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Mit 77 Jahren – da fängt das Leben an
Zum Geburtstag von Fernando Botero

Autor:  | April 2009 | Artikel empfehlen
Kolumbien - Zum Geburtstag von Fernando Botero

„Die Kunst muss Genuss bringen, darf weder verärgern noch missfallen. Die Kunst wurde mit der Idee von Schönheit geschaffen…“ – Fernando Botero

Mit 77 Jahren – da fängt das Leben an. Zum Geburtstag von Fernando Botero, Bild: Quetzal-RedaktionDas erste Mal, als ich von Fernando Botero erfuhr, war ich zwölf Jahre alt. Ich hatte damals gerade die Bücher von meiner Familie entdeckt. Ich kann mich nicht genau erinnern, wie das Buch hieß; aber ich bin mir sicher, dass es ein Buch über die Geschichte der Kunst war. Gern hätte ich mehr im Unterricht darüber erfahren. Doch leider gab es in meiner Schule nie einen solchen Kurs. Mein erster Eindruck, den ich als Mädchen hatte, war, dass dieser Maler die kräftigen – um nicht zu sagen, die dicken – Personen und Sachen mag. Dann las ich seinen Namen: Fernando Botero. Seine Werke haben mir von Anfang an sehr gefallen. Und im Vergleich mit der abstrakten Kunst oder dem Surrealismus von Dalí fiel es mir nicht so schwer zu verstehen, was er malte. Ich war keine Kunstverständige – ich bin auch jetzt noch keine –, aber diese Bilder und dieser Name blieben in meiner Erinnerung.

Vielleicht kann ich eines Tages ein Werk von Botero sehen, dachte ich damals oft. Die Jahre vergingen. Ich hörte manchmal von Botero, aber nichts weiter. Erst 14 Jahre nach jenem denkwürdigen Buchfund begegnete ich seiner Kunst in natura. Ich besuchte Goslar im Harz. Und als ich am Abend einen kleinen Spaziergang machte, wurde meine Aufmerksamkeit plötzlich auf etwas Atypisches in diesem Ambiente aus Fachwerkhäusern, Mittelalter und deutscher Geschichte gelenkt: Eine Skulptur von einem dicken Mann mit Stock und einer ebensolchen Frau mit Schirm in einem besonderen Stil, den ich sofort erkannte. Keine Frage, wer der Autor ist. „Wer sonst als Botero!“, rief ich aus. In diesem Moment kamen mir all diese Bilder aus meiner Kindheit, aus der Mädchenzeit ins Gedächtnis, als ich noch so unbeschwert sein konnte, Stunde um Stunde zwischen Büchern zu verbringen. Manchmal holte mich erst der Ruf meiner Mutter, es sei Essenszeit, zurück in die Realität. Sonst wäre ich wohl den ganzen Tag bei den Büchern und Bildern geblieben. Nun, obwohl physisch in Goslar, so fühlte ich mich doch so wie zugleich in Deutschland und zu Hause in Peru. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Und heute ist also Dein Geburtstag, Fernando. Alles Gute zum 77. Frühling, Meister. Alles Gute. Mit 77 fängt das Leben doch erst an…

Fernando Botero

Mit 77 Jahren – da fängt das Leben an. Zum Geburtstag von Fernando Botero, Bild: Roel WijnantsFernando Botero wurde am 19. April 1932 in Medellín (Departement Antioquia, Kolumbien) geboren. Er ist Maler und Bildhauer. Botero gilt als einer der bekanntesten und am meisten geschätzten bildenden Künstler Lateinamerikas. Bereits im Alter von zwölf Jahren begann er zu malen. Mit 16 Jahren nahm er 1948 zum ersten Mal an einer Ausstellung von Malern in Medellín teil. 1951 siedelte er nach Bogotá über, weil das Leben in der Hauptstadt kulturell reichhaltiger als in der Provinz war. Kurz darauf ging er nach Europa.

Nur wenige Jahre später hatte er zu seinem eigenen, heute weltberühmten Stil gefunden. Zentrales Thema seiner Kunst ist der Mensch und das menschliche Leben mit all seinen Facetten. Seine Charakteristik: Alle Personen weisen deutliches Übergewicht auf, alle Gegenstände sind dick und rund. Pralle Formen entsprechen seinem ästhetischen Schönheitsideal.

Wirkte er bis Anfang der 1960er Jahre hauptsächlich als Maler, begann er ab dieser Zeit, sich mehr und mehr der plastischen Kunst zuzuwenden. Ab 1976 schuf er dann vornehmlich Skulpturen. Auch bei ihnen blieb er seinem Stil und seinen Themen treu. Zentrale Kennzeichen waren erneut die sinnlichen Formen, die Verschiebung der Proportionen zum Voluminösen und die technische Perfektion.

Ständig lebte Botero zwischen den Welten. Aber obwohl er zwischen New York, Bogotá, Paris und seiner Wahlheimat Pietra Santa (Italien) pendelte, repräsentiert er wie kaum ein anderer den Esprit der lateinamerikanischen Kultur. Eines Tages sagte er: „Ich will fähig sein, alles malen zu können, sogar Marie Antoinette und Ludwig XV, aber stets mit dem Anspruch, dass alles, was ich mache, durch den lateinamerikanischen Geist geprägt ist.“
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Quelle:

- http://www.arteseleccion.com/ventanas/autor/autor.php?idioma=es&id=206&autor
– http://www.artelatino.com/botero/Biografia.asp
– Ein Interview kann man bei Youtube finden unter: http://www.youtube.com/watch?v=WrbbGp808xQ

Bildquellen:
Foto 1: Quetzal-Redaktion, luz
Foto 2: Roel Wijnants


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