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Diktatur im Schatten der Bananeras
Honduras während der Weltwirtschaftskrise

Autor:  |  Sommer 1997

Ende der zwanziger Jahre existierten in Honduras zwei Parteien, die Nationale Partei unter Tiburcio Carías Andino und die Liberale Partei mit wechselnden Führern. Zwischen diesen beiden Hauptströmungen tobte anläßlich der Wahlen 1928 ein ungleicher Kampf. Die nach dem Bürgerkrieg 1924 an die Macht gekommene nationale Regierung Paz Baraona unterstützte „…freimütig und energisch den Cariismus, der überdies die volle Unterstützung und das Vertrauen Washington genießt”.[1] Der aussichtsreichere Kandidat schien aber zunächst Ochoa Velázquez für die Liberale Partei zu sein, obwohl er nicht über die einhellige Unterstützung der maßgeblichen caudillos verfügte, so daß sich neben ihm weitere Liberale zur Kandidatur stellten. Als Dritter warf General Vicente Tosta seinen Hut in den Ring. Dieser war keiner der beiden Hauptgruppen eindeutig zuzuordnen, sondern bezog seine Anhängerschaft aus Dissidenten beider Parteien, die eigens zur Wahl die Republikanische Partei gegründet hatten.

Auch Carías nutzte die Unterstützung einer bananera. Während Tosta von der Cuyamel Fruit Company gestützt wurde, erhielt Carías die Hilfe der United Fruit Company (UFCO). Ohne die Macht der Fruchtmultis hätte keiner der Kandidaten seinen Wahlkampf führen können, denn dazu waren sie nicht reich genug. So zeigte sich dieser Wahlkampf als ein Machtkampf zwischen den zwei führenden Bananengesellschaften in Honduras und bewies, daß in diesem Land gegen ihren Willen keine Banane vom Baum fallen konnte. Nur im Arrangement mit einer der Gesellschaften waren Machtveränderungen möglich. Keine der drei Parteien besaß ein Programm, ihre Propaganda war auf die Verleumdung ihrer Gegner beschränkt. Alle drei Kandidaten konnten auf etwa die gleiche Stimmenanzahl hoffen. Da die Gefahr bestand, daß die jeweils Unterlegenen das Wahlergebnis nicht anerkannten, rückte das Gespenst eines weiteren Bürgerkrieges immer näher.

Die Liberalen sahen sich in dieser Situation gezwungen, sich endlich auf einen Kandidaten zu einigen. Fünf Minuten vor zwölf wurde eine Kompromißkoalition gebildet, welche letztendlich den Sieg Dr. Mejia Colindres erzwang. Für die überraschende Wendung mußte Mejia Colindres den üblichen Preis zahlen: Das Recht auf Selbstbedienung am Staat als Aufwandsentschädigung für seine Wahlhelfer.

Als Beginn der Präsidentenlaufbahn von Carias (siehe Bild) kann das Jahr 1922 angesehen werden. Er siegte damals für die Nationale Partei, sah sich aber durch die López-Gutiérrez-Diktatur um seinen Wahlsieg betrogen. An dem deshalb ausgebrochenen Bürgerkrieg beteiligte er sich führend. Bei den folgenden Wahlen wurde er zwar wieder als Kandidat der Nationalen Partei nominiert, jedoch informierte ihn das State Department, daß es im Falle seiner Wahl auf ihn die Bestimmungen des Washingtoner Abkommens von 1923 anwenden und daher seine Regierung nicht anerkennen würde. Daraufhin zog er seine Kandidatur zugunsten Dr. Miguel Paz Baraonas zurück. Wenn auch ohne direkten Regierungsposten, war er doch der starke Mann im Hintergrund, worin er vom US-amerikanischen Charge d’Affaires, Mr. Lawrence Dennis, bestärkt wurde. Er war Mitglied des Kongresses und zweimal Präsident dieser Körperschaft. Carias zog sich nach 1924 auf seine Viehfarm in Zambrano zurück. An gesellschaftlichen Ereignissen nahm er nur äußerst selten teil. 1928 wurde er wieder als Kandidat der Nationalen Partei nominiert. Er schlug das Angebot Vicente Tostas aus, die Kräfte zu vereinen. Da er sich außerdem auf seine Wahlhelfer verließ, statt sein Ansehen und seine Beziehungen selbst in die Waagschale zu werfen, und von der derzeit schwächeren Bananengesellschaft, der United Fruit, unterstützt wurde, mußte er auch in diesem Wahlkampf eine Niederlage einstecken.

Auch in Honduras machten sich zu Beginn der dreißiger Jahre die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise bemerkbar. Sie äußerten sich zum einen in zunehmenden Konzentrationsprozessen in der Wirtschaft. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise schienen sich zunächst auf eine leichte Zunahme der Arbeitslosigkeit zu beschränken. Es ist allerdings schwierig abzuschätzen, was originär der Weltwirtschaftskrise und was der Erschöpfung der Böden an der Atlantikküste und Pflanzenkrankheiten wie z.B. der Panamakrankheit, die sich hier wie auch in Costa Rica ausbreitete, zuzuschreiben war. Bereits die Zeitgenossen stritten über die Wertigkeit der einzelnen Komponenten, wobei ihr Ergebnis unzweifelhaft im Niedergang des Bananenanbaus an der honduranischen Atlantikküste bestand. Die honduranische Regierung trat in Verhandlungen mit den fruteras, um abzusichern, daß so wenig wie möglich honduranische Arbeitskräfte entlassen werden müßten. Statt dessen sollten die ausländischen Arbeitskräfte repatriiert werden. Dennoch konnte die Regierung nicht verhindern, daß einzelne Regionen von der UFCO aufgegeben wurden. Ein besonders krasses Beispiel ist die Region Puerto Castilla. Dort waren noch 1928 durch die Truxillo Railroad Co. 7.658.506 Stauden Bananen exportiert worden, wozu man zwischen 10.000 und 12.000 Arbeitskräfte benötigte. Einige Jahre später hatte sich dieses Gebiet in eine Zone der Subsistenzwirtschaft zurück verwandelt.[2]

So war es nicht verwunderlich, daß es im Bananendistrikt zu sozialen Unruhen kam. Diese wurden meist „ausländischen kommunistischen Elementen”[3] zugeschrieben. Diese „Ausländer” waren die zum Teil bereits seit Jahren an der Atlantikküste ansässigen westindischen Arbeitskräfte, die man seinerzeit zur Erschließung des Landes geholt, ihnen aber dann die Staatsbürgerschaft verweigert hatte. Es kam nur sporadisch zu einem koordinierten und organisierten Vorgehen der Arbeiter, z. B. in Form gewerkschaftlicher Arbeit. Die soziale Unsicherheit führte 1931 zur Beteiligung eines Teils der Küstenbevölkerung am Aufstand General Gregorio Ferreras, auch wenn diese Unterstützung nicht ausreichte, die Bewegung zum Sieg zu führen. 1932 fanden drei der bedeutendsten Streiks jener Epoche statt. Ursache waren Versuche der fruteras, die Nominallöhne und die Aufkaufpreise für Bananen zu senken. Trotz einiger Erfolge der unorganisiert vorgehenden Arbeiter wurde die Reduzierung der Löhne durchgesetzt.

Solch soziale Unrast übertrug sich jedoch kaum auf das politische Parkett. Zu Beginn der Dreißiger schien sich Honduras auf dem Weg zu einem geordneten, demokratischen Staatswesen zu befinden, in dem die konstitutionellen Regeln eingehalten wurden. Nach der Wahlniederlage 1928 hatte Carias sich energisch für die friedliche Machtübergabe von Paz Baraona an Mejia Colindres eingesetzt. Das Jahr 1932 war durch den Wahlkampf geprägt, der den Präsidenten für die Amtszeit von 1933 bis 1937 bestimmen sollte. Zunächst wurden Munizipalwahlen abgehalten. Dabei gelang der Nationalen Partei ein nahezu erdrutschartiger Sieg, verursacht durch das weitverbreitete Gefühl der Unzufriedenheit über die fortgesetzte schlechte Amtsführung der liberalen Regierung. Wichtiger erschienen die Verschiebungen im ökonomischen Bereich: Unter dem Eindruck der Vorboten der Weltwirtschaftskrise hatte sich Samuel Zemurray 1929 entschlossen, seine Cuyamel Fruit Company gegen 300.000 Aktien der United Fruit Company und die Präsidentschaft dieser Gesellschaft zu verkaufen. Den aus dieser Transaktion erzielten Gewinn von 32,5 Mio. Dollar legte Zemurray in Aktien der United Fruit Company an, wurde da-. mit Mehrheitseigner und konnte sich damit selbst zum geschäftsführenden Direktor ernennen. Das Ergebnis dieses Prozesses bestand in einer Fusion, die sich nahtlos in die auf dem Weltmarkt wirkenden Konzentrationsprozesse einordnete.[4]

Ein weiteres wichtiges Ergebnis war der dadurch bedingte Wegfall des wichtigsten Sponsors der Liberalen, der ihnen im Wahlkampf von 1928 tatkräftig zur Seite gestanden hatte. Die UFCO blieb ihrem langjährigen Partner treu, der zudem eine gewisse Stabilität versprach: Kandidat der Nationalen Partei war wieder einmal Tiburcio Carias Andino, der erst durch langwierige Überzeugungsarbeit seiner politischen Freunde für eine erneute Kandidatur gewonnen werden konnte. Dem liberalen Gegenkandidaten Zuniga Huete (siehe Kasten) konnte man keine mangelnde Entschlossenheit nachsagen. Doch die Liberalen wurden lediglich durch die Fluggesellschaft TACA unterstützt.[5] Damit war der Sieg der Nationalen Partei schon fast vorprogrammiert.

Die Wahlkampagne wurde von beiden Seiten heftigst geführt. Oft schrammte sie hart an gewaltsamen Auseinandersetzungen vorbei. Hauptargumente waren gegenseitige Schmähungen. Die Nationale Partei klagte die liberale Regierung mehrfach in ihren Zeitungen der offiziellen Unterstützung ihres Kandidaten und der Erlaubnis der Verteilung von Armeewaffen an ihre Parteigänger an, die im Falle einer Wahlniederlage benutzt werden sollten.[6] Doch beide Kandidaten hatten sich unabhängig voneinander für die Aufrechterhaltung des inneren Friedens im Lande ausgesprochen und ihre Anhänger ebenfalls dazu ermahnt. Hinzu kam, daß die Bevölkerung nicht zu weiteren rein politischen Kämpfen, die wieder in einen Bürgerkrieg führen könnten, bereit war. Die Wahlen 1932 verliefen so an der Oberfläche ungewöhnlich ruhig und geordnet. Dennoch gab es Gerüchte über Wahlfälschungen, wobei sich, nach Meinung der Liberalen, die Nationalisten besonders des Mediums der municipalidades bedienten. 223 der 267 municipios des Landes waren nun lokalen Regierungen unterstellt, die sich der Nationalen Partei nahe fühlten.

Eindeutiger Sieger von 1932 wurde Tiburcio Carías Andino. Die Regierung der USA erkannte ihn diesmal an, weil er auf formal legale Weise die Macht errungen hatte. Die Ursachen für den überragenden Sieg Carías’ mit 80512 zu 61047 Stimmen für Zúniga Huete sind umstritten. Einerseits werden massive Wahlfälschungen angegeben, andererseits die Unzufriedenheit des politisch maßgeblichen Teils der Bevölkerung mit der zunehmend deutlicher werdenden Unfähigkeit der liberalen Regierung Mejía Colindres. Der Verlierer der Wahl, Zúniga Heute, begründet seine Niederlage mit der Verfügungsgewalt der Nationalen Partei über die entscheidenden Gremien der juristischen Gewalt, der Hälfte der Sitze im Nationalkongreß, der Mehrheit in der Obersten Wahlbehörde, der Verfügung über alle Sonderkassen außer dem Straßenbau und der Justiz, über verschiedene Wohlfahrtsbehörden und über das Personal der municipalidades.

Gegen den Wahlausgang erhob eine Gruppe Liberaler im November 1932 bewaffnet Protest. Sie wurden schnell „beruhigt”. Dieser Aufstand führte zur Ausrufung des Belagerungszustandes durch die Regierung Mejia Colindres. Dies erscheint widersprüchlich, vertrat diese Regierung doch ebenfalls die Liberale Partei. Doch schien hier das Ziel, den einmal beschrittenen Weg der Einhaltung demokratischer Spielregeln weiterzugehen, ausschlaggebend gewesen zu sein. Daneben trug wohl auch die Einsicht in fehlende Unterstützung seitens der fruteras das ihre bei, Versuche zum Erhalt des inneren Friedens zu unternehmen.

So war die Ruhe im Lande wieder hergestellt und nichts störte mehr den am 01. Februar 1933 feierlich vollzogenen Amtsantritt Tiburcio Carías Andinos. Die Führung der Amtsgeschäfte in seiner ersten Legislaturperiode wurde überwiegend positiv bewertet. Einen großen Anteil daran dürfte die eifrig betriebene Propaganda haben, daß nur Carías Andino in der Lage wäre, den Frieden in Honduras zu erhalten. Doch bereits seit 1933 gab es Hinweise auf diktatorische Bestrebungen Carias. Sein Auftreten entsprach dem der traditionellen caudillos, auch wenn ihm noch kaum jemand die Stärke und den Geist zutraute, sich wirklich zum Diktator aufzuschwingen. Seine Frau engagierte sich darin, Regierungsaufträge meistbietend zu versteigern.

Bis 1933 verschärften sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Im- und Exporte verringerten sich, und die Geschäfte stagnierten. Der Tiefpunkt wurde 1936 erreicht und der Wert des einheimischen Kapitals stieg erst wieder seit Mitte der vierziger Jahre. Dennoch schien die Krise in Honduras, verglichen mit ihren Wirkungen in den Industrieländern, noch relativ harmlos zu sein. Die konkreten Auswirkungen der Krise waren nach Meinung des britischen Konsuls eher psychischer als physischer Natur. Alle Welt würde in Honduras die Weltwirtschaftskrise als Grund für verzögerte Zahlungen angeben, ohne daß dies finanziell belegbar wäre. Wenn auch diese Deutung der Krisenzeichen allzu optimistisch ist, kann man doch davon ausgehen, daß die Weltwirtschaftskrise aufgrund der noch vorhandenen Möglichkeit des Übergangs zur Subsistenzwirtschaft zumindest nicht das Überleben der Masse der Bevölkerung in Frage stellte.

Spätestens ab Mitte der dreißiger Jahre waren die Anzeichen auf den Wunsch Carias’ nach Verlängerung seiner Legislaturperiode nicht mehr zu übersehen. Der Propagandaapparat seiner Partei, neben dem die der anderen Parteien nach und nach verschwanden, lancierte Berichte, wie wünschenswert doch aufgrund der ökonomischen Situation des Landes eine solche Kontinuität wäre. Die Liberalen versuchten 1935 einen Aufstand gegen Carías, aber die Herrschaft von Carías hatte sich gefestigt. Die Bevölkerung war nicht zu Aufständen zu mobilisieren, da sie nach ihren Erfahrungen mit den zahllosen Bürgerkriegen sich nun nach Ruhe und Ordnung sehnte. Prominente Oppositionelle wurden verhaftet oder ins Exil getrieben. Am 07. 01. 1936 wurde „den Wünschen des Volkes entsprechend” ein Dekret zur Wahl einer Verfassunggebenden Nationalversammlung erlassen. Gestützt auf die Hilfe der municipalidades nahmen an den Wahlen am 26. Januar viele treue Anhänger Carias’ teil. Zur Constituante wurden neunundfünfzig Delegierte gewählt, die sich sämtlich aus der Nationalpartei rekrutierten. Es handelte sich um die Abgeordneten des ehemaligen verfassungsmäßigen Kongresses abzüglich derjenigen, die oppositioneller Neigungen verdächtigt wurden. Entgegen allen Befürchtungen traten bei diesen Wahlen keine Unruhen auf. Allerdings ist es wohl bezeichnend genug, daß bei diesen Wahlen 132.948 Stimmen für die Nationale Partei, aber nur 46 für die Liberale Partei abgegeben wurden.

Am 08. März 1936 nahm die Versammlung ihre Tagungen auf und arbeitete in der Rekordzeit von vierzig Tagen ein neues Reglamento Internet, eine neue Verfassung, ein neues Wahlgesetz, das Gesetz über den Ausnahmezustand, Schutz-, Presse- und Agrargesetz aus. Wichtigster Akt war der Artikel 202 der neuen Verfassung, der die Verlängerung der Amtszeit von Präsident und Vizepräsident von vier auf sechs Jahre vorsah und der 1939 durch die Verlängerung der Amtszeit bis 1949 erweitert wurde. Carías brach mit seiner erfolgreichen Kontinuitätspolitik erstmals in der honduranischen Geschichte dauerhaft mit der Tradition der ständigen Wechsel der Präsidenten und der Parteien.

Ganz ließen sich oppositionelle Bestrebungen, bis in die Nationale Partei hinein, nicht ausschließen. Es kam ständig zu kleineren Aufständen. Ein größerer Aufstand war 1937 zu verzeichnen. Er wurde von verschiedenen oppositionellen Fraktionen geführt. Das Ziel bestand in einer Machtverlagerung innerhalb der politischen Elite des Landes. Aber die Maßnahmen zur „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung” trugen ihre Früchte. Dabei wurde der verfassungsmäßige Wahlrhythmus der Munizipalwahlen niemals außer Kraft gesetzt. Nur war es den oppositionellen Kandidaten meist leider nicht möglich, daran teilzunehmen. Unter der Losung von „Destierro, encierro y entierro”[7] wurde ein ausgeklügeltes System errichtet, das langfristig die Opposition lahmte. Eine Maßnahme war die Einführung von Personalausweisen. Bei jeder Ortsveränderung mußten sie vorgewiesen werden und ermöglichten somit ein effektives Kontrollsystem. Weitere Maßnahmen waren der Ausbau der Gefängnisse und das Verbot der freien Presse. Fast alle noch erscheinenden Artikel unterstützten die herrschende Regierung. Es begann eine uneingeschränkte Verfolgung aller Opponenten der Regierung, die entweder in die Gefängnisse, wo viele starben, oder ins Exil getrieben wurden. Dennoch wurde die Opposition niemals ganz ausgeschaltet.

Ein wichtiger Grund für die nahezu ungestörte Machtausübung Carias’ lag in der Uneinigkeit der Opposition selbst. Es gelang ihr nicht, die Spaltung ihrer Führer zu überwinden. Gleichzeitig mangelte es ihr an Mitteln, um eine großangelegte Kampagne zu führen. Hier sei auch an das Fehlen eines Wahlkampfsponsors mit der Kraft der United Fruit erinnert. Auf der anderen Seite unternahm auch die Regierung immer wieder Schritte, um die für sie wünschenswerte Spaltung der Opposition aufrechtzuerhalten.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Korrumpierung der Bevölkerung. Carías bildete ein Netz von Bündnissen und Loyalitäten, das ihm die Zustimmung oder zumindest die Tolerierung durch einen Teil der Bevölkerung sicherte. Zu den angewandten Mitteln gehörte die Verleihung von Posten im Staatsdienst, die Vergabe von Stipendien an der Universität oder dem Instituto Central an die Söhne der Anhänger, die Ermöglichung des Eintritts in die Militärschule oder in die Ehrengarde des Präsidenten, was als Mittel gesellschaftlichen Aufstiegs angesehen wurde, die Vergabe von Staatsland in großen, mittleren und kleinen Ausdehnungen sowohl in städtischen als auch ländlichen Gebieten.

Resümee

Das Hauptziel politischen Handelns in Mittelamerika ging in den zwanziger und dreißiger Jahren dahin, in dieser Region als Ganzes und den einzelnen Staaten Stabilität als Voraussetzung für wirtschaftliche und damit soziale Erfolge zu erlangen. Wurde in den zwanziger Jahren nach demokratischen Mitteln gesucht, kamen bei deren Unwirksamkeit auch drastische Gewaltmittel zum Einsatz. Dabei war die Gewalt außer in Costa Rica ein durch die politischen Traditionen legitimiertes politisches Instrument. In Honduras bot die Diktatur die gewünschte Stabilität. Die Weltwirtschaftskrise änderte kaum etwas an den grundlegenden Strukturen. Sie verschärfte nur bereits früher einsetzende Konzentrationsprozesse in Wirtschaft und Politik. Die politischen Verhältnisse blieben in den altgewohnten Bahnen. In Honduras waren die politischen Traditionen noch sehr stark und führten daher nach mehreren mißlungenen demokratischen Experimenten wieder zu einer Diktatur zurück. Die äußeren Kräfte, worunter besonders der Einfluß der Bananengesellschaften und der USA zu verstehen ist, wirkten in Richtung einer Stabilisierung der inneren Verhältnisse und unterstützten daher lediglich bereits durch andere Faktoren begünstigte Prozesse.

* Heike Gerber de Hurtado, promovierte Historikerin, Arbeit über den Vergleich Honduras-Costa Rica lebt in Berlin.

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Tiburcio Carias Andino war 1929 über fünfzig Jahre alt. Mit ca. 1,70 m überragte er seine Landsleute. Seine Gesichtszüge wiesen auf seine indianischen Vorfahren hin. Carias war sehr zurückhaltend und umgab sich gern mit einer Aura der Würde und Ehrenhaftigkeit. Obwohl akademisch gebildet, bemühte er sich um Ausdrücke in der einfachen Sprache der campesinos. Hinzu kam seine Art, sich zu kleiden, die sehr am Stil der Bauern orientiert war. Er wird als Mann von zwar nur mittelmäßigen Fähigkeiten, aber als unermüdlicher Arbeiter geschildert. Von Beruf war er Rechtsanwalt, hatte jedoch verschiedene Staatsposten wie z. B. den eines Militärgouverneurs an der Atlantikküste bekleidet. Zeitweise war er Lehrer an der Universität von Tegucigalpa.

[1] Machado.G., 17/XVI/1928.
[2] Argueta, M., a.a. S.63.
[3] FO 371/15074, S.322.
[4] Vgl. u.a. Torres-Rivas, E., a.a.O., S. 48; Morris, J., a.a.O., S. 5; Schulte, a.a.O., S. 13.
[5] Vgl. Argueta, M., a.a.O., S. 66.
[6] FO 37l/ 15816, S.144, 07.09.1932.
[7] Verbannnung, Haft und Begräbnis, auch „crimen útil” – das nützliche Verbrechen, (beides bei Molina Chocano, G., a.a.O., S. 241.

Anmerkungen:

Der liberale Gegenkandidat von Carías war Dr. Angel Zúniga Huete, dessen politisches Gewicht in der zeitgenössischen Literatur widersprüchlich bewertet wird. Er war Rechtsanwalt und schon seit Jahren in der Politik engagiert. Trotz der eher negativen Charakterisierung wird er als starke Persönlichkeit mit großen organisatorischen Fähigkeiten beschrieben, der wenig Skrupel kannte und nicht gezögert hätte, gewaltsame Maßnahmen zu ergreifen, um seine Ziele durchzusetzen. Vgl. Machado, G., a.a.O.; Argueta, M., a.a.O., S.69;FO371/15816, S.104.

Literatur:

Anderson, Thomas P., Politics in Central America. Guatemala, El Salvador, Honduras and Nicaragua, New York 1982.

Argueta, Mario, Tiburcio Carias. Anatomia de una dpoca (1923-1948), Tegucigalpa 1989.

Bulmer-Thomas, Victor, The Political Economy of Central America since 1920, Cambridge 1987.

Chávez Alfaro, Lizandro, Repúblicas bananeras, in: Pensamiento propio, Managua, aflo XI, no. 101, April 1993.

Dietrich, Wolfgang, Honduras. Ein Demokratisierungsversuch zwischen Repression, Revolution und Resignation, Heidelberg 1987

Diaz Chávez, Filander, Carí’as. El Ultimo caudillo frutero, Tegucigalpa 1982.

Machado, Gustavo, La situación de Honduras, in: Repertorio Americano, San Jose (im folgenden RA) 17/XVI/ 1928.

MolinaChocano, Guillermo, Honduras: de la guerra civil al reformismo militar (1925-1973), in: Historia de mediosiglo, S.241)-

Morris, James A., Honduras – Caudillo Politics And Military Rulers, Boulder/ London 1984.

Paredes, Lucas, Drama politico de Honduras, Mexico 1958.

Sagastume, Alejandro Salomón, Carias, el caudillo de Zambrano, 1933-1948, Tegucigalpa 1988.

Schulte, Sabine, Sweet Banana. Die bittere Geschichte der „Bananenrepublik” Honduras, in: ILA, Bonn, 148/ September 1991.

Tobler, Hans Werner/Waldmann, Peter, Staatliche und parastaatliche Gewalt in Lateinamerika, Frankfurt/Main 1992.

Torres Rivas, Edelberto, Poder nacional y sociedad independiente: Las clases y el Estado en Centroame’rica, in: Estudios sociales centroamericanos, San Jose 8/1974.

Dem Artikel liegtv.a. die Auswertung der Akten des Foreign Office, Public Record Office (im folgenden:FO) zugrunde. Dies betrifft im einzelnen FO 37l/ 12750, 13472, 15074, 15816, 16555, 16558, 16559, 17495, 17498, 17501, 18659, 18660, 19771, 20612, 20614.


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