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Interview mit Eva Golinger:
„USA haben den Putsch in Honduras tatkräftig unterstützt“

Autor:  | Oktober 2009 | Artikel empfehlen
Interview mit Eva Golinger

Eva Golinger wurde 1973 in New York geboren. Die Rechtsanwältin, Publizistin und Autorin venezolanischer Abstammung lebt seit einigen Jahren in Caracas. In ihren Artikeln und (drei) Büchern untersucht sie die Einmischung der USA in Lateinamerika. In Deutschland erschien bislang „Kreuzzug gegen Venezuela. Der Chávez Code“ (Zambon Verlag, 2006). Mit ihr sprach Manola Romalo.

„Wenn sie ihnen fünf Minuten die Waffen entziehen, stürzt das De-facto-Regime“, sagte Präsident Manuel Zelaya in der vergangenen Woche dem Widerstandssender Radio Globo. Als „Druckmittel“ haben die USA das Streichen von 16 Mio. Dollar von insgesamt 260 Mio. angekündigt. Welche Rolle spielen die USA aktuell in Honduras?

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat gar keine realen Maßnahmen ergriffen, um auf die honduranischen Streitkräfte Druck auszuüben. Die 16 Mio. Dollar, die sie angeblich streichen wollten, hatten sie schon ausgezahlt. Das war nur eine Nebelkerze für die Öffentlichkeit, um den Druck zu mindern, dem sie wegen des Staatsstreichs in Honduras ausgesetzt waren. Das US-Militär befindet sich weiterhin auf dem Militärstützpunkt von Soto Cano (Palmerola), über den die Amerikaner die vollkommene Kontrolle haben. Wir sahen ja gerade, wie sie diesen Militärstützpunkt für das geheime Treffen zwischen dem Generalsekretär des OAS (Organisation Amerikanischer Staaten), José Miguel Insulza, und dem Diktator Micheletti nutzten. Anwesend waren auch US-Botschafter Hugo Llorens und Pentagon-Offiziere.

Wie viel Geld geben die Vereinigten Staaten tatsächlich an Honduras?

Die Amerikaner sagen, dass sie einen Teil der Gelder der USAID (United States Agency for International Development), das dem State Department direkt unterstellt ist, ausgesetzt haben.  Aber dieses Geld war schon ausgezahlt! Der größte Teil des Betrages, der vom State Department nach Honduras fließt, wird nicht direkt der honduranischen Regierung ausgezahlt, das Geld bekommen andere. Dann gibt es noch einen Betrag vom Pentagon, dessen Höhe ich nicht kenne, da diese Information nicht veröffentlicht wurde.

Welche Organisationen bekommen die Unterstützungen des US-Außenministerium?

Die so genannte „Zivilgesellschaft“, also Unternehmerverbände, ONG`s,  Medien. Es ist bewiesen, dass diese Gruppen den Staatsstreich unterstützt haben und weiterhin der Putsch-Regierung helfen. Was die Millenium-Kooperation betrifft sind ca. 270 Mio. Dollar schon ausgezahlt worden. 2009 gibt die USAID 49 Mio. aus, im Jahr 2010 erhöht sich dieser Betrag auf 68. Mio. Dollar.

Wenn Zelaya sagt, dass sich das Putschregime in Honduras an die Macht hält, weil es von den Vereinigten Staaten unterstützt wird, ist das richtig. Falls die USA tatsächlich das Regime ersticken wollten, um seinen Abgang zu forcieren, hätten sie energischere Maßnahmen ergreifen müssen. Dieses Ziel hatten sie aber niemals. Das Ziel der Amerikaner war, den Verhandlungsprozess bis zu den November-Wahlen zu verzögern, um Manuel Zelaya niemals die Rückkehr an die Macht zu erlauben.

In einem Brandbrief vom 9. August 2009, adressiert an Hugo Llorens, den US-Botschafter in Tegucigalpa, geben Manuel Zelaya und sein Kabinett ihm und Hillary Clinton die Verantwortung für das „Blutbad des honduranischen Volkes.“ Welche Rolle spielte Hugo Llorens in dem Staatstreich?

US-Botschafter Hugo Llorens bei der Überreichung seines Beglaubigungsschreibens an Präsident Manuel Zelaya 2008. Bildquelle: US State Department (Public Domain).Hugo Llorens, Botschafter der Vereinigten Staaten ab Mai 2008, hat eine dunkle Vergangenheit. 2002 war er stark in den Staatstreich gegen den venezolanischen Präsidenten Chávez verwickelt. Llorens, gebürtiger Kubaner, gehört zu den ultrarechten Gruppierungen aus Miami, die versuchen, linksgerichtete Regierungen zu destabilisieren. 2002 bis 2003 war er Koordinator der US-Politik für die Andenstaaten im Nationalen Sicherheitsrat (National Security Council). Damals war der berüchtigte Otto Reich Untersekretär für die Süd-Hemisphäre. Mehrere Wochen vor dem Staatstreich, sogar noch einige Tage davor, hat Llorens die Hauptakteure des honduranischen Putsches getroffen. Er wandte sich öffentlich gegen die „Vierte Urne“. Llorens hat den reaktionären Kräften geholfen, den Staatsstreich zu koordinieren.

Wodurch?

Am 28. Juni, als die Militärs mit Gewalt Manuel Zelaya aus seiner Wohnung entführten, schickte die US-Botschaft einen Wagen, um Xiomara Castro de Zelaya, die Frau des Präsidenten, an einem Ort außerhalb von Tegucigalpa, an dem sie sich aufhielt, abzuholen. Der Botschaftswagen kam dort zwischen 9.00 und 10.00 Uhr an. Während die Militärs den Präsidenten gewaltsam entführten und nach Costa Rica ausflogen, hat die US-Botschaft praktisch eine simultane Aktion koordiniert. Das berichtete Xiomara Castro de Zelaya selbst. Sie wollten auch sie aus dem Land bringen, aber sie hat sich geweigert. Das beweist, dass die Vereinigten Staaten jede Minute wussten, was geschieht.

Montag, 12. Oktober 2009

Das Interview erschien bereits am 12. Oktober 2009 bei redglobe.de. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Manola Romalo.

Bildquelle: U.S. State Department_


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