Anwendung finden. Neue Sorten für eine Vielzahl von Kulturpflanzen und Standorte, die ertragreich und ertragsstabil sind, hat die Züchtung ebenso parat wie leistungs- und widerstandsfähige Tierrassen. Die Düngung kann über ein harmonisches Miteinander von organischen Materialien wie Gründung, Stalldung, Kompost und Mulch, biotechnologisch erzeugten Produkten, stickstoffbindenden Leguminosen (Hülsenfrüchte) und auch Mineraldüngern realisiert werden.

Integrierte Lösungen eines vorwiegend vorbeugend ausgerichteten Pflanzenschutzes ermöglichen einen verantwortungsvollen Umgang mit chemischen Pflanzenschutzmitteln. Die Agricultura Sostenible wird den Artenschutz gewährleisten, die Biodiversität (Artenvielfalt) des Standortes erhalten und auch zunehmend die Landschaftsgestaltung übernehmen. Der naturverbundene Tourismus findet dann auch unter tropischen Verhältnissen einen reichen Anschauungs- und Erholungsquell und fördert gleichzeitig das Einkommen der ländlichen Bevölkerung. Neue Impulse werden auch vom Sektor der alternativen Energiequellen ausgehen. Biogas, Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie müssen auch in kleineren Einheiten an schwer zugänglichen Standorten zukünftig ökonomisch erzeugt werden können. Sauberes Trinkwasser, in den städtischen Ballungszentren wie Ciudad de Mexiko oder Sao Paulo eine kostbare Rarität, dürfte dann in den ländlichen Räumen zu erschwinglichen Kosten verfügbar sein. Eine so geschaffene stabile Einheit von ökonomischem Einkommen und ökologischem Gleichgewicht wird eine soziale Absicherung ermöglichen, die ein menschenwürdiges Leben auch auf dem Land garantiert. Die Flucht der besonders begabten Jugendlichen in die Städte wird unter solchen Bedingungen stark abnehmen.

Kuba: Ein Beispiel

In eine besondere Lage ist die kubanische Landwirtschaft vor fünf Jahren gepreßt worden. Der Zusammenbruch des RGW bewirkte einen plötzlichen Wegfall stabiler wirtschaftlicher Austauschbeziehungen. Die energetische Lage des Landes verschlechterte sich in einem solch drastischen Maße verschlechtert, daß für unsere heutige Zeit inakzeptable Lebens- und Produktionsverhältnisse eintraten. Zudem fehlten fortan für die devisenträchtige Monokultur Zuckerrohr die Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel. Das Ertragsniveau nahm daraufhin rasch ab und sank unter 40 t Rohr je Hektar. In den letzten beiden Jahren konnten deshalb nicht einmal 4 Millionen Tonnen Zucker auf Kuba erzeugt werden.

Warum steht gerade Kuba als ein vielzitiertes Beispiel für die Agricultura Sostenible? Die fatale wirtschaftliche Situation des Landes erzwang eine drastische Einsparung von und das Auskommen mit wenig Energie. Ein Neubesinnen auf traditionelle Praktiken der Landwirtschaft sowohl in den Staatsgütern als auch in den kleinbäuerlichen und genossenschaftlichen Betrieben galt dabei als mögliche Alternative und ebnete vehement den Weg für die Agricultura Sostenible. Das hohe akademische und praktische Ausbildungsniveau der Kubaner muß als entscheidender Punkt für die schnelle Umsetzung von wissenschaftlich modifizierten praktischen Erfahrungen angesehen werden.

Alternative Energiequellen wurden gesucht und gefunden. Die Wiedereinführung des lokalen Obst- und Gemüseanbaus und der individuellen Viehhaltung wurde durch die Eröffnung freier Agrarmärkte stimuliert. Durch Gaben von Kompost, den Anbau von Leguminosen und die Einführung von Bio-Dünger auf der Basis von Azobacter und Azospirillum wurde der fehlende Mineraldünger umweltgerecht ersetzt. Die Schädlings- und Krankheitsbekämpfung basiert nun nicht mehr auf chemischen Produkten, sondern wird vorwiegend vorbeugend oder biologisch vorgenommen. Die vielfältigen standortlichen Gegebenheiten Kubas dienen erneut den vorübergehend sehr vernachlässigten Nutzungsformen wie der Binnenfischerei und der Imkerei als Produktionsbasis. Nicht zuletzt erinnerte man sich schon längst der als überflüssig angesehenen Methoden der Haltbarmachung landwirtschaftlicher Produkte nach Großmutters Art, und es belebten sich das kleinhandwerkliche Gewerbe und auch traditionelle künstlerische Zweige.

Reminiszenz

Die Zukunft der Menschheit ist sicher heute direkt davon betroffen, wie in möglichst wenigen Jahren das Wissen und Können von Landwirten, Naturwissenschaftlern, Technikern und vielen anderen Berufsgruppen verantwortungsbewußt und gewissenhaft durch die Politik umgesetzt, gelenkt und gefördert werden. Es muß eine Situation geschaffen werden, die das persönliche Wohlbefinden möglichst aller Menschen garantiert. Dieses hängt bekanntlich nur wenig vom individuellen materiellen Wohlstand ab. Dem steht die leidige menschliche Eigenschaft gegenüber, daß materieller Reichtum dazu verführt, besonders verschwenderisch mit den energetischen Ressourcen der Erde umzugehen. Die eigene Nabelschau führt dabei vielfach zum Fingerzeig auf andere Nationen und Kulturen, verbunden mit der Aufforderung, daß diese sich ändern müssten.

Die gegenseitige Einwirkung ökonomischer, ökologischer und sozialer Faktoren muß aber so weitgehend berücksichtigt werden, daß die Erzeugung, der Verbrauch und die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte standortgerecht erfolgen können und damit umwelterhaltende und umweltgestaltende Folgen haben.

Ein solches neues Bewußtsein würde dazu führen, daß die Agricultura Sostenible kein politischer Werbegag bleibt und utopische Gedanken optimistisch in eine friedliche, sinnvolle und lebens werte Realität auf unserem Erdball umgesetzt werden. Dazu bedarf es jedoch eines ehrlichen Umganges der Menschen aller Kontinente miteinander. Es müssen endlich Egoismen und Hegemonismen verschwinden, Verantwortungslosigkeit und Betrug ausgeschlossen und die Quellen der Sucht zum verschwenderischen, bedingungslosen Konsum verstopft werden.


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