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Parteien in Honduras

Autor:  |  Sommer 1997

Derzeit bestehen vier legal anerkannte Parteien, von denen drei im Parlament vertreten sind: Die beiden Großparteien PLH (Liberale Partei) und PNH (Nationale Partei) sowie der kleine PINU, (Sozialdemokraten) der nur mit zwei Abgeordneten repräsentiert ist. Der PDCH (Christdemokraten) blieb bei den letzten Wahlen außen vor. Der neugegründete Partido Unificación Democrata muß noch die legale Anerkennung erringen. Das honduranische Parteiensystem ist kontinuierlich bipolar strukturiert und über traditionelle Identifikation fest in der Wählerschaft verwurzelt. In Honduras wird man, so der Volksmund, bereits „rot” (Liberale Partei) oder „blau” (Nationale Partei) geboren, und über Ämtervergabe gelingt es den beiden großen Parteien, die Wähler dauerhaft an sich zu binden

Partido Liberal de Honduras (PLH)

891 gegründet, ist der PLH die älteste Partei des Landes. Ab 1924 wechselte er sich an der Regierung mit seinem Hauptkontrahenten, dem Partido Nacional, ab. Unter dem autoritären Regime von Carias Andino (1933-1949) wurde die Partei in ihren Handlungsmöglichkeiten beträchtlich eingeschränkt. Anfang der 50er Jahre vollzog sie eine ideologische Wendung von einer klassisch liberalen hin zu einer stärker sozialdemokratisch ausgerichteten Partei. Erst 1957 gelangte der PLH mit dem reformorientierten Präsidenten Villeda Morales wieder an die Präsidentschaft. Nachdem Villeda 1963 durch einen Staatsstreich gestürzt wurde, mußten viele Reform-Liberale ins Exil gehen. Erst Ende der 60er Jahre gewann der progressive Flügel unter Carlos Roberto Reina (dem derzeitigen Präsidenten der Republik) wieder die Oberhand. Seit der Transition zur Demokratie haben die Liberalen drei der insgesamt vier gewählten Regierungen gestellt: Roberto Suazo Córdova (1982-1986), José Azcona de Hoyo (1986-1989) und Carlos Roberto Reina (seit 1993). In seinem Regierungsprogramm von 1993 versprach der PLH, mit der Korruption aufzuräumen, die Macht der Militärs zu begrenzen und sich verstärkt der sozialen „Abfederung” der Strukturanpassungsprogramme zu widmen. Eine der herausragendsten Charakteristika des PLH ist seine interne Zersplitterung (derzeit fünf Flügel). Die beiden aussichtsreichsten Vorkandidaten für die parteiinternen Wahlen am 1. Dezember 1996 waren der Unternehmer und derzeitige Parlamentspräsident Carlos Flores Facussé und der Besitzer einer der größten honduranischen Tageszeitungen (La Tribuna), Jaime Rosenthal Oliva mit seiner Strömung „LIBRE”.

Partido Nacional de Honduras (PNH)

Als Partei 1923 gegründet, war die Nationale Partei von Honduras zunächst eine konservative, pro-protektionistische Abspaltung vom Partido Liberal. Sie war tendenziell stärker mit den Militärregimen der Vergangenheit verbunden. Seit Beginn der Transition hat der PNH unter Rafael Leonardo Callejas zwischen 1989 und 1993 nur einmal die Regierung gestellt. Callejas führte erstmals systematisch Strukturanpassungsprogramme durch, die zwar zu einer leichten ökonomischen Erholung beitrugen, die große Masse der Bürger jedoch hart trafen. Auch im Innern der Nationalen Partei sind verschiedene Strömungen festzustellen. 1996 hat die Partei erstmals interne Wahlen durchgeführt. Von zunächst neun Vorkandidaten für die Präsidentschaft wurden für die Vorwahlen vier anerkannt. Die prominentesten unter ihnen waren die ehemalige Bürgermeisterin von Tegucigalpa (und Ehefrau des Putsch-Präsidenten General Melgar Castro), Nora Gunera de Melgar („Movimiento Norista”) und der bereits 1993 angetretene Präsidentschaftskandidat Oswaldo Ramos Soto („Movimiento Oswaldista”).

Partido Inovación y Unidad (PINU)

Der PINU (inoffiziell: Partido Innovación y Unidad – Socialdemócrata, PINU-SD) entstand 1969, wurde aber erst 1977 legalisiert. Er versteht sich selbst als sozialdemokratisch. In den vergangenen Legislaturperioden hat sich die kleine Partei vor allem durch Gesetzesinitiativen zur Umstrukturierung der Streitkräfte hervorgetan. Bei den Wahlen von 1993 erlangte der PINU noch 2,3% der Stimmen.

Partido Democrata Cristiano de Honduras (PDCH)

Die Christdemokraten entstanden aus einer an den Positionen der Freiheitstheologie orientierten Bewegung Ende der sechziger Jahre. Als Partei mit starker Anbindung an die sozialen, sozialistisch orientierten Bewegungen vor allem auf dem Lande formierten sie sich 1975. Zu den Wahlen von 1980 riefen sie zusammen mit den per Wahlgesetz seinerzeit noch verbotenen sozialistischen und kommunistischen Parteien zur Wahlenthaltung auf; 1981 nahmen sie erstmals an Wahlen teil. Seither konnten sie bis 1989 einen oder zwei Parlamentssitze erringen.


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