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    Ecuador: Wohin mit den COVID 19-Toten? (02. Juni 2020)

    Ecuador_COVID-19_Bild_wiki_CCBerechnet man die Corona-Toten pro eine Million Einwohner, steht Ecuador an der Spitze der lateinamerikanischen Statistik. Weltweit liegt es auf Platz 17. Das Land hat in etwa genauso viele Todesfälle wie Genesene. In Deutschland beträgt dieses Verhältnis 1 zu 20. Das gibt zu denken. Theoretisch könnte das daran liegen, dass in Ecuador einfach weniger getestet wird. Aber getestet wird hier (pro eine Million Einwohner), nach Peru, innerhalb Lateinamerikas sogar am meisten. Und die Tatsache, dass, wenn die Toten arm waren, sie in der Regel zu Hause starben und somit keinen Eingang in die Statistik fanden, würde bedeuten, dass es eher noch mehr Tote sind als angegeben, aber auch mehr Infizierte natürlich, was einander wieder ausgleichen würde. Auch so kann diese besondere Relation zwischen Infizierten zu Toten also nicht erklärt werden. Liegt das an einem selbst für lateinamerikanische Verhältnisse besonders schlechten Gesundheitssystem? Es soll vollkommen kollabiert sein, heißt es. Horrornachrichten gibt es auch über die Bergung und Beerdigung der Toten: Hier sterben die Menschen direkt auf der Straße. Ihre Leichen bleiben liegen. Oder sie verbleiben in den Häusern, über mehrere Tage, weil sie nicht abgeholt werden. Auf den Straßen allenthalben Leichensäcke, keine Gräber für die Toten, in Guayaquil, dem diesbezüglichen Hotspot, stünden Container voller Leichen. Grund dafür sei u.a. die Ausgangssperre, die Abtransporte verhindert habe. Kranke verschwänden aus Krankenhäusern, für tot Erklärte seien noch am Leben … . Ein Chaos. Präsident Moreno hat daher den Ausnahmezustand verkündet. Die erste COVID-19-Patientin, die am 14. Februar einreiste, soll eine Ecuadorianerin aus Spanien gewesen sein. Auch sie, die 71Jährige, ist mittlerweile verstorben. Man habe zwar die Flüge aus dem Iran, China und Italien abgesagt, aber eben nicht die aus Spanien oder den USA. Dazu muss man wissen, dass Ecuador das Land Lateinamerikas mit der größten community in Spanien ist. Die Isolation von Guayaquil als Epizentrum der Pandemie und auch die von Quito sei nicht diszipliniert genug umgesetzt worden. 76 % der Infizierten kommen allein aus Guayaquil. Mehr als die Hälfte der Infizierten ist unter 49 Jahre alt. COVID-19 trete außerdem zusammen mit dem grassierenden Dengue-Fieber auf. Auf die gestiegenen Kosten reagierte Präsident Moreno mit der Schließung von Botschaften, der Außerdienststellung von Diplomaten, der Kürzung der Gehälter von anderen Staatsbediensteten. Es steht die Annahme eines Gesetzes bevor, auf dessen Grundlage die generelle Arbeitszeit, aber eben auch die Löhne um etwa die Hälfte gekürzt werden sollen. Massendemonstrationen sind die Antwort darauf, in denen die indígenas aber gefehlt haben sollen. Dabei sind sie es doch, die über den Bergbau bzw. den Ölsektor in ihren Territorien besonders betroffen wurden (Bildquelle: wiki_CC).

    Ecuador: Apocalipsis ahora (15. April 2020)

    noticias_ecuador_covid-19_public_domainHeute meldete Ecuador 7.603 bestätigte Coronafälle und 369 an der Krankheit Verstorbene. 71,2 Prozent der Kranken entfallen auf die Küstenprovinz Guayas, aus deren Hauptstadt Guayaquil die Medien rund um den Globus apokalyptische Szenen schildern: Tote auf den Straßen und in Wohnungen, überfüllte Leichenhallen. Die Stadt baut drei neue Friedhöfe, um die Toten bestatten zu können, eine Firma spendete Särge aus Pappe. Mittlerweile wurde gemeldet, dass extra zu diesem Zweck abkommandierte Polizeieinheiten in Guayaquil Hunderte Tote aus Wohnungen und Krankenhäusern abgeholt hätten. Es ist trotz der Situation in Guayas vermutlich nicht gerechtfertigt, die offiziellen Angaben zu den Coronatoten einfach als Vertuschungsversuch der Regierung abzutun. Staatsministerin María Paula Romo gab heute bekannt, dass die Ergebnisse von etwa 10.000 Tests noch ausstehen. Fakt ist, dass man einfach nicht weiß, wie viele Menschen tatsächlich an Covid-19 gestorben sind. Das Gesundheitssystem ist faktisch zusammengebrochen, Hilfsbedürftige – und nicht nur Coronakranke – warten oft vergeblich auf Behandlung. Jetzt versuchen die Behörden verzweifelt gegenzusteuern und der Krise Herr zu werden; es wird auch an einem Fernpflegesystem gearbeitet. Vor drei Wochen war die Gesundheitsministerin wegen der unzureichenden Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19 zurückgetreten. Dass die Regierungsmitglieder jetzt auf die Hälfte ihres Gehalts verzichten wollen, fühlt sich da eher wie Kosmetik an. Zehn Milliarden US-Dollar, so heißt es, brauche Ecuador, um die Krise zu überwinden. Man rechnet mit einem Wirtschaftsrückgang von sechs Prozent. Schlechtere Prognosen gibt es in Lateinamerika nur für Venezuela und Mexiko. (Bildquelle: wiki_public_domain).


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