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Testimonio, Teil 2: Rückkehr nach Guatemala

Autor:  | Dezember 2009 | Artikel empfehlen

Als damals die Rückkehr beschlossen wurde, gab es Dinge, die gut waren, aber auch Trauriges, was wir erlitten haben. Der retorno sollte zu einem bestimmten Datum stattfinden. Ich weiß nicht mehr, wann genau, weil ich das über die langen Jahre vergessen habe. Der erste retorno war 1993 und der fand sehr wohl statt. Aber der zweite, wo wir dran waren… Also, das war so: An dem und dem Datum sollte der retorno sein – und nichts war’s! Wir hatten unsere Bohnen, unseren Mais verkauft. Alles, alles hatten wir verkauft! Es war wie in dem guatemaltekischen Sprichwort über Juan Garabato: „Teuer gekauft, billig verkauft.“ Wir haben alles verkauft und haben auf den retorno gewartet und dass man uns kurzfristig verpflegen würde. Und er fand nicht statt. Fast acht Monate vergingen – nichts. Von all dem, was wir durch den Verkauf erzielt hatten, war schon nichts mehr übrig. Die Leute hatten ihre 50 Quetzales (heute etwa 5 Euro), 100 Quetzales in der Tasche. Wir hatten nur noch 50 Quetzales in der Hand, das war’s.

Das war vollkommen militarisiert. Also mussten wir uns engagieren!

Militär in Guatemala. Foto: TeleSur.Und dann fand der retorno statt. Wir mussten uns in Palenque versammeln. Es kamen die aus Chiapas, die aus Quintana Roo, die aus Campeche und andere, die außerhalb der ejidos lebten. Und wir mussten über „Panamerica“ ausreisen. Vorneweg der Bulldozer, hintendrein die Karawane. Das war eine elende Strapaze. Und dort, wo wir hinwollten – sind wir nicht angekommen. Denn der retorno sollte nach Xalbál führen, in die Kooperative, wo auch mein Vater seinen Besitz hatte, wo ich aufgewachsen bin. Aber wir sind nicht soweit gekommen. Sie sagten uns, es ginge nicht mehr. „Geht nicht dort hin. Die Armee war längst vor euch da. Ihr könnt da nicht hin.“ Und sie haben uns einfach an einer Kreuzung abgeladen, die heute Veracruz heisst. Mitten im Gestrüpp und bei diesem Regen! Gottseidank, also nur durch Gottes Segen, hatte das nicht viele Tote zur Folge, dass sie uns da auf halbem Weg zurückgelassen haben.

Während wir dort waren, wurde dann die Trasse Pueblo Nuevo – Mayalan – Quarto Pueblo – Los Angeles und Ixtahuacán Chiquito, also bis fast zurück zur Grenze,  eröffnet und es fing die große Aufteilung an. Die früheren Kooperativenmitglieder haben sich versammelt und mussten sehen, wie sie sich organisieren. Aber vorher war, zusammen mit den guatemaltekischen Volksorganisationen, mit denen wir seit dem ersten retorno verbunden waren, etwas anderes nötig: Wir mussten demonstrieren gehen, um die Armee da wegzukriegen! Um diese Sperre, die in Pueblo Nuevo war, zu durchbrechen! Das hatten sie richtiggehend besetzt, das war vollkommen militarisiert. Also mussten wir uns engagieren! Wer hat das gemacht? Die Frauen! Es ging um das Land, und das war nicht dafür vorgesehen, Staatsterritorium zu werden. Also haben wir demonstriert: Mit Parolen! Mit Spruchbändern! Und dann… Das bleibt immer vor meinem inneren Auge, auch wenn ein Psychologe mir gesagt hat: „Nein Nati, vergiss das alles. Das ist vorbei.“ – „Da irren Sie sich. Ich habe meinen eigenen Film! Mein eigener Film ist: Seit ich geboren wurde, seit ich die Augen geöffnet habe, weiß ich, was Arbeit auf den Fincas der Großgrundbesitzer bedeutet, was Diskriminierung bedeutet! Ich weiß es, ich hab’s erlebt.“ Ich denke, ich habe schon eine ziemliche Weile gelebt und ich werde weiterleben. Ich bin mir sicher: Da muss sich mir schon ein Wolf in den Weg stellen, der großen Hunger hat, dass der mich vielleicht frißt. Aber solange das nicht der Fall ist, werde ich leben! Ich weiß es! Ich kann nicht anders… Ich kann nicht…. Und diese Demonstrationen, die mußten wir machen! Obwohl die Armee versucht hat…. Also, sie haben aus Playa Grande Panzer angefordert. Wir haben sie gesehen. Nie zuvor hatte ich so einen Schützenpanzer gesehen. Aber auf die Weise wollten sie die Leute aus Veracruz einschüchtern. Und doch…. ist die Armee… von dort weggegangen. Der erste Militärstützpunkt ist abgezogen worden. Sie sind weg.

Wir nehmen jetzt unser Land in Besitz!

Danach haben die Kooperativenmitglieder gesagt: Wir nehmen jetzt unser Land in Besitz! Es ist unseres! Wo ist also das INTA (Instituto Nacional de Transformación Agraria – Nationales Institut für Agrartransformation), also die Institution, die für die Landverteilung zuständig ist. Die sind jetzt gefragt. Einige Leute, deren Land noch zur Verfügung stand, haben damit Glück gehabt. Aber dort, wo die Armee das besetzt hatte, also wo sie andere Leute angesiedelt hatten, dort gab es ein Problem. Wir zum Beispiel konnten nicht mehr dorthin. Also, was war zu tun? Es mussten neue Verhandlungen mit dem INTA geführt werden, damit man mit einigen Personen, die Kooperativenmitglieder waren, aber nach Deutschland gegangen sind… sag ich, weil ich gerade in Deutschland bin, nein also: die nach Kanada gegangen sind, verhandeln konnte. Das war zum Beispiel ein Mann, der auch verschleppt worden war (mit Natis Onkel zusammen – A. L.) sie extrem gefoltert hatten. Der ist jetzt in Kanada. Der hat uns damals nur berichtet, was geschehen ist  und ist weg.

Also, man hatte sich organisiert und Landstücke angeguckt, im Grenzbereich der Kooperativen von Mayalán und Xalbál, wieviele Parzellen da noch übrig waren, damit die früheren Kooperativenmitglieder ihr Land zurückbekommen könnten. Aber es ging nicht. Es war unmöglich. Die dort lebten, hatten nur eines eingebleut bekommen: „Wehe ihr lasst zu, dass eine Kommission der Rückkehrer hier reinkommt! Das sind die Bösen! Damit fängt der Krieg wieder an!“ Die Rückkehrer mussten auf halbem Weg umkehren und es ging nicht. Was machten sie also? Die Söhne der Eigentümer hatten sich auf den Weg gemacht, als Kommission. Und als solche haben sie dann – wie das ganz genau vor sich ging, weiß ich nicht – erreicht, dass das INTA ihnen Land im Tausch gibt. Für ihre ursprünglichen Parzellen also zum Beispiel solche derer, die definitiv weggegangen waren und mit denen man verhandelt hat. Einige Leute – nicht nur einige, eine ganze Anzahl – wieviele ganz genau, weiß ich aber nicht, waren gefoltert worden. Und es gab auch welche aus Orten, wo nur zwei oder drei überlebt hatten, zum Beispiel in Tierra Blanca und anderswo – die konnten einfach nicht mehr zurück. Also hat man mit ihnen gesprochen: „Kommt ihr oder nicht?“ Und es gab eine Vermittlungskommission, um mit ihnen übereinzukommen.

Zum Beispiel, die Parzelle, die mein Vater heute grade mal eben hat, die hat er im Tausch bekommen. Aber sie ist nicht sicher, weil es so aussieht, dass die Kinder der Vorbesitzer… dass die schon vergessen haben, wie das Abkommen war. Sie sind dort aufgewachsen und sie denken nicht mehr dran, wie der Krieg war, sondern eher: „Ich gehe da hin, das Land gehört doch meinem Vater.“ Also, da ist immer ein Risiko. Mein Vater hat deshalb den Grundbesitz nicht aufgeteilt. Das guatemaltekische Gesetzt sagt ja, dass Landbesitz als Erbe unter den Kindern aufgeteilt wird, aber er sagt: „Das geht noch nicht. Es gibt noch ein Risiko.“

Das alles, um wieder ins Hochland zu gehen, wo’s nichts gibt?

Und damals, da sind sie also dann weg. Diejenigen, deren Besitz frei war, sind auf ihr Land gezogen. Und dann gab es wieder eine Versammlung: Was machen wir nun mit den Schwiegersöhnen? Was sollen wir mit den Töchtern tun, den Töchtern der Kooperativisten?

Hier hat sich mal wieder das Tonband der Diskriminierung gedreht: „Die Frauen, die sind doch von den Männern geholt worden. Sie haben sie sich geschnappt – sollen sie doch zusehen, wo sie sie jetzt hintun. Ob sie sie ins Haus ihrer Eltern schicken oder ob sie sie mit nachhause zu ihren Müttern nehmen – jedenfalls ist es Zeit, dass sie verschwinden!“ Nur die Kooperativenmitglieder hatten ein Anrecht auf unseren Besitz, aber nicht ihre Töchter. Und ich als Tochter eines Kooperativisten…. Und ich mit meinem Ehemann und meinen drei Kindern….  Da sagten sie nur: „Seht selber zu, was ihr macht.“ Es war ein Alptraum für die Leute. Was hat mein Vater gemacht? Er hat psychische Probleme bekommen. Denn: Was sollte er tun? Wir sind sieben Kinder. Wir waren acht, aber einer ist uns gestorben, also sind wir noch sieben. Alle sieben mit ihren Familien. Wo sollten die hin? Sie haben so mit meinem Vater gesprochen und er ist zornig geworden und hat verbittert gesagt: „Haut ab! Und sagt nicht, dass ich euer Vater bin. Sagt, ihr seid Waisen.“ Ich war sehr erstaunt und wir als seine Kinder haben geweint. Wohin sollten wir gehen? Soll er doch Recht kriegen. Soll er doch Recht kriegen. Ich trotte hinter meinem Mann her und das war’s. Bloß, dass es nichts gab, was ihm gehört. Also? Was tun?

Mein Mann kommt an und sagt: “Wir machen eine Versammlung. Ihr Frauen, Töchter von Kooperativenmitgliedern, versammelt euch. Und wir als eure Ehemänner auch.“ Es ist ja üblich, das Wort Ehefrauen (span. „esposas“, synonym mit „Handschellen – A. L.) zu benutzen, aber mir klingt das sehr gewalttätig. Also: „Die Männer und die Frauen sollen sich versammeln.“ Wir Frauen riefen alle auf zu kommen. Wir hatten so einen Apparat (ein Megafon – A. L.) und riefen: „Achtung! Alle Töchter von Kooperativenmitgliedern und ihre Familien sollen kommen, um zu diskutieren, wohin wir gehen.“ Also, die Männer auf eine Seite, die Frauen auf die andere: „Was sollen wir machen?“ Auch hier gab es gleich wieder eine kleine Diskriminierung. Denn es meldete sich eine zu Wort: „Wir Frauen sind ja nicht diejenigen, die arbeiten werden. Wer zählt, das sind die Männer. Und wenn die uns zu ihren Eltern mitnehmen – dann gehen wir mit. Und wenn…“ – Aber was für Land gibt es denn in den Dörfern im Hochland? Zum Beispiel bei der Familie meines Mannes: Sie haben überhaupt kein Land. Sie haben zehn Kinder und nur 25 cuerdas (ca.1,75 Hektar). Also gerade für das Haus und ein bisschen für einen kleinen Gemüsegarten. Da leben sie bis heute. Dass wir da hingehen – da war ich strikt dagegen: „Ich bin im Ixcán aufgewachsen, in den Wäldern. Ich bin viel lieber im Regenwald und auf dem Land als in einem Dorf. Dort muss man das Brennholz kaufen. So ein Bündelchen Brennholz kostet sieben Quetzales (heute etwa 70 Eurocent) und das verbrauche ich, um eine einzige Mahlzeit zu kochen. Was für ein Einkommen habe ich denn, um Brennholz zu kaufen? Also… für was habe ich denn gekämpft? Wozu war mein Kampf gut? Das hieße doch, dass mein langer Kampf umsonst war, dass all meine Mühsal umsonst war, alles Leiden. Das alles, um wieder ins Hochland zu gehen, wo’s nichts gibt? Ich bleibe hier. Ich bleibe hier und hier bleibe ich!“ Nach dieser Diskussion unter den Frauen ging es zu den Männern. Und die alle: „Jeder also mit seinem Ehepartner.“ Und das, nachdem sie gesagt hatten, soll jeder zusehen, was er machen wird. Da waren wir dann reif für die Scheidung. Ich geh dahin, du dorthin… Mein Gott! Das war da an einem Flussufer…. Ach, wie sehr ich mich daran erinnere. All die Leute da und es gab keine Arbeit und die Armee patrouillierte noch immer im Wald… Was tun, wenn sie schießen würden? Wenn sie uns bombardieren? Nein! Also, was tun?

Heutzutage ist Scheidung erlaubt. Ich gehe zurück nach Mexiko.

Dort waren damals der inzwischen verstorbene Juan Coc und seine Leute. Er und José Antonio García, der auch zu einer Landkommission gehörte, die sie gebildet hatten, zu der sie sich zusammengetan hatten. Sie waren von der ersten Rückkehrergruppe. Sie sind zwar rasch angekommen, aber… Ich weiß nicht, wo genau Juan Coc (1) her war, ich glaube aus Santa Maria Dolores, diese Gegend jedenfalls, aber dort war das gleiche passiert… ihr Land war besetzt. Also fing er an, in Alta Verapaz zu suchen, dort wo seine Sprache gesprochen wird, denn er war Q’eqchie. Sie machten sich auf die Suche nach Großgrundbesitz, also nach Fincas, die zu verkaufen waren. Und einige Nachbarn, Bekannte von meinem Mann, aus seinem ursprünglichen Dorf, die hatten sich dieser Landsuche und den Verhandlungen um einen staatlichen Kredit für den Kauf angeschlossen. Also haben sie zu meinem Mann gesagt: „Warum kommt ihr nicht mit uns? Macht bei uns mit! Wir gehen dorthin.“ – „Wer weiss, was meine Frau sagt?“ Und die sagte: „Heutzutage ist Scheidung erlaubt. Ich gehe zurück nach Mexiko. Ich hau ab. Was soll man hier länger rumheulen.“

Aber die Kinder: “Mama, wieder so lange fahren … bloß nicht! Nein und nochmals nein.“ Ich habe eine Tochter, die wird im Februar 19 Jahre alt, – sie sagte: „Nein. Wir würden sowieso nur wieder weinen und weinen. Und kein Geld haben.“ Das stimmt schon. Sie gaben uns Mais, aber das war nicht wie das, was wir selber anbauen. Also, schien es doch besser zu sein, sich der Gruppe dort anzuschließen und ich sagte zu meinem Mann: „Gut, gehen wir.“ Ich glaube, ich war die letzte der Frauen, die sich entschlossen hat. Denn die Scheidung stand schon fest. Und noch heute sage ich manchmal scherzeshalber: „Na ja, wenn ein Witwer aus Mexiko käme… oder von woanders her… ich geh’ mit ihm. Aber bloß, wenn er Mais hat…“ Es ist zum Lachen, aber damals war uns zum Heulen. Aber warum? Mein Vater zum Beispiel ist ein arbeitsamer Bauer, er hatte seinen Besitz. Also, wer hatte denn eigentlich die Schuld? Die Armee! Die Regierung! So ist es doch! „Der Kampf geht weiter, compañera! Alles Quatsch, dass wir uns trennen. Nein!“ Wo wir doch als Paar keine Probleme hatten. Klar, Geld hatten wir keines, aber doch jemanden, mit dem wir kommunizieren, mit dem wir uns besprechen konnten. „Alles Quatsch! Wir gehen. Wir machen mit. Wir fliegen los wie ein Paar Tauben, zu zweit. Wo’s Nacht wird, da bleiben wir. Und wenn es hell wird, geht’s weiter. Unser Kampf geht weiter! Los!“

Keine Ahnung, wie wir dort leben werden, aber dort wollen wir bleiben.

Zentrum von Xamán. Bild: Lars Barthel. Copyright: ZDF / pop tutu film, 2008.“Und ihr, wohin geht ihr?” – „Wir gehen auf eine Finca, die Xamán heißt. Wir haben uns schon in die Liste eingetragen.“ –  „Und könnt’s nicht sein, dass da noch Platz ist? Für uns, dass wir auch mitmachen?“ – „Kommt doch mit! Fragt nach!“ – So kam es, dass wir uns angeschlossen haben, Leute aus ganz verschiedenen Sprachgruppen, Mam zum Beispiel, Q’eqchie, K’iche, Cakchiquel, Q’anjobal. Bei uns gibt es wirklich eine Sprachenvielfalt. Aber wir urteilen nicht danach, welche Sprache einer hat. Die Bedingung ist, dass wir uns zusammentun. Wir fragten: „Wann geht ihr denn und wann gehen wir nach Xamán?“ Und mein Mann und ich haben gefragt: „Und wie ist denn das Land in Xamán?“ Damals hat es mit den Besichtigungen dort angefangen. Da mußte man mit! Rein in den LKW… Wie die Kühe, wie die Pferde, waren sie da reingepfercht. Ab durch den Schlamm, auf zur Pilgerreise nach Xamán! Mal sehen, wie es da ist, wie die Gegend ist.  Die einen hatten nämlich gesagt, da ist es nicht gut, und die anderen das Gegenteil. Und wir hatten erwidert: „Egal ob’s eine einzige Wasserpfütze, ein einziger Sumpf sein wird. Sei’s wie’s will – wir wollen sagen können: ,Es ist meins!’ Wir wollen ein Papier, dass es unseres ist. Keine Ahnung, wie wir dort leben werden, aber dort wollen wir bleiben.“ Sie fuhren also gucken und kamen zurück. „Und wie war’s?“ –  „Na ja, wir werden dorthin umziehen, wenn noch mehr Rückkehrer dazukommen.“ – Die hatten es dann schon nicht mehr so schwer; sie wurden im Flugzeug auf die Piste von Rubelsanto gebracht. Aber da waren wir schon vor Ort, in einer provisorischen Halle, glücklich – mehr oder weniger… Was sollte werden, wenn einer krank wurde? Es gab keine Medizin. Es gab keine Streichhölzer zum Feuermachen und es gab keine Plastikplanen als Regenschutz. Und Geld gab’s auch keins. Was sollten wir machen? Wir hatten keine Gummistiefel. Wir hatten überhaupt keine Schuhe. Es war schwierig, aber doch nicht so sehr, wie wir befürchtet hatten.

Später fing die Aufteilung des Gemeindegebietes an, das heißt die Vermessung und Verteilung der Grundstücke für den Hausbau. Uns, die in kleinen Grüppchen gekommen waren, haben sie zuallerletzt berücksichtigt. Die aus der ersten Liste waren sofort dran. Die sich zuletzt eingeschrieben hatten als letzte. In welche hinterste Ecke sie uns wohl stecken würden? Schließlich stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war. Die erste Liste fing am Waldrand an und ging dann immer weiter durch das Viertel Nummer 1, einer nach dem nächsten. Und wir – die letzten – landeten im Zentrum! Davon hatte man ja vorher noch keine Vorstellung – war ja alles Viehweide. Nun schleppten wir die Pfosten herbei, aus Hartholz, die Eckpfosten, um das Haus zu bauen. Die sind haltbar, aber schwer wie Stein. Was half’s? Wir mußten welche kaufen und haben sie dorthin getragen. Auf die Viehweide. Und so wurden wir die Gemeinde „Aurora 8 de Octubre“: Ein neuer Morgen für die Bedürftigen, ein neues Erwachen, ein Sonnenaufgang…

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(1) Der spätere Gemeindegründer von „La Aurora 8 de Octubre“, Don Juan Coc wurde 1945 auf der Finca El Tesoro, San Miguel Uspantán, Quiché, geboren, er gründete später die Gemeinde San Antonio Tzejá in der sogenannten „Zona Reyna“ des Ixcán. Juan Coc starb im Januar 1995 in einem Krankenhaus in Guatemala-Stadt an Leukämie.

Bildquellen:

(1) TeleSur_.
(2) Lars Barthel. Copyright: ZDF / pop tutu film, 2008.


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