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Micheletti, Roberto – biographische Daten

Autor:  | November 2009 | Artikel empfehlen

Roberto Micheletti Bain (Foto: TeleSUR_)Roberto Micheletti Bain ist ein Unternehmer und Politiker, Mitglied der Liberalen Partei von Honduras (PLH) und seit dem 28. Juni 2009 nach einem Putsch „De-facto-Präsident“ des Landes. Er wurde am 13. August 1943 (anderen Quellen zufolge 1948) in El Progreso, Honduras, als Sohn von Humberto Micheletti Brown und Donatella Bain Moya geboren. Er ist der zweitjüngste von neun Geschwistern. Sein Vater war ein Einwanderer aus Italien, und offensichtlich ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft von El Progreso – das Stadion des Ortes trägt seinen Namen. Roberto Micheletti ist verheiratet und hat zwei Söhne und eine Tochter.

Während der Präsidentschaft von Ramón Villeda Morales ist Micheletti Mitglied der Ehrengarde des Präsidenten. Nach Villedas Sturz im Oktober 1963 wird der Unteroffizier Micheletti verhaftet, danach muss er das Land verlassen. Er geht nach Mexiko, wo er eine Ausbildung beginnt, die er später (1973-76) in den USA fortsetzt.

In den 1980er Jahren beginnt er in Honduras seine unternehmerische und politische Laufbahn. In seiner Heimatstadt El Progreso leitet er das Transportunternehmen TUTSA, dessen Teilhaber er bis heute ist. Darüber hinaus gehört ihm ein Radiosender in El Progreso. Unter der Präsidentschaft von Carlos Roberto Flores wird Micheletti Hauptgeschäftsführer von Hondutel, der staatlichen Telefonkommunikationsgesellschaft des Landes. In dieser Funktion, die er bis 2002 innehat, tritt er vehement für die Privatisierung des Unternehmens ein.

Seine politische Karriere beginnt er mit der Übernahme des Amtes des Präsidenten des örtlichen Rates von Yoro und als Sekretär des zentralen Exekutivrates der Liberalen Partei. Die Parteifunktion übt er zwei Wahlperioden lang aus. 1982 gewinnt er ein Parlamentsmandat, das er bis heute innehat. 1985 steht Roberto Micheletti an der Spitze einer Gruppe von Parlamentariern, die den Vorschlag unterbreitet, das Parlament in eine Konstitutionelle Nationalversammlung umzuwandeln. Kritiker werfen diesen Politikern vor, ihr Antrag sei lediglich ein Versuch, die Regierungszeit des amtieren Präsidenten Roberto Suazo Córdova (1982-86) über die gesetzlich begrenzte Dauer von vier Jahren hinaus zu verlängern. Der Vorstoß Michelettis scheitert. In dieser Zeit wird er als Verteidiger der repressiven Politik und der Menschenrechtsverletzungen in Honduras bekannt.

Während der Präsidentschaft von Carlos Roberto Reina (1994-98) ist er Sekretär des Nationalkongresses, im Januar 2006 erfolgt seine Wahl zum Parlamentspräsidenten. Diese Funktion gibt er nach dem Putsch und mit seiner Ernennung zum Präsidenten der Republik ab.

1997 bemüht sich Micheletti erstmals, Präsidentschaftskandidat seiner Partei zu werden, scheitert aber. Er leitet die Wahlkampagnen für Carlos Roberto Flores (1997), Rafael Pineda Ponce (2001) und José Manuel Zelaya Rosales (2005). 2008 versucht er erneut, selbst als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2009 aufgestellt zu werden, scheitert bei den parteiinternen Wahlen aber an dem von Zelaya unterstützten Elvin Ernesto Santos.

Spätestens 2008 erfolgt der offene Bruch mit dem Präsidenten Manuel Zelaya. Micheletti wirft Zelaya u.a. Behinderung des freien Unternehmertums und Einschränkung der Pressefreiheit vor. Zudem erklärt er seine prinzipielle Gegnerschaft zum Beitritt Honduras’ zur ALBA (Alternativa Bolivariana para las Américas) und zur Politik des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Eine engere Zusammenarbeit von Honduras und Venezuela lehnt er ab. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen linkem und rechtem Flügel der Liberalen Partei, hier repräsentiert durch die Regierung von Manuel Zelaya und das von Micheletti geleitete Parlament, spitzen sich in der Folgezeit zu. Der Machtkampf findet seinen Höhepunkt im Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten durch Parlament und Militär.

Michelettis De-facto-Regierung ist international weitgehend isoliert und regiert das Land mittels Ausnahmezustand. Verfassungsmäßige Rechte, so das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Versammlungsrecht, werden außer Kraft gesetzt. Internationale Organisationen werfen der Putschregierung zahlreiche Menschenrechtsverletzungen vor.

Micheletti hat angekündigt, im Umfeld der für den 29. November 2009 anberaumten Wahlen sein Amt niederzulegen, behält sich aber vor, bei Bedarf die Macht wieder zu übernehmen.

Meinungsumfragen von Ende August 2009 zufolge lehnt die Mehrheit der Honduraner Micheletti ab, lediglich 17 Prozent der Befragten unterstützen ihn.

Ende Oktober 2009 ernennt die Liberale Internationale Roberto Micheletti zu ihrem Vizepräsidenten und würdigt seinen „Beitrag zur Demokratie“ in Honduras.

Bildquelle: TeleSUR_

Quellen:

  • http://www.infolatam.com/entrada/biografia_de_roberto_micheletti_bain-14904.html
  • http://www.answers.com/topic/roberto-micheletti
  • http://www.cubadebate.cu/especiales/2009/06/28/%C2%BFquien-es-micheletti-la-cara-civil-del-golpe-en-honduras/

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