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Kolumbien – Ein Kurzportrait

Autor:  | Juli 2008 | Artikel empfehlen
Kategorie(n): Kolumbien
Kolumbien - Ein Kurzportrait

“Colombia es un país que no se resigna. Muchos quizá no lo perciban. Pero aquí hay más solidaridad que barbarie, más imaginación que rabia y más resistencia a la guerra que desconfianza en la paz”.(Alfredo Witschi-Cestari)*

Der Name der Kolumbianischen Republik wurde von Christoph Kolumbus abgeleitet. Diese Idee konzipierte Francisco de Miranda, der berühmte Wegbereiter für Simón Bolívar im Unabhängigkeitskampf der spanischen Kolonien, zu Ehren des Entdeckers von Amerika. Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas und hat sowohl einen Zugang zum Atlantischen als auch zum Pazifischen Ozean. Im Südwesten grenzt Kolumbien an Ecuador und Peru, im Südosten an Brasilien, im Nordosten an Venezuela und im Nordwesten an das seit 1903 von Kolumbien abgetrennte Panama. Kolumbien ist zudem ein Land, wo oftmals die See gleich neben den Bergen ist, wie etwa die Sierra Nevada de Santa Marta, mit dem höchsten Berg Kolumbiens, dem Pico Cristóbal Colón (5.775 Metern ü. M.). Hier liegen die Gipfel nur 45 km von der Karibikküste entfernt. Die Bergkette gilt damit als höchstes Küstengebirge der Welt.

Wegen seiner sehr verschiedenartigen Geographie weist Kolumbien eine vielfältige Biodiversität auf. Und dies hat sich auch in unterschiedlichen regionalen Lebensarten niedergeschlagen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die kulturellen Gewohnheiten zudem durch den Einfluss von verschiedenen Kulturen wie z. B. der afrikanischen, europäischen, jüdischen oder arabischen. Man merkt diesen Einfluss sowohl in den Traditionen, in der Küche, im Handwerk, in der Musik als auch in der Architektur, in der Malerei, in den Skulpturen und in der Literatur.

Wenn man von Kolumbien spricht, verbinden sich damit zugleich zwei weitere Realitäten: Gewalt und Lebensfreude. Einerseits kursiert Gewalt, die auf das XIX. Jahrhundert zurück geht und aktuell weiter in Form des Konflikts zwischen der Regierung, der FARC-Guerrilla und den paramilitärischen Gruppen fortbesteht und grausame Konsequenzen für das Land sowie die Bevölkerung hat.

Andererseits ist da die Lebensfreude, die sich in der Kultur und im tagtäglichen Zusammenleben der Leute manifestiert. Dies zeigt sich zum Beispiel in den Feiern, Festivals und Messen. Wer hat nicht vom Cartagena-Festival, von der Cali-Messe, vom Barranquilla-Karneval oder von der Blumenmesse in Medellín gehört? Ganz zu schweigen von der kolumbianischen Küche! An der kolumbianischen Karibik-Küste sind die Sancocho (Suppe aus Kartoffeln, Bananen, Maniok und Fleisch) und die Arepa (brotähnliches Gebäck aus Maismehl) die populärste Speise; in der cundiboyasensischen Küche (in Bogotá und der Andenregion) – die einen großen Einfluß der europäischen Küche aufweist – liebt man speziell die Ajiaco (Suppe aus Hähnchen und Kartoffeln, die man mit Milchcreme essen kann). In der Küche von Antioquia (Nordwesten) ist dagegen eine typische Speise die bandeja paisa (ein riesiger Teller Bohnen, Reis, Ei, Bananen, Hackfleisch, knusprig gebratene Schweineschwarten, arepa, Blutwurst, Avocado und anderen Zutaten).

In der Musik merkt man auch den Einfluss der verschiedenen Kulturen (speziell der europäischen, indigenen und afrikanischen). Die Cumbia und der Vallenato sind die bekanntesten Rhythmen. Auf kulturellem Gebiet kann Kolumbien zudem mit Gabriel García Márquez und Fernando Botero einen der berühmtesten Schriftsteller beziehungsweise Maler in der Welt aufweisen.

Bekannt ist Kolumbien auch wegen der Fahrrad-Karnevals am Wochenende und der zahlreichen Poesie-Festivals. Kolumbien steht für Kaffee und Smaragde. Und Kolumbien besitzt das wichtigste Goldmuseum in Lateinamerika. Ein populärer Vergleich bringt aber wohl am besten auf den Punkt, was charakteristisch für Kolumbien ist. Überall hört man sagen: Wenn Sie die Karibik kennen lernen wollen, fahren Sie nach Kuba oder in die Dominikanische Republik. Wenn Sie jedoch den Pazifik kennen lernen wollen, fahren Sie nach Chile. Wenn Sie die Anden kennen lernen wollen, fahren Sie nach Ecuador, Peru oder Bolivien. Wenn Sie den Amazonas-Regenwald kennen lernen wollen, fahren Sie nach Brasilien. Wenn Sie die präkolumbianischen Kulturen kennen lernen wollen, fahren Sie nach Peru oder Mexico. Wenn Sie aber all diese Aspekte zusammen kennen lernen wollen, kommen Sie am besten nach Kolumbien.

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* „Kolumbien ist ein Land, das sich nicht aufgibt. Vielleicht merken das nicht viele. Aber es gibt hier mehr Solidarität als Barbarei, mehr Vorstellungskraft als Wut und mehr Widerstand gegen den Krieg als Misstrauen gegen den Frieden.“ (Alfredo Witschi-Cestari, Humanitärer Koordinator der Vereinten Nation, während der Vorstellung des Nationalen Berichts zur menschlichen Entwicklung, Kolumbien – 2003).


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