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Das tun Gemeinden zur Aufforstung des Amazonas von Piedemonte

Autor:  | Februar 2021 | Artikel empfehlen

Afán. Costayaco. Cuenca Alta Mocoa. Puerto Guzmán. Guayuyaco. Inchiyaco Tambor. Piamonte. Mandiyaco. Verdeyaco. In diesen neun Gegenden hat Naturamazonas –eine Allianz aus Conservación Internacional Colombia, Gran Tierra Energy, Parques Nacionales Naturales, Corpoamazonía, Corporación Autónoma Regional del Cauca und dem Umweltministerium– eine Reihe von Projekten auf die Beine gestellt, die Gemeinden dazu anregen, aktiv zu werden für die Aufforstung des Piedemonte-Amazonas, eines Ökosystems, das den Regenwald mit den Anden verbindet.

José Vicente Rodríguez, wissenschaftlicher Seniorleiter der Conservación Internacional Colombia und Generaldirektor von Naturamazonas, berichtet: “Die Gemeinden in unmittelbarer Nähe des Nationalparks Serranía de los Churumbelos Auka Wasi in Cauca und Putumayo haben ihre Einstellung zur Natur geändert. Sie fühlen sich motiviert und spüren, dass ihnen der neue Blickwinkel auf den Wald Nutzen bringt“.

Den Schlüssel zum Erfolg von Naturamazonas sieht Rodríguez in der Allianzbildung. Tatsächlich kommt dies schon im Logo des Programms zum Ausdruck: Ein Regenbaum (samanea saman), dessen Baumkrone viel Schatten spendet: „Das soll unser Engagement SemanaSostenible_11_09_2020_Bildquelle_SnapShotfür Schutz, Zuflucht und Nahrung versinnbildlichen. Unsere BündnispartnerInnen werden sozusagen von diesem Regenbaum beschirmt in ihrer Aufgabe, den Andenamazonas zu schützen, aufzuforsten und Schaden gutzumachen“.

Das Programm besteht aus vier Säulen: interinstitutionelle Koordination, Wissensbildung, nachhaltige Produktion und sozioökonomische Aspekte. Zum ersten Punkt lässt sich sagen, dass obgleich Naturamazonas aus ca. zwanzig Körperschaften besteht, wird die Organisation neuerdings noch von der Sechsten Abteilung des kolumbianischen Militärs verstärkt. Die Soldaten wurden ausgebildet und helfen den Gemeinden jetzt bei der Aussaat: Im Zeitraum 2020-2021 säten sie schätzungsweise 250 000 Pflanzen.

Ein weiterer Bündnispartner war die NGO Pastoral Social Putumayo mit ihrem Projekt „Versöhn dich mit der Natur“. „Früher wollten die Leute in der Karwoche abgesägte Wachspalmenzweige segnen lassen. Dabei ist diese Pflanzenart fast vom Aussterben bedroht. Dieser Brauch wurde verändert; jetzt nehmen diese Menschen an Aussaaten teil, segnen Pflanzen und verpflichten sich zur Achtsamkeit mit der Natur”, erklärt Rodríguez.

Neue Erkenntnisse

Wie in La Guajira, legte Naturamazonas auch für die Amazonasregion ein Herbarium an. Die Gemeinden brachten sich aktiv ein bei der Sammlung und Präsentation der Musterpflanzen, die im regionalen Herbarium des Technologischen Instituts von Putumayo (ein weiterer Bündnispartner) ausgestellt werden sollen. Im Laufe des Jahres wurden fünfzehn Wildkameras aufgestellt, 2.133 Insektentypen gesammelt und hundert Fachkräfte für Biodiversität ausgebildet und Projektkontrolle durch die betreffenden Gemeinden durchgeführt.

Des Weiteren hat Naturamazonas Leitfäden über Naturschutz herausgegeben und Lehrgänge zur Vogelbeobachtung und Vogeltourismus angesetzt – Aktivitäten, bei denen die meisten Teilnehmenden in ebendieser Amazonasregion zu verzeichnen waren und wo zum Global Big Day beim weltweiten Birdwatching die meisten Vögel gesichtet wurden. „Es gibt nichts Faszinierenderes als den Aufbau einer Pflanze oder das Wesen eines Tieres zu studieren. Diese Neugier ist es, mit der wir Menschen über solche Programme erreichen wollen“, führt Rodríguez aus.

Nachhaltige Produktion

Am 22. August 2020 fand die Preisverleihung „Grünes Lateinamerika“ statt. In der Kategorie Fauna und Artenvielfalt gewann “Mieles de la Amazonía” (Honig aus Amazonien), ein Projekt von Naturamazonas. „Die stachellosen Bienen sind hervorragende Bestäuber des Waldes. Wir haben erreicht, dass die Gemeinden auf die Haltung von Meliponini setzen, d.h. die Zucht und Honigproduktion von einheimischen, stachellosen Bienen“, meint der Biologe. Das Projekt ist u.a. deshalb innovativ, weil es Holz für Bienenzuchtkästen verwendet, das von den regierungsbasierten Allianzen Corpoamazonia und la Corporación Autónoma Regional del Cauca (CRC) beschlagnahmt wurde. Somit kehrt das Holz in den Wald zurück.

Und damit nicht genug. Kürzlich, hat Naturamazonas einen ökologischen Ofen entwickelt, den sogenannten “Ergonatura”– der nicht wie die traditionellen Küchenherde die Gesundheit durch ständigen Rauch gefährdet. Außerdem hat er einen niedrigen Emissionsausstoß, ist tragbar und kann auch mit Ästen beheizt werden – was den Rückgang im Holzverbrauch begünstigt – und er verfügt über eine Vorrichtung, die Wärme in Licht umwandeln kann. Andere Projekte in diesem Bereich sind die unabhängigen Ernten – dreihundert häusliche Gartenanlagen, über die Gemeinden Produkte und Wissen austauschen können, sowie über agroforstwirtschaftliche Bestimmungen, bei denen es vor allem um Produktionsketten für Exportkakao geht.

Der Anfang

„Um einen Hektar zu regenerieren braucht es achthundert Pflanzen. Ferner Wasser, Erde, Saatgut, organischen Dünger, einen spezifischen Ort für die Keimlinge und letztlich viel Pflege. Ein Kipper kann 3.000 Säcke Erde transportieren. Das bedeutet, drei Millionen Pflanzen benötigen tausend Kippwagen. Es ist ein großer Kraftakt”, erklärt Rodríguez. Drei Millionen Pflanzen: Dies ist die jährliche Produktionskapazität der Agroforstwirtschaftsstationen (Red de Estaciones Agroforestales del Piedemonte Andino Amazónico), unter Naturamazonas. Diese Stationen schaffen 276 rotierende Arbeitsplätze und im Laufe des Jahres wurden trotz der Pandemie bereits 254.164 Waldbäume und 130.443 Ertrag bringende Bäume gepflanzt.

„Naturamazonas hat es geschafft, den Mechanismen der Abholzung etwas entgegenzusetzen und das auf legale und praktische Weise. Die Herausforderung ist enorm, aber die Gemeinden haben begriffen, wie wichtig das ist und sind zu ProtagonistInnen in all unseren Vorhaben geworden“, schließt Rodríguez. Für 2023 erhofft man 1.500 Hektar wieder hergestellt zu haben und weitere 10.000 Hektar Wald und Landschaft nachhaltig zu gestalten.

 

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Original-Beitrag aus Semana Sostenible vom 11. September 2020. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift.

Übersetzung aus dem Spanisch: Uta Hecker

Bildquelle: [1] SemanaSostenible_SnapShot


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