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Deutschland/USA/Kolumbien: Carlos Lehder – not welcome! (23. Juni 2020)

Noticias_Lehder_Bild_CC_wikiSeit dem 16. Juni 2020 sind wir in Deutschland einer mehr. Carlos Lehder Rivas, neben Escobar, Gacha und den Ochoas einer der großen Drogenbosse des Medellín-Kartells, ist an diesem Tag in Frankfurt/Main gelandet, als freier Mann. Alles ging mit rechten Dingen, ja rechtsstaatlich zu: Durch seinen deutschen Vater ist Lehder deutscher Staatsbürger, und er hat seine Strafe im US-amerikanischen Strafvollzug abgesessen. Das ihm 1988, nach seiner Auslieferung in die USA, auferlegte Strafmaß betrug „lebenslang + 135 Jahre Haft“. Da er jedoch als Kronzeuge gegen Panamas Ex-Präsidenten und Drogenhändler Manuel Noriega ausgesagt hatte, wurde er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, und ihm wurde die Haftstrafe reduziert, auf 55 Jahre, so hieß es damals. Auf keinen Fall sollte er länger im Strafvollzug sitzen als Noriega. Das kam anders. Am Ende belief sich Lehders tatsächliches Strafmaß auf 30 Jahre. In der Bundesrepublik ist ein solch‘ hohes Strafmaß nicht möglich. Für Lehder mag noch das alte, weichere US-Strafrecht gegolten haben, nach dem es üblich war, nur einen Teil der Gefängnisstrafe absitzen zu müssen. Lehder wurde als Sohn einer kolumbianischen Schönheitskönigin und eines deutschen Ingenieurs geboren. Seine Drogenkarriere begann er als capo des Kartells von Pereira/Armenia. Seine größten Geschäfte – er soll die USA mit fast vier Tonnen (!) Kokain beliefert haben – wickelte er von der nicht weit von Florida entfernten Insel der Bahamas, Norman Cay, ab, die er extra für diese Zwecke gekauft hatte, und von der er Transportflugzeuge voll von Kokain in den Himmel und dann in die USA schickte. Rund 10.000 $ zahlte er monatlich an die Regierung der Bahamas Schweigegeld. Er prahlte damit, aus einem Kilo Coca-Blätter ein Kilo Gold gemacht zu haben. 1982 stand er auf der Liste der acht reichsten Personen der Welt. Später war er im Medellín-Kartell aktiv. Im Februar 1987 wurde er auf seinem Gut Guarne im Osten Antioquias verhaftet. Es heißt, Escobar selbst habe der Antidrogenbehörde den Tipp gegeben. Der war mit Lehder nie warm geworden, denn dessen Redseligkeit und Drogensucht störten ihn. Lehder, voll von Bazuco, soll sich seiner Lage erst im Flugzeug in die USA bewusst geworden sein. 1983 hatte er in seiner kolumbianischen Heimat Armenia das Movimiento Latino Nacional gegründet, das später den Namen Los Extraditables annahm, anti-yankeeistische Positionen verkündete und sogar einige Abgeordnete stellte. Fürderhin gab sich diese Bewegung, die in Quindío, Armenia und La Tebaida Sitze in der örtlichen Legislative erreichte, den Namen Movimiento Latino Socialista und publizierte die Zeitschrift Quindío Libre. Zumindest einen Wachmann hat Lehder eigenhändig erschossen. Doch auch für die politischen Morde des Medellín-Kartells in Kolumbien trägt er (Mit)Verantwortung: Darunter waren, als prominenteste Opfer, der Innenminister Rodrigo Lara Bonilla und der Präsidentschaftskandidat der Liberalen Partei Luis Carlos Galán. Lehders Drogenhandel mit den daraus resultierenden Opfern kommt auf seiner Verbrechensliste hinzu. Er ist ein Bewunderer von Che Guevara, John Lennon und Hitler und errichtete auf seinem Anwesen in Antioquia eine nackte Bronzestatue Lennons, der er einen Nazihelm aufsetzte. Deutschland hat Lehder nun aufgenommen. Er soll schwerkrank sein. Keine seiner Straftaten hat er je gestanden. Bis zum Juni 2020 hatte er Deutschland nie betreten, auch Verwandte hat er hier nicht. Die Söhne von Lara und Galán hätten es weitaus lieber gesehen, wenn er aus den USA nach Kolumbien ausgeliefert worden wäre, um sich dort für alle Straftaten zu verantworten. Lehders Straftaten seien schließlich Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gehörten vor die entsprechenden Gerichte. Zumindest vor eine Wahrheitskommission solle er gestellt werden. Deutschland und Kolumbien haben aber kein Auslieferungsabkommen. Schließlich können humanitäre Gründe zur Geltung gebracht werden. Es ist wie es ist. Glücklich muss man darüber nicht sein. Not welcome, Carlos Lehder! (Bildquelle: CC_wiki).

Kolumbien: Katastrophenszenario im Amazonas (19. März 2020)

Noticias_Kolumbien_Bild_Quetzal-Redaktion_gcDas Flammenmeer, was bereits im vergangenen Jahr große Teile des Amazonas verschlungen hatte, ist immer noch nicht ausgelöscht. Am 17. März fiel das Nukak-Reservat der Feuersbrunst zum Opfer. Die indigene Bevölkerung in diesem Gebiet zählt offiziell zu den Gruppen im „Erstkontakt“. Ihr Leben ist bedroht durch massives Waldsterben, das einhergeht mit dem Landgrabbing durch Siedler, Kokabauern und neuerdings auch Großgrundbesitzer. Das betroffene Departamento Guaviare macht zwanzig Prozent der entwaldeten Fläche des kolumbianischen Amazonas aus. Kriminelle Gruppen bauen im niedergebrannten Wald Routen für den Drogenhandel aus, oder betreiben illegalen Bergbau und Viehhaltung. Zwanzig Brände gleichzeitig vernichteten 628 verschiedene Pflanzenarten und damit auch Lebensräume von Tigern, Jaguaren, Pumas, zehn Affenarten, vierzehn Papageien- und vier Tukanarten und 158 Ameisentype (Bild_Quetzal-Redaktion_gc).


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